Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 173 (28.7.1895)
- Date
- 1895-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 173. reite I). Freies Blatt. IiC oöcitlc dcs Zlldcnthllllls. Man schreib! uns: Einer leider wenig bekannten Abbandlung Tr. Ludwig P h il ip p s o n's: „Bon der Rothwendigteik des Judentbums", enlnchinen wir folgende zeitgemäße 3tcLlc: T as Indciithum hat feine Wesenheit und seinen '.'ebensmittelrnnlr in Ser Ucbereiiislimlnung der Bcrnunft, des Herzens und der ''-Eelstckne. Untere Religion ist nicht ein solcher TeismnS, welcher als das E.zeugniß irgend einer vorübergehenden Eulturstufe ein fragliches Dasein fristet, sondern sie ruhet auf dem Felsengrnnde einer ununtcrvreelieiieii, viertausendjährigen llcberlieferung. otyr ist die Grundlage in der grauesten Borzeit »nd schon damals in ganzer Reinheit und Beilstündigkeir gelegt worden: auf dieser Grundlage standen bauend und entwickelnd i'vschlcchier auf (''eschlcchter, immer geeinigt in demselben Belenntniis, denselben lehren als ewige Wahrheiten. Unsere Religion verwirft nicht die Bernunst des Menschcngeistcsz sie entwaffnet diesen Regulator aller unserer Borstcllnwgcn, dies Werkzeug aller unserer Begrine und Urlbeile nicht seiner C'illigkeit und Krasl da, wo er erst in seiner ganzen >'-lo>ie -nd Energie hervorzutrctcn und sich über das "'emeine und >>V-wölmlic". zu erheben hat. Bon Moschch an ruft das echte stndenthnin uns unablässig zu: ,,Brütet und erkennet." llnscrc äseltgion ist aber auch die Religion des reinen, nnvcrkünstclten Herzens. Wie sollte sie dies nicht sein, die anhebl mit den Gebeten: „Vicbc den Ewigen, deinen o'ctt, mit ganzer». Herzen, mit ganzer 3cc(c, mit ganzem Bermogen", „Vitbc deinen Rächsten wie dich selbst", mit den ('ehren: ..Rinder seid-ihr dem Ewigen, eurem Gotte", „Wie ein Baker -seinen Sobn stehet, so har er dich gezogen", „Ter ewige Gott, gnädig und barmherzig, langmütkig und voll unendlicher Huld und Treue", st» diesi: Uebcreinstiinmnng der (beschichte, d. i. des Glaubens, der Bein»,ist und des Herzens bat die Religion Israels nicht allein ihre stählende lle: .-rzcugungskrast tür ihre Bekenner, sondern war und ist sie die Mutter, die Bstegerin und Erhalterin aller reinen C'ottcslchrc und '^oriesrerehruiig. Tarum ist sie nicht allein die Wurzel, sondern auch d:: starke, mächtig aussteigende Stamm aller Religiosität, von dem das rielästige "'.-zweig weil reichend -hinausgeht, -der aber für sich allein j die sonnenb.schlenene Rrone trägt. Tarin liegt die Rollnuendigkeit dcS! Ine«ins »ür alle Religionen und für alle religiöse Entwicklung :n .'.i -.sti'enschl)eil. Mögen die Wirren rings um dasselbe noch so lrest ''ein, wegen sich ans den verschiedene» Phasen und Weltvcrhült- Nl's-'N d.e- BienschengeichlechteS noch so vielfache und sonderbare (stcstalicn i he..-.noer-,engen: bleib: das Iudenihnm in der Wesenheit seiner st ehre - und 'eines religiöst-u. sittlichen Gesetzes aufrecht bestehen, so wird cs n'-euia'.s an einem Regulator fehlen, und die Predigt der Wahrheit f.c 'hech-eS nienials verstummen. , .1 _ onl: 'strähn: wird •< Tvctir ivnurc imo Die ■ i.-.., -l: l-NwiN. . .'