Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 170 (7.7.1895)
- Date
- 1895-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 170, \ reite Freies Blatt. >PfleiSrter contra Stöcker,' Ter Hofprediger a. T. Stöcker wurde vom Berliner onin'eniitucheli Stiideiitenvereine zum „Ehrenmitglied" gewählt.. Ter jfic■- Tr 'Breiterer, bat aber die Bestätigung dieser Wahl verweigert. 2lu* antisenntiscben Blättern.! l' itic , dcullL-liaiionalc" Heldentbat.) Wir erhielten von einem deut-! i-Siimnasialproseffor folgende Zuschrift: Tie „Teutsche Zeitung". li.iaie in Nr ein Feuilleton unter dem Titel „Supplent Torn" (Genreli.d- ES wird da erzählt, wie ein k. k. Supplent Namens Erwin Torn in; der blödest,» üJeife die ihm als Ordinarius unterstehenden Quintaner Ivrannisirt ' und 'einer Tnrannei damit die diroue auft'etzt, daß er in hellen Jubel aus tutdtti als er hört, daß ein Schüler die Studienlauibahn verläßt, um nickt/ — Supp.ent zu weiden. Ter Verfasser dieses Feuilletons, der sich Tttokar j 2:.v.\' reu der Biaich nennt und ein Hannale aus der dllähe von Tlmütz ist, leiste: das Unglaublichste in cnnsscher Herabwürdigung des Mittelichullehrer- ' stankes Mau lest' nur folgende Zeilen: „An feine» College» sah er cher Snrrlent > oft verdüsterte Stirnen, worauf deutlich die tiefen Furchen einer /:r:geu Serge zu levti standen. Vergnügen, Freiheit, Freude — Alles, war an lauen Bürste. Tbeaierflitier. Tieie Men-chen täustchten die'ganze Welt, täuschten -.»ander gegeiiststiig, lauschten sich selber. Sie vergeudeten ihr Geld in'den Wtrtbdbä.i'ern, beuchieii Concerte, machten Bälle mit — kurz, spielten sich u.i' rallfomniene Cavaliere hinaus, und in der Bütte des Monates strengten sie ihre geistigen Fähigkeiten, all ihre» gelehrten Schaifsin» an, um ein Mittel tu m;?.':!, trudurch sie sich ,«e!d zu des Lebens Nothdurft verschaffen könnten. U; d alle.Bergiinuungeu wurden des leidigen TecoruinS halber, der scharfj igga-i- ' t'.anaenz.inaige:: Cefrentiiehfett zuliebe ab'olvirt, der Lessenilich-! : riug. tu -tetitem Topf« und das andere in deiner Börse ' lat. dte ad v tvct>'.'.r. stets auf den Schein sieht und immer ein Haar in der! Surre st»n; Tas Teeorum, dieses notbivendige Hebel, wie der Gelehrtensiand , 'euer, richteten die Armen zugrunde. Sie waren lecke Segler, mit Mühe über! Wc."'e. gebalten — und ibr Verssntn lediglich eine Frage der Zeit." So weit | „deuisch lianouale" Hannake, der unseres Wisieus bis seht noch nicht da? I wianiriiätszeugiiist erwarben bat und durch seine stlikisti'chen Proben entschieden : das Z.-uzuisi ralllger Unreife au. den Tag legt. Wie eine Zeitung, die doch j ernst genommen ''ein will, wichen Erveetorationen die Spalten öffnen kann, ist > > ine.andere Fr.»re. die -man eben nur in antisemitischen .strei'en beantworten ,!a,:n. Ei» halbwegs aiisiändiges Blatt, das imstande ist, die erzieherische ' T atigiett eines Vehcere zu erfassen, tollte nie und nimmer einen Aussatz ans- . U'iiidii. in ivel.i sin der Lehrer als ein verächtlicher, charakterloses, jedes , 'dealen >''.ra!tes bares Su>et hingestellt wird, und dies zum Gaudium der j studirendett Fngw.d. Bei Wodan und Teut! Wenn daS eine „deutsch-nationale" s Heide;::'.a: -ein f«^.. die Gmnnasialvro'essoren den Schülern gegenüber als i Hartelms, .t.v.e.::etic'e