Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 178 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 178. Frei«» Blatt. Seite fnullrtnn. Z n Acht ii n 6 TH» « n rr. liomaii aus Polens llorjrit (Cnrl (Oriot. Zwanzigstes Kapitel. Entstell u-n g und Verleumdung. Tier sind die Nächstliegenden I Gründe, auS denen ich dem Vereine zur Abwehr de» Aniileiniiikiiiur bei .! getreten ' bin und darin inilwirke, so weit eS meine Aräste erlauben." lind tzrehtag, der hervorragendste dcnckchc Lchriststeller der lehien äahrzehnle, trat nicht inindec warm mit der Wucht seine» Weifte« inr den Siiuil' dev Rechte der jüdischen Mitbürger ein. Wir befinden nn» also mit ninerer Anssaiinng : vom Tenischilsnin in guter Gelellschasi. Wenn junge reute sich zniaininciiihnn,! uni deutsche Vielter zu singen, dculsche Vorträge zu Horen und keltische Tinen zu pslegen, so wird sich jeder Volkefrennd darüber freue». Wer aber die Engend ■ blinde in Tcnlichland kennt, der weist, an ivelchen Unierhaltiingcn dieie jungen Heiren Gefalle» finden und welche Vehreil sie an» der Vcrsaniinlnng mit nach Hanse nehmen. Tic Verrohung der.Gesiliung feiert liier in der Thai ihre sTrgie», und da» nilifsi» wir energiich rügen, nicht' int änierene der Eliten, sondern rin Rainen der Vildnng und der Titiiichkeit. sircilicl,. Herren - wie n'w'er wunderlicher Rrinker — die über ernste Vorwürfe mit »lan'chelndcn AnSdrülken und hohlen Phrasen lunwegsene», die die .ldee der Hiiinaniläl,be spötteln und den rrassen Eliaiivi»i»i»n», die Entartung der Rarionalitat äl» die höchste Tugend preisen, die haben den Sinn für ideale Vestrebiingcn längst verloren, und sic bekehren zu ivollen, sind wir'sticht naiv genug. Wir be läinpfeu den antiseiniiii'chen Geist, der leider auch bei der äugend epideiiii'ch geworden ist und der sic ron vornclicrein von der Valin de» leinen ädealidinn» ablenlt, denn wir bedauern die>enige äugend, welche ohne ä de ule grost wird. Tieie Meinung haben die Vesten aller Rationen und aller Zeilen fiel» vee trete», freilich häufig nicht ohne von her großen Riasse veilannl und nust. verstanden zu werden. Ter Verfasser des,Artikel» macht uns auch den Porwnis, wir halten die ängendvercine dennncirl. Wir schreiten vor dein Worte Teimiiciation dnrchaii» nicht zurück E» gib! Moniente nn Veben, wo dicie« hästlichc Wort zur böchsten Tugend werden ta»n, und wie es Pflicht eine» jeden ehrenliasicii Vürger» ist, den Mörder und den Tieb anzuzeigen, in» die nienichliche Geiellschast vor Gefahren zu schütze», so ist e» »n>er gute» Recht, ja innere Pflicht, gegen uiederlrächlige Veschunpsunge» einer Minderheit von Siaaishürger» wegen ihre» Glauben» oder ihrer Abstaininnng.den Schutz de» Gesetze« zu sordern. Gewist. es ist lein voinchnie» Mittel, den Sraal im politischen .stainpse anziirufe», und ivir würden die Vetzlen sei», die dazu raihen, wen» »liiere Gegner mit ehrliche» Wä'ien täinp'en iriiide» Wir liaben aber nur verlangt, käst inan in den ossieiellcu Rrciie» Teniichland» die Versaininlungc» der ästgendbiindc logiicheriveise al» politische Versainiuliingen belrachlc und wie alle politische'.. Vdrsaininlniige» polizeilich überwache. Tast die ängentvereine anlii'einiickche Polilit treiben und dein VereinSrechi. iinlerstehe» iniifsen, da» hat