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Freies Blatt · 1895-08-25 · 177 (25.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
177 (25.8.1895)
Date
1895-08-25
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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“fite 2. .f reif» Blatt. Nr. 177 'lüfte ca »ni ballst ischcr Gewohnheiten bci Slave» und Germanen vorbaii&cii. Bon Sen Japäncrn erzählt Marco Polo: „Trifft es sich, daß ein von ihnen zum (befangenen gemachter Fremdling sich durch Geld löten kann, so gibt man ihnt alsbald die Freiheit; hat der Arme aber kein Gelb, io wird er gctödtct und gekocht und dann in (Gesellschaft non Angehörigen und Freunden verzehrt." Partheina von Bologna nun lf>00' kennt auch auf Java Kannibalen: „Man findet Länder auf dieser Insel, wo die Bewohner gar Mxnschensteisch essen. Sic Kaden folgenden abscheulichen und unmenschlichen Brauch: Wenn ein 'Barer alt wird und zu keinerlei Arbeit mehr tauglich ist, so nehmen ilm 'eine 2blute und nächsten Freunde und verkaufen ihn: die Käufer lodien, kochen und cffen ihn alsdann. Wenn ein junger Mensch schwer erkrankt und man befürchtet, daß er nicht wieder aufkonimcn werde, so wird er gelödtct von seinen eigenen Lerwandten und zum Essen an Andere vertäust." Zum Schluß des CapitelS weist Bcrgemann darauf bin, daß änch in Europa während des ganten Mittelalters nicht nur zahlreiche Rudimente die ehemalige Herrschaft der Anthro rordagic bezeugen, sondern daß sogar hie und da noch abergläubischer Wahn in eannibalistischen Ausschweifungen sich Bahn bricht. Bon den Hunnen wird berichtet, daß sic die Herzen ihrer Gefangenen zerstückeln und die Slücke glcich'am als Heilmittel verschlingen. Aber auch weder 'tu skandinavischen Norden, noch unter den Slaven war die Menschen- 'renerei unbekannt. Bon dem slavischen Stamm der Wilzen erzählt 'B'otker ganz ausdrücklich. daß ue• die Reichen ihrer Eltern zu verzehren t'flegten. Im „Atlamal" der Edda ist „ihnesteischcr Mahlzeiten" gcdacht ,nir das deutsche Bolksgcbict aber ist es sehr bezeichnend, daß i":: .. I , S.ilt.-uein Berbot des Eannibalismus zu magischen Zwecken >n:! .u:. .lnkerenanr ist auch die von Kngler ((beschichte der Krcuzzügc, B ,l.: 1^^". S. mitgekhcilte Ilcberscvung eines französischen du!i:.-s über die Belagerung von Antiochien; da heißt cs: ^!! ::.:en ar eie Türken und weiden gm sie ans. 1' : e::en mir gelnaien wirk Mim das ,Fleisch zum S-Hman». '.'UU ir.utlia, munde!'» ihn.'»: sie esien's unge>al;en, '..ud an d des Brots dazu Crut mancher spricht mir Schnalzen .'»n ''einem '.'»'edcnmann: »Tie sZaüen find vergangen, >r:ll mein rediag nicht nach beffrer .Hofl verlangen: . 5 :r, Sänneinsieinch lieb' ich's vor und ölgeiottnem Schinken, rasst NI!» tioii giiili.h Ibii», bis wir ZN Loden linken!" T ie belagerten Mnliamedancr sind Aber die „Schändung der lotten" entsetzt, so daß Boemund von Tarent cS für gut befindet, 'ich in entschuldigen und den Führer des Gesindels, welches die lodien Slirten verzehrt l>at, den Bettlerkönig Tafur, einzig vcrantivorilich ,u machen. Aut der asiatischen Inselwelt ist die Mciischcnsrcsscrci noch stark verbreitet Aut den Philippinen, wo die sogenannte „KopsschncUcrci" noch in Blüibe steht, schlürfen die Bewohner das Gehirn der abge- , sch tage neu Schädel au». Auf iimor-Vaut, einer der Banda-Inseln, ' iverdcu Bündnisse besiegelt durch daS Berzchrcn eines Selavcn, und das Fleuch der :m .