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Freies Blatt · 1895-08-18 · 176 (18.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
176 (18.8.1895)
Date
1895-08-18
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I Ht. 176 _ „ ,«f r e j c1 (Zum Wahlkampfe in Favoriten.) I» der Anliskmitenveriaminlung im X. Bezirke, in welcher die Gemeinderalhs-Candidalur Tranidaner'S aus-! gestelll wnrde, spielte sich auch eine Hübsche Scene ab, die „tief blicken lä|jt" J und von der wir nachträglich Roli; »ehinen wollen. Ter Borsitzende Dr. Lneger j erlheilte den Ordner» den Austrag, den Fleischhauer Stefan „hinanszuweisen", welcher sich durch die Enthüllung, daß er von Trambauer 150 fl. erhalten, um j zu dessen Gunsten von der Kandidatur zurnckzutrcten, bei den Christlich-Sociale» ] sehr inißlicbig gemacht hatte. Allein die „Dentisch-Voltlichen" verhinderten die Aussnbrnng dieses Anstrage«, indem sic sich uni den bedrohte» Fleischhauer schaarlcn, und sie riefen dann den Srdner» höhnisch zn: „Euer Glück, daß ihr Stefan nicht hinauSwersen könnt, denn sonst ginge es euch Allen, Tr. Lueger -voran, an de» strage»!" Tao Abstiininiingsreinltat wurde von den „Deutiich. Volklidien" al« Schwindel bezeichnet. Am 14. d. M revanchirken sich dieselbe,,. Sie veranstalteten eine Bersammlung, in weicher Trambauer und seine Göüner „verrissen", die Christlich-Sociale» aber, welche sich ihrer' annahmen, hinan»- j gewörsen wurden. Al« Gegencandldat wurde der Borsieber der Einspänner-! qeuosienichast, Lchrabaner, ausgestellt. ■! ,Gilt schlrchtrr Scherz.» In einer S i IN NI e r j n g er Bersainuilung von! Antisemiten lobte Tr. Carl Lueger die Grazer Stadlväier wegen ihrer Stellungnahlne gegen die „mißliebigen Znzügiingc' und fand den Umstand - bezeichnend, daß die Jiiden sich daraufhin geineldet habe», obwohl inan sie ja gar nicht genannt halte. Ta» ist, mit Berlaub, ein schlechter Scherz Tie Juden leniien zur Genüge den Anlisemileujargon und wissen eben, aus wen cs die Gödel und H o s in a n » v. W e l l e n h o i abgesehen baden Andererseits wäre ja auch Tr. Lueger nicht darüber im Zwciiel, iger nnier ..Benscht-Tocior" zu verstehen sei, wen»;. B >» der ..Sonn- und Monlagezeiinng" von cinelii! solchen die Rede wäre. « (Bo» dcr Schuhiiiachkr-Griiossenschasl. > Ci» gr.ucs Sireislicht aus die Zustande i» dcr Schnlnnacher-Genossenschail, deren Teilung sich bctaniil^ich iu | antiseinilischen Händen befindet, warf eine die>er Tage abgckalleue Ver'aniin- > lung von Schuhlnachetineistcrn, ans deren Tagesordnung eine Besprechung de» I Verbalte»» der Genossenschaslsvorstehung zur gegciiwärligen^Crhöhnug d r Ledervieiie soivie der Borgängc bei der letzte» Gr, oi'cii'chailsver'aininlunq stand. j Meister l’nciiin eiörlcile in eingehender Weste ta» Bo>gehen der l^enossen- . schaslSvorstehnng in Betreff der Lederpreiie, Sie habe die vitalsten Inter, sten « der GewerbSgenofsen nicht rcrlrelcn. Trei »'christliche Anträge ''eien i» der levlen Genossenschaslsversammlung an die Borstebung gerichtet, aber nicht einmal zur . Abstinilnuug gebracht worden. Gegen die Eihöbung dcr Lederpreiie habe die j Borstehnng nicht» gelban, und diee» Vorgehen lönne durch nichts gerechtfertigt! werde». Wenn cs gelie, di^ Auslräge der Herren Tr. Lueger und Schneider anszuführen, dann wisse der Vorsteher, Herr Bitza, ivirkliiigevolUeiiiznticlen — warum nicht für die eigenen GewcrbSgenosie» V Cs s.i nicht 'eine Vilichs, ein Vorsteher der Schnhinacher-Genosienichasl für Tr. Lueger und Schneider zu sein, sondern für säinunliche Schuhmacher Wiens. Hieraus stilnte Meister sl.a » ba ans, daß die Genofseuschaslsvorstehung nichl den Willen habe, etivas zu il>un. Ta her »väre es höchste Zeit, daß sich die GewerbSangebörigen gegen die Genofienschaft als eine gewerbliche, ans rein wirlhschasllicher Grundlage stehende B>,llclpanei organisire. Rah-zu säiniulliche