Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 174 (4.8.1895)
- Date
- 1895-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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.freies Slatt. reite Nr. 17 J fart ulu'vmcit'd)lid|c Anflrengnng entwickelt, befielt unendlich fegend reidieb- Hilfen die wenigen Männer voni „Rothen Kren;" zur höchsten Anspannung und Hilfeleistung entflammt, der Dual und Schmerzen, io n en ce mciifdUidK .Kraft vermag.;tt lindern und;» mildern sucht d ui nahenden Tode dje sichere Beule noch entreißt. Euch, Kameraden vom 2. BalaiUon, die das feindliche Geschoß auf der eiscrnainen Walstatt niederstreckte, euch dleidt der Name eures Retters nnvetgenen. Aber auch in den Herren aller Äugenzeugen lebt die dankbare Belehrung für unseren Oberstabsarzt Tr. Romenthal, den siegreichen Helden am Sdinierzenslager. Ter Mann der .Wissenschaft glänzt nidn durch xine stattliche Erfcheinung: er gibt auch nichts auf Äenßer!id>keilen. Ein militärisches Äuge wird von dem Anblick deS kleinen, unscheinbaren Mannes kanm befriedigt. Tie größte Schwierigkeit' bereitet dem Gelehrten das andauernde Reiten fächelnd schaut die Mannschaft dem uubckolfenen Besteigen feines großen, starkknockiige» Pferdes zu. 'Ton manchen fippen tönt eS bei diesem nickit allzu tcid>tcu Streben barmlos t'dierzend : „Wenn he man erst oben is — denn bet de Sdnüiinel ok Set Sdilinimske öberstahn." Toch wenn der .stampf beginnt, die beilige Pflicht gebietet, dann vollzieht sich in dem gela'i.nen We'eu des bodiverehrten Ärztes eine kaum geahnte, willens staike ilinivaiitlnng l^leickigillig gegen die fcknvirrenden Geichosie lenkt et 'ein Psetd bis in die SdiützeitUiiie, um dort die ersten Berwundeten mit ''’efjljr des eigenen Vebene sogleich zu verbinden und fortzuschaffen. General v. .st o i t tu 11? muß es wtederbolt befehlen, bevor Tr. Rofcntbal ans den! Sgttei steigt. Iudeß zum 'Riederlege» kann er sicki nickik ent'ebließen, obgleich der (General fürsorglich gebietet: „Äber, lieber Toetor. >di muß ernstlich bitten." - „Es ist wirklich einerlei, Herr "'enezal. ab liegend oder stehend. Jft's einmal so bestimmt, dann schürt deckt ketns von beiden " stitetttals t'ah man Tr' Rosenthal während des in genickter Haltung oder gar im Schlitz der sicheren Stellung «^leicki denk linerfdirockensten Führer blieb er aufrecht stehend rein in d.n /r. ent i:n stärksten stiigelregen. Saldi tapferes Be nelnn.n des „RtchteouN'attaiiten" läßt schon annähernd die tiefdnrch dlnng.ne T'iichitrene. und volle Hingabe erkennen. Ällein in ihrer ganzen den nndernngsrollen Größe zeigt sie sich erst Jenen, die de.n edlen Manne in' namenlos sdiwerer Ärbeit nczhe standen, staunt hat bei stanirt a»> 2 Tcrember begonnen, da liegen ancki schon die blutenden Sp'er jliidi dunklen Tunkten ans der weiten Runde. Tein ärztlichen Mnben gilt zunädist, die hilflose Anzahl in schützende Räume, und >e: es an di nur ein Stall oder eine Scheune, zu schassen. Ter eisige eirund und bittere Ft oft droht Jedem sidieren Tod, der blutend auf der Wablflati liegen bleibk. Erst die erstürmten und nickit vom Feuer zersts.ten Häufe', gewähren den erwünschte» Raum. Wenn ancki die Iauimerrnfe ans der weiten Ebene nicht ganz verstninmen, so mindert st dl deckt nach Stunden heißer Ärbeit das herzerbebende Aeckizeu der Sdiwerverwnndeten: ne wenigstens sind nothdürflig unter Tach und Fach g.'I argen Zunächst gilt des Oberstabsarztes heilige Pflicht naturgemäß den eigenen fandeskindern: dodi gleichen Anspruch haben ancki die