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Freies Blatt · 1895-07-28 · 173 (28.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
173 (28.7.1895)
Date
1895-07-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Freie» Blatt. Nr. 173 „Jene Freiburger Professoren» die sich noch dagegen wehren, dein waschechten UltramontaniSmuS ihre Reverenz zu erweisen, wird inan schließlich schon dazu bringen. ES wird ihnen klar gemacht werden, daß, wer als Vertreter katholischer Wiffenschaft angesehen werden will, die Wisienschüst-^n^ ultramontaner Auffassung zu pflegen und seine Lchrthätigk/t der Eensur der kirchlichen Autorität (der Jndcr-Eongrcgation, dcS Bischofs oder selbst der theylogischen Facultät) zu unterwerfen hat; denn eS gilt nur jene Wiffenschaft als die wahre und allein echte, welche sich gegebenen FgllcS durch die römisch katholische Theologie leiten und belehren läßt, ,'wcil von ihr/ heißt cS in der cingairgS erwähnten Broschüre, ,daS Licht und der Schutz gegen die Jrrthümer in den anderen Fächern dcS Unterrichtes auSgeht.' Trotzdem haben die Ultramontancn die Unverfrorenheit, die katholische Wisse» schaft eine freie zu nennen', wozu (Sari v. Hase, der berühmte Kirchcnhistoriker, launig bemerkt, daß eine solche Freiheit der Wiffenschaft .ein wenig au die Fabel erinnere von dem Hunde, der seine Freiheit eben darin fand, daß er an der Kette lag'. In Gemäßheit eines vor kurzem vom großen Rath FrciburgS gefaßten BcschluffcS wird die Universität nun auch eine naturwiffcnfchaftlichc Facultät erhalten; von einer medicinischen muß Geldmangels wegen noch abgesehen werde». Man sann vorläufig daraus um so leichteren Herzens verzichte», als Wundcrhcilmittel das inedicinischc Studium ziemlich entbehrlich machten. WaS man über die' Heilerfolge des Lourdeswaffcrs hört, erregt Erstaunen. Tie schwersten, unheilbarsten Krankheiten und Gebrechen sollen an gcwiffcn Gnadcnstätten schon Heilung gefunden haben. Was vermag nicht das Rosenkranzgcbct allein! Man werfe »nr einen Blick »i das Rosenkranzbüchlcin von P> Pradel, Priester dcS DominicancrordcnS, gedruckt mit Genehmigung des hochwürdigen bischöflichen GcneralvicariatS zu Trier, Trier 1>*85. Nachdem das Büchlein c. 35 erwähnt, daß der Rosenkranz ganze Länder und Städte von vicg, Hungcrsnoth und Pest erlöst habe, heißt eS weiter: .Haben Kranke und Gebrechliche im Rosenkranz Genesung gefunden'? Antwort: Wir verdanken demselben eine erstaunliche Reihe wunderbarer Heilungen. Wie viele Blinde haben durch dieses Mittel daS Gesicht, Taube das Gehör, Stumme die Sprache, Lahme den Gebrauch ihrer Glieder wieder erhalten! Kranke, welche von den Acrztcn ausgcgcbcn wäre», sind durch dasselbe zu einer blühenden Gesundheit gelangt. Aber am deutlichste» hat sich die Macht dcS Rosenkranzes erwiesen, wenn, wie dies öfter vorgekommcn, durch bloße Berührmig mit diesem gesegneten Werkzeug Todten das Leben wiedergcgebcn wurde.' Einem zwar unverbürgten Gerüchte zufolge soll die Freiburger Hochschule in Bcthäligung einer echt katholischen Gesinnung beabsichtigen, sich einen himmlischen Schutzpatron in dem CantonShciligcn zu erwählen: cS wäre dies jener selig gesprochene Jesuit CanisiuS, von dcffcn Thätigkcit als Büchcrccnsyr Professor Reusch in seinem Werke über den römischen Inder berichtet. Weder in der Schweiz »och i» Deutschland hat man von unserer neue» Universität eine besonders hohe Meinung. Zuerst ward die Spottsucht durch ein Circular um Beiträge zur Errichtung einer katholischen' Facultät der Medici» wachgerufcn. Dann entstand