Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 171 (14.7.1895)
- Date
- 1895-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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(v H Freie» Blatt. Nr. 171. fi-j iVfiMti: r a n t f n ’' f l zu veröffenttichen. welche tiefen IN einer -valtut i; gegenüber fern .Haiifr Wilhelm erscheinen ließen, iiir vctl\.\ bei v.t'i gegriffen irr habe feine terarligcn Briese der Freiherrn r '.!>>'.'.u:e,i''el in Hanfe»: außerdem sei er-gar nicht in die Lage gekommen, •.'Mi- Jiv'.-.mi.i anszu'vieche:,, . auch ineun er einer iolchen unanständigen .ivrudinng 'alug wäre. denn bas Ecmiw der^ ..Krenzzeiinng" habe von ihm die ,: Mi:::,;,' Aü'gale 'einer SleUung al» Ebcfredaclenr überhaupt nicht verlangt.?.;e Ve.iiageveihäliniß ans dein Jahre 1SM bestehe vielmehr nach gege»- ernier Beieil,bariing 'vii Gleichz.-ilig erließ Freiherr v. Hammerstein eine g 'ck.iffsm ißigc Erlmrung, woini er erfuckle, da er eine Ferienreiie antrete, Briese 'n.r eie „Nreuzzeiiu^ig ' iiicfci an ihn, 'onkern an die Redaction zu, senden. Am > y. ±K l'ui.ttr die ,.'irfii’,intiu:a" die Mittbeilnng, Freiherr v. Hammerstein bebe e,k!ä t. bi» au' Weueres uinen Awsirttt aus der deul'ch couservaliven Fr.reuo» de» dent'chdn Reichslage» und der coniervativen Fiaclion-des vreußi- 'chen Abgeorknetenban'es anziimclden. damit er bei der Führung seines Prou-iifv gegen die , .»ticino Breve" nt Frankfurt a. i'i. und das „Kleine Journal" in Berlin in keiner Richtung gebunden 'ei. Jm solgeiidcii Tage that das vremit-- der . >i:eu;:e,iung" ,n Eigänznng der Erklärung deS edlen Freiherr» ne in I d 'I'i kni.d in d;u ivisien. daß derselbe von seiner Stellung und Tbangketi in der Redaetiv». betiehungsweve Verwattnitg. der „Kreuzzeitnng" 'nevendii! wurde I», Lager der Tivoli Autiieiiiiteii ist nian in Folge eller dieser 'Sillarungc» gedrüelrcr Stiiiin.iing und siebt der Iveiteren Ent n iel.ung des Faltes Hamnstrst.'in mit Be-orgniß entgegen. i Eilic itlivoilichlige tvrilllierintfl. ■ >ln einer Be'prechung des Wahle.e.ebvivls >-e!bera Kr».in konnte das Stöcker icke „B o l (" den Tadel nicht uin.üdruche». de.ü die Eoi"'".vativen des WaKlkrci'e» des der Aufstellung der ilaiididann v.i , .chi datan gedacht bade», daß der „hervorragendste Eon servattve". Stacker. noch immer nicht itn Reichstage sitze. Tie „Norddeutsche LlUaenictue Zeüung" fnidii dieie Ei'.nneruiig mit Recht unvorsichtig. Tenn mit Herrn Stecke: I'i der Bereich, dessen Wiederholung für Xolbcrg .üösliii da» —:,Boi!" n iin .b is'chon l>l'ti gemacht ivorden: aber'der Er'olg jenes Experiments. V.M; nicht •::: -» Theorie des christlich 'ocialen Blattes, er fühlt sie in, liieaetitbeil an' das G: nudlickste i,l-»r>Iuiu- Herr Stöckdr wurde bei de» Rki.rsiagsit-alsitt rcmimr Id.>3 in Reusteiti» neben Herrn v.Hervb^rg, der in keiner Berns e'wa tu de» ..Helldoi'fianer» ' zu rechnen ist. als con- 'ervativer r and'dat au'giüel-t. NM den nach der Ansicht de» Stöcker'che» Blattes Mit der RotNitttrui'g des Herrn v Her-berg begangenen Mißgriff aiis;uglcichen lind die Bäabl des autneinitt'chen G.guer», nämlich A b l w a r d t's, sicher zu vir-.nein Tas Resultat war. daß bei der Hauptwabl aus v. He.vberg 87!H, an'. Stecker voll-' und an' Adlwaidt 2ü3t> Stimme», bei der Stichwahl a:.' v Hertzbc-.a t aus Äblivaidt 73-«i Stiinmeil sielen lind daß i» der d.i-.