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Freies Blatt · 1895-07-21 · 172 (21.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
172 (21.7.1895)
Date
1895-07-21
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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/ Nr. 172. Fr«!»» jfciuHctnu. j I n Acht und W u n n. iioman aus Polens Vorzeit von ' Carl Griot. <>» ^,«s«tz»»g.) Sechzehntes Eapilcl. Nach Kiew waren die Nachrichten von Boleslaws Siegen »och nicht gedrungen; und die Großfürsten hofften noch immer, daß ihr Freund Wfeölaw den verhaßten Polenkönig besiegen und seinem liebermuth dadurch ein Ende bereiten werde, und daraufhin machten sic insgeheim Pläne, wie sie sich wieder die Macht iq Kiew verschaffen, dcS lästigen Oberherrn wieder ledig fein würden, uni dann ihre frühere Macht und Stärke zu gewinnen. Zn solchen Hoffnungen wiegten sie sich, ehe sie < Kunde von der Niederlage ihrer Landsleute erhielte», dabei aber ließen sic nichts unversucht, auch auf die in Kiew zurückgebliebenen Polen in bösem Sinne cinzuwirken. Mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, durch Lüge und böswillige Verleumdung sowie durch die Wahrheit entstellende Berichte suchten sic die Polen gegen ihren abwesenden Fürsten gehässig zu stimmen; nichts ließen sic unversucht, und nicht die geringste That in BolcSlawS Leben entging dem giftigen Stachel ihrer Berleumdung. Alles, der jugendliche leichte Sinn des Königs ebenso wie sein lebensfrohes, zu heiterem Genüsse sich hinncigendcS Naturell, Alles diente ihrem Zwecke, und sie wußten mit scheinheiligen Mienen und mit heuchlerischen Redensarten sich derart in das Vertrauen der Polen einzudrängen. Freilich erfuhren sie auch oft derbe Zurückweisung, wie dies bei dem Kanzler, dem Grafen Spitihnew, der Fall gewesen. Auch bei diesem hatten die beiden Russen ihr Verleumdungswcrk beginne» wollen, hatten aber schon bei dem ersten Versuche eine solch derbe Zurückweisung erfahren, daß sic cS auch bei diesem erstenmale bewenden ließen. So war eS auch bei Graf Zaromir von Rodec gewesen, der, als ihm der Großfürst ZsacSlaw einmal bei einem Spaziergange um die Stadt zu berichten begann, wie der König in tollem Genüsse sein Leben verbringe und seine königlichen Pflichten vernachlässige — seine klaren, offenen Angen in des Russen Antlitz bohrend, ihn kurz und streng abfertigte: „Ihr aber, Ihr sitzt fein zu Hause und mästet Euren Leib und läßt Euch'S gut sein in der Stadt, in die Euch mein wackerer Herr wieder eingesetzt hat, Hut Eurem Sohne^ dem .guten' MseSlaw, während BoleSlaw hinauSzicht in den Kampf und sein Leben wagt für sein Volk! Wo wäret Ihr denn, Her^ Großfürst, wenn sich mein edler König nicht Eurer erbarmt und Euch in Euer Recht eingesetzt hätte? . . ." . „3a," unterbrach ihn der Großfürst, „ja, und sich die Oberherrschaft angeeignet in meiner Stadt, wo ja kein Wille mehr gilt als der.seine ..." „Ihr seid aber doch wieder Herr von Kiew," fiel ihm der Graf ins Wort, „und Undank ist's, schnöder Undank, wenn Ihr des Königs anders denn in Liebe und Verehrung denkt, der Euch geholfen hat in Eurer und Eures Sohnes Bcdrängniß! Wo irrtet Ihr denn jetzo noch umher, Herr ZsacSlaw, wo betteltet Ihr denn noch um Hilfe? An wie vielen Höfen pochtet Ihr denn jetzt noch vergebens, wenn Euch mein Herr und König nicht wieder eingesetzt hätte in Eure Rechte? Und hat er etwa für seine Hilfeleistung einen Lohn von Euch begehrt? Hat er nicht all daS, was er gethan, in edler Uneigennützigkeil gethan, sich nicht.stets als ritterlicher Fürst erwiesen? Schweigt, schweigt," wehrte er dem Großfürsten und fuhr fort in glühender Begeisterung, „denn waS Ihr sagen wollt, trifft nicht zu, eS sei denn, Ihr wollt sagen, daß unser BolcSlaw ein edler König sei, ein wahrer Führer und Berathcr seines Volkes, ein treuer Freund der Edlen seines Reiches. Und waS Ihr vorhin von deS Königs Lebenswandel sprächet, nun! er ist eben jung und freut sich seines Lebens — und blickt zurück, Herr ZsacSlaw, wart Ihr denn anders? Wer von uns ift'S denn und verschmäht der Liebe Freuden, ehe der Schnee des Alters das Haupt bedeckt? Und einer unwürdigen Handlung wird sich mein König niemals zu schämen haben, denn stets gilt^ihm die Ehre und der königliche Sinn gar hoch! Parum rath' ich Euch noch einmal, Herr Großfürst, sprecht nicht schlecht von meinem Herrn und König, denn er ist gut und edel und verdicnt'S nicht, daß man ihn schmähe!" Bon da ab war der Russe vorsichtiger geworden und hütete sich wohl, irgend Einem, in dein er einen treuen Freund dcS Königs witterte. Blatt. Seite v. mit seinen Hetzreden und Schmähungen zu kommen. Troydcm aber unterließ er eS nicht, bei Anderen, minder Gutgesinnten seine lügnerischen Worte anzubringcn, und dies