(iampre Gciodlelcn wird getrocknet und genoffen. Auch au'' den großen Snnda Inseln Snmatra und Borneo herrscht ohne Zweitel Mcnschensrencrci. Bei den Eskimo in Nordamerika iverden die Heren Ciiii.'--nrh..k 1 getödtct und zerstückelt, und >kcder frißt . ein Stink von: Herzen, damit sie nicht spuken und sic erschrecken. Auch Nach'nchi — in Berbindnng mit Aberglauben — kommt als Motiv des _ MenschensreffenS vor. Eraii; Historie von Grönland, Barby i 177o, S. 24!' khcilt mit, daß die Eskimo in Grönland die Meuchcl- | mörder steinigen oder erstechen^nnd Stücke von ihrer Leber und ihrem j Herzen verschlucken, damit deren Anverwandte dadurch das Herz vcr- | luvai, sie anzngrcifen Im alten Mexico, zur Zeit der Azteken, ' benschten Menschenopfer iu fürchterlicher Ausdehnung' und in Bcr- : buidung damit Mciischcnfraß. Ter rothgcklcidete Priester sing daS j Blut der tt'eschiachtcien auf milchte cs mit Mehl und gab cs den! "'laubigen zn kosten. Ern später soll man sich daran gewöhnt haben, | uu.ii dn Glieder der Spier zn verzehren. Arme und Beine wurden n, das klebrige ward den Thieren vorgeworfcn. Unzweifelhaft . ' . ' d:e Bolokndcn Menichenfresier bis auf den heutigen Tag, und j r. \!u ans 'krache oder Hunger. Ein Botokudc sagte: „Wir cffen .'(''ui, warum nicht Menschen, 'wenn sie todt sind?" Tic Kariös- :! am Paragnan pflegten im XVI. Jahrhundert Kriegsgefangene,! i"nu. und. Weder, zu mästen, che sic sic verzehrten. Tic TupiS, zn beiden Seilen des Urnguan, waren zur Zeit der Entdeckung auch arge M.mschentreffer, und zwar ans Kriegswuth. Einem Gewähr--! in rnii a. arwin's hat ein senerländischcr Knabe erzählt, daß in Zeiten! d e .'Gib die alten Weiber gefressen würden. Man erstickt sie, indem; mau sie über Nauch hält. Auf die Frage, warum man nicht statt i der allen Weiber die Hunde schlachte, sagte der Knabe: „Hunde fangen Ottern, alte Weiber nicht!" TaS allergeringste Aufsehen würde Schncider's Aeußcrung unter den eingeborenen Schwarzen Australiens und der Inselwelt der Süd sce, „auf dem classischcn Boden des EannibaliSmnS" Hervorrufen, denn dort florirt der Mcnscheubratcn noch ininicr. Diese Unsitte vcr hindert mit das stärker: WachSthum der australischen Stämnic. Zivil lings-, ja Drillingsgeburtcn sind häufig, aber nur einem der Kinder wurde oder wird das Leben geschenkt, und auch Piescm nur, wenn seine älteren Geschwister fähig sind, der Mutter auf ihren Zügen ohne Hilfe zu folgen. Tie Frage über Vcbot und Tod entscheidet bald der Bater, bald die Mutter, die sich sehr häufig mit Nachbarinnen und Kindern aus dem oft mit unnützer Grausamkeit Gemordete» ein c»l sctzliches Mahl bereitet. In Ecntralausstralicn werden die Leichname gegessen, „damit nicht weiter um sie getrauert werde". Stirbt ein Kind, so ißt die Mutter den Kopf, die anderen Ksirdcr im Lager daS klebrige, „damit sic schnell wachsen". Als Grund ihres Hasses gegen ihre Nachbarn, die Merkani, geben die Narrinyeri an, daß jene fette Leute stehlen, um sic zu verzehren. G. Taplin („The Xarriiiyvri". S. 2) erzählt: „Ein Monn, der eine fette Frau halte, ließ sic nicht gerne allein." Nach H. Zöllcr (Deutsch-Neu-Guinea, k.K'.kk, S. 21:’,. wurde