Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 179 (8.9.1895)
- Date
- 1895-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr, 179. \ r o i e Hörle, bei,ab ich »lich zu paznicka und sordeite ih» auf. die Steine heranSzngebeu; anfangs wollte er von den Steine» nicht» wifsen, nnd erst al« ich zu lhin dcmerkle, die Steine müssen hier sein, befahl er seinem üehrbur'chen, die Steine auSzusolgeu — Ter staakSaiiwallschaslliche Funciiouär hielt den Strafantrag ansrechl, Tr. Porzer plaidirle a»f Freispruch seine; Klienten. Er führte unter'Anderem au«: „Nicht ohne Grund habe ich an die Zeugen die. Frage gerichtet, aus welchem Interesse sie die Anzeige erstattet babeu. Mein Elicut ist Ldniann der „Christlichen Familie", war durch Jahre A'.meuraih und spielte im Bezirke eine politische Rolle. Wie Jeder, der sich volitiich belhätigt, hat mein Client zahlreiche Feinde, nnd die vorliegende Anzeige ist nichts als der AuSflust einer solchen Feindschaft." Wie schon oben erwähnt ipurde, erkannte der Dichter den Angeklagte» Anton pazuicla der Urbertretnng de» TiebNahlS schuldig und verurthcilte ihn zu drei Tagen Arrest«. Ter Richter hob in der Begründung de« Unheil« hervor, er habe von der Berhängniig einer Geldstrafe Uiiigang genoinink», da er^nicht an reiche l'eute eine» Freibrief ertheile» wolle. Ter Berurtheilte »teldele pnvalv Schuld, der staatsanwaltschaitliche Fnnctionär gegen da» Llrasaitsniaß die Berusung an. In der nächsten Bersantinlung der „Ehristlichen Familie" wird wohl Prinz?lloiS L i c ch t e n st e i n, ohne sich durch den voranstchciidcn Fall irgendwie 'beirren zu lasten, über die Habsucht und Uurcdliclsttii der zu boycottircndcn jüdischen Geschäftsleute' sprechen. £T, du Million du! (Ein ailtiscmitischcr Prophet.) Man schreibt UNS aus Gal,a itntcrin 4. d. M.: Heute hätte eine Ehrcnbclcidigungsklage zum Abschluß gebracht werden sollen, welche ein jungtschcchischcr Unlerlel^rcr gegen einen hiesigen Ghmnasialprofcstor erhoben hatte. Da« Substrat der Klage bildet folgender Sachverhalt: Ter Profcstor kam von einer Tour tun Uhr in ei» Hotel - und lmhm an einem ganz abseits gelegenen Tische Platz. In demselben Gastzimmer waren nur zwei Herren, die Billard spielten. Einer der Herren sagte beim Aublickt; des ProfcstorS, der ei» Deutscher ist, in tschechischer Sprache: „In Ga»a gibt's keine Deutschen, das sind lauter Juden und Judasse." Im Vaufe der Debatte, die sich hierauf entspann, soll der Untcrlehrcr folgenden Ausspruch gcthan haben: „Tie tschechische Station fei die größte der Welt. Die Hussitcn haben bereits einmal die Deutschen hinausgctriebcn, binnen sechs Jahren werden sämmtliche Inden nieder gemacht (zaYrazileni) werde» und hierauf kommen die Deutschen." Der Professor sagte Tags darauf in scherzhafter Weise zum Borstandc der hiesigen israelitischen EultuSgemciudc: „Herr Gemciudcvorsteher machen wir das Testament" und erzählte den Borfall. Es wurde eine Anzeige an die k. k Bczirlshauptmannschaft erstattet, und nach gcpslogcncr Bcrhandlung crstattcle der Unlcrlchrer die Elircnbclcidignngsklagc wider den Glimnasialprofcstor. Bei der heutige» Tagtahrk erklärte dieser, das Bewcisvcrfahrcn anzulretcn, weshalb die Verhandlung vertagt wurde. Der junglschcchische Untcrlehrcr, .der bereits diseiplinaritcr vom wirklichen Ährcr zum Untcrlehrcr dcgradirl wurde, leugnet hoch und thcncr, eine derartige Aeußcrung gcthan zu Haber,. Wir werden das Ergcbniß dieses ProecsteS seinerzeit »rittheilcn. sC'ill Pricstcrjllbiläl»».) Unser Salzburger I»—5. Ccarespondcnt drückt uns sein Bedauern auS, daß er, krank aus der Schwei; heim gekehrt, nicht in der Hage gewesen sei, persönlich an der schöne» Feier zu Ehren des Herrn EonsistorialratheS Dr. Schöpf beizuwohnen und uns selber darüber zu schreibe». Wir bringen daher den vonnlnn cingcscndctcn