Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 172 (21.7.1895)
- Date
- 1895-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Freies Blatt. Nt. 172. reite -. - -stellt Jie'rtt Atntfl scheint eil, iAIauet Segnet Lueger'S in den „Cb(ot" «iige'liimnggelt;n bade», nin de» Awiranien auf den Wicntr Bttrgermeisterrenen zu eexi'amiittite». l’ueger spielt sich ja doch jetzt ans den strammen Nnu-ebeii i'iamt" binanS.... Auch dürste er ihn, der schon seit einiger Zeit al« ...!e>ckiworner Jvoint der (Somiption" auftritt, bei aller Schonung, die er be- .;rei'li,i>em>ei>e dem Herausgeber des „Teutscken BolkSblattes" gegenüber be- . ra.blet. >ebr »nangenehin berühre», ebenso hoch geschätzt zu werden wie der .■..T.e'one Bürgermeister oon Mühldorf. Nnvctfälschkc dcutschc Worte Es gehört;n den aurerlesensten Genüssen .'ur die anli>einilsicde Eloakenpreste, bekannten jüdischen oder auch nichljüdischen 'boiiantbropen oder Mäcenen Steine ins Grab nachznwerseu oder doch wenigstens Zeue. welä>e den Tabingeschiedenen Worte des Tanker und der Verehrung widmen, in der bübi'ebesten Weise;u verdächtigen. Mitunter stoßen die unser- 'aistbten Vnben aber auf den Unrechten; io jüngst anläßlich de« Tode« der bekannten Maeenatin Baronin Sophie T o d e S c o. TaS „Wiener Tagblatt" batte einen Nekrolog ans der Feder der SchriststellerS Gustav Schoenaich r ra'-einliät, den die „Tndeutiche Rundschau" sofort in, ihrer Weile glo'iute. Herr Schoenaich erwiderte hierauf in dem erwähnten Blatte in kernigen i:ut'er>al>äitei> deul'eben Dorten dem antisemitischen Schnüsfler. Er schreibt: ..Sin teutiolleS Blättchen, welebes die entschwundene Waldursprimglichkeit der Germanen dntch ansgeibürnite Hausen gemeinster Wald- und Wiesenrohheit zu ii'et’eü 111 elit, hat ü,t, wie mir von befreundeter Seite mitgetbeilt wird, herauseeiioinmen, unter dem Titel .Schmeck als Leidtragender' eine» von mir an uißlieb des Todes der Baronin Sophie TodeSco verfaßten 'Nachruf zum Gegennaud eines vodeu anen Angriffes zu machen. Tie Worte des Nekrologs, welche es aüsw'remen. daß der Tod tiefer edlen Fra» von ihren vielen Freunden und ::. t e:ä':i,".i Schüblingen alS tiefschmerzlicheS Ereigniß werde empfunden u .de::, re:;', dte nie geiättigte VerlenindungSgier des ostdeutschen RundglotzerS g;-!.:i;g. daß der beweisende .Tagblan' Schmock vermuthlich selbst zu d u erirabuteii Schützlingen der Barouin gehört habe. ES in bezeichnend fv- ,7 ,7deen>eichidiim dieser Partei, daß sie sogar die stiginatisireiiden Be n: imv'niig.'n, allerdings sinneiiist.'Uend. dem Wortschatz zweifelloser Anhänger d.7 ::::b>k:::ateii Toleranz, irie in die-em Falle «Sustav Freutag,;n entlehnen st o gezn. nn.gii! stel'i. Meine Abiiainmniig ist eine unvertälscht „arische" und i'.u .s Nach» eu'es bin ich in Wien enthöbe«. Ten Stolz darauf überlane ich : dnteniuen. dt: im anälendeir Bewußtsein, cS über die allgemein zugängliche B.iurde des Zeitgenonen' Nicht binauSgebrachl zu baden, sich durch die Erfiildnng : 'A'.i.'.il.iins' >imi Mindesten eine Geweiteiistelle unter ihren Staaisgenosse» a.' cheli zu baden glaube». Tie freche Insinuation. ivelehe mir zuiniithei. selbst r den Sü'.:t-l:::gen der Tante in dem vorausgesetzten Sinne gehört zu hgben. i. . aber tetr.e-rtrege mit Entrüstung — zurück. Zn den Preisen, an d neu t:a::a'r Zn'ormattcn mir gelegen ist. kennt man die Lächerlichkeit dieses n::.eumder-'chen '.>tiig.!''eS. Zn der Wertbichäynng der Verstorbenen süble ich n" b :ri: ir.u ‘tHeire von 'Namen einig, deren guter- Klang auch - durch das >"''uacke van Legionen tenroni'ck-anti'emiti'ckier Frösche in keinen Mißion ver- >. indeli u..d-.i lan',:. Wenn die-'e Bartet Einen wird bervorgebrachl hab-n, . sich — nt.i-r an geistiger Bedeutung, denn daS ist unmöglich, weil ihr H'.ize'it tn .