äi' Ah.irardt's Tcrteiwadi ei'orderlich gewordenen Nachwahl,der Anti'emit i F o r ne r glatt mit. i!.',!?, Stiinineii gegen 11MW christlich sociale, für Herrn racker abgegebene Stimmen siegte. Turch die Aufstellung des „hervorragendsten Sdiveivativeu" war al-o erstens erreicht, daß in der Haiiptwahl nicht der con- -eovative Kandidat r Hditzberg gcwäb.t wurde, was ioiist sicher der Fall ge tve'eu wäre: der der Stichwahl ging dann zweitens die Gefolgschaft des Herrn Stöcker in das Läger des Herrn Ablwardt über, und bei der Neuwahl re r'.iiichi! ten sich di Utens die donservalive» Wähler, indem sie Herrn Siiicker im 'i\i ließen Mit anderen Worten: das Resultat war ein vollständiges Fiasco Stocker'schen Candidatur und daneben eine allgemeine, geradezu beispiellose rnttung nnd-Berwirruiig. die rn die conservaiive Wählerschaft des Ktei'eS -Zwcitrlci Maß Einem großen Thcil der uliramontauen reicksdeutschen Br,»,' b.baat d. i '.Intvemilismus außeiordeiitlich, so'lange er seine Spitze ' a gcti die Fuden fehtr. und fromme katdoliiche Bublicisten nehmen auch keinen dii.iiand, bei de: Hudciibetz? mitzuthun. Zbrein Äerger über die Enthüllung des Liitber-Tenkinais in Berirn^machte neulich die „Westsälische Lo lkszeitung" in einer Äu-ilavung gegen die — Juden Lu't. Sie ließ sich'vernehmen : i.Tas Litiher-Tinkinal au' dem 'Neuen Nkarkt in Berlin dient bereits dem Berliner BdikSwitz als Ztei'cheibe. Stellen wir uns vor dem schonen Maffenstandbild auf und betrachten es, so komtni itns ohne Zwang die Ueberzeugung, daß hier .'as'Boik wilder einmal das Reckte getroffen hat. Luther blickt von der Bibel, ist der er stndiit bat, an', sieht sich ganz entrüstet mit, schlägt in heiligem Zorn ■ das Buck der Bucker und >'ogt: .Tas ist doch toll, ringsum lauter Jude»!' l„ d in der Tbat liest man dort die Firmen: Gebrüder Äron, Birnbaum, 2'-an.und Eobn und. Levy. Homburgcr, Marcus Jacob, Lewinsky und Lewy, chlii.e'-b» ui d Jtidel. Franz von Sickingcn, der wüste Raubritter, ist eben- 'a.is dai'.z im.pari, greift zum Schwert und sagt: .Tonnerwetter, das laffe ich » ir nicht ge'alleu — Ulrich von Hutten, der Lust>eiichenmann, aber läßt trübgemutb das ^aupt Niilen und lagt restgiiirl: .Ich 'ehe schon längst nicht mehr bi»■ " — In de.'eiben Nummer entrüstete' sich aber das iiltrainontane Blatt darnher, daß dir Bcigänge in Märiaberg von gewinen Leuten, die mit allen a '»gen >»e'chatie zu machen suchen, in Wort und Bild bespöttelt werden, nnd . gab den Ai!s'>ibru»g.n -»„es Berliner Localcorrespondenten Raum, welcher sck.itb „Ter Bl.kau' vcn antisemitischen Bilderbogen in der FriedrichSstraße hat ,.tzt eine Fort''eyu»g gefunden in der Feilbietung eines elenden Mach werke», das die religiösen Äesühle unserer kalholischcn Mitbürger aus da« Empfindlichste verletzen dürfte. Es handelt sich um kleine, schlecht colorirle Bilderbücher, die in der Friedrichstraße von Händlern seilgebote» werden, und in denen die Borgänge ii» Alexianerkloster in Mariaberg in Wort und Bild wiedergegeben sind. Dazu brüllen die Berkäufer, um Kunden heranzuziehen, unaushörlich den BerS: .Touche wagen, Stoße», Schlagen, Strampeln, Hampeln', und finden »nter Anwendung dieses .straftversc» natürlich Abnehmer." Juden ärger» — das ist schon recht; „die religiösen Gefühle unserer katholischen Mitbürger verletzen"''— ist jedoch cinpörend. Wir haben übrigens auch in Oesterreich esne erkleckliche Anzahl von clericalen Blätter» und Blättchen, bei denen die antisemitische Kampfweise ganz in derselben Art bald ein behagliche» Gefühl, bald jedoch lebhafte Entrüstung hervorrust. (Radau- und Tivolibrüdcr in Sachskn.j Zu