sich bei der letzten ReichsiagSwahl in Waldest Pyinionl denllich gezeigt. Warnin also sollen gerate tieie Herren von der Posizeiatcksichl verichoni bleibe» r Wir verlheidigen die Geistes'reiheil ani jedem Gebiete und sind der Meinung" daß die Wahrbeil am beste» wegkomnit, ivenn sie die Hilfe der Polizei nicht in Anspruch nininit, Privilegien aber vermöge» wir den Herren Anliscinilen nicht cinzniäuiiie». «Tic „Verjndiing" ücr „'Rorddenlschen Allgemciiicii Zciliuig"., Tie ,.T eulsche Wacht" schreibtt „Tic .Rordkeuiuche Allgemeine Zeiiniig iviid jetzt .i» Vertretung' verantwortlich gezeichnet vom Grasen Rntoli v. Westarp, einem Verwandlen de» rühnilichsi bckanilten kclilsch nalionale» Tickner« Grate» Adolf v. Westarp, äcncr, der noch bi» ganz vor diurzei» der Armee al» S'siei« angchörle, ist mit einer äüdi». Rainen» ä a >1 u e », ans Hainbnrg verheiratet. Tast »nlcr diese» Umständen die äudenirage jetzt noch mehr al» bisher bei der Rbrddentsche» Allgemeine» Zeitung' ein .Vliimlei» rühr' mich nicht an' sein ivicd, bedarf ivodl keiner besonderen Versicherung^ ''Tic „Mesalliance" de» Grase» wurde übrige»» schon sriiher vom „Anlisemite» .stalechisinn»" de» Herr» Tb. pritsch festgenagelt. Glückstrahlend war BolcSlaw nach Hause zurückgekehrl, >uld jetzt lag er halb aiiLcklcidct auf dclu Ruhebett, und seine Auge» lichtcle» sich mit träillilerischeiil AuSdruct i»S Weite. Ab und zu leuchtete cS aus in feinem Blicke, und ei» hcißcS, freudiges Erglühen fuhr ihm über die Wangen. Ei» »anicnloseS Wohlgefühl bcinächtigte sich seines ganze» Wesens, wenn er dcS Heukigeu Abends dachte: Wie häßlich hatte der Tag für ihn begonnen, und wie schön, wie herrlich halte er ihn beschlössest, Vca war heute von cntzückendeni Liebreiz gewesen, nnd iininer mehr und nichr stihlie er sich von dem ungewöhnliche» Wesen de» Mädchen? angezogen. än diesem Angenblicke erscholl draußen in der Vorhalle.ein ge däinpslcS (Geräusch, da» den stönig an» sciucin wohligen Tahindänliiiern erweckte. Er fuhr mit der Hand über die Angen, gleichsam, um sich von den süßen^ Bilder» zu trenne», die vor seinem innercii Auge erschiene»; dann aber fuhr er zornig in die Höhe lind lauschte dem Vinn. Jetzt wurde e» lauker, und man »»terschied die bittende Sljmme einer Gran »nd die zornigen Ruse der lötziglichen 'Tiener BolcSlaw erhob sich ans seiner ruhenden.Stellung und wollte sich eben an. die Thnre begeben, »in die Värincnden zur. estede zu siellcu. als die Tbüre auf' geritten wurde, und die Tiener, die . fic mit Gewalt zuriickhalten wollten, zu beiden Seiten hinstoßcud, Vea hereinstürzte. Ter. stönig war ansangS vor'dem Ungestüm, mit dem die Tllnre! ausgcrissen wurde, zurückgesahrcil, im nächste» Augenblick aber halte 1 er Vca evtamit, nnd mit einer raschen Handbcwegiiiig die Venlc hinaus tvciscnd, zog er Vca in das Gemach hinein, »nd ihr mit glücklichim ' Gesichte in die Augen sehend, sagte er: „Was 'iihri meine Vea zu : mir'?" Und er wollte sie ast seine Brust drucken, aber erschrocken hielt . er innc. Wie sah Vea anS! Tie Haare hingen iln ungeordnet in die! Tchläsen, die Augen weit ausgerissen mit eineni Ausdruck, höchste» Tchreckcns, die leider in Unordnung, io. starrte ne den .stönig au zind versuchte, zu spreche», aber ans'ihrer, stehle drang --nur ein dtimbler, nnvcrständlicher Vant. -! '„Gasse dich, mein Btädcheu," bat der -stönig, indem er lieblosend über ihren Tcheitcl strich, „nnd .sage mir, was dir begegne!, llnd ' wehe demjenigen, der cs gewagt hatte, mein füszes Vieh zu tränten!" ' „CI,, mein BoleSlaw," rief das, Mädchen nnd waii' sich laut ailsschlnchzeiid an seine Brust, „nicht mir. »ein, was Ui» ich nnbe.!'