Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 177 (25.8.1895)
- Date
- 1895-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ITr. 177. Freie» bestimmt sagen, datz er ein Volksfeind sei." (Znsliinmnng.) l'acina trat iebließliä, für die Ausstellung von Eandidale» ans, dem Gewerbestande ei». Ter folgende Redner, Wanderer, machte die Antisemiten dafür verantwortlich,'dass Wien seine Aiilononlie eingebüßt bade. „Bor Jahren ivar's," crzähllc er, „ich war Dr. Lneger'S uilunster Bundesgenosse in seinem dtamp-'e gegen de» allen Lleudei, den letzten .Kreuzer gab ich für den Tcniotralcn Tr. l'neger her, und es gelang, Ztcndel zu werfen. Tr. l'ueger wurde statt seiner in den Renbsrath geivülili Beim ..Hurfiirflffii* ans der Matzleinodorser Hanpislraße ivar's, da versichcrle Herr Tr. kneger, wenn er je seine demokraliiche Gesiiiiiiing verleugnen weide könne ma» ihm i»S Gesicht lvinke». Wie oft Kälten ivir das ibiin können? Aber cS wird' noch komnien. (Heiterkeit nnd siiiriiiischfr 'iV’ifall.) Bon de» Parlkisührer» der Anlisemiten ist aber der Tr. kneger,»och nicht der ärgste, et sind noch nettere Exemplare unter ibnen. klebrigen» baden sie Recht, so lange die Tuinniheit in Wien nicht anSstiibi, lo lange wrcden sie gewäbli werden." sBeifasl.) Ei» Aniisemit, der sich iinmer durch Zivischenrnse bemerkbar gemach«, wurde vom Vorsitzenden veranlasil, da« Woit z» ergreife». NM idine Partei r» veriheidige». Er bestieg die Tiibniie lind erklärte. er wolle Rieinanten ausbalten. cs iei schon zu ivät, nnd die Vkeisien werden >o >chon nach Han>e wollen, lvarin.» Ter Vorsitzende richteic a» de» noch jnnge» Mann die Mabnung. er möge das, was er bisher versänini, „achbolen nnd über die An'gabl'n eines mit noch so beschränktem Unterlbane»versla»de bedachten 2taal:biirg>'iS nach denle». Vielleicht komine dann inr ihn die Zeit, i» der er beginnen werde, gerecht zu urtheilen. Tie Versammlung >v>irkc in vorgeriiekler Rachrslunde geschlossen, „hu 2aale kam es noch zu Ailseinandersetznngen zwli.he» Peieins niitgliedern und einzelnen aitliscmilische» Agitatoren, die in nahezu völlig krttnkencm Anstande sich ä» einer Ansgangsthnr voslirt ballen nnd bin und wieder Hochrufe aus b'neger ansbrachteii. Der „Bcrci» freisinniger Gewerbetreibender" hielt ferner a:n 21, d. M im tslasthansc „znni weißen strösscl" .in der 2d>ö»brnnnerstraßc eine Bcrsaininlung al>, in welcher die Bctäinpfnirg riiekichiiil lichcr Bcstrcbnngcn nnd die Wahrung der Rechtsgleichheit ans das Entschiedenste bcionl wurden (Zlll Traillwall Wülsstoil.) Ter Ingcnicnr Gustav Kroi harre sich am 21. d. M. vor dem Llrofrichtcr des Bc;irksgcrid>les t'eopolditabt wegen Ehrcnbclcidignng, begangen durch anliscniilifche schimpfe? rcien, zu verantworte». .>,ach der vom Klager Herrn (iait 2 d) I e ' fi n fl er vor dein Richter gegebenen Darstellung halle der Angeklagte int Waggon der Tarnpfirainwan längere Zeit über die Inden los gesogen und dann, eine alte Ighrkartc vorwciscnd, bcinerkl, es sei verdienstlich, eine jüdische Gesellschaft zu' belrügen, wcsbalb er die alte Karte benütze, lieber Bcranlassung dcö Klagers wurde Kroi vom Eonductcnr mit einer neuen giltigcn ,yalntartc verfeken. L er An geklagte beichinipfle in Iolgc dessen den Klager. Ter als Zeuge ver »mninenc Eondncteur Anlon Wenzel gab an, die damals von Kroi beniitzlc Iohrkartc fei lhallächlich nngiltig geivesc»: er selb» habe, aber mir gehe',k, das; der Angeklagte, als er sich eine Karle löien n.nßie, gcrüfcn halte: „Machen Sie die Thür zu, damit der In-' leine Ireudc hat." Ter Proeeß, welcher iibrigcns durch eine vo»i Angeklagten abgegebene