-c''chr..i'.!r ist — »onkern nur was die Zimmerreinbeit betrifft, n. ' den inu' .'r'ch'.v '.-enden Ber'oniichkeiten inene» kann — dann werde ich 't.i't L:'i :: : , iiii.b um idr. Wenb'chätziing zu bewerben. Gusiav - .v. oii Sc» Vcrballujsien des Landes nicht bcgrü»dct.> Tas amtliche T tn >'i.z.si'ch-'n Regietnng» die „Leipziger Zeitung". bespricht an der :; . '»eiten .statistischen Ergebnisse die eigenartige Stellung, weiche :..e .st..,-.:g:--!ch Sache:: an' ret'chiedenen Gebieten einnimmt. Zn diesem Ar- :t.."r ist' „Taß ö keine Ur'ache zu eon'e'sicliellen Kämpfen hat, verdankt z - d r -z::-'a::ii»ensi'yung seiner Bewohner in religiöser Beziehung: ...... - i,,.., L'eir.chnern sind evangelische Ebriste» , katholische 87, ->iich nt 'iest-r Beziehung kann es lein größerer Staat.mit v '. en a.:'l wen, denn es kommen, um nur die beiden großen Eon'eisione» :.,s-,::. d : . im Neichsdvrch'chniit an' 627 Erangeli'che :r5»7 Xotbolike», in «. .-..ft'!- 612 7,12. in Bai ".:: auf 2-1 : 7>>8, in Württemberg auf - ''1 : 2>-.>. ->n Baden . :t: .‘j6t:620 Tie der Komik nicht ganz entbehrende .'.-.st nir,S int: solcher Zndrunst und >o viel Beharrlichkeit .cultur» ' n";t, gleichzeitig aber auch der Antit'emitismnS nirgends io breiten ... ' t: ö r. mag daher in anderen Eharalterzüge» unserer : c ‘i. nn: in den Verhältnissen teS eigenen Landes ist sie t' t' Gerat: »eit man tm eigenen Laude wenig Grund , > " '. .'.r.-Vt sich vielleicht in beide» Beziehungen zum Vor- " ' - -. ::: chiand l-'ru'en." Untere Berliner Abwehroollegin st '»‘te bin. r- ■ königltch >ächsi>che „Leipziger Zeitung" seit Fahrest s >: c:v.::' UI.' irfl ".'it':ie den „praktischen Antisemitismus" ver- . i: ' Aut 22 ,-.:i". 1-62 -chrieb das genannte AmtSbtail: „Alle o'-:" .. .:. .>n-si.ü. .r radioaten, beracheu jetzt antisemitische .Programme'. .1': t :: ij« -; *'17■’» taten s vorige Loche geihan, die oüpreußiichen : - - ■■ ' " ’7 ..: n st'lgt sie dettt'ch con'evoatioe Partei im Reich will es heute Ihun, die .antisemitische Volkspartei' hat Anfangs dieser Woche getagt und selbst die national-liberale Partei Sachsens hat am Sonntag einen Beschluß gefaß', der unter feierlichem Protest gegen die antisemitische Bewegung nichts Andere» war als eine wenn auch noch so verschämte, antisemitische Resolution. Sonderbar! kein Staat in Deutschland hat sich' bisher so trefslich gegen die verderblichen Einflüsse des JudemhumS zu schützen gewußt wie da« Königreich Sachsen, und keine Stadt in Sachsen wiederum so wirksam wie unsere gute national-liberale Stadt Leipzig. Nicht ein Israelit ist unseres Wissens im sächsischen StaalSdienste, und keines der maßgebenden Geldinstilule von Leipzig ist in jüdischen Händen. Bon der Uebermachl jüdischen Capital», die in der ReichShauplstadt jedes laute^Wort gegen .unsere israelitischen' Mitbürger' verbietet oder mindestens als besonder» preiSwerihe Heldenthat erscheine» läßt, ist in der Stadt Leipzig nirgends etwa» zu spüren, und die gesellschaftliche Rolle de» Judenlhums ist hier gleich Null. Und da« Alles, ohne daß hierzulande früher eine antisemitische Bewegung nach der jetzigen lärmenden Art zu bemerke» gewesen wäre. Wie kommt dar? Man denke doch hierüber gefälligst ein wenig nach, um;» begreifen, daß es wirklich keine» schriftlich sormulirlen .Programm«' bedarf, um sich de» unberechtigten Einflusses eines kleinen BruchlheileS der Bevölkerung auf das Ganze mit Erfolg zu erwehren, wen» mau nur ernstlich will. Es gib! eben Gebiete, ans denen man mit ungeschriebenen Gesetzen weiter : kommt als mit noch so schön formnlirlen .Prograinmen'." Tieselbe „Leipziger j Zeitung" erklärt nun auf einmal, der Antisemitismus sei in den Berhälinissen j deS Landes nicht begründe!. Haben die Radau-Brüder, welche den Tivoli-Lenien > lehr unbeoiiem werden, diese