.b:- - sinn N! Nt i angenehmer Weisterinnerten Tie mich an meine : meiner Anwesenheit in der Krim baile ich Gelegenheit, '■ a-st'ch-n Iud-n kennen. zu lernen, und ich kann ihren »Fleiß, .: .. a:n; und .Uneigennützigkeil x'edermann bezeugen." Tl(- Znvcn al-ö Alttrbilllkr. - Ans Moskau wird unS'ge- -- r. : T-er Pr-sid.-nk des stantwirtln'chastlichen JustiinleS und der i-a:s.äscha'l -.nMobileiv am Tniepr, Hofralh I es e rS k i s, . l . .. un „Tuwlenski: Wjestni:" folgenden Bericht: „linker den R ' ' - - n Samen in sein von mir geleiteten Institute bemcrtte ich r: .. . ndu-, den Bauern zu:» Berwechseln ähnlich" sahen. Ich wr.silntnz::: an underfuhr, daß ein Bcrcin gebildeter Inden, ''s- -i-'une und Prahlerei, in der -.tsiihe von Mobilew eine Anzahl :::-dw::-'-'-:.,-.>!l:»>-r warmen algründet habe, die ausschließlich von nt und . ..-arbeitet werden. Sämmtliche ron mir besichtigten . le: au Ed.dnicn befinden sich in blühendem Zustande., labich eine Reibe von Ganen besichtigt, die von Juden len u::l die a:l:n Äiffordcrungcn des modernen Garten- . äiu,. Es muß hinzugefügt werden,' daß die Inden in l ' a'.'S'chließlick dem Acker- und (Gartenbau leben. Wir für eine Pflicht, diese Than'ache zur öffentlichen - - '' re Wir sind relvstichict, die'stn ehrlichen Inden : ^r.ie.stnzmng angckeihen zu laffen, um diis Bcschnldio: :>e -,-ae.n r.u- Ackerbau nicht gewachten wären, völlig zu I-.-:.,, "stand diests Berichte», hat der Gouverneur.von Mrl B ... :--:a-h Si.nvwjew, über die Erfolge der Juden als ^an ar. b!.r -.l-auminiilerium Bericht erstattet und den - ' - - : ■ d:-> Staates zugesicherl. Auch die anii jüdi- <'•. and, wie z. B. der „Graschdanin" und der 'utDCH. ■ Auf eine Ansprache dcS (>stoße a n i an den Präsidenten der französischen Reck n: e antwortete -dieser: „Ich danke Ihnen, Herr ''ür w.e Bersicherliegen und die Wünsche, die Tie mir Tie baeen allen Grund, beruhigt zu sein: die Regierung ron (tsteichheirsgetühl und Gerechtigkeit für alle I „stistok", druckten den Bericht des Hofrathcs Jeserskij vollinhaltlich ab; die Antisemitenblätter im civilisirten Westen dürften dies aber Unterlasten. (Zurnckgczogtnc Ausweisungsordre.) Aus Wilna meldet man uns: Fünfzig jüdische Familien, welche in dem Marktflcck Tanrogcn im Gouvernement Kowno seit Jahrzehnten ansässig sind, wurden vom General TrschewSkij vor einigen Monaten niit einer Auswcisungsordre überrascht. Da Tanrogen fünfzig Wcpst von der preußischen Grenze entfernt liegt, so begründete der Generalgonverneur von Wilna die Ausweisung damit, daß eine Bersügung des Ministers des Innern von 18!>0 den Juden den Aufenthalt in der Nähe der Grenze untersage. Gegen diese Ausweisungsordre nahmen jedoch die bäuerlichen Gemeinden und die adeligen Gutsbesitzer der Umgebung Stellung. In ihren Petitionen erklärten dieselben, daß die Ausweisung dcr Judcn aus Tanrogen den Bauern und den Gutsbesitzcnl der umliegenden Dörfer großen materiellen Schaden zusügcn würde. Zugleich bctonkcn sic, daß die Redlichkeit und Rcchtschassenheit der dortigen Juden überjeden Zweifel erhaben sei, so daß deren Verfolgung keineswegs zu rechtfertigen wäre. General Trschcwskij mußte de» Petitionen stattgebcn und seine Ausweisungsordre zurückzichen. (Sperrung jüdischer Bcthiiuser). Aus K icm wird uns berichtet: Tie jüdische Bevölkerung der-Stadt Buki, Bezirk