Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 179 (8.9.1895)
- Date
- 1895-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 179. . ’ - .freies in bem sie die Summe von 10.000 Francs energisch forderten. Beide Briefe wurden der Regierung zur Einsicht übergeben. Den Macedoniern aber wurde weder Geld noch eine Antwort zutheil. Bon einzelnst! dieser Führer kann man in unbewachten Momenten erfahren, daß mit Ausbreitung der Revolution, die Aufständischen zuerst sich aus die Jndsn und dann erst auf die Türken werfen werden. Freilich ist dieses edle Vorhaben leichter gedacht als vollführt, da die Türken durch ihre geschickte Operationsweise die Banden rasch decimiren. So lange die Türken allein in Mackbonien regieren, können die Juden ganz/ruhig sein. Wer aber kann bestimmen, ob nicht .einmal die enroWische« Mächte sich entschließen werden, russische Arbeit zu leisten?" (Tic Juden in Korea.) Der mit dem Siege Japans beendete Krieg der asiatischen Ostmächte dürste auch für die Juden von günstigen Folgen sein. So hat der König von Korea, Li-hui, der heute nicht mehr Vasall des Kaisers von China, sondern ein selbsiständiger unabhängiger Fürst ist, auf Anrathen der japanischen Regierung eine Proclamation erlassen, in der er volle Glaubensfreiheit verkündet und die Pforten feines Reiches allen C on fess i o n e 11 öffnet. Bisher konnten sich in Korea mix solche Fremde ansiedeln, welche sich von ihren betreffenden Eonsnln daselbst die Erlanbniß dazu von der dortigen Regierung verschafft hatten. So kam eS, daß in diesem Königreiche, das größer als Italien ist und nahezu zehn Millionen Einwohner hat, nur ein einziger Jude, und zwar ein gewisser Jsak^Steinbeck geduldet wurde, und zwar weil ihm der deutsche Consul die Erlanbniß dazu erwirkt halte. Eine solche Erlaubniß ist aber voü nun an überflüssig, und ein jeder Fremder, der jetzt nach Korea kommt, findet dort gastfreundliche Aufnahme. Dies habdn sich schon zwei jüdische Familien, die in einem Torfe unweit deS Baikalsees in Sibirien eine große Spirilnsfabrik besaßen, die aber im vorigen Sommer von den russischen Behörden auSgewiesen worden sind und nun den vergangenen Winter in der Hafenstadt Wladiwostok verbracht haben, zu Rutzeu gemacht, indem sie ihre Habseligkeit, aufs Gerathewohl zusammenpackten« und nach der koreanischen Hafenstadt Gen-za n übersiedelten, wo ihnen die Behörde ohneweiterS gestattete, ans Land zu gehen. Andere jüdische Familien in Wladiwostok gedenken das Gleiche zn Ihn» und gleichfalls nach Korea anSzuwandern, wo sich ihnen in Folge der Erössnnng dieses Landes für den europäischen Handel ein großes und auch reiches Gebiet eröffn:t. Ans diese Weise dürste Korea für viele dermalen in Sibirien weilende russische Juden ein Land der Erlösung werden. Aus antisemitischen Vereinen und!?ersaninüungen. l Unter geistlichem Eoininaildo. > Xie Wahlagitation der Antisemiten s»hi wohl in den »leisten Wiener Bezirken inner geiftliäiein Ceinmaiido, und die Laien, welche als „Führer" signiire», sind in der Kegel i»i> S > rohni ä n n er. In der Leopold stadt iiiit aber das geistliche Eommaiido auch in einer für Jedermann sichtbaren Wetie ans. Tie AgiialioiiStrnppen, ivelche in besoldete und freiwillige eingelheill sind und i» Bezug ans ihre, Bertianenswnrdigkeil . on sogenannten gUeherivachungS,Agitatoren" eonirotirt werden, »niersteben 'iiSgesamint der Leitung deS EooperaiorS Joses T i t t r i di, den ein christlich iocialer Schmock in der „Reichspost" mit dem — Erzherzog Earl, dem Sieger von Aipern, vergleicht. Als einer der antisemitischen Mandatswerber im zweite» Bezilke wird Prinz Alois Liechtenstein genannt, dessen Gemahlin ja ver ivaiidtschastliche Bande an die Leopoldstadt Intipse». (Tie