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Freies Blatt · 1895-08-11 · 175 (11.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
175 (11.8.1895)
Date
1895-08-11
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 175. Freier B l a t t. Stile 5. wurden, bestätigten vollinhaltlich die Angaben der Anklage. Michael Pichler wurde zu 48 Stunden Arrests verurtheilt. (Die Zustände in Salzburg.) Bon Herrn Consistorialrath Dr. Schöpf erhalten,wir eine Zuschrift, der mir nach dem Grundsätze: „-Vnckiatur et altern pars" im Nachstehenden Raum geben: Weit entfernt, hem wackeren Mitarbeiter des „Freien Blattes" nahe treten zu wollen, drängt eS mich doch im Interesse der Wahrheit zu einer thatsächlichen Berichtigung: Nach den wiederholten Berichten Ihres geschätzten BlattcS scheint cS, als wenn die Saisonstadt Salzburg vom Antisemitismus durch und durch inficirt, die Bevölkerung fast durchgängig aus fanatischen Judenfressern zusamnicngcsetzt und der Gcnieinderath ein Miniaturbild Ihres Wiener KunlcrbunlS wäre. Ich bin lange genug in Salzburg, um sagen zu können, dag dem nicht so sei. Wohl .habe» vor Jahre» der „Khffhäuscr", der „Germanenbund" u. a. unsere gute Stadt sehr diScreditirt; aber daS sind ti-mpi passati. Derzeit ist es anders. Im Genicindcrathe füllt nie ein antisemitisches Wort, den hier ansässigen Israeliten wird nicht die geringste Schwierigkeit r bereitet, die Presse bringt auch nichts Gehässiges, und so manche Theilhaber am „Gcrmancnbnnd" schämen sich ihres ehemaligen Gekreisches. Man kann sohin zufrieden sein. — Die Wahrheitsliebe des Herrn ConsistorialratheS Tr. Schöpf ist ebenso über jeden Zweifel erhaben wie die unseres anderen hochgeschätzte» Mitarbeiters, welchen er „thatsächlich berichtigt". Es kommt da eben auf die Auffaffung a», welche auch bei GesinnuugSgenvssen oft diametral entgegengesetzt ist. Gewiß wäre cS wünschenSwcrth, wenn sich die Dinge so verhielten, wie der Herr Consistorialrath glaubt. .Allein wir tönnc» unS, auch im Hinblicke auf die Mitlhcilnngc» antisemitischer Blätter, leider nicht der Besorgniß erwehren, daß der jetzigen Salzburger ÄemeinderathSmchrheit daS Lob, sic sei in antisemitischer Beziehung enthaltsam, keineswegs Zusagen werde. (Troppaucr Bubenstreiche.) /In Troppan wurde neulich im KioSt, ganz verbogen und ruinirt, ein AuShängschild der Firma S.--S o » n e n b l u »i gefunden, daS RachtS entwendet worden war. Ebenso wurde doS Firmaschild dcS Advocaten Dr. Eisler von der HauSthüre abgeschraubt und wcggctragcn. Dieser Biibcnstrcichc verdächtig erscheinen „arische" Studenten. Die „Freie-Schlesische Preises schreibt: Tie Thäter sind allerdings unbekannt, aber die Entwendung dcS Schildes von Tr. Eisler, gegen den ja der hiesige Antiscinitcnmoniteur seit dem bekannten Preßvroecß eine beispiellose Hetze insccnirt hat, weist, zumal da» zweite Schild ebenfalls von einer jüdischen Firma ist. ganz bestimmt aus Buben, die von gewisser Seite zu solch n Streichen wahrscheinlich geradezu angclcitct werde». Wenn mau aber Studenten im Verdachte hat, so ist dies auch dadurch gerechtfertigt, «veil solche Bübereien immer nur während der Ferien, wo eben Siudcüten hier sind, Vorkommen. Das sind die "Früchte der" antisemirischen Hetz- und Wühlarbeit. (Ter Wiener Saattinuarsk und Ungarn.) Der „Bester Llond" schreibt: Trotz der zahlreichen Mißerfolge der letzten Jahre und trotz dcS Fernbleibens beinahe aller. Fremden im vorigen Jahre bemüht sich die' Wiener Börse abermals im Jntcrcsic der Veranstaltung eines internationalen Saaten- und Gctrcidcmarktes in der