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Freies Blatt · 1895-08-04 · 174 (4.8.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
174 (4.8.1895)
Date
1895-08-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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rcte .<r r t i * s Blau. llt. 174. >>>- >‘ilor.iifn, x'iiftn und torui Puffe, mit der Pfarrer von Schöiisetd verstieg tuV. :n fincr Predig! ’oivfit direcl vor einem jüdischen Fabrikameii in Chodait wegen, 'einer „Gottlosigkeit" zu warnen. Pvn dem Dechanten in Elbogen werden •Y: t;VM>: aiiu'fimtiute Broschüren unter die Psarrkinder vertheilt iocDli*-fo — als Bkwerbcr auf fifltnt gauft.) Icr „Politische Per- . : n der christIichen HandelS- und/Hewerbetreibenden fürRieder- .sterreick" hielt am 1. August in Wäbring seine Hauptversammling ab, in u’fMifr der gewesene Gemeinderath Tischlermeister Jedliika als Gemeiuderaths beireiber an' eigene Faust auskral: seine Candidalnr wurde einhellig genehmigt. 'Wie Adlwardl sein „wohl und rechtlich erworbenes Geld" vertbeibigk.) Porige Wocke gastirtc Meister Ahlwardt in X i c I, und da beantragte ein 'oeial demokratischer Redner, Stadtverordneter H e i n z e l, daß Ahlwardl den . nach- Tecknng aller Regiekesten verbleibenden Ueberickuß aus der Porlragseiu- »abme. um seiiien chrifttiebe» Standpuiikt auch werkthälig zu dekräsiige», an die Kieler Llindenanstalt absühren solle. Ahlwardl wies diesen Antrag mit ' Einvba'e zurück, indem er auSfühne: Gerade von einem Social Demokraten baue er nicht erwauek, daß man ihm sein sauer erworbenes Geld streitig, machen welle.. Ter Portrag sei das Product seines Wissens und Studiums, ano eine pioductive Leistung, für weiche die 3t) Pfennige Eintrittsgeld die Gegenleistung darstiUen: unter keine» Umständen taffe er hier über sein wohl und rechtlich crivorbenes Geld verfügen. Ter lleber'chuß werde an die Caisc der antisemitischen „Polkspartei" von ihm adgesührt werden (Ruse: Ra! Ra! , und Rumand stebe das Recht zu, bicr a» einem Portragsabende, der absichtlich nicht als Polksveisaniinlniig angemrldet und angekündigt sei, Anträge solcher Art zu stellen. Rnr über das Geld der Hilden, Junker und Pfaffen, meint Abnrardt. dür'e man nach Belieben verfügen. >Tic Inden- und Proiestaitkcndclzc in Frankreich. > Wir haben ickon oft data»' bingcwie>en, daß die Aiitiiemiten nicht bet dem Kampfe gegen die Ind.'ii steben Intibin und dag speeiell in Frankreich mit der Iudciiverfelgling auch üne '«icke, fiöblichc-Protestameubeve ve,b»nden ist Run dringt die wohl iantii „pistle einititch" z» nennende „Tent'ch-Evangeli>che Knchutjeitnng" des vv. n .'dr'viedigeis a. T. Stöcker solgenden Bericht über eine antisemitische Pir'ä>nnilu»g in Parts: „T,oy aller An'k.äriiiig und Freiheit herrschen in Fi.iult.nch noch merkwürdige Unklarbiile» und llnfreihiiten in religiöser Bcz:e! an.! vor. To hielt kürzlich ein siüherer Bonlangist, T h i e b a u d, der sich mit Td. Trn in o n k, .cm Redactcur des Freien Wortes' zur Bekäinpfung die PtitenaniisMiis verbunden bat. ui» de» aniisem,raschen Mampf zu verstärken, einen Pottrag in Paris üb r die Fori'chriite der Reformation in Frankteich ttr Iab.en, der von Unrichtigkettc» wiininelte. Er suchte zu beweisen, daß der P. i'testatltismus eine englisch deutsche Religion und eine dem französischen Genie feindliche 7ei, deren Anhänger, die keine Patrioten sein köuiten, es lidüdein tireich! hätten, in der Republik eine nnglaubliche Anzahl von wichtigen 7-r'ten und SteUnngcii zu besehen, >o daß eine Million Protestanten die Geseve ..r .In Plill:ciik„ Kaiholilen machte. Rach Anstiichung der gröbsten Iir- .bnn.er ttnd llnr:chtigketteii 'ckloß der Portrag mit Annahme einer Reiolutio», ::t weicher v.u langt wntde, daß der vcltkiiche Eiii'uß der Protestanten und der I".aeu:,n geininteit weiden 