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Freies Blatt · 1895-08-18 · 176 (18.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
176 (18.8.1895)
Date
1895-08-18
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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/ Nr. 176. - Frei»» schlefien» in der Höhe von 10 Millionen Tonnen stände den beiden Berliner Firmen die Bersiigung über 8—8'/, Millionen Tonnen zu, und sie seien in Folge dessen im Kohlengeschäfte Oberschlesien» allein bestimmend und herrschend. — Diesen Angaben gegenüber ist, wie nun die halbamtliche „Be rliner Lorrespondenz" erklärt, sestznstellen, daß die Handelsfirmen Cäsar Wollheim und Emanuel Friedländer und Co. sich bei der Verdingung größerer Kohlenlieserunge» an staatliche und private Verwaltungen sehr häufig in hartnäckigem Wettbewerbe gtgenüberstehen, so daß von einem Kohlenringe dieser Firme» nicht gesprochen werden kann. Ferner sind außer den genannten Handelkfirmen »och mehrere zum Theil recht bedeutende, durchaus unabhängige Firmen beim Vertriebe der oberschlesischen Kohlen ihätig; außerdem bringt eine größere Anzahl von Gruben» Verwaltungen ihre Förderung ganz oder Iheilweise ohne Vermittlung de» Großhandel» auf den Markt. Zu diesen gehört der'größte Steinkohlenproducent Oberschlefien», der Bcrgfiscu», welcher im Jahre 1894 nur etwa 30 Percent seiner Förderung durch Händler abgesetzt hat. Die Beiheiligung der Firme» Cäsar Wollheim und Emanuel Friedläuder und Co. an dem Absätze der oberschlesische» Kohlen ist daher auch bei Weitem nicht so groß, wie die „Ämi^ zeitung" behauptet. Von der gesammten Steinkohlensörderung Oberschlefien» im Jahre 1894, welche über 17 Millionen Tonnen — nicht 10 Millionen, wie die „KreuUeitung" angibt — betrage» hat, sind eiwa 6'/, Millionen, d. i. 39 Percent durch diese Firma verkauft worden. Diese Beiheiligung, so erheblich sie an sich auch ist, reicht aber keineswegs hin, um ihnen, selbst wenn sie ein heitlich vorgeheif. würden, die Beherrschung der Preise zu ermöglichen. In sehr viel höherem Maße al» von dem Willen der beiden Berliner Großhändler hängt die Preisbildung auf dem oberschlesischen Kohlenmarkte einerseits von de» Vereinbarungen ab, welche die Privatgruben über die Normalpreise, unter denen VcrkaufSabschlüfle nicht realisirt werde» sollen, eingehen, andererseits von der Feststellung der Kohlenprcise aus den siScalischen Gruben. AlS Besitzer der beiden größten Steinkohlengruben OberschlesieuS verfügt der BergsiScu« über eine Jahresförderung von fast 4 Millionen Tonnen und Übt, da er die Production zum weitaus größten Theile unmittelbar an die Lonsumente» adsetzt und die von ihm geforderten Preise ösientlich bekannt gibt, den wesentlichste» Einfluß auf/die Kohlenpreise in Oberschlefien auS. (Frau Schuutz begnadigt.) Die wegen Meineid» in der Angelegenheit des früheren antisemitische» ReichStagSabgeordnrten Leuß zu neun Monate» Gesängniß verurtheilte Frau Schnutz ist der „Staatsbürger Zeitung" zufolge begnadigt worden. Die arme Frau war das Opfer deS schönen Leuß, welcher so lange das Geschäft eines Kämpen für die „Reinheit christlich-germanischer Sitten" betriebe» hat, jetzt aber für einige Jahre ein contemplativeS Leben in einem Zuchthause führen muß. Ihr ist die Begnadigung wohl zu gönnen. Feuilleton. In Acht und Wnnn. Roman aus Polens Vorzeit jj von / Carl Griot. , , I ‘ (17. gorlskyung.) Am nächsten Tage um die Stunde, in welcher der König den Rath der Edlen bei sich empfing und die RcgierungSgeschäfte erledigte, hatten sich im großen Berathungssaale die Edlen zahlreicher als sonst versammelt und harrten der Ankunft des Königs, der denn auch gleich darauf eintrat, strahlend und mit heiterem Lächeln auf den Lippen. Er war auf mehrere von den Edlen zugetrete», und ihnen freundlich zunickend, wechselte er einige Worte -mit den ihm zunächst Stehenden; aber war es, daß der König in seiner sonnigen Laune nicht genug freudige Gesichter um sich sehen konnte oder war dem wirklich so: auf den Mienen der Anwesenden lagen düsterer Ernst und starre Entschlossenheit ausgeprägt. BoleSlaw ließ seinen Blick erst eine Weile, prüfend über die Versammlung hingleiten, dann aber schritt er rasch zu seinem Sitze hin, um zu erledigen, was dringend war — denn er hatte Eile, eS drängte ihn heute ganz besonders zu Lca hin; er konnte der nächtlichen Begegnung in ihrer Straße nicht vergesien und fürchtete, daß cs am Ende gar auf das geliebte Mädchen abgesehen sei — darum wollte er die Versammlung schnell zu Ende fahren, und ohne sich weiter um dir mürrischen Mienen der Edlen zu bekümmern, winkte er den Kanzler zu sich heran. „Nun, Graf Spitichnev, bin ich bereit, Euren Bericht anzuhörcn. WaS