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Freies Blatt · 1895-08-18 · 176 (18.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
176 (18.8.1895)
Date
1895-08-18
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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.freies Blatt. Nr. 176. Seite 8. Lüben und drüben. Ta» 'Deutsche Reich und Oesterreich Ein Bruderbund umsticht; „ln Manchem sind sich beide gleich, jedoch in Allem nicht. Lin blaueS Blümlein oft ich fand x»n beider Land und Stadt, Tort heißt es „Lieb' zum Vaterland" Heißt'« hier nicht Land'sverrath? I. .11-r. W i e u, im August 16!>5. Aus antisemitischen Blättern. iTao Rrchisgefübl der lronfrssions- und Raccnhrtzer.1 In einem arnivimti'd’en Schandblane, welches „Witz" — lux a non lucendo — feilbietet, n’ivf frr jüngste Uebertall in der .üärnlnerstraße dazu benützt, um diejenigen, welche die Ansichreiinng begingen, >'o zu verherrlichen, als ob sie sich im Interesse des B.nerl.iiikes durch besondere stiibuheit ausgezeichnet hätten, dagegen die Ov'er lenes ErceneS zu verhöhnen. Sind es doch Semiten! Ein anderes gleich-e wendiges Organ der Aiitiieiniteii bemüht sich, einen entlasienen Foritbeamten zu rechi'ortigeii. welcher in Budapest einen reichen Juden, seinen früheren Cbes, ivegen Rickilbeack'knng einer Forderung, die er mit Recht oder Unrecht gestellt s baue, überrolle» und erinoidet hat. Bei dem Rechtsgefühl dieser Sorte von j Publikum tonnte es nicht befremden, wenn auch ein künftiger Hugo Schenk l •eine'.:: würde. AUerdtiigs müßte dieser vorsichtig sein und seine Braute | uiv'il'; 'stich aus de» Reihen jüdischer Dienstboten wählen. iGra; als Mnstcr.i Man schreibt uns a»S Lemberg: Tie „iia/otu i N’-.i .i.nv.r, ein Blatt, welches schon seit Jahren den rüdesten A»ti>emitismuS! vstegt. wenn es auch manchmal scheinheilig versichert, die deutsche Art der | Ra.eu und Leuse>üoii-dbeye zu verabscheuen, nimmt von dem Beschlüsse deS Grazer i^eiiieiiideralhes gegen „mißliebige Zuzüglinge" mit großem Behagen | ‘.'i'cir, und knüv't au denselben folgende Bemerkungen: „Tiefer Beschluß, iebr j g.-maßig: ili den Ausdrücken, aber vollkommen durchsichtig, könnte als Muster! allen l'b-mejnkerälben dienen, namentlich in galizischen Städten, welche, wenn l es 'st weiter 'ortgebt, vollständig in Iutendände kommen werden. In Lemberg hestebt Zwar der Blau, aus dem Haliczer Platze einen großen städtischen Bazar zu erbauen, in welchem die Localiläten ausschließlich an hiesige christliche diaus- .ente vermielhet werden sollen, aber ob und wann es zur Erbauung dieses Bazare kommen werde, weiß nur Gott." Es wäre sehr Übel angebracht, wollte man Anlisemileii vom .naliber eines Meruiioivie; darlegen, daß ihr Boibaben inii dem ''leiste der zu Recht bestehenden Gesetze nicht in Einklang zu bringe» 'et. geschweige denn, daß es ans Gründen der Humanität und Billigkeit veru er'lich ev'Aeine. Mitmenschen zu demülhigeii und zu schädigen, um sich ''elbst Bertbeiie zu sichern Wir wollen Lader nur einen Umstand betonen, kür welchen die <i /. m N:iivm|..u i und ihre Hintermänner ein größeres Berständiüß! '.den: die Mackiisrage. In Galizien stehen die Tinge anders als in dreier m i>!: r e g.'