Bericht dcS „Salzburger Bo lkö b lattcs" vom ZI. Augnst; das gcnanntc Srgan schreibt: / ' Gran und düster wölbte sich am letzten Sonntag daS Firmament aber unsere Landschaft. Schwere Regenwolken ballten sich am Himmel drobend' zusanimcu, kein Sonnenstrahl lachte auf die grünen Fluren nieder. Trcv all dieser Änzeicheu, die ein baldige« 1'oSbrechcn do« »asten Elementes befürchten ließen, wanderlen schon am frühen Morgen au« der Stadt und Umgebung .Hunderte de» Berg nach Guggeuthal hinaus, um Zeugen der Seeundiz'dier de« io hochverehrten Herrn Professors Tr. Jos. Schöps;n sein. Fehlte auch dem z'andschastsbilde das srenndliche Sonnenlicht, in de» Herzen all dieser Wanderer wohnte sonnige Freude über den hohen Ehrentag und den edlen Priester, dem e« von Gott vergönnt war; ihn zu seiern. Schon der Borabcud hatte dem greisen Jubilar eine Reihe der herzlichsten Tvationcn gebracht — Bergseuer ans allen umliegenden Höhen, ein großartiger Fackelzug u. i. w. — welche^ Zeugniß dasür ablegten, wie tief ins Herz geschlossen ihn die Bevölkerung von Gnigl und llmgebung hat. Um die achte Morgenstunde LeS Sonntag laß Professor Schöpf in seinem schlichte» HäuSche» und empfing der Reihe nach die. Gratulanten, die sich eingefnnden batten. Ilm ihn ,'chaarlen sich feine gcist> ljchcu Miibrüder Professor A n t h a l e r, der bereits im Borjahre seine Leenndi; gefeiert hatte, der Herr Biear von Söllheiin,, ein ehrwürdiger Priester mit engclSiiiilbem Antlitz, Herr Prefestor Tr. D a r b e r g e r. der die Gliickwüm'che der lheologiichen Facnltät in Salzburg überbrachte, Herr Cooperator T a s e r Blatt. ’ Seite 5. von Gnigl, Herr Cooperator Jacob :>>» a n e r auS Jochderg. welcher dank der Unterstützung Tr. Schöpi's als ^jähriger Sd»le»iergclstlfe sich dem Studium/ znivenden nnd seinen sehnlichsten Wunsch, Priester zu neiden, erfüllt »eben konnte und daher mit iuniger Taulbalkejl a» dem Jubilar bangt. Zu diese» gefeilten sich Noch zwei" Alumnen, dann der beimatliche Tichler 'Schnlrath Ad. Be k.k, Professor R avpol te r n. A. llni!» llbr erschien der Festzng vor den, Hause de» JnbelpriesterS: Bora» die Musilravelle, die Schüler und Schülerinnen der Gniglcr Schule mit slatlernde» Falmeu, begleitet von ihre» pehrern und' b'ehreriime», die Berlrelcr der sechzehn au hem Armewpiiale in Gnigl be< lhciligte» Gemcinden, der latholiichd.GeicUcnveretii, die Gnigler. Feuerwehr und viele Hanoraiiorcu. um Herrn Tr. Schöps äbzulivleii. stovi a» >!öv' stand die Menge und harrte seine« Erld,einen« link a!« er endlich, unigedeu ron den Priester», die Schwelle seines Hänschens überschritt und diirch die Trinmvh-- Pforte trat, welch/ vor dem Gärtchen errichtet war und die Jn'chriite,, trug: „JeinS lellite un» Werke wahrer Menicheuliebe. Alle übtest Tn ne. geliebter Priester und allgrehrter Jubilant! Taut Tir, Sdtrp'er und Woblthäter nuicrcs werthcn Aranlenhauie« in Gnigl." Ta flog >s ivie Sonneiiichein über Aller Gesichter: ehrfurchtsvoll zogen die Mannet den Hut, Tliranen der Rührung bliiikleu in det, Auge» der Frauen, und was ans /Aller Mienen sprach! -.rar wahre, ausrichiige piche für. den mit Recht so doch verehrten 'Gonesinann. linier den Alängen^der Cavelle seine sich der Ing nach rein sestl'ch geschmiickte» Airchleiu in Guggeuthal in Bewegung, von Pöller>alt>en' degnißt, die nt dn> Bergen ein bundettsache« Echo sanden. A» der Stiege, ivelche binans zum GotteShanse führt, etbob sich eine zweite Triumphpsorte, geschmust mit den solgcnden Jnichristen: „Heil Tir, Jubilar! Alle« lob für Tein tbaug Wirte», in Äon und Schrift!" und „llnsterlpich wie alle Teine Weile ist der verdiente Polin!", und von der .stiräienpsorte grüßen iolgende Wone entgegen: . S.-i 1li lclis l>»ftiiij;i :it■ ine hi-ilipiiiiai.- inx in ijit.r >,->>ila<!