eine nicht ganz geringe Anzahl der Fidschi-Lehrer des Christen thnins in Britisch Nen-Guinca in den zwanzig Jahren, von 1*71 bis l*ssl, von den Eingeborenen erschlagen und verspeist.. Die 'Neu Briiannier vcrthcilcn iuid kochen ihre eigenen verstorbenen Angehörige». Auf Neu-Jrland fanden Brown und Cockercll 3:') menschliche Unter kicfcr in einem 'Hanse; 76 Einschnitte an cinein Balken vor vcui Hause deuteten auf cbensoviclc gefressene Menschen. Geräuchcric Mcnschenhändc und andere Körpcrtheile fanden sich in demselben Hause vor. Als der Missionär Turner bei eincul Eingeborene» einer der Neu-Hcbridcnittseln wegen der bci seinem Stammc verbreitete» Mcnschcnfrcsscrci Borstellungen machte, erhielt :r die Antwort: „Schweinefleisch ist gut für Sie; das paßt aber, für n»S!" Ter vierte Abschnitt bringt eine ansehnliche Zahl Belege für daS Bestehen der Menschenfresserei in Afrika. Wir glauben 'hier schon genügend grancnhaskc TetailS vorgcbracht zu haben, so daß man uns weitere Auszüge aus dem übcrqnellcnden Borrathc der Broschüre gerne erlassen mag. Bergemann erblickt, wie im Beginn so auch zum Schluß seiner Tarstcllnngcn in der Tcsinition der Menschenfresserei als einer Kinder krankheit des Menschengeschlechtes den ihr' gegenüber einzig möglichen Standpunkt. „Krankheiten erklärt man, d. h. führt sie auf ihre Gründe zurück und sucht sic alsdann zu heilen. Man entziehe dem Eaunibalisnins seine Fundamente, d. h. beseitige die Motive, die man als die treibenden erkannt hat, und er wird verschivindcn. Hub wenn cs auch wohl nie eine auf der ganzen Erde aiicrkanntc, uniforme Ethik geben wird, ebensowenig wie eine universelle Aesthetik, so können wir doch hoffen, daß der Abscheu vor drm Eannibalismus einst ebenso allgemein sein wird, wie cs etwa derjenige vor dem Morde jetzt schon ist."- Tie Nutzanivcndnng dieser Conclusion auf den AntijemitiSinuS ist einleuchtend. Mögen rabiate Haßprcdigcr immerhin ihre Kräfte anstrcngcn, um Zustände herbeizuführcu, die abnormcp Neigungen Bor schub leisten, alle ihre Bemühungen werden und müssen an der vor geschrittenen Enltnr scheitern. Auch Schneider hat noch keinen Juden gebraten .und gefressen. I >r. K'. Russische ^uden im Staatsdienste. tSriginal-Mitiheiluirg des „Freien LlatteS".) Petersburg, l'>. August. Wiewohl die Judenfeinde in Rußland sich bemühen, die russischen Unterthancn mosaischer Eonfcssion als ein Conglonrerat schlechter Eigenschaften hinzustcllcn und ihre Rechtlosigkeit zu rechtfertigen, fördert das Leben jedoch stündlich Thatsachcn zn Tage, welche diese Bciirühungen zunichte machen und die Anschuldigungen gegen die Juden schlagend widerlegen. Wenn der gegenwärtige russische Justizminister, Staatsrath Nicolai Murawjew, allgemein als liberal gilt, so hat er diese in Rußland verpönte Bezeichnung nur deshalb erhalten, weil er auf dem Boden der Wahrheit und Gerechtigkeit steht und die zur Berfolgnng Andersgläubiger angeführten. Scheingründe nicht gelten läßt. Hier in Petersburg weiß man sehr gut, daß die jüngsten Entscheidungen des Senatezu Gunsten der Juden, über welche wir dem „Freien Blatte" seinerzeit Bericht erstattet haben, nur auf den Einfluß Murawjew's zurückzuführen sind. Allein man würde sich gewaltig irren, wollte man

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