.lizi'.ch.'it Juden sind keine >'o schwache Minorität, uni' sich »ich :i d en z.i Inuitn. Wir zwei'eln auch nicht daran, daß sie bierznlande dort, wo u. in sich Graz zum Muster nehmen sollte, an den Urhebern und Milschuldigen d...iiischeii Sokialieiorm" häusig Repressalien üben würden. Und wahrlich s!ugi nicht im Interesse des Landes, solche .stäniv'.' bervorzurufen, um der Gfbä'sialeil einzelner Hetzer Rechnung zu tragen und die Habiudil eines Häurl.'ins ren Speknlanlen, welche im Trüben suchen wollen, zu befriedigen. Äillis dcr Brokncid Alles leistet.) Man schreibt uns ans G a h a in Mähren: Taß die C-ueilr Antisemitismus so häusig der erbärmlichste Brotneid ist, uiird' cheu o't dargelegt, und letzthin lieferte das in Proßuiy erscheinende •.rtivmi:: \te Innglichechenhlall „Slova n" hiefür wieder einen klassischen Beleg In Gana wurde wie alljährlich seitens der Bergleule das St. Prokop- I- >i ge'eierr. Rach dem Festgottesdienste zog die ganze Bergknappenschaft unter d.jl .tzlängeii einer Musikkapelle in das von Gaha etwa 10 Minuten enlkernle T ar> Rl'i'chiv. woselbst im Gaslbausgarten des Herrn R h b a r s ch sich ein ckkes lind rechtes .sinrpvenkest adwielte und in musterhafter Ordnung verliefd m B" ginaiin-i'este waren seitens der Bergverwaltung alle Honoratioren 2:;'! ingeladeii. Ten Umstand nun, daß .das Fest nicht im ilavischen B'r.i i-di . -. >o»d,'i» beim Gastwirlbe Rybar'ch, der ein Jude ist, abgehalten der Loire-vondent des „Slovan" herbei, um über die Bergverwaltung >ii ' Mj i i'siae deutsche Gymnasium herz,»allen. „Das Fest." perorin derEorre'z.'n'r. t. .ist d>---H,!b bei einem Juden gehalten worden, damit di» Professoren :..d:;en GymnasinrnS sich dabei betheiligen könnten."! lsijn ivcknlatives Prcisanrjchreibeii.i „Es gibt Antisemiten, die das Geldi ri.;i-;i .1 nau '. gut verstehen wie die Juden" — so schreibt das christlich- '.v a.!ii"i'e:n!:»'che r; f" des Herrn Stöcker und führt als Beweis das . „Deutsche Volksrecht" der Herren Ahlwardt, Böcke! und Bodeck an. Dieses Blatt bringt an der Spitze seiner Nummer vom 7. August folgendes Preisausschreiben: An unsere Leserinnen und Leser! Ermulhigt durch die ständigen Erfolge, die das „Deutsche Bolksrecht" zu verzeichnen hat, soll hiemit ein Preisausschreiben eröffnet werden. Wir setze» drei Preise au« für Originalnovellen, Erzählungen, Reisebriefe, Plaudereien und Skizzen aller Art u. s. w Dieselben müssen bis spätestens 20. August in unseren Hände» sein und aus dem Couvert den Bemerk „Preisausschreiben" u»d ein Motto tragen. Das Preisrichteramt übernehmen zwei Herren aus der Redaktion. Folgende Be stimmungeu bitten wir zu beachten: 1. Sämmtliche Bogen sind einseitig zu beschreiben und müssen links oben oder am Ende der Arbeit Namen, Straße oder Wohnort des Einsenders tragen. 2. Die Arbeiten dürfen nicht mehr als 800 Tnickzeilen umfassen und müsse» leserlich geschrieben sein. 3. Sämmt liche eingehende Arbeiten sind Eigenthum der Redaktion und gelangen je nach Beurtheilung »ach u»d nach in unserem Blatte ohne Anspruch om^^Honorar zum Abdruck: Die preisgekrönten Arbeite» werden zunizchst/veröfsenllicht. 4. Jeder Zusendung ist eine Zehnpfeunig-Briefmai ke beizufügen. 5. Jeder Zusendung ist die letzte AbonnementSauillliug beizufügen. 6 Jeder Einsender erklärt durch seine Zusendung sein Einverstäliduiß mit vorstehende» Bestimmungen. Folgende drei Preise sind ausgesetzi i 1. 10 Mark baar. 2. Ein voll O' ständiges Exemplar „Bolksrecht" 'gebunden 3. 