österreichischen Hauptstadt. Da die Bcrhältnisie, welche im vorigen Jahre die ungarische Äaufmannschaft zur Absentirung von dem Markte vcranlaßtcn, sich nicht gebessert, sondern verschlechtert haben, nachdem die Wort, sichrer dev Wiener Bevölkerung nicht allein die Juden, sondern neucstciiS auch die ungarische Nation zu begeifern und zu bcschinutzen gesucht haben, wird wohl kein ungarischer Kaufmann an dem Markte thcilnchmcn. Tic Arier vom Grund sollen ihre Geschäfte unter sich abmachcn und sehen, wie weit sic cs in ihrer Jsolirthcit bringen. Bis jetzt haben die ungarischen Produccntcn und Händler durch ihr Er-' scheinen in der österreichischen Residenz den dortigen Verkehr belebt und ihr Geld dort verzehrt, sie werden sich entfernt halten und dabei nicht nur keine Einbuße erleiden, sondern auch in der Achtung derjenigen gewinnen, die Elassen- und Raeenhaß verabscheuen. Die ungarischen Kauslcutc, die in daS internationale Coniit«'- für den Saatenmarkk berufen wurden, lehnen der Reihe nach die Mitgliedschaft ab, und ihr Beispiel'wird für die Gesammtheit maßgebend'sein. Lhne jedwede Agitation, deren cS diesmal nicht bedarf, wird der Saatenmarkt ohne ungarische Besucher stattfindcn uud dadurch um seine Bedeutung gebracht, denn, wenn die ungarische Waare und der ungarische Händler fehlen, schrumpft die Veranstaltung zu einem Localmarkt für Wien und Riedcrösterreich zusammen. Die wüsten Schreier, die in Wien daS große Wort fahren und ihre rohen Fäuste gegen wehrlose Menschen erheben, wollen den Handel -erschweren; erst letzthin hat einer ihrer Partisane im Rcichsrathe erklärt, daß die meisten Hotelbesitzer mit Vergnügen auf die Abhaltung des Saatcnmarktes in Wien verzichten, weil jetzt ein distinguirtcs Publicum in Wien verkehrt, worauf Prinz Liechtenstein .den geschmackvollen.Zwischenruf leistete: „Und nicht die Körndljuden." Der Wunsch dieser Herren soll von ungarischer Seite erfüllt werden. (Goethe über Doleräliz.) Aus den reichen Schätze» de« '„Goclhennd Schiller-Archivs" in Weimar veröffentlicht dessen Dircctor, Hofrath Professor Tr. S uphan, in dem eben, erschienenen sechzehnten Bande des „Gocthc-JahrhuchcS" einen von Goethe im Herbst IMti verfaßten, aber aus nnbeklannten Gründen nicht in Druck gegebenen Aufsatz Goethe bespricht! darin die für daS Jahr I M7 bevorstehende mib allgemein für den :>l. Octobcr bxabsichligtc 30l»jährigc. Jubelfeier der Reformation und erklärt sich für die Verlegung des Festes, auf den 18. Octobcr, um cs so mit dem Dank und Erinncrnngssesle der Völkerschlacht bei Leipzig zu einem Feste zu verschmelzen. .Rachdem Goethe die naheliegenden Praktischen Gründe. ..die hieilir sprechen, kurz dargclegt hat. fährt er fojrt: „Und dann läßt sich in keinem Sinne ein höhere« Fest siiidcn silS daS aller Deutschen. Es ivjrd von allen Glaubensgenossen gefeiert! und ist in diesem Sinne noch mehr als- Ratioiialscst: ein Fest dir reinsten Humanität. Niemand »ragt, von welcher Eonscssion der Mann de« Landsturmes fei, Alle ziehen vereinigt zur Kirche und ipcrdcn von demselben t^vtlesdieiistc erbaut; Alle bilden einen Kreis lums Feuer und werden von einer Flamme erleuchtet. Alle erbeben den Geist, an jenen Tag, gedenkend, der" i:ine Glorie nicht etwa nur Enristcn, sondern auch Inden, Mohammedanern und Heidciz. zu danken »at. Man denke sich nun den Geist von diesem großen Weltteste zurück auf ein spccialcs Kirchonicst gelenkt, an wUchem ein reines Gemüih oft keine vollkommene Freude haben kann, weil man an Zwiespalt undi Unfrieden, ei» ungchcuics .Unglück einiger Jahrhunderte erinnert