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Freies Blatt · 1895-09-01 · 178 (1.9.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
178 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seife 10. Nr. 178. ^(Mcouiiv aiiffalircn wollte, „und du wirst einst noch Rache nehmen fi'i'.iu'::, nein, fditmiHlid) ist nur das Gebühren dieser Russen, die so das o'astreän verletzen. Ibr müßt fort, , noch ehe die Russen Zeit fiel) zi: sammeln und Eure» Abzug \u hindern." i'Ieino kluge Vea," ries der König, indem er sie zärtlich an- „Und darum," siilir Lea fort,. „darum Ulüssen wir noch heute a.les Rördige anordnen: du mußt Boten umhersenden in jene Häuser, denen die Unseren eimiuarlierl sind, lirit der Weisung, morgen bei Tagesgranen znm Änibruche aus der Stadt gerüstet zu sein und sich aut dem Piave vor der Liielaskirdie einznfinden. Tu aber, mein Boleoiaiv. machst dich gleichfalls bereit sowie all deine Knechte und Range. . " „Ich >oll 'ert von hier? Und du, meine Vea? Rimmermchr!“ „oeh ge de mit dir," sagte einfach das Mädchen, esr schloß sie entzückt in die Arme, und ein Jubelruf entrang sich seinen Vainnti Veit entwand sich ''einen Armen. .Run komm'," sagte sie. ,.,-,:!'Cii-iru aus ^Werl! ' Ra'eti baue der König die nöklngen Befehle gegeben, und mit 'siegender Hast wntdon dieselben ausgeführr-: mit geräuschloser Eile wutken die Berber eiknngen getroffen, da der König jedes Lärmen und jedes t^eräufch strenge untersagt, denn man konnte nicht wissen, die Runen bäiten m auch in des Königs Umgebung ihre Späher haben können, die den Abzug noch im letzten Augenblick vereiteln konnten. T iiae Bote» siegen a.nvim'tißvoUcn Angesichtes durch die Stadt, dle olveit ir'eli::tiiil:i und sie rn bewahren vckr dom Tode durch M'e-rderband Uereraä 'chr.?.. eel.ie!>e "'esichter überall wilde Berzweislnng und der d.rge en sich anfl-ebneude Trotz, insgeheim zu entweichen, iw izu w: ein '.hruerzliches Erienne», daß es so sein müsse, uv Iren ne nicht in :: -ee jetzigen geringen Anzahl dem verrälherischen ,re:nde rnui B p-n si'nst! ätte wohl ihr tapferer König sich zu in.Rüdznge n .. cr-t'ch-f'feu: inteß aber ging er selbst au VeaS .v nicht in der Burg allein zu Linen wagte und die im ns; : MB:::.! und im Ham einem jungei! Ritter gleich sah, gefolgt reu i. :V; f:.u Kn.chren, durch die Stadt, um ebenfalls ahnungs- 1.'.' .vv der drohenden ("enihr zu fchiitzen. Sie waren ‘dien r-.r.di . S:..ißen gekommen, batten überall, n>o sie die Ihren wußte.:, ange: er fr und .unter irgend liuem Boi wände vor den HanSv b p.vl ne: n, die Zinne"'' R:"'«'en waren, den »freunden die eulsetzenSvolle R.vlnnln .veracht ' die An'iorteiung, bei Tagesanbruch zum Ab- :na:sich i r.si zu 'ein ans der v-erräiheri'chen Stadt. ne.V N sie auch an Ritter Wtadiwoy's Thürk gekommen: - . .si'nni.'.i sie aber, als sie, die auf ihrem Ruudgange überall ::::: v :sie. :en. nach:''chla'enken Men'chen beginnet waren, die erschreckt ..ned Ui Schla'e fubren. den eniigeu Ritter in voller Rüstung fanden. ..Was Ivdeuter das. Wiasiwoii?" 'rüg der König bei diesem merk p.üz.vgm Anl'-k . Ta--- d d.nt", mein Ke-uig." gab Jener zur Antwort, „daß ich e :: prob:fteu Rn'».