ganz verlassenen sranzösischen verwundeten auf fei» von wahrer Menschenliebe bewegtes Herz Ein gräßlich Wüthen ist der Krieg — koch io;dl hellstrahlend humanes Wirken mildert feine größten Schrecken. j Tent edlen Mann gilt es gleich, in welcher Sprache der Angstrnf von! Nit bleichen stippen dringt Es ist ja meistens nur die eine Bitte, ein einzig Won. aber fo todestraurig, io angstvoll flehend, wie Menschenlippen es .nur je ge'prod>en. Bis zum frühen Morgen währt die fchwete. d:e zehnfache Hilfe erfordernde Arbeit des BerbindenS und der Amviitatioii. Ininilien des.qualvollen ärztlichen Berufes, unter den wiinmei nden iiiilT jaminernden Haufen der blutenden strieger bricht Tr. Rofenthal, körperlich und seelisch vollständig erschöpft, daS hilfebringende Instrument noch krampfhaft in der Hand, ohnmächtig nieder. : Wie iiiandier Invalide vom 2. Bataillon verdankt die Erhaltung feines stebens tiefem hingebnngsvollen Pfanne. Richt minder' glänzt sein! ritterliches Bdrhalten, da er dem Heinde schutzlos enkgegenkrak Rach dem i iiiientfchlekenen stampfe vom 2 Tcrember blieben unsere Berwundeten, *'> an derZahl, unter dem Schutze des Genfer streuzes in der Ferme l>:it Bonnes zurück. Am frühen Morgen des neuen Tages naht wuthentbiän.nt die feindliche Colonne. Tas rothe Kreuz wird nicht beackstet. Ter brutale Haufe trotzt den Befehlen der eigenen tCfftcierc.- Gegen;ekcs Tolkcrrecht erklärt man die Berwundeten zu Gefangenen und . entreißt ihnen die geringe Habe. Wer sich diesem rohen ehrlosen Treiben . wideri-tzt, wird mit der blanken Waffe bedroht und mit Gewalt bei zw»ngen T icfer empörende Borgang wird deni Hfberstabsarzt in der! deutschen stinie gemeldet, '^knr von einer Lrdonnanz begleitet, begibt! er stch sofort zur. Stelle und verlangt unter Berufung auf die Genfer! Eonvcntion die Freilosiung der Berwundeten. Als Antwort erhoben j Zehn, zwölf Mann ihr 's-ewehr schußfertig gegen den kühnen Sprecher. j Tideutschen Krieger und stazarethgehilfen zittern um fein Leben, s Er aber blickt verachtend auf tz,ie drohende Gefahr und ruft de» gewissenlosen Schützen in stießendem Französisch kaltblütig entgegen: „Ihr wollt Soldaten sein'? Ehrloses, erbäruiliches Gesindel, feige Eanaillen seid ihr. Weiter nichts! Schießt doch,"wenn ihr den Mulh dazu habt." stein Schuß fällt. Langsam senken sich die Gewehre. Ter überwälligende sittliche Ernst, die kalke Unerschrockenheit hat die sanatisirten Marodeure entwaffnet Bis znni commandirende» General Ehaney dringt Tr. Rofenthal vor, und feiner unbeirrbaren Energie gelingt es, wenigstens die Berwundeten vor der Gefangenschaft zu bewahren, die nicht mehr marfchiren können. Mit Gewißheit läßt sich sagen, daß diese ohne Rofenthal's ruhmwürdiges Berhalten ihr deutfckieS Batet land nie wieder gesehen hätten. Ehaney verweigerte dem deutschen Arzt den Rückweg durch die französische Stellung, er läßt ihn, von Pöbelhansen und der fapatifirten Bevölkerung arg belästigt, nach England eseortircn. In der schwersteü Zeit des Regiments ward unseren blutenden staineraden die schützende Hand eittuffen. Zum zweiteumale erleidet daS 2 Bataillon einen schweren, schier unersetzlichen Berlust So lebt im Herzen aller Augenzeugen das flüchtig skizzirte Bild der beiden Männer, deren beldenmüthiges Wirken in Hellem Glanze strahlt, so oft der Ehrentag von stoigny wi.'derkehrt. (Gestell DCU Boykott.) Tas deutsche Reichsgericht hat jüngst eine Entscheidung getroffen, durch welche die Aufforderung: „Kauft nicbt bei Juden!" als „grober Unfug" zu bestrafen