Ehrcncilläruiig cllcdigt wurde, zeigt ncnerdings, ivic Recht b'uegcr halte, als er so te, die-antiscinililche Bewegt,» > sei „rein ethisch" (Tic coiijciiioiidlc Wlcidiücrftiiiinimn im obcrüftcrrcidiifdicn ^lllldcSlNlischllssc. > Jur de» oberösterrelchische» Vandesansschnst lestehc» die Slaatsgrnndgesctze nicht. Rachstchendcr Bericht der „v'inzer Tagespost" zeigt dies leider nur, zu klare In der Vandcsausichnß sitzung vom 24. Juli berichtet ^efxrcnt I. Strnadl über das Gesuch dcö Tr. Iaeob Schuch in Wien uni eine Geincindcarztens stelle in Tbcrofterreich und stellt den Anlrech, dein Gesnchssteller mit' znlhcilcn, daß mehrere Stellen bereits besetzt wurden, bezüglich anderer die Besetzung im Zuge ist und von Teile jener Gemeinden, in welche» die Besetzung der Geinciudcarztensstcllc noch nicht erfolgen konnte, erklärt wurde, daß sic mit Rücksicht aus die in ^beröstcrrcich bestehende» Berhaltnissc einen Arzt, welcher sich zn einer nicht christ^ licheu Religion bekennt, , nicht zur Ernennung zum Gcmeindcarzle in Borschlag bringen könnten. Botanl Tr. Bahr 'ist der Meinung, es soll, bevor daS betresiende Gesuch in dieser Weise erledigt wird, die SanilätSgcincinde Spital, in welcher nach seinem Wisicn die Besetzung der GcincindcarztcnSstellc beim Mangel eines Arztes dringend geboten ist. nnd wo man den gänzlichen Mangel jeder ärztlichen Hilfe schwer cinpsiiidet. cinvcrnoinnicn werde», ob die Gemeinde den genannten Arzt, der sich zur jüdische» Eonsession bekennt und der der einzige kompetent ist, Vorschläge oder nicht. Vefjiit ihn die Gemeinde ab, -so'sei erauch dafür, ihn nicht znm Gcincindearztc zu ernenne», da cö »nthunlich ist. einer Gemeinde eine» Arzt zu octroyircn, der nur'mit Ilittvillcn aufgenoiniucn wird und daher gewiß keine gute Wirksamkeit entfalte» kann. Ter Referent erwidert, daß ihm berichtet worden ist, daß der Gcmcindcvorstchcr von Spital sich dahin geäußert hat. daß Blatt. . feite .*>. bic Gemeinde unter diesen Bcrhäiinisic» noch zuivanen wolle, ob sich nicht doch ein christlicher Arzt melket. Ter Referent erwähnt, daß eine große »Laiiuälsgcmcinde mittelii scliriftlichcr Eingabe den z'änkesansschns; direct gebeten habe, ihr nur eine» christkatholischen Arzt zu geben, und spricht sich int Principe dahin aus, daß mail snbvenNonii >c Posten nur Aerzic» de,»scher Zunge verleihen soll, nnd glaubt,, daß er mit scincin Anträge in v llster lieberen,iiiinninng mit der Bevölkerung ^.bcröiterrlichs ohne Ilntcrichied der voltti'chen Anichaiinng handle irtib daß auch der Aerzttiiaud dagegen iei, daß den Acizlen durch jüdische Aerzle Eoneu,re»; geichasse» weide. UA-rig ns stehe ohnehln jeder Gemeinde, welche zu einem Atzte auch nicht ärmlicher Religio» Zutrauen satte, frei, sich denselben als Gemeiudcarzl zu bestellen, fofeVu sie nicht ans Landessnbvcnlion .rechne, sowie keinem Mcdiein Toelor verwehrt werden fönne, sich anjt&;m Circ" nieder;,ilane,/, wie ja beispielsweise jüngst ein nicht christlicher Aezi i» <>'. >iä, angettedeli habe» soll Botant Tr. Bahr erwidert, daß er. ans mündliche Eikiäriiugcn privater '.>,alur kein l>K-,vicht legen tönne. »ild zwar nnr'oweniger, a!S° die Mittheilniig den, Reserenten nicht e>iin:-.il veriönlirl, zngelonlinen sei. sondern »nr durch xinc-schriftliche Erkjariliig der bIrettende» Ostineindc. Ter Referent versetzt, daß er selbst in dein Ialle. als der He, r Geitieindevolstelier von Tpiial anderer Meinung/ als ihm belichtet wurde, seiu sollte, und älS selbst die 'Benietuug der TannälsgeNieinde den Herrn Tr. 2chn>» zi'.m subvcntioniueu Geineinkeai zi: in Bor - schlag bringen tollte,/ bieten nicht der christlichen .lu-lumm angehörigen Bewerber zur Ernennung nicht in Bor'chlag brillg-en. könne:- es sei daher besser', den Arzt sogleich von der Tactllag' zu i>etsta::ei>:,'n undihn nicht hinzuhalte» Tr. Bahr lumim litzke:-.: Be e:li,,-g z:i, e> fiivt' aber, mit der sonstigen AnSeinauterietziing .