Sujets und Troiteln erscheinen zu lassen, dann ist es;;;n die'-' ..deutsch naiionaie" Idee ''ehr traurig bestellt. Wunder muß es (Kitten j »ebii ii, ,r:s angesichts solcher Streiche, deren Zielscheibe der Gnmnasiallehri stand ist, sich :->«f'che Professoren berablasken können, mit einer „Teutscheu ' Borsitzende der' aufgelösten „social-wissenschaftlichen Studentenvereinigung", Schulze, zum Borsitzenden gewählt. Wie tragisch ein Antisemitenblatt diese Niederlage nimmt, beweist folgende Auslaffung: „Wir wollen vorläufig nicht untersuchen, warum die B-irschenschaften so gehandelt haben; diese Unter suchung möchte doch etwas zu schmerzhaft ausfalle». Seien aber die Gründe, welche sie wollen: die Burschenschaften haben am Sonnabend ihrer glanzvollen Geschichte, ihren neueren nationalen Bersicherttngen, der Haltung ihres Organes und vor Allem dem Geiste des jungen Teutschland (?), de» sie eigentlich kenne» sollten, einen Schlag ins Gesicht versetzt, dessen Spuren sie nur durch eine ehrliche und rückhaltlose Erklärung der Reue über ihr Thun vertilgen können. Erfolgt diese nicht oder nicht vor der Oefientlichkeit oder nicht bedingungslos, so sind die Burschenschaften hinsichtlich desjenigen PunfteS in ihrem Programm und in ihrem Gewissen, welcher nationale Gesinnung heißt, durch ihre eigene Schuld gerichtet." Schrecklich! lälcmcnto.) Die Wahlniederlagen der Tivoli-Antisemiten geben dem „R e i ch s bo t e n" Veranlassung, in einem Artikel unter der Ueberschrist „Memento“ zu klagen: „Wenn es so sortgeht wie jetzt, dann geht Alles aus dem Leim; die Agitation zersetzt Alles, namentlich Alles, woraus die cot; i'ervative Partei gebaut ist. Und wenn die conservative Partei sich auf de» Wettlauf in demagogischer Agitation mit den radicalen Parteien einlaffe» tuoUtc. so wäre sie erst recht verloren. Nicht« ist deshalb für die conservative Partei schlimmer, als meint sie sich aus uuezfüllbare Forderuugen eiuließe." iReclame siir dir >,I.!bre Parole“.) Bor bei» Hause der Pariser ..Lil-iv Parole", ans dem Boulevard 'Montmartre, liefen dieser Tage Abends st Uhr plötzlich einige tausend Personen zusammen, eS entstand ein Höllenipectalcl, mau schrie und lärmte im Takt. Ter Besitzer des Blättchens, Drumont, erschien auf dem Balkon und sprach einige unverständliche Worte. Es war nicht ganz klar, ob diese Manifestation gegen die Juden, gegen die Regierung oder gegen Teutschland gerichtet sei, offenbar gegen alle drei. AISdann erschien ein großes Polizeiaufgebot, besetzte die Straße und verhaftete einige der Hauptschreier. Das Ganze hatte den Anschein, als sei es von dem reclainebedürftigen Trumont selbst ins Werk gesetzt worden L-ciullcrun. An Acht und Wcrnn. Kommt aus Polens llorjeit von Carl Griot. (r:-. Fortsedunz.) Vierzehntes Eapitel. " ■»: V.rbiiidiiiig zu ''leben. ' 'Bon Der „.lireuzzeitllllg".' Ter äußerst betriebsame Herr v. Hammeri "i ■ r. NU!» ie':ii.t reell ne Red actio» der „.treuzzeitiilig" verlaffeu und soll l d :n b kannten Bastor v. B . d e I >' ch w i n g h wirthschaften helfenj F-r«.". "st au! etii Wecknel im-Berlage des Hauptorgaiie« der Tivoli-Ami- | ei», .'ii.ien und d i ">:be aus den Händen des Herrn v. Si r ö ch e r in I??j >''-raft-.i Finck v. F i n ck e n st e i n übergegangen: dieser wird das : Uiiireiil!!», ii Niit.." der Firma „Perlag der 'Neuen Preußischen Zeitung, Graf I Fmck.'iistciU"' st t-.r-e». lieber die Ursache dieser Aendernngen in der Redaction .:? u» BcAae'-" -er ...streuzzeitmig"' wirk man autbeuti'che Äuf'chlnfft erhalten, >;!!.:• cs zur r -..