Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 173 (28.7.1895)
- Date
- 1895-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Freies Blatt. Nr. 173. brockte Ablwardi selbst;>ir Sprache, tag er einmal von einem Lübecker Bürger au' einer Reise borlhi» einen Thaler geliebelt, aber, nachdem er sich holländisch emvfohlen, bisher die Zahlung »itterlasien habe. Zu seiner Rechtfertigung sagte der li. Rector, er bade wohl den Romen de« RolhhelferS entweder nicht genau verstanden oder auch vergeffen. In der Bersammlung wurde aber von dem xausmaune S e n d e l l constalirt, daß Ahlwardt gelogen. Ter Darleiher sei der Fabrikant T r a e g e r gewesen, welckier Ahlwardt seine GeschäftSkarle mit geiianer Adresi'e gab, io daß er den entlehnten Betrag sehr wohl hätte znrück- 'enken können. Ehe Ahlwardt die Juden Betrüger schimpfe, solle er erst seine Scknlden bezahlen. Unter dem Jubel der Versammlung wurde hieraus dem Gläubiger der Thaler vom Vorstandstische aus überreicht. Bei seinen traurigen Er'abr,tilgen mit holländiicken Emvfehluugen dürste Ablwardt fürder die „MynbeerS" ebenso ba»en wie die Juden, Junler und P'anen. Aus dir, du kleines, deutsche» Land, That Testreich sich entfalten Durch VolteSkrasi, durch Volksverstand Durch wei'er Herrscher Walten. Ein Tltrnverein nennt sich nach dir, Tu kannst ihtn'S nicht verwehren. Zumal er iüngst durch ein ,Turnier" Den Rauten bracht' zu Ebren. Tin /rkosterneuburg. Du Drt. berübmt gar lange Zeit Durch frohes Faßtrut'cken, Bist jevt berüchtigt weit und breit Durch'» lüngste „Jitdeiibut'ckett". Link fdiöne Partei. Zuin AntiiemitiSmuS Bekeititen frei sich heute Gar viele wohlstndirte. Viel' wackre, deut'che Leute. Und 'eine ivuitder''cköneii Und wei'eu Losungsworte •Harnt Jedermann leicht untenl Sie zieren die Ab .... ..Ui 1':':,. T. )!»-,. '*■ Seidlgasie 8, ein „Geistliches Kartenspiel" zum Vergnügen frommer Erde/. Pilger imd -Pilgerinnen, aber auch zum Droste der lieben armen Seelen in: Fegefeuer um den außerordentlich billigen Preis von 40 kr. zu bekommen ist. Das Spiel besteht aus 32 Karten in Farbendruck mit kurzen Belehrungen und Ablaßgebetlein in rothem Leinenetui. Aus der Gebrauchsanweisung entnehmen wir, daß mit diesem Kartenspiel andächtigen Christen ein neuer Behelf liebe voller Fürsprache für die Seelenruhe der Verstorbenen geboten werde. Derselben kann sich der Einzelne ebenso gut bedienen wie eine ganze Familie oder sonstige Gesellichast. Es dient auch vornehmlich der Abwehr sündhafter Einflüsterungen und Versuchungen von Seite Andersgläubiger. Jede der 32 Karten enthält eine Belehrung über christliche Tugend, daun eine Anregung zur Fürbitte-sür die abgeschiedene» Seelen und ein kurzes Ablaßgebet. Man mischt die Karten, läßt abheben oder hebt selbst ab, zieht eine Karte oder läßt sie ziehen, liest d.". Inhalt, und das Uebrige ergibt sich dann von selbst. Tie Erbauung ist da mit einer wohlthätigen Abwechslung verbunden, und es wird dies Spiel in fronuv gläubigen Kreisen gewiß vielen Anhang finden. Vielleicht werden nächstens au.i „christliche Triukgefäße" zu Nutz und Frommen durstiger .Seelen bei Wal-, gelogen