Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 178 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 178. - Freier (Das Schulwesen in Bosnien und der Herzegowina.) Tie großen Fortschritte, welche Bosnien und die Herzegowina im l'anfe des letzten Jahrzehnts auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens gemacht, wurden in der gcsammten europäischen Presse wiederholt und mit lobender Anerkennung besprochen. Das Meiste und Nachhaltigste wurde aber aus dem Gebiete des Schulwesens geleistet, hier wurde der culturcllcn Entwicklung für die fernste Zukunft eine feste Burg errichtet. Ten raschesten Aufschwung nahm das Schulwesen in der Landeshauptstadt Sarajewo. Im Jahre 1880 bestanden bereits 84 von Unterossiciercn geleitete intcrconscssioncllc Schulen, worunter sich sieben früher confessionrlle Anstalten befanden, welche die Regierung auf Ersuchen der betreffenden Kirchengcmcindcn in ihre Berwaltnng übernahm. Säinintliche Schulen wurden "ans Laudesmittelii mit dem »ölhigcn Unterrichtsmaterial auSgestattct. Außer diesen 84 Volksschule» errichtete die Regierung in den Städten Sarajewo, Trawnik, Banjaluka und Bihacs zu Beginn des Schuljahres 1880/81 je eine Volksschule, die zusammen von 1057 Schüler», und zwar 282 Mohammedanern, 804 Orthodoxen, 75(5 Katholiken und 115 Israeliten besucht wurden. An öffentlichen (iiitcrconfessioncUcn) Volksschulen in Bosnien und der Herzegowina bestanden im Jahre 1888 84 42 mit 50 Lehrkräften und 8,844 Schülern, wovon 420 Mohammedaner, 1(555 Orthodoxe, 1004 Katholiken, 102 Israeliten, 7 sonstiger Confessio»-waren. Im Schuljahre 1880,00 war die Zahl der öffentlichen Volksschulen auf 185, die der Lehrer auf 220 angcwachsc». ' Einen ebenso erfreulichen Zu-, wachs wies die Schülerzahl auf. Dieselbe betrug 10.725, hievon waren 2272 Mohammedaner, 4888 Orthodoxe, 3028 Katholiken, 858 Israeliten, 184 sonstigen Glaubens. In den folgenden Jahren gestalteten sich die Erfolge noch günstiger, denn im Schuljahre 1802 03 batte die Anzahl der Volksschulen schon 148 erreicht. A» denselben wirkte» 220 Lehrer, wovon 107 die erforderliche O.ualifieation er ivorbcn hatte». Die Schülcrzahl betrug 11/072, hievon waren 2(518 Mohaninicdancr, 4403 Orthodoxe, 4290 Katholiken, 400 Israelitin, 105 sonstiger Confcssion. Im Vaufe von neun Jahre» hat sich demnach die Anzahl der öffentlichen allgemeinen Volksschulen nahezu ver- . vicrfachk. Tie Anzahl der confessioncUcn Schulen betrug im Schuljahre 1802/08 im Ganzen 00 mit zusammen 184 Lehrkräften, wovon aber I<50 nichtqualisieirt waren. Tie Schülcrzahl betrug 0784, darunter befanden sich 4 Mohammedaner, 4495 Orrhodorc, 1070 Katholiken, 250 Juden, 15 sonstiger Confessio». Im letztgenannten Schuljahre bestanden im Lande überdies 5 Privatschulcn, au welche» zusammen 15 Lehrkräfte 810 Schülern Unterricht crtheiltcn. Tic Gcsamnitzahl der Volksschulen hatte im Schuljahre 1*92.93 die Höhe von 240 erreicht, darunter 148 allgemeine, 00 ronfcssioncllc und 5 private mit zusammen 428 Lchrträftcn und 10 02:5 Schülern — feit 1883 84 die achtfache Anzahl von Lehrern und die sechsfache von Schülern. Sobald nur die Landesregierung über die Schulzuständc genügend informirt war, ging sie mit Ernst und Eifer daran, bic nothivsiidigen Vorkehrungen zu treffen. Es wurden zuerst in solchen Orte», wo cS keinerlei Bildungsställen gab, solche errichtet; dabei ließ sich die Verwaltung von dem allein richtigen Prineip leiten, den