plötzliche Gesiniiuiigsklärniig veranlaßt? (Zimmermauii und sein „Ticner".j Ter sächsische AbgeordneteZimmerm a n ,i bat bekanntlich zu den Festlichkeileu anläßlich der Erösiining des Nord- Tstsee-Caiials de» sehr vermögenden früheren Wirlh des „SchillergarlenS" in Blaiewitz, Herrn Kühler, alS „Tiener" niilgeiiommen. Tas lSrgan der sächsischen Tivoli-Amisemilen, daS „Vaterland", fand sich nun veranlaßt, ein juristisches Gniachien von einem anerkannten Kenner des Strafrechtes zu diesem Falle einzuholen. TaSielbe lautet:' „Bei der Beurlheiluiig de» vorliegenden Materials darf ohneweilers davon anSgegangen werde», dast in Folge der Borspiegelnng der unwahren Thatsache, Herr Köhler sei i» Wirk lichkeit der Tiener deS Herrn Reichstagsabgeordneleii Zmmermanii, die mit der Ausgabe der lediglich für die Herren.ReichsiagSabgeordnelen und deren wirkliche Tiener bestinimlen Zutrittskarlen betraute Behörde dem Herrn Reichslagsabgeordiieten Ziinmermann eine solche Freilarie für Herrn Köhler ausgestellt bat, die' bei der Keniilniß des wahren Sachverhalts verweigert worden wäre. Es liegt av'o ans der eine» Seite die Boripiegelitng einer i»S Gewicht fallenden Thaliache, am' der anderen Seile die dadurch verursachte ZrrlhumSerregung vor. Tiese durch Täuschung der betreffenden Behörde für Herrn Köhler erlangte unentgeltliche und eine Reihe von hervorragenden Bergünstigungen gewährende Zulrinskarte batte aber weiter eine. Berinöge»Sbeschädig»»g^ eines Tritten — hier des ReichSnScus — zur Folge. Tenn der letztere trug auf Grund dieser Täuschung für eine hiezu nickt berechtigte Person alle diejenigen Ausweiiduiige», welche für die Herren ReichSlagSabgeordneten nud deren Tiener bestrille» iverden mußte». Endlich aber war hiermit ein rechtswidriger Bermögensvoribekl beabsichtigt und verbünde». Taß Herr Köhler auf die Bergniistigiingen der Tteuer der Herren ReichStagSabgeordneten lein Recht halte, folgt einfach ans der Thaliache, daß er eben nicht der Tiener deS Herrn Zimmerman», sondern ein wohlhabender Privalmaiin ist. Ein BermögenSvoriheil liegt aber nicht bloß in dein erlangten unentgeltlichen Geilnß von Speisen und Ge trauten, sondern insbesondere auch darin, daß er freien, niigehinderleii Znlrill zu den Festlichkeiten und einen bevorzugten Platz während derselben Halle, Boriheile, die er, wen» soirsl übethanpl, nur mit große» Geldopsern hätte erreichen können. Jede günstigere lisestaltiing seiner Bermögeuelage aber in Beziehung auf diele einen Bermögenswerih repräseniirende» Rechte ist schon ein BermögenSvoriheil, nicht »othwendig ist die definitive Bermebruiig des Vermögens. tBeigleiche Urlheil des Reichsgerichtes vom 10. Zänner 1880. bi. I.;V> sc.) Hiernach aber erfüllen sich in dem belanitt gewordenen Sachverhalte die sämimlichen Thalbesta»dsi»erlmale des ß 203 des ReichSstrasgesetzbnches. £ 203 lautet: .Wer in der Absicht, sich oder einem Tritte» einen rechtswidrigen BermögeiiSvortheil zu verschaffe», das Vermöge» eines Andere» dadnrcb beschädigt, daß er durch Borspiegelnng säljcher oder durch Eittstellung oder Unterdrückung wahrer Thatsache» einen Jrrthum erregt oder unterhält, wird wegen Betrugs mit G e s ä » g n i ß bestraft, ntbe» welchem aus Geld strafe bis zu dreilansciid Mark sowie auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannl werden kann. Sind mildernke Umsiäiibe vorhanden, so kan» ausschließlich aus Gelkstrase erkai.nt werden.'" Zn derselben Weise wie Zimmerma»» hal auch A hl ward! eine» seiner Genosse» al» „Tiener" die Fesllichkeite» bei Erönuung de» Nord Tstsee-Egnals milmachen lasten: das vom „Bal«rla»d" eingeholte inristi>chs Gutachten dient daher auch zur Benrtheilung der Hand luiigSweste des Ex-Rectors und seines „TienerS". Fast alle Aiiiisemilenhäiipt ling'e sind — dunkle Ehrenmänner. i