Hilfe der Milttärbeatntett.i BoBge Woche fand i« einem Restaurant in der Innere» Stadt eine Zuiaininenknnst von active» und pensionirte» Militärbeamten der!!., 10. und 11. Rangsclasse statt Wie das in den Besitz Bergani« gelangie Antiieiniteublatt inittbeilt, vetpstichtete sich jeder Einzelne der anwesenden Militärbeamten mit „Ehrenwort", hinsichtlich der Raine» der Theitnehmer die strengste Tiscretion walten z» lassen, »nd eS wurde Hiera»! ein die Antisemitei,hünpilinge für die Revolte im .streue der Gewerhelrcibendei, einigertnasien enischädigender Beschlnst geiaht. Tarnach verpslichteten' sich die Bersammetten, „nur antisemitische» Eandidaieu ihre Stjminen zu gebe» n»d in> .streife ihrer aetiven rnid peiisioiiirten .stanieraden nneiitwegt,dahin zn ivirke», daß die Stimmen dersetben unr den Candidaten der Antisemiten ziigewendet iverdeiz". (Eine Schtttzlrnppe siir Lueger.) In einer Antisemitenversamintniig irurde zur „Bertihignng" mitgeiheilt, daß Lueger eine Schutztrnvpe erhalte. Er besinde sich nämlich in großer Gefahr, er werde von „rndenltberaler" Seite ipit.Trohbriesen bestürmt, und sein Leben sei geradezu gesähidet. Temznsolge babe sich daS Central Wahlcotnilä veranlaßt gesehen, ihm eine Schntztruppe zur Bersügntig zn stellen. Tiefe Schntztruppe werde sich einstweile» and „Frei-, willigen" auS allen 19 Bezirken recrntiren, doch tonne» einzelne BernanenSinänner vb» Fall zn Fall zn dem veratitworlnngdvoUeit Tienst auch „eom- Rlart._ _ . feite 7. mandirt" werden; ihr Amt werde darin bestehen, Lueger Überallhin zn begleiten und ihn zu beschütze». UnS will bedünke», daß Lueger sich nicht vor einem Attentate der „Jndentiberalen" türchtet, wohl aber vor 'Insulten srondirender Handwerker, die er vor nicht tanger Zeit zu feinem besten „Stiinnivieh" zähste. .(Ter Rachsolger des Teutschen Bolksvereines.» Wie bereits srüher ge. meldet, ist ein „B e r e i n d e r T e >t r s ch 'Rationalen in Sesterreich", welcher an die Stelle deS ans Zchö/erer'S Bertangen an>gelöstei> „Deut,che» BolkSvereines" treten ,oll. in Bildung begrinen. E», Ausritt in der „Lstdeutsche» Rnudschan", der von Tr. Binoev; D. Berger, Ed. Schultz« und HanS T i y unterzeichnet ist, ikerli mit, daß die Satzungen dieses Vereines, aus Gitiifd der in der A»stö,'»ugsversa»»niliilg der Tenischen BoiteveieniS gesaßte» Eiilschließnng api I.'. August eingercichi lunrden, n»d lädt znm Beitritte ein. In.den, Ausrufe, der betont, daß der neue Berein dieidtbe» politiichen Anschauiiiige» znm AnSdrucke und zur Geliung bringen werde ,v,e der Tenuche BolkSverein, wird n eiter .geiagl: „Tein neue» B ereil, wird, leider die F li f, x ii li fl Schöner c r'S 'eh len; l-.iniomehr tritt an lefc»-@e. siiinniigSgeiiossen die Pflicht heran, sich an der im Entstehen begriü iieii polnischen Bereinignng aller GesinnuiigSgenosien zn beiheiligen: denn nicht durch Enthaltiiiig von jeder politische» Thängte». iondern nnrc' durch zieibewnßteS »Kd thatkrästiges Handeln kann-»nsere Sache ge'ördert werden."' (Wer stiehlt die Beine' Tie eiidio-e,Reihe d.-r ai,tife»iiti''chen Versammlungen, welche Tag fiir Tag stattsinfe»,-gleicht cim:i> stieme, denen La»> mn io tangweiliger wird, je größer er wird. Inuit. r dies iben- Per>oiien,- iiiniier kieielben Phrasen L i c dt t c n ft e i »'•:•. imitier HrS'-ib,' Ge chinivie Schneide r'S -i- (i wäre znm Eiinchlaie» langweilig, w an nicht Lueger hin und ivieder mit der Geschicklichteit deS „Aninit" »ür ein bioch-n Amu-einent sorgte, Rentich erzählte er teilten unter den Wirkungen eine!