Ge»vsse»schaslsvorstcder stehe» ii» aniisciniliichc» Lager und vergessen um polnischer .»iannegießereien willen ganz ihr eigentliches Ziel. Jeder Vorsteher sollte über den Varleie» stehen und habe gar kern Recht, ein einseitiges Parleiinleresse zu verfolgen. Meister Eckelbari ivieS daraus hi», daß die antisemitischen £ rgane sich bisher stets als die Schützer des kleinen Manne« »erklärt haben, aber jetzt, da eS de» Schuhmacher» schlecht gehe, habe mau deutlich gesehen,' was von dieser Vertretung zu halten >'ei. Olidit ein einziges Wort habe diese Presse über die gegenwärligc Bewegung unter den Schuhinachern verloren, hingegen haben sich die Blätter der liberaleli Partei, denen die Gegner ftels Gewerbeseindlichleit vorwerse», iu wärmster Weise der Schuhmacher i» dieser Angelegenheit angenommen. Ter ehemalige Genojsenschaftscassier Peiska schilderte sodann die Mtßsiäudc in der Verivallnng. Tie Rechenschaftsberichte, welche der Geileralversaminlung vorgeleg, 'wurden, seien aus Grundlage fingirler Ziffern zusammengestelll worden, Lehrlinge seien ohne Gesellenstück und Lehrbrief sreigesproche» worden, und in seine» Hände» befinden sich noch heute, wiewohl er seit lange discivlinariter entlassen worden sei, Rechnungen im Geiammibetrage vo» Uber IG» st., deren Eincaisirung ihm übertragen wurde, die jedoch schon längst bezahl! seien. Er lönule, sagte Peiska, »och viel erzähle» von dcr Bertheilung der lkuterstützungen, an denen auch Ansschußmitglieder parlicipirl habe», von der Vergebung der ärarUche» Arbeiten, von der Revision der Bücher re., aber er wolle sich vorläufig Reserve anserlege» und zunächst seine Rehabilitirung im Wege eines „Plebisciis" anftreben. Wird Tr. Lueger auck, die Zustände in der unter. christlich socialer Leitung stehenden Schuh machet-Genossenschaft „rein elbisch" finden? «.Dir anklskmikischen Pöftskalldcdiciisiktcii.s Die Poststallbedienstelen Wiens, namentlich die Postillone, sind mit dem Erbpostineister Ritter v. Uhl und seinem Secreiär Hühnerbein unzusrieden und vetlangen eine Verbesserung ihrer materiellen Lage. Den Herren G e ß >» a n » und Genoffe» ist e« nun gclnngen, diesen Leuten weiszumachen, daß sie auf dem Wege der christlich-sociale» Anlisemiterei vorwärts komineu werden. Sie veranstalten jetzt Blatt. toeite 7. lärmende Bersainmlungen und geben sich dem. Wahne hi», im Zeichen det „weißen Relke" zu siegen. Ter Siegeszuversicht dürfte aber für so Manche mit bittere Enttäuschung folge». , ‘ u. > ' «Reinliche Scheidung.) In Are in s fand eine von Arbeitern vcianstaliel- Versammlung gegen die Erhöhung der Bieruinlage statt. Ti^ -Llnnsennlcn, welche nriprünglich in dieser Angelegenheit mit den Arbeiter» geinciusaine Sache machen wollten, waren später anderen Sinne» und rclirirlen. Ein hierüber entrüsteter Arbeiter. sagte nil»« Man sehe jetzt, wie lene Leute, welche durch scheinradicale Phrasen de» Mittelstand und die Arbeiter ködern wollen,. dort, wo cs gilt, für die Interesse» des kleinen Mannes wiNnch einzulreten, sich feige aus dem Staube inachc». Tie Arbeiterschaft iu .strcms-habe endlich die rein liche Scheidung von de» sogenauulen Anlisemile» vollzogen und werde lünsiig wisse», daß sie Mir durch eigene Xrait eine bessere Cristen; erringe» lönne i Förster in Württemberg.) Ter G>,n»iastallehrc, FJsrilcr, Reichs,a>,s äbgeordneter von Ahlivardt's Gnade», benützt seine Ferien zu a»liie,nili,che>, Hetzversaininlunge» in Württemberg. Es ging ihm aber bisher nicht sonderlich gut. I» Stuttgart machten nur Wenige von der Vergünstignug Gebrauch, Herr» Förster zn höre», und lachten ihn ans, al/ er pathetisch erklärte, er iveade nicht eher ruhe», bis die- „Judensrage" gelöst fei und sollte er einhalber Ra,, d «rüder werde». Roch schlechter war eS ihm schon vorher iu H n l d r o'u » er gange». Iu der dorkijjen Versammlung lonntc nian sich über die Vilduug d.s Bureau» nicht einige». Ter Vorschlag, den Laudiagsabgeorductei! 