Unterricht allen Eonfessionen gleichmäßig zugänglich zu machen. Bei der mangelhaften Organisation aller confcssioncllc» Schulen ohne Ausnahme und in Berücksichtigung des Umstandes, daß die Bevölkerung in den meisten Orten confcssioncll gemischt ist, wurde die intcrconfcssionclle Schule als Prineip ausgestellt, jedoch der Pflege tzcs Religionsunterrichts die weitestgehende Sorgfalt zugcwcndet. Leicht wurde eö der Regierung nicht, erträgliche Zustände einzuführc». Vorerst herrschte ein überaus fühlbarer Mangel an halbwegs geeigneten Schulloealitäten, ferner an Lehrern, und überdies machten sich damals auch finanzielle Ealaniitüten' unangenehm fühlbar. Doch cS gelang bald, all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. (Mtlldclssohll über dcn Talmud.) Man schreibt UNS: Bekanntlich gefallen sich die antisemitischen vorgeblichen Talniudkenuer darin, ab und zu ihre TalniudweiShcit leuchten zu lasse», und zwar zur großen Heiterkeit aller wirklichen Talmndforschcr. lieber die von der schule zu Kairnan in Rordafrika bereits im Jahre 087 ». Ehr. G. angeregte, sehr schibierige Frage der Talinndrcdäction gehen die aniisemitischen Gelehrten mit einer Leichtigkeit hinweg, als ob diese Frage gar nicht bestünde, die Frage nämlich, „ob die Mischna und die beiden GemaraS schon in der talmudischcn Zeit schriftlich redigirt wurden und als literarische Erzeugnisse vorhanden waren oder ob lie sich bloß durch mündliche Mitthcilung fortgcpflauzt haben". Zur Be (chrung der antisemitischen gelehrten Thebancr seien hicmit die geilt und gcmüthvollcn Worte angeführt, die Mendelssohn in seiner Vorrede zum Mischne Thora schrieb, um das Verhälluiß der mündlichen Ucbcrlicfcrung zum schriftlichen Gesetze zu charakterisiren. „Tie Handlungen des Menschen," äußert sich Mendelssohn, „sind vorübergehend, Blatt. ~ reite 5. haben nichts Bleibendes, nichts Fortdauerndes, das so wie die Bilderschrift durch Mißbrauch oder Mißverstand zur Abgötterei fithren kann." •Sie haben aber auch dcn Vorzug vor Buchstabenzeichen. daß sic dcn Menschen nicht isolircn, nicht zum einsamen, über Schriften und Büchern brütende» (Geschöpfe machen. Sie treiben vielmehr zum lieber gange, zur Nachahmung und zum mündliche», lebendigen Unterricht. Tahcr waren der geschriebenen (besetze nur wenig und auch viele ohne mündlichen Unterricht nnd ohne Uebcrlicfernng nicht ganz verständlich, und eS war verboten, über dieselben mehr zu schreiben. Tic ungeschriebenen Gesetze aber, die mündliche Ueberliefernng, der lebendige Unterricht von Mensch zu Mensch, vom Munt ins Herz, sollte» erklären, crwcisern, cinschränken und näher bestimmen, was in dem geschriebenen Gesetze aus weisen 'Absichten nnd mit weiser Mäßigung Nttbcstimmt geblieben ist. In Allem, was der Jüngling thnn sah, in allen össenlliche» sowohl als Privatverhandlnngen, an" allen Thoren und an alle» Thürpforten, wohin er die Augen oder die C l>vcn wandte, fand er Veranlassung zum Forschen und Nachdenken, Veranlassung, einem älteren und weiseren Manne ans allen seinen Tritten zu folgen, seine klcinston Handlungen und Verrichtungen mit lindlichcr Sorgfalt zu beobachten, mit kindlicher Gelehrigkeit nachzuahmen, nach dem Geiste und der Absicht dieser Verrichtungen zu forschen nnd den Unterricht cinznkolen, dessen seilt Meister ihn fähig und empfänglich hielt So wären Lehre nnd Leben, Weisheit und Thäiigteit, Speenlalion und Umgang 'auf das Innigste verbunden oder sollten es vielmehr der ersten Einrichtung nnd Absicht des Gesetzgebers nach 'ein " «Aubtsohlcnc (?»llasi»ug jüdischer Aiisicslcllltr.