de» Landlagswahlen in Sachse» haben die Radau-Antisemiien kürzlich einen Ausruf veröffentlicht, in welchem sie verkündeten, daß sie gesonnen seien, selbstständig i» den Wahlkampf einzittretei, Tazu bemerkt das Organ der „Conservaiive»", da» „Vaterland": „Die Führer der Re'ormer haben die Maske fallen laffe», hinter der sonst io heuchlerisch von Vaterlandsliebe gesprochen und hinter der sonst die angeb liche nioiiarchische Treue so über alle Maßen gerühmt wurde. Wahrlich, diejenigen sind u»s lieber, die ehilich und offen bekennen, daß sie in unversöhnlichem Kampf liegen mit Königthumf und Staat, als diejenigen, die bei festlichen Gelegenheiten und bei sonstige» Anlässe» monarchische T , c n e im Munde sühre», dieselbe durch die Thal aber mit Füße» treten. Sachsens Volk ist endlich müde, mit leeren Redensarten und Phrasen von diesen Herren abgespeist z» werden. .An ihren Tbaten sollt ihr sie erkennen!' und wahrlich, mir haben genug von diese» Thaten der Herren Reformer ffchon gesehen. Es kann vom vaterländischen Standpunkte aus nicht» Frevelhaftere» geben, als bei unserem sächsi'che» Landtagswahlrecht — da» nicht so gestaltet ist, wie das Reichstagswahlrecht, da zur Wahl schon eine Tritteimehrheit genügt — nur .um die Kräfte der Reformparlki zu erproben', die Fackel der Zwietracht in die noch gut gennnte Wählerschaft zu werfe»! Hiedurch kann zweifellos nur das eine Fel erreicht werden, die Sitze der social-dcinokraiische» Vertreter in ausgiebigstem Maße zu vermehren... Tie dcmagogi'ch-freiheilliche Phra!e, welcher die Herren Ah l war dt und Böckcl folgen, beherrscht auch die sächsischen Reformer schon durch und durch. Sie wollen esnur noch nicht eingestehen. Wie wir bei dem .großen EinigungSwerk' im vergangene» Jahre ihnen' unter dun Gelächter von jener Seite richtig voraussagten, daß der Einigung in kurzer Zeit die Trennung wieder folge» müffe, so wird auch unsere gegenwärtige. Prophezeiung wahr werde»: daß tzie Führer der sächsischen Resormpartei, die sich jetzt noch mit ihrer abweichenden Meinung brüsten, bald Jenen nachsolge» werde», zu denen sie eben gehören: zn dem große» Ahlwardt und zu dem nicht minder großen Böckel!" Es ist erfahrnugSgemäß keineswegs ausgeschloffen, daß sich Radau und Tivolibrüder bald aussöhne» und, nachdem sie sich geschlagen, wieder vertragen werden. Feuilleton. In Acht unö '•Sann. tJoman aus Polens Vorzeit von Carl Griot. <13fforlsetzung.) Fünf;ehntcs Capikel. Lea war des anderen Abends schon zeitig zur Stelle gewesen, an der sie den Geliebten wieder treffen sollte, sie hatte kaum des Batcrs Gang in die Synagoge abwarten können, und schon eilte sie hochklopfenden Herzens hinaus, dem thcurcn Könige Entgegen —* aber er faiit noch nicht, und erst als Lea einige Minuten'mit banger Erwartung seiner geharrt, da kam er auf demselben Wege, den er das erstemal genommen. Lea flog auf ihn zu, und sich an feine Brust werfend, lachte und scherzte sie und liebkoste ihn und küßte immer wieder seine Lippen und seine Hände, doch plötzlich trat sie von ihm zurück, und jetzt erst bemerkte sie den Ernst, der sich auf seinen Zügen gelagert hatte, und ängstlich forschend blickte sie ihm ins Antlitz. „Was ist Euch?" flüsterte sie bebend, indem sie sich an ihn schmiegte und ihm in das gedankenvolle Auge sah, „was macht meinen geliebten König heute so stumm und traurig?" „Lea, geliebte Lea," sprach Boleslaw, und ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust, „Lea, mein süßes Mädchen, wappne dich mit i.