Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 173 (28.7.1895)
- Date
- 1895-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 173. Freit (Tr. Joses Pollak.) Man schreibt uns aus Salzburg unterm 20. Juli: Wieder scheidet ein ausgezeichneter Mann von uns, der noch eine der letzten Stützen des Freisinnes in unserem antisemitischclcrical-deutsch-national angekränkelten Gcmcinderathc war. Sanitätsrath Dr. Josef Pollak, der vor einigen Monaten —- wie man - sa'gt, der antisemitischen Umtriebe halber — die Stelle eines BiccbürgcrmeisterS nicdcrlegtc, ein liberaler, durch seinen tadellosen Charakter, sein energisches, offenes Auftreten gegen alle dunkeln Elemente und seine scharfe Zurückweisung der Schreier und Scandalmachcr irn Salzburger Gcmcinderathe bekannter Mann, ein beliebter Arzt, der Schöpfer der neuen Armenvcrwaltung, Wohlthäter und Freund der Armen und Gebrechliche«, verläßt unsere Stadt. Er übersicdelt nach Linz, wohin er als Director des neuen von der Allgemeinen Sparcasie erbauten ArinenversorgungShauscS berufen wurde. TaS „Salzburger Bolksblatt" schreibt darüber: „Diese Nachricht wird nicht verfehlen, in weiten Kreisen der hiesigen Bevölkerung aufrichtiges Bedauern hervorzurufcn, denn der Abgang Dr. Pollak's auS Salzburg bedeutet für unsere Stadt einen schweren Berlust. Als tüchtiger, gewissenhafter und vielgesuchtcr Arzt seit mehr denn zwei Dccennicn am hiesigen Platze thätig, erfreut sich Dr. Pollak allgemein der größten Hochachtung und ebenso groß ist die Anerkennung, welche man seinem Wirken im Gcmcinderathe zollt. Tic Arinenrcforui, die Frucht jahrelanger, mühevoller Arbeit, ist sein alleiniges Werk; er war cs, der die freiwillige Beschäftigungöanstalt geschaffen und dadurch zahlreichen. armen Leuten Gelegenheit geboten hat, .fidf in arbeitsloser Zeit ilncn Lebensunterhalt sichern zu können. WaS er als Arzt und Menschenfreund den Armen der Stadt gewesen, das können nur jene Wenigen criucsien, die daS echt samaritanischc Wirken dieses ManncS auS eigener Anschauung kennen. Dr. Pollak hat damit nie geprunkt; denn, ihm widerstrebte cS, die Rechte wisic» zu lasten, was die Linke lhut Im Gcmcindcrathe endlich galt er als einer der Unabhängigsten, der sich bei keiner Gelegenheit gescheut, offen und ehrlich seiner allezeit fortschrittlichen Uebcrzcugung Ausdruck zu geben, und der in allen Fragen nur das Gcsainmtwohl der Stadt im Auge gehabt hat. Sei» Scheiden auS unserer Gemeindevertretung läßt eine klaifeudc Lücke zurück, und nur sehr schwer, wenn überhaupt möglich, wird sich für ihn ein vollwcrthigcr Ersatz siuden lassen. Dies gilt namentlich in Bezug auf seine' Thätigkcil im städtischen Arincnwesen. Er ist, .wie schon oben erwähnt, der Schöpfer unserer so auSgczcichucl durchgcführten Armciircsoriu und . die Seele unserer ganze» Arincnvcrwallung. Wird sich ein Nachfolger finden, der sich mit gleicher Liebe und Selbstlosigkeit all den vielen Pflichten unierzicheu wird, die mit diesem' Ressort verbunden sind, der eine gleich große Sachkenntnis; und Sb jcetivität in Armciisragcn an den Tag legen wird'? Wir wünschen cS. von ganzem Herze». Wie dem aber immer fei: Salzburg hat allen Anlaß, das Scheiden Dr. Pollak's lief zu beklagen." (Gillt stitdr Clllllllicck«^.) Der Präsident des Abgeordneten haui'eS, Freiherr v. Chlnmcck», hielt am 23. d. M. in Znaim, welches ihn zu seinen Ehrenbürger» zählt, eineRede über die politische Lage. Der Herr Präsident äußerte sich hiebei über den Antisemitismus wie folgt: „Es ist eine