- Liechte,:’'tem'idicn Rede mit teilt Scillase ringenden Ziiböiern in Pi a r g a k e i! e n, daß die große» jüdischen Schneider i» Pgien, »in die Zoll, zn erwartzu, >. ireruve zn verkleiner», dir Ho>e» nur mit Einem Bein ansstatten. Tie etoii-aien W- Ier. die. diese^Hoie» taufen, nnssen eS gar nidit, daß eine Hole in Europa zivei Beine . Hai, lind iveiin i'o ein Fremdling znkallig »ach Wien loinml »nd znt-i ',e ein beinige Hebe hier an, nm der SaraK einen Beinch zu »lachen, sr nsird er wege» tteherlreiniig gegen die, össeniliche SiiNichleii verhatiei. r .(•;»•?;!:.* U'iv» e-J i|od) io weit lonnnen, daß Ho>e» obne Beine erpottirt iveide», und wer stiehlt die Beine? Ter Jnd'k Tie Ber'aiiniitnng htacki nt t fiele Andsührnnge» -in nicht eiidemrolleiide Heiterten auo, »nd- L i , ch i e n st e > n erhöh sich sogar, nni ieinei» geistreichen Eottegen zn app'.aitdiren T.ß d.rrzivene Hoiriibein hei >olche„ Erpori'eiidiingen in. -öparale» eiiüe» mnge-thickt in werde» pilegt, nn, ehe» tie überaus Hobe» Zölle z» mindern, c.is.p.r'.bnneg „Äi-jnsi" natürlich, denn >onii ivgre dte Be-.ianiiiUuiig nn: ,1 und der Erportenr-nm die EhreiNitnIatuzeine:. TiebeS getommen. Hans Piichstrin als RctchstagScaiiüibat., T-. a»u >:n-? .. rchritt- ' leiier" HanS P n ch st e i ».' der in 'Wien >,t.- „.stiiin'tresere;!'" t.-: B.i g.iiii'-.ne - Blau b.dicnte, ist in Preuße» unter die Poluiter >'..>za.i.'.- t-.i-'ü." sich in, Rreiie S et« - W a r i e » b e r g als Gegeneandidat des - r. h i rd.er'i mn’ ein ReichStagsiiiandai. Tie „B.estaner Zenni-.z' *!"■' ..: : :'e e E.in didainr mit: .„Herr Pnäisteui ist in der Tbr> >'.i> H . : -u,::. ein Held der Bietieiligleit. Er bringt es als Reda:iei>> ein, Blaues * fertig, gegen einen eon-ervativen Candidaten sich .'.u'uetun ,n t er aauiri , im Wahttreiie Sets Wattrnbeig gegen r.-» C»udidaicn ’. •!l',r. d..«:e,. 'n^die er in dein ihn heschastigenden Blaue ihaug ist! V!t . sind dn Talente . deS Herrn Pucksteili noch »ich: e sthev'i.' ei!»nn -m Ir. Er >r-ndet sich an ei» Preßorgan, ivetches an' dein Pisgraniii! dee : au il.in ge-chmatnei, iioi sinnige» Bottsparlci tlet't, um teilen Hu'e ge-ien Wal::.-u>-''r>>iiln;eii >» Anspruch zn uehine». In der Thai erbii-Il die „Bresianee Zennug" vor en.iqen 1 Tagen den Besuch des aiiti-emmstlnai ''»etchLragseaiididaten Pnchnei,,. Ter Herr zrng einem »liserer Redaeienre das Anliegtu vor, daß er nns Mateiiat Iie'ern wolle fiir die gegen ihn in Seis-Wartetiber., ^i'erutntn .Wa»:beei»'tunungeu. Herr Piichsiei» ist ei» ehreniverther Mann.! Er. der »ach der Behanviung des aiili'einiiilchen Flngblaite» .ter-'»lii;ij>e Eandidat ist, r:-.i den, >-e W.ib!> t eineentschiedene Berlreiung ilner Jmeresien eiwa.ten 'nr'enst er mv!-- sich um Hitse an diejenige Paitci iveiiden, die er reiämtdigt. daß sie den Schwindet de günstige, wenn er die Wahihett schütze,, .will! Ter SiaaiSrener Piichstein muß, lim seine Interessen verlreirn zn tomien, den Schutz derjenigen Parte, eidilien, die nach der B.-Ha»pl»>ig' lesiteS Ftngbtaiie« nur iür die Jnleressen der Bör'e eintri»! Ter conlervalive lliedaeteur Puchstein, der aniijeiniiuche iNegeiieändidät des caiiiervativen Herrn v. Rardoifs nniß in ’itf-.ei Eigen'chasr alsdlieichsiags eandidat ein voltsrarteitiches Blatt »nn Hille gegen Wahtheeinsliissnilgen angehen! Herr Pnchstei» ist tin ehrenwenher Riaii» »nd ein vielseitiges Talent, aber daß er'der Einzige icin 'ottte, von dein die Wähler deS etreves Tets- Warienherg eine eulichiedene Bernrtniig Ihrer Interessen erwarte» külie»: tvird - ihm „ach den 'obigen' Mittheitliiigentanin stoch Jemand glauben. Wer -zur Pertreliiiig seiner eigenen Jiiieresi',» und der Interessen der Wähler gegei'iiher vo» Wahtbeeinstnssniigeil uisgeheiin die Hine ei, er Partei in.Anspruch nimmt, die, er gteichzeiiig össenitich mit den ärgsten Schinähmige» iiherhän'i, tailii irotz aller schönen Bersprechnngen an, Pertrauen keinf» Anspruch niely cihehen."