Utmut im Gouvernement Kiew, befindet sich seit einiger Zeit in großer Erregung. Ans Anordnung des General-Gouverneurs von Riew, Grasen Jgnatjcw. wurden nämlich alle Synagogen und jüdischen Bcthänscr in Buki polizeilich gesperrt. Als Grund dieser Maßnahme gab die Behörde die zu berücksichtigende Rähc der orthodoren Kirche an, welche eine solche Rachbarschaft nicht goutire. Tic jüdische Gemeinde von Buki richtete an den Senat in Petersburg eine Beschwerde übeck das Boi-'' gehen der Polizei, die scdoch zurückgewicsen. wurde. Tic Juden von Buki sendeten hierauf eine Bittschrift an Ezar 'Rikolans II., in wclchcr sic um die Wiederösiiiuiig der Sunagogeii ersuchten. Runmehr ist aus Petersburg der kaiserliche Bescheid herabgelaugt, welcher dahin lautet, daß der Ezar dem Senate anhefohlen habe, über die Beschwerde noch malS zu verhandeln. Inzwischen bleiben die Snnagogcn von Buti noch immer gesperrt. Tic Hoffnung, daß der Ezar dw unverzügliche Wiedereröffnung der Bcthäuscr anordncn werde, ist nicht in Erfüllung ge. gangen. iTic Zuötll in Buchara.) In „Pclcrmann's Geographischen Mitthcilungcn" entwirft der russiche TtaatSrath Tr. Hcrzfcldcr folgende Schilderung der Inden in Buchara: „Tie Juden haben'das Gepräge ihrer Racc wie überall in der ganzen Welt. Sic parlicipiren an dem blühenden Aussehen der arischen Bevölkerung und unterscheiden sich weniger von der morgenländischen llmgebung als von der west ländischen; sic erscheinen offenbar in der kleidsamen und ihrem Typus adäquaten orientalischen Tracht vorthcilhattcr als in der europäischen. Ihnen sind cigenihümlich längliche GesichkSform, scharfe gebogene' Rasen, dunkle Augen, starker Bartwuchs, schlichtes und gelocktes Haupthaar, intelligenter GcsichrSansdruck. Sie sind, geweckter als andere Orientale». Tic Frauen sind von anfsallender, sogar classischer Schönheit. Tic Juden Bucharas leben vom Handel, zum Thcil vom Handwerk. Tie Färberei.ist fast ganz in ihren Händen. Sic haben es zu großem streichthnm' gebracht, besitzen Häuser in der Stadt, ' Gärten vor den Thoren, sind halb orientalisch, halb europäisch ciugerichict. Doch gibt es auch sehr arme Juden. Aionogamie, Kindcrreichlhum, Sittlichkeit zeichnen sie ans. Sie selbst sind nach ihrer. eigenen Aussage ans Persien nach Buchara cingcwandcrt, und zwar nach Einigen i» ältesten Zeiten bei der Zerstreuung der zehn Stämme, nach Anderen unter Tamerlan zwangsweise nach Buchara versetzt. Tie Sarten nennen sie Mosaische oder Inden. Sie leben in einem besonderen, nicht streng abgclhciltcn Stadtviertel, handeln aber üntcr den Aiohanimcdancrn. Sic haben ein BclhguS, aber keine eigentliche Snnagoge, dürfen in der Stadl nicht reiten, keine Seide und keinen Turban trage», sondern cS ist ihnen eine Tracht vorgeschriebe», ähnlich der der polnischen Juden: in grauen Stoffen und mit dcr viercckigen Kopfbedeckung, ähnlich der Eonfcdcralka. Ihre Frauen gehen auch' verschleiert und Hallen sich in Tracht und Sitten wie ihre bucharischen Schwestern. Sic haben Beziehungen zu Rußland, .Frankreicki, Oesterreich, England und Indien, sic bilden vielfach den An- , knüptungSpunkt für die europäische Eivilisakion. .Unter den europäischen Rausleuren zu Buchara befindet sich ein starkes Conlingent Israeliten."