> Ans Peters bürg wird unS berichtet: Ter ^offieictlc „Astrachanskij Wiestnik" pnblieirte neulich eine Kundmachung, wonach in Gemäßheir eines Auftrages des Ministeriums des Innern säinintliche Fischhändler im TranStaspigcbicle sich schriftlich verpflichtet haben, die lei ihnen im Tienste stehende» Juden binnen vier Wochen zu entlassen. Zur Vorgeschichte dieser Verfügung verlautet Folgendes: Bereits im Februar dieses IahrcS wurden die transkaspischen Fischhändler amgesor^erl, ihre jüdischen Angestellten und Bediensteten zu entlass». Allein die Fischhändler erklärte» damals, dieser Aussordcrnng nicht Folge leiste» zu tönn'cu. In ihrer bezüglichen Eingabe an das Ministerium des Innern sagten sic, daß die Entlassung ihrer jüdischen Angestellten, die sich stets als verläßlich und treu erwiese» haben, eine Schädigung ihrer Jntercsicn und dcö Fischhandelö nach sich ziehen würde Ta- Ministerium leitete aber diese Eingabe an die Fischhändler .zuruck und forderte sic nochmals auf, die bei ihnen im Tienste stehende» Inden zu entlasse». Tic Fischhändler zögerten noch immer, del Aus'orde'.nng zu entsprechen. Ta wurde ihnen mit der Entziehung der zu», Fisch Handel erforderlichen Liecnz gedroht, falls che die Juden langer als vier Wochen noch im Tienste behalten würden. Ties Mittel mußte selbstverständlich wirke», und so werde» den» mehr als 11»111 Juden brotlos fein. T u r n o w o, dem dis Inden >o mißliebig und, und der sie unkrbittlich verfolgt, würde eine Znstimmuugsadrest'e der 'Räzer Com mnnc verdienen. , (Tic Zlldcu in Kurlilllö. - Aus Milan wird, uus geschrieben: Tie Verordnung des russischen Kriegsministers beirens der Leicht zulasiung von Juden' zum Eurgebrauche i» d>» kaukasische» Bade oiten hat auch im Gouvernement Kurland Nachahmung ge'nnden Der durch seine Moorbäder berühmte kniländliche Enrori ArenS burg stand bis zum Beginn der leisten Saison »uiHlum Kranken offen. Heuer aber werden die Juden zum Curgerranche in Arensbnrg nicht zugelasse». Ein schwerkranker jüdischer Kan.iniaun aus '"oldingen, Namens Bencrfeld, bat unlängst au d:. livläud'.iche Verwaltung ' ein Gesuch um Zulassung zum Eurgebrauche in Arensburg gerichtet; dasselbe wurde 'ledoch zurückgewkeieu, obve.l: Benerield drei Zeugnisse bernbniter Aerzte beibrachie, worin d:e L-islhweudigkeil der Arns burger Moorbäder zur Heilung vsiaer Kraillh.-.i dargelegt ivurde. Eine größere llninenschlichkeir ist wohl laum deutbar' Tazn mag noch bcilicrki werden, daß die Villenbesitzer von Arnsburg sowie d:c Aerzte gescllschast von Äita» die.maßgebenden Behörde» ersucht haben, den Juden de» Zutritt;n den Bädern zu gestatte» ' Richr umsonst rnlio har Kurlaich unlängst ''eine hundertjährige Vereinigung mit Rußlandgefeiert! ,Tic Rischui Rvwgorovcr Akciie unv die ZlideuZ Man schreibt UNS ans Moskau: Zn der alljährlich in Riichni-Rowgorod staltfindcnden Mene wurden die Inden betannrlich in Folge dev Fürbitte des Moskauer Börseneomit-S nnd der Niichni Lkowgoroder Iahrmarkisverwaltnng zugelassen. Für das Jahr 1 *90 ist nun in Ri'chni- Rowgorod eine allrussische industrielle und landwirthschaitliche Ausstellung anberanmt, und da wollten einige Iudenseinde die Äusichließnng der Inden von der Theiluabme an dieser Ausstellung durchsetzen. Ter Gouverneur von'Niichni'Liowgorod, (General Baranow, berief daher