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Freies Blatt · 1895-07-21 · 172 (21.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
172 (21.7.1895)
Date
1895-07-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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.freies Blatt. Nr. 172. Seite 4 in d,-r G.-i.'llschass 'einer bewahrten kacholiich-conservative» deutschen Männer, welche nach wie vor die confessionelle Schule aus ihrem Programm haben, wildern in der Ge'ell'chast einer neuen Partei, welche sich zwar christlich-social jiemit. welche aber für die confessionelle Schule nicht voll und ganz eintritt, wildern sich vielleicht begnügen wurde, wenn die südischen Lehrer hier in Wien diesi lüdikche Kinder und die christlichen Lehrer bloß christliche Kinder unterrichten ivürben. Ta aber alle anderen dem Geiste des Ehristenthuin« widersirebenden Besliininiiligen des jetzige» ReichS-BolkSschulgesetzeS bestehen blieben, >o wäre eine derartige Einrichtung der Volksschule ganz gewiß nur ein Zerr bild der confe'sionellen Schule. Prinz Liechtenstein mit seinem christlich-socialen Knbange entfernt sich von der conseisiouellen Schule noch weiter, denn er strebt eine Vereinigung mit den Teutsch-Nationalen an, welche bekanntermaßen die grimmigsten Gegner der confessionelle» Schule sind. Deshalb muß jeden kaiboli'ch coniervaliven Abgeordneten diese neueste Richtung der christlich-socialen Valte, aus das Schmerzlichste berühren. Freilich meinen die Christlich-Sociale», die Deutsch-Rationalen zu ibien religiösen Anschauungen zu bekehren, aber ich meine, ne dürsten dabei das Schicksal jenes Soldaten erleben, welcher sich Ininieie, einen Gewitzenen gemacht;n haben, aber auf die Allsforderung, denvlbe» herzubringeii, antwortet: „Er läßt mich nicht lo!!^ Tie Vertreter de« üoseiiisit en Volkes beklagen nicht bloß als Katholiken wegen der Verminderung ihrer vornan,$ auf Realisirung der conseisiouellen Schule, sondern auch auS nationale» Gründen die neueste Richilmg der christlich-i'ociale» Partei. Seit öal'ie<i käinvie» wir einen harten Kampf für eine derartige Einrichtung der Volksschule, wie sie sich von 'elbst versteht, daß nämlich die Muttersprache der Kinder auch die Unlerrichls>prache derselbe» sein soll. TaS lst überall in der Weit, das isi verilüinlig, das ist christlich, indem eS »ach der Lehre der großen WeltapostelS vor Goll keinen Unterschied zwischen den Völkern, gibt und vor ,k:n auch alle Sp achen gleich sind. Deswegen werden wir in unsere» Be ürebllngdll re» allen ipaluha'l talboliichen Männern, welche sich von christlichen Glilnräven leiten und bestimme» lasten, auf das Eifrigste unterstützt; in erster yn.ie ron de» ebiemrertheii katholisch coniervativen deutschen Männer», mit nelchdn nur durch das feste Band der gleichen katholischen Gesinnung seit jeher aa> das Innigste verkiiilpsl sind. Prinz Liechtenstein gekörte selbst mehrere Jahre ilnseier Verbinkung an und hielt im Zabre 1880 eine Rede, in welcher er aaS'ührie. das; die moderne Volksschule an drei Gebrechen leide: 1. Sei sie zu 'heuet: 2. könne sie wegen der ConseisionSIosigkeit dar ihr vorgesteckte Ziel nicht ganz erreichen, und werde durch' dieselbe den berechtigten und billige» Wl.u'chen der Völker nach sprachlicher Gleichberechtigung nicht sorgfältig genug Rechnung getragen. Tie besligsten Gegner der sprachlichen Gleichberechtigung „i der Schule sind nun die Teurich-Rationalen. Zur Bekräftigung dessen ver- :rere ich daraus, daß die Herreir gegen eine'für unsere culturellen Bedürfnisse ncll'weiidige Angelegenheit Stellung genommen haben, und daß sie außerdem il-.e Gegneischa't auch gegen jene eigenen StammeSgenossen bethäligten, welche mit uns enger verbündet sind, und zwar gerade wegen dieses BünduisseS, indem sie fei,''oll>e,i