tjcf bcklagcnSwcrthc Erscheinung, daß am Ende des »cunzehnieu Jahrhunderts, und zwar bcschäiucndcrwcisc vonviegciid nur unter Deutschen, ein Schlagwon zu einem politischen und wirth schastlichen Programmpnntlc gemacht wird, welches alle» Grundsätze» der Humanität sowie auch der Freiheit Hohn spricht. Gerade die Lehren der katholischen Kirche, die erhabenen Grundsätze dcS Christen thninS stehen mit diesem Schlagworte in grellsten, 'Widerspruche und die allbekannten, traurigen und nicht tief genug zu beklagenden Er) l'chcinungcu de» ösfcnilichen Lebens, zumal in Wien, welche in so innigem Zusammenhänge mit jenem Schlagworte stehen — sie bilden eine sh grpße Gefahr für Freiheit, Enltur und Humanität, für Staat und Gesellschaft, daß man nicht lebhaft genug wünschen kann, daß diese schwere .Krankheit bald überwunden werde und daß mau alle zulässigen Mittel zur ihrer Heilung anweude." Große Gefahr für Freiheit, Enltur und Humanität, für Staat und'Gesellschaft — man tann daS Gciucinschädlichc der antisemitischen Bewegung nicht schärfer kennzeichnen, als cS durch diese Worte geschieht. Bei dem großen Einflüsse, dessen sich Freiherr v. Chlumeck» i» de» Kreisen der deutsch liberalen Abgeordneten erfreut, muß cS daher umsomehr Wunder nehmen, daß cS in der letzte» Zeit so häussg den Anschein gewann? als ob tonangebende Mitglieder der Bereinigte» Linken gegenüber den lärmcndcit Demonstrationen- und brutalen Ausschreitungen der Antisemiten cS für staatSmännisch erachtet hätten, stillschweigend zu dnld?u, höchstens eine schüchterne Interpellation zu wagen und sich mit einer ausweichenden Antwort zufrieden zu geben. Mögen wenigstens in Zukunft im Sinne der Erklärung des Freiherr» v. Ehlumeck» „alle zulässigen Mittel" zur Heilung der „schweren Krankheit" ergriffen werden! Blatt. Seite (Gilt UlährischtS Sauluifch., Man schreibt UNS: Auch in Mähren gab cS bis zum Jahre 1848 einige „judcnrcinc" Städte, die sich auf ihr angebliches Privilegium stützten, keinen Inden übernachten zu lassen zu müssen, so Znaim, Slcrnberg, Slinntz, Jglau :c. AIS nun vor dem Posaunenrufe der geistigen Freiheit diese chinesischen mittelalterlichen Mauern endlich zusamin'cnstürztc», kostete cS die Bürger dieser Städte wohl einige Ucberwindung,- ihre unbegründeten und unberechtigten Borurtheile zugleich fallen zu lasse». Ran,entlieh die alten, crbgcsessencn Schildbürger einer dieser genannt-:,, Städte konnten sich nicht so leicht in die neue Zeit finden und schickten eine Deputation -. zu Kaiser Ferdinand dein Gütige», uni noch womöglich die der Stadl ~ , drohende Gefahr zu beseitigen. /Wie viele Juden wolle» sich dcirl, bei euch, meine lieben ... er Bürger, ansässig mach:,,?- fragte leutselig der Monarch. „Nun, eS dürften beiläufig gegen fünf Familien fein," war die Antwort. „Dann könnt ihr ruhig hciinkchren." bemerkte der Kaiser, „denn ich habe in der Residenz mehr als und cS geschieht keinem Christen etwas Unrechtes." (Aus dem Tricstcr Gcmciildtratlic.)' Im Gemeinderaihe von Dricst rügte cs neulich Rask-ovich unter lcbha/ke», Beifalle der Galerien, daß zu den jüngsten Festlichkeiten auS Anlaß dcS StapellaufcS von Schiffen auch Männer geladen wurden, welche durch Bcranstaltung von Dcinonslrationci, unliebsamster An in Wien;,, trauriger Berühmtheit gelangt und als Feinde der italienische» Ration - und der gewöhnlichstci, Principici« der Humanität bekannt sind. Zn seiner Entschuldigung führte der Podest» an, er habe, da Wiener parlamentarische Gäste erwartet wurde», die