'olle, so daß er dem Zählciiz.'erlältniß seiner Au : . ni'vrd.che " us antisemitischen Blättern. Gewissenlose Zeitungsniachr.) TaS ^.Deutsche Polksblatt" de -cht ldigte iw Rr. 2343 einen gewiffen Max H o r n st e t n, de» es als Inden h zeuch: eie, einer. Pernntrennng und erzählte, er sei verhaftet worden :c. In Rr. L3.',I erklärte aber das „Tentsche Polksblatt" die Meldung von der Te- ".audation und PerKastung nach ..genaueren Erkundigungen" für vollkommen wv' ihr, bemerkte, daß Hörnst, in kein Jude >ei, und verlieh ihm —wir wissen »litt, ob mit oder ohne Rachstcht der Taxen — tut Titel eines „vollkomm neu El renmannei". Acht Rnmmern später bedauert das „Tentsche Polksblatt", seine u. viüngliche Piridniig „vielleicht etwas.übereilt' widkriufen zu haben. Es berichtet! i! asr 2350, daß die .genaueren Elkundigniigen", von denen es acht 'Rumiilern; wr Piinbeilliug machte, nichts Anderes waren, als'die Angabegt Hornsteiu's I ell'st. d.ü'en „Aus'ehen" ihn habe glaubwürdig erscheine» laffen. her Ikdoch das ■ ..Tenlsche Polksblatt" aus" eine „freche Ail" getäuscht. Es hätte sich herausi v't. Ut. daß Hornnein IN der Tbat Peiuntieuungen beging und auch verhaftet! .irle Natürlich ist er wieder «in Jude. „Wie wir vernehmen, ersetzte ein Pe:n andrer t.« genannten Juden den Schaden, und die Firma ließ die Zach»! aiw stch beruhen" — schreibt j^tzt das 'aubere Antisemitenblatt. WaS wird es über : een Fall Hornstein, der bei dieser Zeitungsinache voraussichtlich noch nicht abgeschlossen ist, nach nun rem Ablauf von acht Tagen zu berichten wissen? i.Giiir »krschobkne christlich-sociale Reform.) Tie im Sinne der anti- > 'emiiiichen .stleiugewerbetreibenden gehaltene, vom ehemaligen Handelsminister )z) ii i in b r a n d geplante Gcwerbenovelle ist von dem dermaligen Leiter des Haudelsniiiiisterium« wenigstens vor d«r Hand zurückgistellt worden, und. zwar, n ie er sagte, aus volitischeu Motiven. Ein Wiener Äntisemitenblatt gibt auch;n, daß dieser famose Entwurf ein Politicum sei, und knüpft daran nebst einem Lobe des Grase» Wurmbrand folgende erläuternde Bemerkungen: „Ter Gewerbenovclle bürste also ein ähnliches Schicksal wie der armen Wahlresorm beschiede» sein und sie ebenso wie diese erst n»ter ganz veränderten parla meiitarischen Berhältniffcn, also unter einer neuen Regierung, beziehungsweise vo.r einem neuen Abgeordnetenhanse, bet deffen Wahlen die liberale Parte, hoffentlich gehörig gelichtet wird, zur endgiltigen Perhandlung und Beschluß, saffung gelangen, und zwar dann mit der Aussicht auf die Annahme jener Bestjmmnnge» des GesetzentwurseS. welche geeignet erscheinen, das solide christliche Gewerbe gegen die verheerende Eoncnrrenj dcS großcapitolistischen Speculanten thumS zu schützen." Schade nur, daß der Minister, welcher diese» christlich socialen Wechselbalg ausgeheckt, sich jnst auf. jene Partei stützen mußte, deren so zuversichtlich ' vorausgesehene Riederlage allein das Ziislandekommen dieser „politischen" WirthschastSreform ermöglichen lönnte. Hoffentlich werde» auch di« Liberalen in der Pereiilung dieses zünstlerischen Gesetzes stark und einig bleiben. fZum Falle BergatliI Eine Znschrist des Herrn Franz A r n o f ch t in der „S st d e u t s ch c n R u n d s ch a u" bringt zur öffentliche» Kennlniß, daß er vom k. k. Preisgerichte si re ins „zur Ablegung einer ZengenauSsage in der Strafsache wegen P»rbreche»S der AmtSveriintreuung zum Rachtheile der Ge nieinde Mühldorf" für den 31. Juli vorgeladen wurde. Tie antisemitische Be wcgung ist aber nichtsdestoweniger ihiem Ebarakter nach „rein ethisch". (Gilt Abschied.) Man schreibt nns aus Hanau vom L6. Juli: Unsere Collegen von der autisemiiischen Presse Haben, so glänz«»d oft auch ihre Stellung erscheint, nicht immer die rosigsten Eisabrnngen gemacht und gehören dann — gewiß ein Zeichen ihrer