'B e tz zum Vorsitzendcu der Vcriammliing zu wählen, fand zwar Anklang,, Herr Betz >: kläric aber ieiin riciis, daß er den Vorsitz mit dem Begleiter des Herrn Förster, dcm ' Redacieur der seit einiger Zeit iu Stuttgart erscheiucuden anttseuiiliicheii ,.Schn-äln icheii Reform'. einem Herr» V ö s e » h e r g, nicht «heilen lönne. Tie Aulnemilen ihateu daeüber iiirchterlich beleidigt und vertieße» ustverrichteicr Tittge das Local. Tic Versaiutiiliiug selbst ging icdoch nicht atisriuandcr. Es ivurde zu nächst vo» einem dcr Aiuvcseiiden eine längere Aniv'ache gehalten, die iu der Aitfiorkeruug giviclte, mau möge einer Partei, wie der a»l>»e»i>n-cheii. d,iL Rücken lehre» itnd sich vielmehr aus dem Slandpuiikt der Gerechtigkeit stellen, die de» .'ianips gegen alle Ausbeuter, ob diese' dji iftltdien oder iitPi-dteu Be leninnisses sind, gebiete, und schließlich wurde eine Resolution ge -.en en. Aul' seiiiilismus angenoiiimen. t „Äinanmit il>m." zC i ii Z u l u n t t 8 b i l D aus d e m W jener «'> e >» e > n d c i a t b >. > - G e m e i u d c r a t h X. I vou der -Foilschriilsvarlei >: Ich biri.--lstu's Wor«! V ii lg o r m e i st e r Lueger« Jetzt nicht, spater'.' . . __ c m e i i> d e l a l h X..(»ach einer dalbeu Stuiide : Ick« bitte »m'sWäi:! - B ii r g > r m o i st cv L ti e ger: Was ivolleii Sie-deun .- Cpi’oütion inachen'-' G cineiirtcr a l b X,: Ich bitte, Herr Vorsitzender, ich ivollie i-tii daran' hinweiie», daß eS dem Gesetze nicht entspricht ... Bürgermeister Lueger: Tas tonnen Sie >'väier vorbriilgen! G e »i e i i, d e r a l h Aber ich bitte, ich muß doch iageii dürseii, das; dcr Borgang bei der Wabl in Favoriten weder' dem G.-.n- »och :.>»> Anstant .... - ' . B ü r g e r in e i st-e r Lueger« 'Was, von der Wahl i» Favoriten ivollen Sie uitfdicu'r- Raihsdiencr, werfe» Sie des >lerl hina-ie! iJoklender B>'«ill der Cliristlich-Sociate» n»d ans der «üoierie , So c»va tünnle eine Gciiikinderalhsfitzliiig auS'eben, ivenn cs Tr. z'ueger mit Hilse «eines d>ristl>ch->oc>alcii Aiihanges gelmgcu >'ollie, eine 'Maioiitäl im tünsligkii Gcniciiidelaihe zn erlangen. Man greift sid> verwniiderl an den xov', wenn inan liest, wie eS in den amifemitifdien Wähle,verianiintimgc,! i>'v: zugeht, Tas ist jä die reinste Gewaltherrichast. Tr. Lueger als Vointzenr--i der Bci'sanmillliig in Favoriten laßt kniziveg Jeden durch >'eii>e «Trdner H.mstuechie hinailswerscii, rer eS wagt, anderer Bieiuuug zu sei» als r. tiud 'ein dnistlid' , socialer Anhang, „Hinaus in ii ihm!" Tas ist die Regieningslnaiime dieies Herrn, der mit seiner Gefolgschaft schier de» Raihhans-aal denioliien ivolUe, wenn einmal ein liberaler Bürgermeister genötbigl >var. von dem Aiisidiließnugs Paragraph der Gcmeinderalhs-Gcschästrortlinng gegen einen excedirende» Antiseinile» Gebrauch zu machen, lind der wnrde dod> nicht binausgeivorsen durch ein Spalier von gut besanstcre» Männern, sondern c»lsadi eiiigeladen, ieinew Sitz zn verlasse» .... Und Tags daranf e>klärte ein anderer Barstvender in einer Anliiemilcnversammlung im Radsbaibezirle: „Wer sich nidtt beugen will, der ivird gebrochen!" Das sind ja recht iitllc Grlinhjütze. Sie sind wahrlich sehr verlockend, ein Regime Lneger herbeiznsehncn, nnd >vir empfehlen diese Vorgänge Allen, welche jemals an die Lügen über Vergewalligniig der Piinorilät, über niigerechle Behandlung der Spposilion:c. Glauben geschenkt oder sidi durch da» fürtwähreiide Wiederholen der falschen Beschnldignnge» etwa zn dem Glaube» . verleiten ließen, es inüffe doch etwas daran sei». 'Wer bei den bevorstehende» Wahlen ii» Sinne Lneger'S feine Stimme abgibt, der erklärt sich damit ein , verstanden, daß in Hinkunft gegen Jeden, der anderer Meinung zu feilt wagt, al« der „Herr vo» Wien", die Regieriingsinaxime zur Anwendnng komme« „Hinaus mil ihm '

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