wird, ja, was noch ichliminer ist, daß er sich sagen muß, daß er sich von denjenigen, mit denen er sich vor vierzehn Tagen ansS Innigste und Kräftigste verbunden gesuhlt, trennen und sic durch diese Trcinung kränken muß. Und gerade die Freude' einer liebevollen Einkrucht wird man hier inebr vermissen als die Feiicrfackeln und Erlen htuiigc» aller Aik, weiche freilich nicht zu wiederholc» sind. Siein brotesiaiitischcr Staat, iiv welchem nicht lialholikcn sind: dicie werden sich in ihre Häuser vci'chließen, sowie iinigckchrt i» katholischen' Staaten der geringeren Anzahl von. Protestanten nur in aller Stille ihr Fest zu feiern vergönnt sein würde " (.Heilt ist'« lsicldgtfchäflt.l In den ->rreisen der, Tivoli und rrscht lebhafte Befriedigung darüber, daß der Tageblattes", welches dem jatliam betannie» in zwei Aitikeln den Vorwurf des Wuchers Geldstrafe verurtheilt i auch ein für Herrn H sonstigen Antisemiten h ckiedacleur des „Berlincz Oberlehrer Dr. Heutig machte, vom Schdffengdrichte in der dentichen Metropole zu einer hurdc. War aber der Verlaus des Proc-sies »tig ehrenvoller? Länen wir hier einen cknizen Verhandlnngsbericht folzen: Tie wesentlichsten M »»eine de! Be,veisver>ahre»s waren: Zunächst wuree dei Z.-mze S ch e l i ii g veinonnnen. Zw ,la!>re I1NN habe er in Haugelsb.-rg einen Van ausgc'illirl. i-hiegcniliäi eines <»e>piääies am Vierii'cke i» Fürüen ' ivalde habe er geböit, da; der Tbeilehrcr Tr. Heniig einem der Anwesenden eine Hnpoihel gegeben bald. Ta er in nään'ier Zeit cbeuialls eine HnvolluI brauchte, io habe er sich schri'llich an Tr. .Heulig gewandt. Ticker sei inu ihin in Verbindung geircle». Hube zngciagl, und gciiieiii-chasilich seien ne nach Fnrsiemvaide gereist. um daS,ti>eschä>l bei einem Aot.ar abmschtnnen. »nipwegS im Eisciibabnivag u habe Tr. Heutig' ihm gemgt, da;; n.in .h k> Pen ent ^iiv'e» zahlen das cheld seiner Ehefrau deshalb mnsse er. Säielii eiligen iliigi, die verlaut teil 150 Mart Enüchädignug Aöiblagc könne keine :>>e braucht, wudern eS sei Zahlung nicht ivarien leisen leheuS der Fall geiveje» iniine. Sodanp bade Tr. H-nng lieiverget:-.-'.-- gehöre. Sie hinten schon viele Verlust- . g, noch eine Em'chädigung za!.:-». T-- , " e >ein, er habe das Gele a>.r nu..- ihm nur angeuebm gen.-eu ü u. zu brauchen, >velN>es -’i.;’i: wäre. Tr. H e n t i g nr: -tc a.: aussage, daß seine Fortefimg in Velieü der Eul'chadigung! a Worte» fei. Er babc tei» Zeuge» diewereenng v.euf;>- für die er beim Ankauf :: :. an! ea»; :• Tar- Zeug. »- . ngriindel i -nnNS gea t n Ii>> bezakil bade, , ie zu damaliger Zen aber nur. aut!• ll gestaiibcn hätten Tie'en EoizrSverln» habe der Zeuge tragen, »innen. Ter Zeuge konnte sich nicht Entschädigung die Rede Aotlilagc befunden habe eingehendster Weise besr: VerneKiimng gei'agi habe barkei« gegeben. Tie Ais- Ter Zeuge räumte die» enlsrnne», das; von einer derartigen Vegründnng der zeive>en iei, er blieb aber dabei, das; er 'ich i» keiner Er lvnidd in kieier Beziehung vorn Verlbeidiger in gl und daraus hingcwicicn, das; er bei seiner eisteil er habe dem Tr. Heniig die l-'«" Aiark ans Taut- Siage habe er später unter seinem Eide >viderr»'eiieia.- Er habe die erste unrichtige Aussage gemacht'. weil er sich nicht bewuäiert gesuhlt und geglaubt habe, die Sache lowme dadurch aus der Ltzelt. Al« zweiter Zeuge wurde der .ua»su.ia»u Wotsert aus HangelSberg veriioiimen. In einem der incriininirtcu Artikel wurde-auch behauptet, daß Tr. Hi ulig sich als Mitglied beim BersicherungSverei» in

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