Einladungen an daS Abgeordnetenhaus in l/„ine» gesendet. I» Triest sind die Lneger und Schneider nur für Rabcrgoj und Genosscn willkommen: Gäste./ 1' (Eine Predigt des Archiiilandritcli El»illlllc,ic. > Wie in. frühere» Jahren hielt auch heuer der Archiirandrit Emanuel Einntnleäe in Suczawaanläßlich des JwanfcsteS eine beachtenswertste Predigt,- in welcher er »ach einer Meldung der „Sesterreichifchen Wochenschrift sagte: „Tic MäßigkeilSbewegung, die bei. n»S im letzten Fahre cinsctztc, wirft ihre Wellen ilbcrS ganze Land, und weil durch Rnchternhcil die Arbeitskraft und Arbeitslust' sich steigere, erhöht sich der Wohlstand des Bolle», und die fröhlichen Feste werden nimmer besudelt von jenen rohen Gcwaltaeteii, welche die traurige Gefolgschaft des .-. Branntweinrauschcö bilden. Die» erfreuliche Bild wird abcl bereits durch trübe Flecken verunziert, denn nicht überall blieb die Prorok beiüegnng in jenen -ä^renzc», die ein geordnetes StaalSwesen setzt, um die Eintracht unter seinen Bürger» ungestört zu crliälteiü I», Uebernuith, öfter sogar i» frevlem- Borsatze wurde der Slein, der das Braniilweinfaß treffen sollte, gegen den Schanker geichlend und es gewann ein Ansehen, als fei nicht der böse (st eist des Altohsis zn bekämpfe», sondern der Andersgläubige, der friedlich »ü: »ns lebt. . General Anihorst fchentie -den J-ndianern Wolldecken, d-e re:: T charlachkrankcn HerrüHrken, und zn Hunderten wurden die Aerinsten dalungerasst, die sich durch die 0\,be beglückt ivähnien: auch de: Auu-emilisiiinö ist ein solches Geschenk, nur daraus berechnet, das E!::ist.-:::b»:n aus des Menschen Brust ausznlösch.n, und wir Pneuer El..:: müssen f nnS dagegen erheben, „», die Lehren unseres Heiland - n;,e er 1 halten. Gebietet er euch nicht: Liebe deinen Rächst:::? deinen I Bruder allein, de»:, folckies ihn» auch die Heiden, ' ::t : : selbst die, die euch hassen. Wer alw will alS. Christ ' A.:,.u «Vott 1 cniporhcbc»^und traget Haß in feinem Herzen? In e : I,re,tadjt dieses Jahres relebririe ich das Hochamt i» t.r I o'^UHC-liid)-: zn Jernfalen, an der Seite Sr. Heiligte:! ee-s,:>l:.-n HierassmuS, ' und wie ich, in btnnstigem Gebete für r.- W-l. reeglorreichen Kaisers und seiner Getreuen versunken, de» ged.Bado» lstßre, . durchflog.mein Geist die vielen Jahrhund-.-.-:. d e- Drangsal» und der Berfolgnng der Christen. 'Wir „üendlich nub. ,:l:,ß -.- tim;,, unschuldig, zu leide» für die Uebcrzengnnz, >'i:r den ,'ßaabu,Und es durchzuckte mich sch,Herzlich, wie viel gewaltiges Unrecht verüb: wird. Ans diesem kargen Stück Erdreich erhebt sichein blnl! e»sch:vere.r Baum, dessen . reiche Krone de» Himmel überdeckte. Der 'Banm der Christenheit ist \ dem Boden de» JndenihnmS cnl''prossen! Dari der starte Sohn seine! Hand gegen die-schwache Mutter erheben? Bist brutaler Gewalt wird keine Ueberzengung geändert, und durch die schimpfliche Berfolgnng! erreicht man höchstens als trauriges und beschämendes Resultat jene! trostlosen Bekehr,,»gen, die um gemeinen BoriheileS willen'wir alltäglich sich vollziehen sehen. DaS Christenthnu, erhält ienen überzeug, ingS und glaubenslose,'. Zuwachs von Carri-' reniachern, die den heiligen Act der Taufe zur uiisittlichen Farce profanire», well ' sie diese Station paisircn müssen, wenn sie auf den, Leb'enSdcea», nicht Schissbruch erleiden wollen. Machet euch keiner Bersolgiuigschuldig, sie ist vom liehet, und Jeder sei euch Bruder, der seine Hände enivorhebt zn i Gott, ob er einer eures Glaubens sei „ud eures Stammes oder nicht." '