ponverien, daß in Folge des jahrzehntelangen sloveni- -chen BüiitnisteS das deutsch-nationale Moment bei ihnen in den Hintergrund getreten >ei. Und dennoch kann Zeder von uns auS dem Verkehre mit ihnen beklä'tigen, r'aß das demiche Ralionalgesühl bei ihnen nicht geringer ist alS bei jedem Cbrlstllch-Socialen und daß ihr Rationalgefühl das Gefühl so manches Deutsch '.'laiionalen um mehr als Kapfe-Iänge übertrisst. Wir wissen jetzt, :n o rau wir mit teil.Christlich-Socialen sind, und es werden sich auch uu'ere S lainme Sgenossen darüber klar werden, welche mit lligei dlichein Ei'ir auf die christlich iociale Bewegung große Stücke hielten und sich ron derselben nicht bloß eine Befreiung von jüdischer Präponderanz und iiaiicnaler Unterdrückung versprachen, iondern auch im Geiste schon einen herillchen Ausschwung dekatholischen Lebens erschauten Tie Teussch Nationalen aber, welche ich im Budgetaus'chnsse zu ihrem großen Siege über die deutsch liberale Linke beglückwünschte, köiine» stolz sein, daß. sie ohne besondere Anstrengung elnen so großen Sieg errungen und sich auch die Christlich-Socialen unierworsen haben. Tic'er Sieg wiegt;>v»imal so viel alS der erstere; denn um lni.li einer von einem Abgeordneten der Linken gebrauchten Vergleiches zu bedienen, haben sie bei dem ersten bloß die bezopften Chinesen, bei dem zweiten aber an' die siegestrunkenen Zavaneien ge'chlagen. Zn weiterem Verlaufe der Debatte über das Unterrichtsbudget sprach am 12 d. M. Abgeordneter Noske, welcher sich zunächst gegen die Ausführungen Klun'S wendete. Dieselben erscheinen nahezu wie eine Ablage, wie ein Ablehnen des Zusammengehens, wenigstens am lieillichlen Tage, mir anderen Gruppen des Hauses, mit Gruppen, :n:l' teilen man vielleicht mit Rücksicht auf gewisse sehr bedauerliche g.-waltthätige Vorgänge sin der letzten Zeit sich am helllichten Tage nicht zeige, Man siehe vor wichtigen Wahlen in Wien, und es habe uch «och immer gezeigt, daß die Herren von Krummstabe, ob katholischconlervativ oder' chrisrlich-social, und jene, die das breite deutsche Schlverk uingünei, wenn sie am Wahltage sich fanden-, sich immer ganz verstanden haben. Er müsse auch als Angehöriger jener Partei, welche slolz darauf lei, das Reichs-Volksschulwesen so organisirt zu' haben, wie;cyt besiehe, gegen die Bemerkungen Klun's über daS ReichS-VolkSfchulgefetz protestiren, Klun spreche von den Bertretern deS katholischen Volke», ES gebe aber auch eine Reihe von Katholiken, die nicht minder gut katholisch zu sein glauben wie Klun, welche trotzdem in diesen, Gesetze ein Pallad.ium sehen, von dem sie nicht lassen wollen, und welche glauben, daß sie ebenso christlich sind wie Klun, wenn sie die confessionelle Schule nicht anstreben. Abgeordneter NoSke kam dann auf die KomenSky-Schule in Wien zu sprechen und bekämpfte die Forderungen bezüglich dieser tschechischen Schule, Die Gemeinde Wien, bemerkte er u. A,, habe jederzeit den Tschechen Entgegenkommen gezeigt, und als es sich vor 13 Jahren um die Besetzung der Bürgerschul-Directorstelle in Favoriten gehandelt habe, sei vom Gemeinderathe ein Direktor präsentirt worden, der tschechischer Abstammung war, und zwar deswegen, weil man den Verkehr dieses Direktors mit dem tschechischen Theile der Bevölkerung erleichtern wollte. Die Komensky-Schule in Favoriten sei aber nicht errichtet worden, um tschechische Kinder, sondern um tschechische Agitatoren in Wien zu erziehen. RoSke schloß seine ausgezeichnete Rede mit de» Worten: „Zu einer großen Blüthezeit wäre dieses Wien gelangt, wenn diese Blüthezeit nicht vielfach ein so kleines Geschlecht gefunden hätte. Berufen zu den größten Aufgaben, fähig, dieselben durchzuführen, ist eS der Hader unter den Bürgern, welcher jetzt diese großen Unter nehmungen, die von weitausblickenden