angefertigt. Heutzutage ist ja in Wien, wo die schivarze Reaetir: drohend die Faust erbebt. Alles möglich. —> . Roms List und Alias Viilkcrpcst.) Die „Unverfälschten Deutsche.. Wortevom 16. Heuinonat bringen folgende Verse: „Und ob sich uns entgegenstellt In Chorhemd und Küraß Tie Dummheit einer Welt — Sie hemmt nicht mehr de» -Volkes Haß, -Tenn siegelt muß, was wurzelecht, Vor uni'erm Austurm fällt . Roms Licht und AsiaS Völkerpest, Dodfeind deutscher Welt!" Tte geistlichen „teuti'cheu Geistes" Förderer der Anti'emiterei nicht sonderlich erbaut sein. dürften von diesem Erzeugnis' 2his amifcmttifdicn Blättern. Gewissenlose Zcilungc-inackc. Wir chabeu schon wiederholt daraus bin - n - t:canu'euiiti'chen Sudelblät'.er mit der Ebre von . :::': . v, :u;n;,r. si, Rick:a>:ti',mi:en oder gar Juden verinutben. I..- .7Zeilungsutache liegt nun neuerdings vor. In „Deut •'V o , k » b l a 11 e s" erschien folgende Rotiz: uns tv.trde der Beamte der Firma Schenker u Cie., Mar .' >, u, e.-v Unterschlagungenim Betrage von »>«10 ft. gestern Wien i’.tl'.i’ret. Durch 'al'.be Buchungen wußte Hornstein der : .-..tuebetriiger-'chen Votgebens du'.ch längere Zeit vorzubrngeit." An:n,n Hcrusteiu in Klawtüs'rn beige'ügte AuSruftingSzeickeu be>'agt : 7.nii-':nitt''a>e!i Sumbol:!: -ckon wieder ein Jude. In Rr. siebt .as ..Deut-'.ve Volleblan" l-inü'siat. Abbitte zu leiste», und gibt folgende : „Wir -Adielten vor einiaeu Tagen rme Minl'nluug, der gemäß ein . t .>:iiitä Sä.enler u. Ceu:,..Hert VscvfHerustein. der, nebenbei gesitgt, ' I .: »v. e«, d-mer Untrr'chiagung velba'tet sei» sollte. Jone i» 1» -s Beatles :'eir'fti::.:ck:e dusbezi'g.tche Rotiz orwic-s sich »ach : . :: : ’r..r..e:.-:t (itUti-.iaiti'.vit ato t c >. t c tn tr. e n u n w a b r. und'muß . e .reittb-.ilttna rr» .'inroi Fetnde "ü Herrn Hornstein auSgogattgen ''ein. Wir .::e An'nal ine dersiilen und stehen-nicht an, zu erklären, daß Herr v.'.i.'tei!: in rultenunen; r Clrcn m a n u ist, der der genannten ":t latt.zeu Ieit reu t r e:: e T i ' n st e° leistet" In derselben Rumuier, . .:Fe A>litte et''ck>teti, rerzeia.net es das Antisomitonorgait mit sicht - ''di te.in.t, . an der .'ilosterueitburger Gemoindeaurschuß, dem die Bei .u- .i.eu Blattes über die dortigen, antn'emitlichen Heldenihatoir .-er. Juden böchltch tnisisieleu, sich bewogen fand, „der cor- - .. -! .b-., ''e :e tt'c'üe Verachtung" auszusprechen. Am Ende sich sar der gewe-'et!« Bürgermeister von Mühldorf mit der Hoffnung, - - Atis-a-nt Ar <s»iiuicu>le .sttöstorncuburg sich auch dazu hergeben werde« der Fettes Harnstein „dnn ehrlichen, wabrbeitSliebeiiten Verganid:e g . e:, v \ra Itur," auszndlücieu. l.h-r.ui t » n cr i- 0IUN'<— lagen 2c.ecer Lat.rn - '"cilllichc-ö .Hartcnivicl. Im ..enral anti'emüi'chen „L-ctsiblatt" wird e t' er S:. Rcrberius Lorlagsbuchbaudluirg in-Wie», III. Bezirk, I (Zur Komolaucr Frohnlrichiiailisfcicr.» rTesterreichiiche Aunsemite: bläiter und hierauf eine* gesiiiiiuiigSverwandte Berliner Zeitung brachten folgen; 'Rotiz: „In der betricbiatneit detttsch-böhmischeii Stadt K o m o t a >t Haide Einfluß der dortigen Jndentbnms kürzlich ein sittsames Borkommniß