Charakieislärke und Wandluugssähigkeit — zu denen, ivelche ihre eftemaligen antisemitischen Brotherren am treffendsten char. kterisireii. TieSmal ist cS «in „College" von dem conlervativ-anlisemitischen und srommc» „Main und )i i » z i g> B o l e n", ein Herr T. Reiireuther, der folgende» stylvolle» Abichiedsgruß von sich gibt: . Freunde und verehrte Leser! Indem der couscivative Peicin wegen des leidigen Geldmangels darau' verzichtet hol, mich noch ferneihin zu beschäftigen, so erscheint zum letztcnmaie j am heutigen Tage der .Main- und siinzig-Bote' unter meiner Redaction, j mögen mir deshalb zum Abschied wenige Worte an meine Freunde und ver-! ehrten Leser vergönnt sein. Seil Uebernahmc de? Blattes — 1. Mai 18!12 — j habe ich oft erfahren müssen, daß da« Lebe» eines RedactenrS nicht auf Rosen gebeitet in . Widerwärtigkeiten und Chicane» aller Art sind mir nicht erspau! geblieben, aber ich habe nickt den Muth verloren. Rach ineinen bescheidenen Siräften habe ick das Ziel verfolgt, da« ich mir gestellt. Ich bin mir bewußt, wuS redliches Streben und Spferwilligkeit betrifft, meine Schuldigkeit gelhan zu haben. Allen Freunde» und Mitarbeitern, die mir treu zur Seile standen. Ihnen vor Allen fei mein liefgesühlter Tank ansgesprocheti, aber auch Tanl den Andere,,, die mir ans andere Art und Weise gcnüht. Tank allen edlen Seelen, ivelche unter dem Teckmantel der Anonymität und geschüyt durch die TiSciction des Retacteuis diese» dem Sbinm überließen, welche« ihre Artikel erzeugt; sie haben meine Meiischenkcuntniffe bereichert Tank ri.dlich dclijcnigen die, nicht wählerisch in ihren Miiieln, dem Blaue ihre absonderlich fromme Fürsorge widüieten, sse habe» mich gelehrt, der christlichen Tugenh eingedenk zu sein. HochächtungSvollst und ergebenst C. Renreuther." Herr O. Reureuiber hat hier in der Linken Babngaffe und in der Bandgatse gewiß nianckcn Collegen, der warmmit ihm fühlt und die Lchlnßworie de« Abschiedsgrußes voll u, d ganz zu wüldigen versteht. (Schade. > Au« Heidelberg wird »ns unterm 26. Juli geschrieben: Wil sinden im „Badischen B o l k S b o t e »" Rr. üü folgende Rotiz: In der. Flensburger „Norddeutschen Zeitung" macht ein jüdischer Kaufmann. MagnuS Kahl, das Publicn», aus sein Geschäft in olgender Reclame au' merksain: „Wenn der Kilchtknrm in FlenSburg sich plötzlich bewegen und sick aus der Wanderung »in di» Stadt herum befinden würde, w würde dies kaum so viel Aussehen erregen wie die neue GeschLst«e>öff»ung von Magnus Kahl, Flensburg" Ter gerichlsbekanute „Badische Volksbot«" knüpft an diese ge schmackvolle GesckäsiSreclame de« „jüdiicheu" Kausmannes einige nicht minder „geichmpckvolle Bemerkungen Schade nur, daß dieser jüdische Kansmann eben kein Jude ist, denn »ach eingezögencr genauester Erkundigung sind wir in der Lage, initzutheileu, daß Kahl Protestant und zdemgemäß der „Badiscke Volksbote" seiner netten Gepflogenheit, dreist zu lügen, treu geblieben ist. — Wie dieses Blatt die Lügen söinilich aus der Lust gieist, dafür noch ein anderes Beispiel: Am '22. Mai erzählte das ehremverthe „Schornal" seinen gläubigen Lesern, es seien die Gebeine der russische,i Soldaten, welche im Jahre 1876 i.u Kämpfe gegen die Tütken gefalle» sind, von der jüdischen Firma Kohn und Mittler in P r e ß b u r g in Bulgarien gesammelt worden und sollten in einer Spodiumsabrik in Wien veraibeitet weiden. Die ungarische Zollbehörde sei hinter die Gemeiiiheit gekommen, habe die Gebeine in Semlin anständig bestatten laffen und der Firma Kohn und Mittler wegen falscher Declaration („Thierknochen") eine Geldstrafe von 2000 fl. auferlegt. „Tie Jude» in Bulgarien werte» ihren besonderen Denkzettel noch erhallen," meinte der „Volksbote". „Nicht genug, daß mit falschen Wechseln und Banknoten sowie tni*

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