fei. Tie „Kölnische Zeitung" schreibt hiezu: „Tie Frage, ob durch eine Aufforderung zu der Berrufserklürnng das Publicum als solckies belästigt wird, läßt sich nun einmal nick)t in vollständiger Trenunng von den politischen, religiösen und socialen Ansichten des Richters beantworten. Sehr begierig darf man darauf fein, ob nunmehr die bekannten Sdilad>trufe der Antifemiten: ,stauft nickit bei Juden!' auf Grund des Unfngsparagrapbeil verfolgt werden. Bislang waren die Gerichte in ihrer großen Mehrheit hi, zu nickit geneigt." Hcrt;ost Der Zllllsttrc.I Tie Weigt'fche „Wochencorrespondenz" fckireibt: Rudolf Heipog, der Begründer des Berliner Gefchäftshan'es, der als Jude ^geboren — feine Frau, eine geborene Sn. ist »och beute Jüdin -rivar bekanntlich bis an fein Lebensende ein eifriger Förderer des Antisemitismus, was bei Renegaten ja häufiger vorkoininen fall. Sein Sohn fd)cint nun nicht in die anti?ciii;tifd)en Fnßtapsen des BaterS treten zu wollen, denn er hat kürzlich für die Armen Berlins ohne Unterfch'ed der Eonfefsion 30.000 Mark gespendet. Zugleich ist für die Angestellten eine PensionScaffe mit einem Eapital von 12;">.000 Mark begründet worden, wovon die Witwe, eine Schwester des in Jena noch heute lebenden jüdischen Privat gelehrten Tr. S», loO.OOO Mark stiftete. Herr «HD Vielter.) ,Die „Lustigen Blätter" veröffentlichen folgende dialogifckie Scene, die sich zwischen dem Abgeordneten Ziinmermann und feinem angeblichen „Diener", der Millionär ist, während der Kieler Feste abgespielt haben soll: Herr: Hoben Sie schon meine Stiefel gepnvi- — Diener: Roch nicht, iäi baue es-vergeffe». — Herr: Ihne» gehen wohl wieder Jhie Paläste im xop> bennii'r — Xioner: Bitte um Berzeihnng, gnädiger Herr, ich hatte >'o viel Eoupcms zu sdnteiden, aber die Stiekelii sollen gleich geputzt werden. — Herr: R'achher inüsfen Sie am' den Markt; Sie sollen mir ein v-ar jiohl löpie beiorgen. — Diener: Wird beiorgt; ich lasse in einer Viertelstnnde meine' Egnipage amvannen und sahre nach dem Markt. — Herr: Wie spät ist es denn eigentlich? Ich kann meine Uhr nicht finden; ich glaube, ick, habe sie veiloren. — Diener: Es ist!l Uhr; ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, Ilme» niemen goldenen Ehroitonieler zu schenken, den Sie gerade jetzt vortrefiltch brauchen können. — Herr: Geben Sie mir Ihre AlterSversidiernngS karte: ich will da noch die Marken für die letzten Dienstwochen anfkleben. — Diener: Ich habe meine Alebekarte nickit hier; sie muß auf einem meiner Rittergüter liegen geblieben fein. — He r r: Morgen Rachmiltag reifen wir ab; packen Sie möglichst bald meinen Aoffer — Diener: Wenn ich mir eine Frage erlanben darf, gnädiger Herr: Fahren Sie and) erster (Stoffe? I Ter Antisemitismus in Bnlqarien.) Die braven Bulgaren, welche sich durch die grauenhafte Riedermetzlnng S tarn bul o w's aller östlichen und westlichen Gegner der Civilisation würdig gemacht haben, trachten nun, sich diesen durch eine stärkere Betonung des Antisemitismus nach der russischen Schablone — in Bulgarien ist alles Russische jetzt wieder beliebt — noch gefälliger zu erweisen. Wie aus Sophia gemeldet wird, beabsichtigt der Justizminister einen Gesetz; entwurf der Sobranje vorzulegen, welcher besagt, das Amt eine- Richters und Untersuchungsrichters könne nur ein bulgarischer Bürger bekleiden, welcher die Etdesformel bei der Dreieinigkeit ablegt, daS Amt eines Notars dürfe nur einem bulgarischen Staatsbürger anvertraut werden. Die Rechtsgepflogenheit in Bulgarien ließ ohnedies