gezeiit. . Zum SteUverlreter des Feuerwehrcommandaiucn dieser Sladt wurde, obive:. ältere und verdiente Anwärter voibanden waren, ein jüdischer Lederhändier i.walitt. Bei der ZrohnloichnamSfeier rückte die Feuerwehr zum Schuhet: Procession aus, und zwar unter dem Commaudo des jüdischen Lederhäutic . . Es machte sich i'ehr sonderbar, als dieser Jude-die christliche Bevölkerung z: t.! Gebet couiiuaudirie und den von priesterlicher Hand ertbeilten Segen mit de,. ' Degen ialutirend eutgegeuiiabin. Fast alle Fenster »ud Thürcn des Ringvla» waren von Juden besetzt, die ihr.en Glaubeiisgeuosseu in seiner Dbätigkett 7 schauten und beivimderieu. linier solchen Unisläiiden darf man sich sreilich nid: wundern, wenn der AittiiemitiSinus tiiimcr weitere BevölkerungSkretie ersaß:." Mit Bezug ans dieie Anaire veröste'ntlicht nun unsere Berliner Abwehrcolle,.- nachstehende Mittheitnng eines Komotauor Advocaten: „Herr Friedrich Ritt : gehört zu den älteren Mitgliedern des hiesigen FeuerwehrvereiiieS und enrt nch ivegen seiner lDvserwiUigkeit und Rührigkeit einer allgemciuen Beliebt!' ' in demselben', vor Kurzem winde er auch zum Ccmmandaitten-LteUvcrtn: gewählt. Zum Frobiileichnanikseiertage ist e» von jeher üblich, daß sich an Pioce'stan iätnimliche Vereine der Stadt, darunter auch der Feuerwchrvcr-.: betbeiligeu. Ta getade au diesem Tage der Comiuaudant der Feuerwehr Iran: beit-Niatber verbinde,t war, da-! Coinntando zu führen, io übernahm in dr- Auftragc Hctr Friedrich Ritter das Couiinaudo, und zwar war es daS erste;! 'eit der Wahl, -daß Herr Ritter at» Stellvertreter uuSrückte. Herr Ru:' zögerte nicht, die ihm durch seinen Posten vorgejchriebciie Dbliegenheiten zu 'üllen und das Couimaiiko bej der Frohiiteich'namSseier zu jibernehmen :m dachte nicht im Eutserntesten baian, daß man ihm aus der Erfüllung' 'ein . Amtspflichten einen Vorwurf machen, am alletwenigsten aber daran, daß u:.. es ibm nicht verzeihen iverde, daß kr e» als Jude gelhan. Tiefe Affaire - auch bei uns Gegenstand allgemeiner Besprechung, und namentlich bei Israeliten überwog. die Ansicht, daß Herr Ritter schon''mit Rücksicht ani berricheude aittiieiiiiusche Sttömung bei einer specifisch christlichen Feier Jude in so expoitirtcr Stillung, wa. er zu in Gebet zu coiuma-nbiren und AUerheiligsten die Clircnbezeignng zu crircve» hat, sich nicht hätte bcilicilr dürfen." lsichlks juiikcrlichcs Ehristcullium.) Tie mecklenburgischen Stände hahcn einen Beschluß gefaßt, welcher sür die evangelische Geistlichleir die Weis.-, enthält, daß der Tod im Tnell kein Grund zur Versagung des lirchsichen Be gräbt,ifses sei. Andererseits aber soll das ltrchliche Begräbniß streng uiitc,'-:.' bleiben bei Selbstiiiörberit, selbst wenn sie notorisch geisteSlranl gewesen ui- Tazn bemerkt, ungeachtet der Unterstützungen, die Ahlwardt von Junkern t zogen hatte, das „T e u t sch c VolkSrecht": „Das ist echtes jtntkerli.b''-- Ebristentbutn. Ta bekanntlich die Junker weit öfter in Gefahr komme», in Raushänbeln ihr kostbares Leben zu verlieren, als einen Selbstmord zu begebet:, so ist sür sie eine Ausnahme gemacht wo: den. Tie armen Teufel aber, die ans