ä tiiche:: Perbaiidlung über die EhrenbeleidigiingSklagen des! Herr« r H.stein loiiimt, was aber noch inehrfach bezweifelt wird. -Aitiisciit im Eoitt'ltctc mit Lcn 3trafgcfcHcn.» Gegen den Reichsiagsii.! .""» BockeI, den Mitherausgeber des tadical-aiiti'emitischeii „Teut ck B .;: s r ech:' S", wurde wegen eines in diesem Blatte erschienenen ’; A» klage » egen Aufreizung yboben. Bon Lcr Bcrlincr Stuüciitcnschait. „Frei-T eutichland" und ge- " .»aud:e Tigane in der „Tstmark" beklagen eine Niederlage, welche .; mitcret in'der Berliner Studentenschaft erlitten hat. Bei der dies- .inie/i- Wal-; d-.s T irc.writimr der dortigen „Akademischen Lesehalle" wurde i iinuch r-.m r..:v :'.niivc;c.; „Verein deut-cher Studenten" der von ihm seil ,-ai". I! tntiec.el al:c Bors:» entrissen. Für den „Verein dkut'cher Studenlen"; : : 'ein,' B.-i.-ii-.deten nurden stist, für die „Parteiwseu" Ü56, für die „Freie ».»eiucha-.nc! c Verenugniig" 1**4 und für die Bur'cheiischasten 10(1 Stimmen algegebe:;. Dte erste Giuppe durste daher nach, den Statuten '1, die anderen ■ ■i i«rzusammen 1 Vertreter in das Tirectorium entsenden. Hieraus' " >! - nur I 'rcren 2 stimmen der Führer der „Parteilosen" und ehemalige Es wollke heute nicht Abend werden, und der lange Septembertag schien kein Ende;u ttehinen; so wenigstens däuchte dies Boleslaw, der den Abend herbeisehnte mit aller Macht; es war ihm am Tage nicht möglich gewesen, sich mit den Regierungsangelegenheiten;u beschäftigen, immer kehrten seine Gedanken zu dem Morgen zurück, den er heute in Leas Gesellschaft so glücklich verlebt hatte — und sein Her; klopfte dem Abend entgegen, an dem er sie Wiedersehen, den holden Zauber ihrer Nähe wieder fühlen sollte. Lerweht war jede Erinnerung an andere Frauen, die er gekannt und zu lieben geglaubt hatte, ver flogen all ihr Reiz, mit denen sie ihn für kurze Zeit an sich gc feffelt, hinweggeweht von dem Zauber ^..der großen mächtigen Leiden schaft, die ihn zu Lea hinzog. Wie kalt und schal erschien ihm jetzt sein früheres Leben, wie leer und nichtig jene Liebeleien, wie theil nahnislos gedachte er jener Frauen, und wie verblaßte all ihr?>ceiz vor der bestrickenden Lchönheit des orientalischen Mädcheys, desien 'Nähe ihn berauschte und desien Bild sein Herz erfüllte. Was war all der madonnenhafte Reiz FroSwithas in diesem Augenblick? Verblaßt, verflogen! Ausgelöscht jede Erinnerung — und ein neues, ihm bisher unbekanntes Gefühl der höchsten Wonne und des freudigsten Empfindens erfüllte seine Seele. — Er liebte! Liebte mit der ganze» ihm innewohnenden Leidenschaft, mit jeder Faser seines Herzens, und das Gefühl, das ihn beseelte-, war keineswegs ein vorübergehender?Nausch, nein, es war eine reine und tiefe Liebe! — Es war Abend geworden und Lea sah kaum den Vater zur Thür hinausgehen, um sich zum Gebet zu begeben, als sie eiligst ein ver hüllendes Tuch um den Kopf warf und hinaus in den Garten, der lauschig hinter dem Häuschen grünte, eilte. Sie war athrmlos her geeilt, und jetzt, sie war einige Secunden da, wich sie mit einem