- Ans dem ganzen Wege . streute» iveißgelleidete Mädchen Blninen. Als der Jubilar da« Airchlein betrat, begrüßtet ihn C'.geilung. , ni-.p ihm nach^'eigte die an dacht,ge Menge. Bald war daskGettesbat:« bis aui das lletvste Plägäiei: ge-u»,. und vor demiclbe» standen > och hnndei te von Meinche». l'anilo'e, .mdachtsvolle Stille herrschle tm Raume, als der greife Jnbellulester d:e .stä' ze: betrat und das Evangeliuin vom barmherzigen, Samaritaner rri .as. ans welches er tu- »un folgende Predigl an'hauie. Aller Auge» lnngeii au seinen, :>Ai:::det als er hieraus »ach einer hetzlichen Tank'agit.gi für kaS zahlreiche Er-',lieine» nnd die vielen Beweise von Anerlennung »nd Tankbatloit >nt fein bisl'eie.ges Wirken eine kurze Skizze ioiner Erdenvilgcr'cha'i ennraps. In schlichlen Wotrei. -'ch-.ldene er 'einen pebeusgang, wie er eist Philosophie stndire» irvilie, dann die inst am Sludini» verlor nnd Bauer worden wollio, wie. der Baier, ein gar tvei'er und her;e»«gnicr Man», il»n Ilailrgle, daß ein „Slitdiner" zum -Baue,- »:.t: mehr lange, »»d wie er endlich aberNials den Watlderstäb e:an" und nach. Graz zog.'ivo ihm während iiner 'dimeren .strankhet: der Gedal:'e (in:, wenn' Gon ihm da» pevoik.schenke, sich ke,n geistiicheu Beruio w.dme:: zn'n. uUett »nd diesen Gedanke» habe er anSgesüHri, >e> nach Salzburg nb>.sted'.:i! do>! d:e lheologiichen Snidien z» adivlviren ' Tie'en El»drn>: mad :- e a.: alle At: welenden, als er änsrie': In ineiiiem ganzen peben ba: es auch iudn. eine einzige Slnude gegeben, in der id> die P.'alil >»e:t:es B'rn.'e-' beten:!a:te. Uns wenn ich noch einmal zur Wen Idtne, idi it :u. B -'eisten _»tedor Geistlicher iver.de»! lind ivas er mm wrucr n,iä.!' vbrr st-.n ngett tnad Slreden, sein Wirke» tmd Schauen, war nek d»:chdr'iu.p n rer. dein («eiste edelster Nächstenliebe und eine beredte •J.'uilimai.: au alle t".ä::bigen, seinen .Nächsten ohne R'ndsidn aus :'>a»g und Aniehen. Gert::: »n: Ads.nnmnug Hrdst. zu leisten, ivenn H'lse iioththnt. Alle Men'»::» »et.-:: *:.t dem Ebent>i:de Gone« eiMiam'tt, und wa» der barmbeizige' Salt aruan.r g -:ban. er die Wunden seines Feindes itit'd) und daun Tel ,» die'.abe:: iu'elle. das mögen auch alle kalboll-dteu Cbrlste,, im gleichen Falle tl::iti . :..n dem W.t:e des Herrn: „p,ebe de»ue« Nächsten :vi,e dich selbst!" nie.:-.' ders.:be w-pben'»'kaubeii ininier angehöt on. Tat n in e r, dt eine a tt dd e - A l>: i's e m > 11 s m ns v o m lalholiiche» S landvuitlte aus so versa >» pitv et^tb und verstoße geradezu gegen d'el^ehoie dee.stird>e,.di.?>ebe un d nid, t H aß predige ,i. Tr. Schöpf sdiloß 'eine Predigt den» aud> »IN dem t*».'Ieb.fi»fe. daß er Allen, tue iljti ie in »einem Veben ivelso getbau, von Herzen verzeihe und and, türderbin. »o lange ihm der Herr das bebe» ».l»enfe, nur.Gnies tbiin mollte. Hierauf »aug der Jab,/ lar nuier Aisistenz des Hetr» Cooperator« Biancr das Hvdiamt uud das I n:l>,->,m und ertbcilte fchließlid, der andächtige» Gcindiude den Segen. Soldi eine kirchliche Feier muß Jeden rühre» tmd ergre,seu. der cm warmsühlendes Heiz tm peibe hat. Nach dem Gottesdienste uei'ammelten fid) alle F-esttheilnehmer in der Garteiiveraiida des Brauhauses. Hier, ergriii zunächst Herr Prosesior AuthaUer da« Wort, um in einer mit,Ach tief empmudeueii, iotm'chöneu Rede die 'Bedeutung de« Tage« für den Jubeipriister und Freund Tr. Schöpf darztuegeu. Er.begauir' mit seiner eigcueu Ersahrung a,» Jubiläunidpriester, daß man am Tage der S'teuudi; in einer ähnlichen Stimmung iei, wie der Prediger nt der heitigeu Schri't im erste» Capnel seine« Buche» Wistensdiasi. Ehrenämier und Titel, pobiprüdie der Pkciischcti crscheitieu uu« a,«- Eiictkett, „Eiiettett über Eitctteit, Alle« ist eilet". (M. 1, 2. i ^tzenii wir Alle heute den verehrten Jubilameit wegen seine« vielen WiüenS bcwuiidern, wenn wir '"edt nnhestickte« peben be>