das Gerücht, Pfarrer Kneipp werde eine Professur erhalten und sei sogar zum lic-ctor maxniüeus auscrschcn. ES darf sonach nicht Wunder nehmen, daß der Humor in den ,Münchener Rcueslc» Rachrichlc»' den Schäfer Ast aus Radbruch für die Pharmakologie und den WuLzelsepp für den Lehrstuhl der Botanik rcclamirtc. Der Teufel anStrcibcr Pater Aurelian aus Wemding wäre ebenfalls eine gute Acquisition. Leider ist mehr der Ernst als der Scherz am Platze." „Die Freiburger UniversilStSangclcgenhrit ist für die gcsammtc Schweiz von höchster Wichtigkeit. Man muß darauf gefaßt sein, daß der unselige confcssionclle Zwiespalt in der Eidgenosse» schüft noch vertieft werden wird. Die Gefahr ist eine um so größere, als a» der betreffenden Hochschule der JnguisitionSordcn die erste Rolle spielt. Wird daS Schwcizcrvolk diese Pflcgcstüttc des Fanatismus und einer im Dienste dcS UltramontaniSmuS stehenden Gelchrsamkeit fernerhin dulden'? Ein beträchtlicher Thcil bet Freiburger Bevölkerung wünscht ohnehin die ganze Universität ins Psefferland. Man beklagt nur, daß gegen diese dem Eanton van seiner aulokratischcn Regierung^ aufgczwungene Tominicaneranstalt der Buiidcsrath nicht einschrciten kann. Aber daS Schwcizcrvolk kann's. Es hat am 4. November v. I. bewiesen, daß ihm die Einheit, Kraft und Ehre her Eidgenoffenschaft höher steht als die Eantönliwirthschaft. Im Jntcreffe deS confessioncllcn Friedens wäre cs wünschcnSwcrth, daß durch einen der Bundesverfassung cinzuvcrleibcndcn Artikel die Freiburger Universität aufgehoben und die Neugründung römisch-katholischer Universitäten oder Akademien verboten werde; jedenfalls auf solange, als nicht durch ein römisch-katholisches Eoncil unter Zustimmung des PapsteS Toleranz, Glaubens- und GcwiffenSfreiheit zum unabänderlichen Princip erhoben und die Gläubigen darauf verpflichtet worden sind."?cite it Soweit das Schweizer Flugblatt über oie Freiburger lIi:u-.-'.ii!iu Dieselben Gefahre» drohen heute auch Sestercz'ich, nein, sic droh,» nicht mehr, sic-sind schon da, denn die Phra'ei» der letzte,, Redu/r im Katholischen Universilälsvcreinc Salzburg lauen darü!"-r lei >,-» Zweifel anskoinmcu t -profcffor (kneift. 0» Berlin ist aut. '22. d. M. »ach längerem Leiden Proseffor Heinrich Friedrich Rudolf t^neist im Aller van 7'.' Fahren gestorben. Gneist gehörte zn den bedeutendsten bcittfdj-ni ->5:,>uog t.hrien und Politikern. In crstcrcr 'Eigenschaft erwarb er >ick> durch seine um saffcndcn Werke über englisches Beisassnngs und Verwaliungsrechl ftmb mehr noch durch seine Förderung der Geschworene, gelichle-iu Deutschland großen struhm und unbestreitbares Verdienst. Als Votiiiler war er Anhänger der national-liberalen Partei. Professor Gneist war auch mit ganzer Seele der Abweitbeweguug zugcthan, und der „Antisemitenhauiiner" von Joses Schrat'euhcl; verzeichnet folgende zwei Acußerungcn Gucist’S: Tas Wesen d r.iiien'ch lichcn Freiheit besteht in Selbstbeherrschung, und deren V tvedtlignug ist Sclbstprüfung und Selbsterkenntnis;. Ter Maßstab >uc Ne' llff' cultur der Nationen ist daher hcutigen Tages der Grad >>.- El-.n, viuisluns, mit tvclchcm sic die rein auinialischcn veiuiuiin-.I'Vo> züge ihrer Race zur Grundlage ihrer Ansprüche mache». «Due ,ge Vorsehung hat unS Deutschen eine späte, aberglückliche E'-nwi.