--es R-.'s-.reulen Nicht mivetlto.-ideu sein zn tömien, nnd ft:Ut whiu den -aciiaiiirag, die ^anilälsgeineinde Tpilal zlr v.-lsisiudig-li, daß Tr. Ja ob Kclinei, in Wicit als einziger Bewerber nm die <^e,i:ei»dear;!->!s>l ii-. i.äl gemeldet hat, nnd die li'cmeindc aliszusortei». zn erkläre»'. ' ü: -neigt er t nicht geneigt sei. deu'clbeir als tR'ineiutea.z! zu r.ehu:.".,. -> laßt der raiidesliaupliuaiiu über de» l>vgeu»»r>ag k:s Palaineii Tr. Babr abstttumen, und es wird derselbe mit an-.,, re. »;' Tliinnie des Aniragiiellers abgelchui. 'Bei der Abstimm»«., - .ib-.r d-.u '>t-.-'.-r.u:en auirag, wird derselbe mit alle» gegen e-r- 2um:''.,: r B Kauten Tr. Bahr zuni Beschlüsse erhoben. -Tie Zustände ill Llllzlllllfl. Bo» UN' e - ii- -. uz.iil tveilenden 2alzbnrger '!>- l Eoire'vondeiitcn ei halten :i-: '.--ae-e. 2chreiben : Bei aller Hochachtmtg, welche jch. »j,r k. s, H i u . storiai-zatbes Tr. 2chövs Bestveblittgen gegen k-ie,a:>.l-. -Mit °ch K: , keil enir-sinde er hat den Anliieuittismus -.i. /1 - .z.-.: >n:>t. Philaiithroveii znu, Tante>, io muß ich doch':. Be>: kl::zni:g in '.'er. 17."» des „Ireien Blaues" ei» wenig '.ut- -!,e,ui--.:. Elirisllieh 2beß,le und Elerieale schlotteii doch k. k:e Biajorilät des beniigen >''ei»einderalhes van Te.lzigut: leniiliiche Angrisse haben den Bieeblirgeimeistc-. T.. i--: -,i»n Rücktrute bewogen: Bicebürg ruieister - Tr. ''1- : i »;: . . . „deutsch »eilional". nnd die Majorität ist ckr'.ststch:o.'.ia. -> - -rlsmde:: statt verdiente es w^hl, daß endlich. -» .k.-r 2.,- . w-nigst -ns die Angrisse von 'rüber ausbören.' Ks iv-nt daß . : - >> t .Herr Eonsittorialrath Tr 2chövs eene w-il '-ch. B.'' :,a.-g v.>rechnet Tie'', wird zweitelsohne anhalte». denn See Ta lelieii-tHra' K.teint an segg deii .lungvii Beantteii -gab, ult auch -.'lnl'.i. u.d in ja nicht ohi: Iolgen - Tie- R-.-gier»»g. wirk von »i::t a» e:ic.rgticher anf der Achtmig für die 2taatsg: undge'. tz - besteh-»,-»nd es kann ja auch die von Tr. 2clun-f in der -.'nimmer vsiti.l.I.-Aiignst .eonuaii.te Besserung im Tone der Berhandluuflen :»> 2 i.zburgzr «Gemeinte rat he im xfcliieitcii. Maßgebend itt aber die 2om:»et',i'a» nicht, denn ich habe auell in den letzten 2oini:iern ivabrgeiromuieu,^ dal; die AnS fälle der Anli'emilen in d-er heißen Zeit stets au 'Warme abuahme». Mil Bergungen werde ich" aber eon'ialiren, wenn die!.-,, verniin'lige Haltung gegenüber den. Viberale» nicht von den .'glneszeiien bee,n'lnßl nnd von Toner sein wird. ' - , 'Ter g-ill! Jvcid'tillflcr. Wie bereits gemeldet, hat die "hazer 2laalSanwa>tschast gegen de» dortigen nK-lneinderaili -I e i ch l i n g c r dic Anklage wegen dreier von ihm begangener Telieje .erhoben. Je ich tingcr crsdieint angeklagi der Mitschuld wegen Krida »ad; SS 5 und Tt.-G. in Ansehung seiner engen Berbindling,»lit dem stark r>erschllldctcn a»tiscmilischc»^„Grazcr Erlrablatl" : wegen Berbreiinng falscher- '.'eachrichken nach S -'-OK 2k.-G., indem er in dcnl gena'inte» Blaltc anläßlich des Erdbebens - in Taibach die Ksachrichl verbreitete, die Stadl sei durch einen'ncilcrtichen Erdikoß gänzlich in Trümv.icr gelegt worden; wegen liiimu-iigting in eine Amtshandlung nach S~ und 2(17, indem er anläßlich einer im vorigen Monaic ahgelialtcncn Bersanttnlung der Grazer Gastwirthcgenottcnschasl gegen den anwesenden.