Männern unternommene groß artige Entwicklung der Stadt stört und hindert, und welcher durch einen Racenkampf beschämendster Art diese Stadt nach außen hin dcmüthigt und schädigt. An uns wird es sein, die einen Schäden mit aller Kraft zu heilen und zu verhüten, daß-nicht durch nationale Kämpfe noch neue Schäden dazu kommen." Die Forderungen für die KomenSky-Schule wurden mit großer Mehrheit abgelehnt; vor der Abstimmung gab es aber noch eine Meuge „thatsächlicher Berichtigungen", von denen wir bloß diejenigen hervorheben, die uns vom Standpunkte der Abwehridee wichtig erscheinen. Abgeordneter Doctor Groß verwahrte sich gegen eine tschechisch-antisemitische Behauptung, daß der Deutsche Schulverein tschechische Kinder in seine Schulen ziehe und sich zum. Handlanger für jüdische oder ändere Fabrikanten hergebe. ES sei ihm gar nicht darum zu thun, tschechische Kinder zu gewinnen. Bon confessionelle^ Unterschieden halte sich der Deutsche Schulvereiu allerdings frei; er sei kein Kampfverein, sondern ein nationaler Schutzverein. Fern allen politischen Bestrebungen verfolge er nur den Einen Zweck: deutschen Boden deutsch zu erhalten, deutschen Kindern ihre Muttersprache zu bewahren. Abgeordneter Dr. Lueger wendete sich gegen die Aeußerung Noske's, daß im X. Bezirke ein Tscheche vom Gemeinderathe der Stadt Wien deshalb zum Bürgerschul- Tirector ernannt worden sei, weil er ein Tscheche ist und als solcher in tschechischer Sprache mit seinen Landsleuten verkehren konnte. Der betreffende Bürgerschul-Tirector sei ernannt worden, weil derselbe ein außerordentlich eifriger Agitator der liberalen Partei war und ist. Zu dieser „thatsächlichen Berichtigung" bemerkte Abgeordneter Dr. Kronawetter, daß der Bürgerschul-Director Salaba im Jahre 1882 nicht ein Anhänger der liberalen, sondern der demokratischen Partei war, zu welcher damals noch Dr. Lueger gehörte. „O nein!" rief der jetzige christlich-sociale Führer aus, worauf aber Dr. Kronawetter fortfuhr: „Es sind tausende Menschen in Wien, die das wissen, er trennte sich erst im Jahre.1886 von uns. Wenn also damals überhaupt Jemandem ein Gefallen erwiesen wurde durch die Anstellung von Salaba, so wäre dieser Gefallen der demokratischen Partei erwiesen worden, also einer Partei, der damals Herr Tr. Carl Lueger als Mitglied angehört hat." — Bei der Berathung der Voranschläge des Finanz- und des Handelsministeriums, die sodann stattfand, brachten mehrere antisemitische Redner wieder ihre sattsam bekannten- Projectc;ur.„Wirthschaftsreform" vor, und Schneider producirte sich zweimal mit einem Zwischenrufe, welcher die früheren Minister verdächtigte, sich bei der Balutaregulirung - eine „Provision" herausgeschlagen zu haben. Man ist bei uns für derlei Verdächtigungen von antisemitischer Seite bereits so abgestumpft, daß Niemand auf diesen schanilosen Zwischenruf reagirte. Ten antisemitischen Wortführern, insbesondere dem Pxinzen Liechtenstein, trat Abgeordneter Dr. Menger am 16. d. M. entgegen. In einer ebenso formvollendeten als inhaltsreichen Rede legte er dar, daß die Bestrebungen der Antisemiten dem Gemeinwohl überaus abträglich sind. -Insbesondere betonte Dr. Menger, daß die Judenhetze den Arbeitern sowie einer großen Anzahl von Privatbeamten sehr erheblichen Schaden zufüge. Unbeirrt durch anstandswidrige antisemitische Unterbrechungen, führte er auS: ES liegr in der Ralur der Sache, daß, wen» in einer Stadl derartige Erscheinungen Vorkommen, wie wir sie jetzt fast täglich au« den Zeitungen und auS den Berichten über.GerichlSverhandlunge» erfahren, daß, wen» in einer Srädt ein Theil der Bevölkerung gegen den anderen verhetzt wird, der UnleriiehmungSgeist sich zurückzieht und viele Unternehmungen, die sonst in einer

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