-:', nicht getraut babc feit un'-Tem Hiersein, und 'die.: w der lebten Zeit fab ich Manches, was >mich mißsi. e.n.ri, nm.fNi: und de bitte ich mir gefügt: Wladiwo» sei aus der Her I.ttv ».rin Auev isien, denn es gilt daS'Wok! deines Königs — :w ela,' f;;::c "p g ’ 1 seit Hauptes hinzu, „habe ich es doch dahin si n! r n 1 ->'m. daß .«nr, Herr König, mich ieitet, mich, der sich zu V,::ae Olnnv stets 1 e:ei: lnelt." A nch :r ra'ch ia.m Bor! e: eitnngen geti offen und feilte Krieger nt', e.: : wacht, und der König zog weiter mit feiner mnlhigen B. n siae j„ die dunkle Rächt hinaus. drn wen Rebdl'ckteier lagerte es Über der Stadt, als sich e: Ina - .n da Rikl istirche, nabe dem Skadlthore versammelten, maß:: auch Boleslaw komme», denn schon blinkten in der d e V.wnt der dem König vorreireuden Mannen; und bald ',! mau inch den König 'elbst auf seinem hohen Rosse, und an seiner 2cuie zan-' Mädchengestalk. Jetzt war der König mit seinem ■■ vv an: eiiiii der (fasse sichtbar, die zum RiklaSplatze führte, u. d a an paar Minuten mußte der Zug am Platze selbst augelangt sch-'- - da ft.-etuder Zug plötzlich, und begierig, was dies Zögern! e sisich empor, um es zu erfahren. In -i :-.:g!' kt ror einem Hanse an und erwartete da noch einen e r ni .ni, a: d.>"en Ti nr sie des RachtS vergeblich gepocht, einen ",!iv:n K::az. n, der un: nach Kiew gekommen war, um seinen ersten Wa"e:'.ezan,i :u wag ne: doch er kam nicht aus dem Hause, und der Kinii '1 die ..nun K:hinein, den säumigen Knappen herausznboid!: poch M sich die Thür: mit vor Schreck verzerrtem Blatt. Gesichte kam der Krieger aus dem Hause, und auf seinen Armen trug er den blutigen Leichnam deS jungen Edelknaben. Entsetzt waren Alle zurückgewichen bei dem grausigen Anblicke, der sich ihnen bot. Das bleiche, jugendlich schöne Antlitz des Knappen war mit Blut bedeckt, und in den weit offenen, verglasten Augen konnte man das Grauen deS Todes erkennen, der ihn meuchlings überfallen hatte. Der König erschrak heftig bei dem Anblick deS meuchlings Gemordeten, und in den Mienen Aller sah man tiefeS Weh über das Geschick des Knappen, der einer ruchlosen Mordthat zum Opfer gefallen war, aber auch zugleich ein Gefühl lähmender Angst überkam sie, als bei diesem grauenhaften Anblick der Gedanke in ihnen aufstieg, daS hätte auch ihr Los sein können, auch ihnen hätte die Sonne nicht mehr gelacht, und sie lägen nun da bleich und starr mit vom Todesgranen verzerrten Zügen. Dies fühlte auch der König, und in seinem Gesichte zuckte eS wie von verhaltenen Thronen, dann aber wandte er sich an die versammelten Krieger, und auf den Todten hinweisend sagte fr: „Das wäre heut' unser Aller Los gewesen; in der kommenden Rächt wäre der grause, meuchlerische Tod auch bei uns eingekehrt, und wir hätten den kommenden Morgen nicht mehr geschaut — doch dieses Mädchen hat durch ihren kühnen Muth euch Allen daS Leben gerettet, indem sie mich rechtzeitig von der uns drohenden Gefahr benachrichtigte. Seht auf zu ihr und segnet ihr edles Haupt! Lea, des Salomon Tochter, hat Polen seinen König gerettet und sein Heer!" „Heil! Heil ihr unserer Retterin! Heil Lea, der Tochter Salo monS!" so erscholl es auS hunderten von Kehlen, und der Ruf er brauste und verbreitete sich über die ganze Stadt. Und unter den brausenden Rufen bewegte sich der Zug vorwärts: doch da stellte sich ihnen eine dunkle Gestalt entgegen, die plötzlich vor ihnen aufgetaucht war.