10 Agitationsschriften und 6 Novellen. Wir bitten unsere verehrte» Leserinnen und Leser, sich recht zahlreich an diesem Wettbewerb betheiligeu zu wollen. Mit sreideutschem Gruß * Redaktion des „Deutschen Bolksrecht" Hiezu bemeikt das „Bolk": Heißt e Geschäft! Gelingt der Plan des Herr» Böckel, so gehen eine Anzahl von Originalnovellen, Erzsihluiigeu, Reiiebriefen, Plaudereien, Skizzen u. s. w. ei». Sämmllich in einer Ausdehnung bis zu 800 Druckzeilen. Ta« „Deutsche Bolksrecht" erwirbt also einen ordentlichen Stapel. Manuskripte. Und was kosten ihm diese Manuskripte? An'prnch auf Hruorar gibt es nicht, wie e« ausdrücklich »»ler Bedingung 3 heißt. Äomnien also nur die Presse in Betracht. Der erste beträgt 10 Mark! Pyramidal! Ter zweite besteht in Makulatur. Ter dritte desgleichen. Selbst der Buchwerlh dieser beiden Presse — reeller Werth ist nur mit dem Micro'rop festzustellen — dürfte sich aizs höchstens 6 Mark belausen, da das „Teulsche Bolksrecht" erst seil dem I. Avril Id'.R» erscheint. Für eine Ge'amuitausgabe von 10—16 Mark hosseu asso die Herren Böckel und Ahlwardt zehntaujende von Truckzeilen „Original maiiu'cripl" zu erwerben. Doch nein! So Koch beläuft sich ihre Ausgabe gar nicht einmal. Jeder Zusendung ist ja laut Bedingung 4 eine Zehnpsennig Maike beizulege». Bon der Rücksendung der Mannscriple ist nicht die Rede. Tie beiget'ügten Zehnpseiinig-Markeii sind also baarer Berdienst der Herren Redakteure, sozusagen das Ki„,rinsgeld zum „Deulschen Bolksrecht". Nun. aufs Enlröeiiehiiien hak sich ja Herr Ahlwardt immer ausgezeichnet verstanden. . Betheiligen sich recht viele Leser des „Teutschen BolkSrechls" an der urgermani'cheii Preisbewerbung, so wird ' der Ertrag so ziemlich derselbe sein wie bei einer mäßig besuchten Volksversammlung Schließlich isl'S ja auch einerlei/ ivie die Anhänger der Ahlwardt und Böckel ihr Geld los werden, obdurch den Besuch der Versammlungen ihrer „Führer" oder Mitarbeit an ihrem Parteiorgan. TaS Eincassiren von Zehiipfeniiig Marken scheint Svekialiiät der Redakteure de« „Teutschen BolksrechtS" zu sein. Wenigstens leie» wir au anderer Stelle derselben 'Rümmer: „Wir wollen von jetzt ab jeden Sonntag einige Preisräthsel in »isserer Zeitung bringen. Jeder Einsender von richtigen Lösungen nimmt an der Berlosung der fünf Preise lheil. Als Preise sind gute Agitatiousschriflen ausgewäblt. 'Tie Lösungen müssen bis Freitag Mittag mit beigeschlossener Zehnpfennig-Marke i» »nserem Besitze sein. O.uittung über richtig eingeiandte Löningen und über die Gewinner ivird in der Sonilabendiiummer gebracht." Wir möchten wohl wissen, wie die Herren Ahlwardt, Böckel und Bgd ck es trennen würden, wenn eine jüdssche Zeitung sich in ähnlicher Wesse am die Ausbeutung ihrer Leser durch Perlockung zur Einiendung von Gratismanuicripte» und Zehnpfennig-Marken verlegen würde. Ganz richtig! WaS aber das Oigan des Herrn Stöcker hier von der Clique Ahlwardt und Böckel sagt, gilt im Große» und Ganzen von vielen anderen antssemitische» Häuptlingen — nicht nur in Teutldilaud sondern auch in unserem lieben Oesterreich. („Jüdischer lstohlkiiring.' - Tie „Rrenzzeitung" stellte unlängst in einem „Jüdischer «ohlenriug" üherichriebenen Artikel die Behauptung aus, daß die Berkanssprel'e der Sleinkohlen in Oberschlesien durch einen siohlenring bestimmt und bochgehalteu würden, von dessen Existenz man bisher wenig gewußt habe. Tieier Ring werde von den Berliner Oiroßhäiidlerfirmen Cäiar Wollheim und Emanuel Friedlänber und Co. gebildet, welche seit einige» Jahren die Produktion der ineiste» oberschlesischen Gruben an sich gezogen und die christt lieben Firme», die früher au dem Bertriebe der oberschlessscheu stöhlen erheblich betheiligi gewesen' »eien, angekauft oder unter Wahrung de« äußeren Scheins der Selbstständigkeit in sich ausgenommen hätten. Bon der Gesammtproductio» Ober-

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