soll der Gegenstand unserer heutigen Berathung sein? Doch, vergebt, wenn ich Euch, edler Graf, um etwas Eile bitte — ich habe gerade heute Dringendes zu thun." Statt. ' Seite 9. Der Kanzler wollte sprechen, doch da vertrat ihm Einer aus der Versammlung den Weg, und sich vor de» König hinstellend, sagte er kurz und bestiilunt: „Es ist nicht viel, Bolcslaw, waS wir heute zu berathen haben, und mit kurzen Worten ist'S auch gesagt: Wir Alle, , die Ihr hier um Euch seht, haben unS cntschlosien, Kiew zu verlassen und wieder, in die Heimat zurückzukehren . . ." „Ja, so Gott will," unterbrach ihn Bolcslaw, „führt' u»S unser Weg bald nach Polen zurück." „Nicht erst; so Gott will," cntgcgncte mit trdtzigcin Muthe ein Zweiter, „mein Herr König. Wenn wir wollen, und wir wollen — gleich, so schnell als möglich, uns brennt der Boden hier unter den Füßen „WaS sicht euch an?" rief heftig erregt der König, „weshalb wollt ihr. . ." 1 „Wir wollen nicht, Herr König," trat da Graf Jaromir von Rodcc an den König heran, „nein, wir uittfsen! Daheim bei unS da haben sich schreckliche Dinge zugctragen, und ich weiß, wenn Jhr'S hört, o König, dann lastet Ihr uns gerne ziehen, auf daß wir wieder zum Rechten sehen können zu Hause. Ihr wißt eS ja auch," fuhr er fort, „und habt eS auch vernommen, daß unserem Lande Unerhörtes widerfahren . , ..“ „Hat ein Feind uns neuerdings bedroht?" frng BoleSlaw, und über sein Gesicht zuckte es. , „Kein Feind, Herr König," fuhr Graf Jaromir fort, „den Feind hat ja stets Euer tapferes Schwert aufs Haupt geschlagen; nein ein ärgerer Feind ist uns erstanden an den Sklaven, die sich empörr gegen die Herren und die im Vereine mit den Bauern die größten Greuel verüben: sie brandschatzen und plündern, morden und sengen daheim auf unseren Burgen, auf denen sie sich als Herren geberde», da ja die Herren so lange mit der Rückkehr säumen, und was das Aergste ist und uns die Schamröthe ins Angesicht treibt, das mich erschauern läßt, wenn ich daran denke, daß diese Hunde sich unserer edlen Frauen und Mädchen bemächtigt haben —und —weiß Golk!" und er bedeckte in namenlosem Schmerze die Augen, „wenn ich zurückkäme und meinen Töchtern wäre solche Schmach widerfahren tmit diesen meinen Händen wollte ich sic erdrosseln! — Darum, Herr König, kommt, verlostet Kiew und kehrt mit uns heim in unser ' schönes Polenland." „Was fällt Euch ein, Herr Graf? Jetzt Kiew verlosten, jetzt, wo wir unS der Herrschaft über die verhaßten Rüsten freuen und - wo unS noch so manch ruhmreiches Tressen winkt?" „DaS Ihr allein ausfechten »löget, Herr BoleSlaw," sagte mit höhnischem Ausdrucke ein Ritter, „wir aber gehen zurück und rette»" unser Eigcnthum. . . ." _ ■ „Ihr wollt? 's ist euer Ernst — ihr wolltet euren Küaiig verlosten?" — _ _ „Der König kann mit uns gehen'" riefen ^Mehrere dazwischen. „waS hält ihn hier zurück in'fremden Landcn?" „Der Schlachten sind nun genug geliefert," riefen Andere, „genug edlen PolenblutcS habt Ihr vergasten in Euren ruhmreichen Schlachten." „Ja, und weun's Euch gefällt in Kiew," warf kühn ein Anderer da zwischen, „dann bleibt, Herr König, nur getrost hier, wir ~ aber kehren heim zu Weib und Kind. . . ." „Der Herr König weiß ja nur zu gut," ließ - sich da aus der Reihe der Versammelten eine Stimme vernehmen, „daß es nicht gut thut, wenn man sein Hans verläßt und ein junges Weib allein und schutzlos zurückbleibt." . , Bolcslaw war zusammcngezuckt, und sein Blick kreuzte «ich mit dem — Bogdans von OSwielicc! Heiliger Gott! Was war das für ein Bljck! Haß und wilde Rachsucht loderten darin auf und senkten sich vernichtend auf des Königs Angesicht -7- und da dämmerte cs plötzlich auf in seinem Geiste, daS war jener" Blick, den er schon mit gleich haßerfülltem Ausdruck auf sich gerichtet gesehen — daS was derselbe haßdurstigc Blick des Unbekannte» von heule Nacht! Und jetzt ward cs ihm klar: Bogdan wußte um seine Beziehungen zu Froswitha, und er haßte ihn, de» König, mit aller Macht und mit all der Leidenschaftlichkeit, die feinem trotzigen Wesen inncwohntcn. Von Bogdan konnte er demnach nichts Günstiges erwarten; er konnte i» ihm fürderhin nur seinen Todfeind sehen; und so wandte sich den» der König an die anderen Edelleutc, und seinen königlichen Stolz bezwingend, bat und flehte er sie an, ihn nicht zu vcrlastcn. „Seht," sagte er, indem er seinen Blick in die Runde schweifen ließ, „ich will ja nur euer Wohl, und wenn ich hier zurückblcibc, so thuc ich's nur, weil ich eS für Polens Vortheil halte urrd weil ich den Rüsten zwingen will, unS noch weitere Zugeständnistc zu machen, die euch wahrlich nicht zum Schaden gereichen würden. Hab' ichS um euch

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