- „Lca, sagt ihr, des Salomon Tochter, und Heil ihr, sagt ihr, Heil der Gottlosen, der Abtrünnigen. WaS wißt ihr von Lea, des Salomon Tochter — und wißt ihr auch von ihrer Schande?" Doch da irrte sein unstet flackernder Blick zu Lea hin, die an des Königs. Seite mit ängstlicher Miene und banger Angst verharrte. „Da ist sie ja!" rief er mit irrem Lachen aus, ä»ud da ist auch er, der Bersührcr, der mächtige König, der sich nicht schämt und einen armcn Juden um sein einziges Hab und Gut bestiehlt!" Tie Knechte drängten sich herbei, um den Wahnsinnigen zu züchtigen, der sich vor des Königs Roß hingestellt hatte. Laßt ihn," gebot der König, .versammelt euch mit den Uebrigen, wir folgen euch." Und der König blieb allein mit Lea und dem sich wild geberdenden Juden. Lea hatte das Haupt gesenkt, und schwere Thränen rannen ihr auf die Wangen herab. „Siehst du, du weinst, meine Lea, du kannst noch weinen, kehre zurück zu deinem alten Pater, 8em du daS Herz gebrochen, kehre zurück und ich will dich halten wie eine Prinzessin!" Lea hatte sich gewendet, und ihr Blick hing wie gebannt an BoleSlaw. „Du wendest dich ab, du willst nicht mehr sehen das gebeugte Haupt deines BaterS? Tu kehrst dich zu ihm? Nun, so gehe. Entartete, Abtrünnige, die du dich losgesagt hast von deinem Stamme und treulos verkästen hast dein Vaterhaus, die du Schande gebracht hast über dein Polk, die du mit Schmach beladen hast das greise Haupt deines Paters, und die du beschimpft hast das gesegnete Andenken deiner Mutter im Grabe, sei verflucht! Ruhelos sollst du wandern, daS Gras verdorre unter deinen Füßen, und dein Herz werde zerfleischt von tausend Oualen und bitteren Küiiiiiiernisten! Ter Zorn und die Rache Gottes sollen dich treffen und dich vernichten! Und anSgelöscht werde dein Name aus dem Buche des Lebens, und vernichtet sei dein Andenken! llnd du, gewiffenloser König, sei verflucht, verflucht! Der Ewige verjage dich von Ort zu Ort und laste dich nirgends Ruhe finden und versage dir die ewige Ruhe!" Und schreiend und jeimmernd und sich den Bart raufend und die Kleider vom Leibe reißend, folgte er dem König und Lea. Dazwischen aber tönte laut und jubelnd der Ruf: „Heil Lea! Heil Polens Retterin! Heil unserem König!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. 6i. L , III. -Sie haben unbedingt Recht. Frau Therese Platenik war, »ach dcni sie da» Sacramenl der Taufe empfangen hatte, keine Jüdin mehr. Aber auch jene „aufgeklärten" Anüsemiteu, welche die dem Christenlhum hoh" sprechende Raceiitheorie verkündigen, begehen einen dummen Streich, wenn sie an einem Tage, an welchem ein arischer Lehrbub an seiner Meisterin einen Raubmord verübt, für ihre Partei einen Vorlheil dadurch zu erhaschen glaube», daß sie i» einem Belrugsfalle tendenziös von einer „jüdischen" Schwindlerin sprechen.

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