üung unseres SlaatSwcseuS gewährt; möge sie uns auch die' gewchnre Sclbstprüfung und Erteuntniß unserer narionale» Schio.ickieu und Fehler bewahren .... Als alter Parlameutarier habe ich mick, jeder zeit zn unserem versass»»gsi»üßige.n Grundsatz belaunl: „Tie Freiheit des religiösen BelcuntuiffeS, der Vereinigung zn ReligionSgesellichatten und der gemeinsame» Religionsübnug wird gewährleistet Der Geiiiis; ' ^dcr bürgerlichen und staatsbürgerlichen »cechte ist unabhängig von dein religiöse» Bekenntnisse." Zu diesem Grlludsav der heutigen eivilisineu Nationen bctcnnc ich mich noch und Halle mich vervstichlei, taiür ei» zutrctcn, wo er verletzt wird. Seil einem halben Jahrhundert im richterlichen Berns thälig, halte ich - cs iür meine Pflicht, für das verletzte strccht des schwächeren Thci.les ciuziitrclen, sobald ich dazu veranlaßt bi», insbesondere auch in der Presse und im politischen Leben der Wahrheit nud dem Recht zur «Geltung zn verhelfen gegen vorsätzliche Einstellung und Verleumdung. Als alter Politiker habe ich die Erfahrung gemacht, das; der Appell an die Menge zum Zwecke dcS Stimmenfangs nur kurzlebige Erfolge erzielt, welche in keinem Vcrhälkniß stehe» zu den nachliolligeu Verlusten der Partei, d.e sich zn solchen Verbrüderungen verleiten läßt. Gneist unterschrieb auch den seinerzeit viel besprochenen Ausruf deutscher Notablen vom IS November in’ welchem es tii/i; : Heiße .'iäinvie baben unter Vaterland geeinigt zu einemin u'.-'.i. au' strebenden Reiche. Ticke Einbeit ist errungen worden de.dnre». d,R int Volks bewußtieiu der Teuischcu^ das GesiihI tsr noil-ivendigen Ja-ainut - rie.keii den Sieg über die SlainineS und Gläubeiisgegeu'äl>e davon trag dinivere Nation wie keine andere zerllnslet baue». Solche Uuteiut ii-i■; en-relncii - Mitblirgkr entgelten;» tasten, ist nngerektn' lznd unedel nn l-.v'c rer Allem Tieienige», ivelche ehrlich und enisllich beninln und, in!reu,n. .-a--a n.:n-»gehen mit der Nation die Sonderart abzniverte». Von. ihnen m . 5 .,»! iiiJi f,-m cinpinnde», mit deiien sie nach gleiche» Zwecke»;» »in.» t>.r-nstl st.d. illld k» wird tadnich verhindert, Ivas das gepieiuian»;’,i•; IN und ii.it-t: die Ansgleichnng aller inircrkalb der dcniiche» Aa-io» re.--!.» r.it-er nach wirlendeu tztegen'ätzc. In unerwarteter >,nd iie> be-'ck aiuei-.W >-e iverdeu t-'tz> an verschiedenen Srlen,;n»ial den grösst!-,i Städten des d>r Raeendaß und der FanalisinnS des 'N>'iilelalte>S wcgder ins Lebe» ae:n'e» und gegen »Niere jüdische» Mitbürger gerichtet. Velgene,, ivild, ir,e viele d.itelbeudu,ch Fleiß und Vegabnng in Gewerbe und vanSel.-tn .»nnst und Wissi-n'ck-ajle», dem Vaterlande Nutzen»nd Elrre geblacht Habens G,l»och>» lvird die Vor'chriit des »üesetzes wie die Vorichl.i'i der cd lue. tst sie Teni'chen in Rechten und Pslichlen gleich sind. Tie T»lä'>lh>i,ng dieser Gleichbcil siebt nicht allen! bc de» Tribunalen, -ondei» bei dem iR,mssi„ jedes einzeliien Bürgers 'Wie eine ansteckende' Seuche, drobl die Wiedeibelebnuß eines alle» Wabncs die Verhall nisse zu vcrgislcn, die in Staat und Gnneinde, in GJeUichasl und Familie ldhriste» und Jliden aus dein Boden deLsToleranz verbünd,n haben. 'We»njer» von den Führetn der Vewegnug der Neid nud die Mißgunst nur 'avstraei gepredigt werden, .io wird die Masi'e nicht säumen, aliS leneni zielt,'teil Äerete die vraklische»-lLonseguenzen zu ziehen. An dein Verinächlniß Le>nng's. rntletn Männer, die aus der sianzel n»d dem stalheker verkünden sollten, daß liniere Eulmr die Jiolirnng dcsienigcn SlainineS nbelivnndcn bat. ivetcku-r einst der Welt die Verehrung des einigen Gottes gab. Sck>ou hört »ia» den Rn' nach Ans iiahmegcsetzeii und derAusschließung der Inden van diesem oder inu’ti' Veru> uvk Er-

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