gelang ihm denn auch oft genug. Mit eincmmale aber sollte ihm Hilse kommen, und zwar von einer Seite, an die er bis jetzt sich nicht recht gewagt hatte; denn wenn er auch im Stillen ein erbitterter Feind des Königs war, so hütete er sich wohl, daß dieser von seine» wahren Gesinnungen Kcnntniß ert halte, und scheute demnach vor dein Aeußersten noch immer zurück. Anders MseSlaw. War cS jugendlicher Leichtsinn oder war daS ' Her; des jungen Russen noch verstockter, als daS feines ValcrS, sei cS auch, daß er in seinem Innern noch incmcr die Flammen der Eifersucht »ährte, die ihn damals erfaßt, als er den LicbeSbnnd des Königs mit FroSwitha gewahrte — genug, in seinem Gehirn erwachte der tcuflichc Plan, den Verhaßten auch da zu treffen, wo, wie er glaubte, sein Herz mit im Spiele war, und damit, konnte er den» auch seine Rachelnst befriedigen an dem glücklichen Rivalen um FroSwithaS Gunst, dem er die Zuneigung deS schönen WcibcS ebensowenig verzeihen konnte wie seine zahlreichen Siege aus dem Schlacht fclde. Und er zögerte auch nicht lapge mit der Ausführung seines höllischen Planes. FroSwitha mar nicht mit ihrem Gattcu nach Kiew gekommen und befand sich längst schon wieder auf ihrem Schlosse in OSwielicc; er hatte demnach keine Hoffnung, ihre Liebe dennoch einmal zu erringen, und der Gedanke gährte und tobte in seinem Ziincrn, daß daS, waS er als süßesten Minnelohn in seinen Träumen erhofft hatte, dem Könige so leicht und mühelos zugefallen war, und zeitigte seinen. Entschluß, diesen geheimen LicbcSbund zu zerreiße», dem ahnungslosen Gatten zu entdecke», welche Schmach BolcSlaw seinem Hause angcthan. Wie ein angeschosscner Eber, rasend in wilder Verzweiflung, -war Bogdan auf den Russen loSgestürzt, als er ihm jene Mitthciluug gemacht, als er ihm in klaren, dürren Worten die Geschichte seiner Schmach erzählte, die übrigens nur ihm, Bogdan, ein Gehcimniß sei, denn außer ihm selbst wüßte cS ja der ganze Hof, daß die o'iittiii dcS Bogdan von OSwielice die Geliebte dcS Königs sei. Tann hatte er sich rasch entfernt, denn der fkige Schurke fürchtete die entfesselte Wuth dcS EdclmanncS, er hatte seinen Zweck erreicht, hatte dgS tödtliche Gift tropfenweise in daS Gcmüth des Unglücklichen geträufelt, hatte dem König einen erbitterten Feind mehr geschaffen, und nun konnte er mit sich zufrieden sein^ vor Allem aber galt es jetzt, so rasch als möglich auS Bogdans Rühe zu kommen, der wie von Furien gepeitscht raste und tobte, und bei dem cS jetzt nicht recht geheuer war. Zn Bogdan» Kopfe jagten wilde, tolle Gedanken durcheinander, Gedanken entfesselter Wuth und bittersten -Wehes. Taß ihm, Bogdan, diese Schmach wurde und durch seinen König, den er hoch gehalten und dem er treu ergeben war mit seinem ganzen Herzen! O! wie wollte er sie zermalmen, die Schuldige, die ihm das gethan, jenes Weib, das unter der Maske keuscher Frömmigkeit ein so lasterhaftes Herz verbarg! Mit diesen seinen Händen wollte er sie zermalmen, vernichten, mit einem Schlage wollte er sie Beide treffen, die ihn belogen und beschimpft! Unter der MaSke heuchlerischer Freundschaft und kühlen, gemessenen Entgegenkommens halten sic sich geliebt, hatten sic sich einander genähert in verbrecherischer Leidenschaft, sich entschädigt für den Zwang der Tesscntlichkcit durch geheime Zusammenkünfte, durch buhlerische Küsse, durch tolle Liebesbezeigungen! Heiß wallte sein Blut auf in seinem Herzen, und am liebsten wäre er gleich hcimgeeilt noch OSwielicc, um daS ehebrecherische Weib zu tödtcn, sein Schwert zu tauchen in -ihr falsches Her;. Aber er mußte hier in Kiew bleibe», um den verhaßten König zu erwarten, und-—.ihn zu vernichten! Rachcdürstend erwog und verwarf er einen Gedanke» nach dem andern; aber das stand fest in seiner Seele: Sein Zorn sollte sic treffen, Beide fürchterlich zermalmend! Mittlerweile halte sich in der Stadt die Kunde von dem glänzenden Siege verbreitet, den BolcSlaw über die Russe» erfochten, und daß der König jetzt mit seinem Heere in der Heimkehr begriffen sei. Kaum war die Kunde davon in daS HauS dcS Juden Saloniki gedrungen, als auch wieder die Rosen ans Leas Wangen zurückkehrtcu, die bleich geworden waren vor Angst und Sehnen nach dem geliebten König. Sie bewohnte jetzt das Häuschen allein mit der alten Dienerin, da ihr Vater sich hatte in Geschäften »ach Krakau begeben müssen, von wo er aber baldigst wieder zurückzukchrcn hoffte. Tenn der Jude fürchtete die Rückkehr deS Königs,' und wäre dieser nicht ferne von Kiew gewesen, so hätte er auch seine Tochter nicht allein zurllckgclasscn; er hatte gar wohl gemerkt, daß deS Königs Besuch nicht seinen Kost barkeiten und Waffen allein gelte, und daß dcS jungen Fürste» Augen

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