■ deutendes Biädchen nein, dir, mein stönig, droht «^etahr „rea , „äa, ja, cs ist so," fuhr hastig die. Worte hervonroszeiid. das , Mädchen fort, „als du mich verließest, eilte' ich mit Tcborah nach! Hanse zurück: ich ging, so schnell ich tonnte.' und damit der Vater ' nicht mein, langes äernsein merke, schlich sich mich ganz sachte in das Hans; wir'kamen nnbemertt in den irlnr: lecke betrat ich die W.obn; stube, und da hörte ich in dem Rebenzimmer Stimme», »sichrer"'! Stimmen, die erregt mit meinem Vater sprach?»; Antangs tümineric ' ich mich um dgs sttcden nicht, bis plötzlich dein '.stame mein T'hr trat'. . Ta schlich ich mich hin, und mein Thr ganz sachte an die Tlnire I legend, hörte ich jedes Wort, dgs drinnen gesprochen ivstrde - nnd waS ich da vernahm, macht mich erschauder» Es ivaien die beiden . Grositürsten, die zn meuiem Vater tarnen', t^cld z» lei!>en'und Wasien, i um" — sie schauerte zusammen nnd iiinflanimerte »in. ihren Armen; den Geliebten — „nm in der morgigen, ')iachl encki. die Voten, zu : überfallen, zu tödleu nnd dich, ineiii stönig, gefangen zu nehmen!" j Ein heftiger Schauer schttilelle ihre >^lieder. und and ihrer Bristt . drang schmerzliches Stöhnen. ' , Wie ein Nascnder war der stönig ansgespriingen, und seine Augen schossen wilde, suntelnde Blitze. . - I Tic lSrostsiirsten, sagst du, und melgeu cksacht'-' Tachte ich es : doch, das; all ihre zur Schau gel ogene ärennticliast . nur ickilam . MaSkc fei, um mich desto sicherer cinznlnllen in ihrer gesahrbringendeir > Rahe! Aber ick> will ihnen zeigen, will dieser hiindiichen elenisenbriil \ zeigen, ipeß Boleslaw fähig ist! Bi'ich, >Boleslaw, inich nnd meine! Polen wistlcn sie vernichten, che soll sie'seihst die Hölle verichlingen!" | Und mit wild' erregte» Worten und wiithenibrannten Mienen; diirchinaß er de» stürum. Tech da war Vea,zu/ihn, 'biiigetrelen. und! die Arme, ans seine Schulter legend, sagte lic: ..G'tzt hejsit cs handeln, mein .stönig, nnd. zwar rasch, denn die stiiiiien werden Iicher ihren Plan auch anstühren." „Sij. sollen aber nicht! " ries zornsilntelild BolcSlaw.! „WaS wirst du thnn? ähr seid ja doch nur ein kleines-Hänftei», j da dich die falsche» Edlen verlasse» habe» ..." i „Wie ich sie dafür hasse," zi'chlc BolcSlaw, „aber," setzte er nach j einer 'Weile Hinz», „wir müssen dennoch! äch will ihnen zeigen, was i es heißt, dem Potcnkönig mit heimtückischcin Verralhc zu nahen! Ich! will sic erdrücken und sie zwingen, mir ans den .stnien Abbitte zu leiste»! Ich will sie - unterjochen und de» Guß ans ihre gekrümmte» äiackc» setze» ..." ~ . „Rein, nein, BolcSlaw." sagte Vca, „dazu, seid ,äl>r jetzt zu wcnig, und die Russen wären bei osseny» .stampfe in der Uebcrmacht: »ein, heimlich müßt ähr »nd so rasch als möglich -sticw verlasse», cs ist »ichk schimpflich, mein stönig," fuhr sic begütigend fort, als