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Freies Blatt · 1895-07-07 · 170 (7.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
170 (7.7.1895)
Date
1895-07-07
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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reite t>. Freies Blatt. Nr. 170. jüdische Vitamin zu berufen. Und doch ist es gerade auS dieser C-iteiUflar -,n erteilen, daß es eine reine Erfindung ist, die den I u den die Erfind nng der Wechsel zuschreibt. Wären die V8-cksie1 zuerst von bilden anSgegangen, so hätten st: in der mittet* alte'. Sielten jüdi'chen Rechlsliteratur. namentlich in den zahlreichen Gutachten, Erwältnnng gesunden. Viun sind es aber Rabbiner des '.•dtvei nten Jahrhunderts, wie Moie di Drani, Samuel di Medina, I'aak Adarbi, Samuel Ehajjun und Andere, die zuerst der eigentlielien Wech'el gedenken, on ihren Schriften werden die Wechsel mit dem nalienjichen 'Rainen Ictun- >Ii enmfiio bezeichnet und mit AuS- Mi'.efen übersetzt, die dem jüdischen Schrisuhlim des Mittelalters »remd find, weil ihm auch die bezeichnete Sache fremd war. Die llel'er'etzuitg beweist, daß die Inden den Gebranch der Wechsel von den Italienern gelernt baben. Der lebhafte Verkehr Venedigs mit dem Oriente gab auch den orientalische» Inden Gelegenheit genug, die iv ii >.!in>-i-. kennen und gebrauchen zu lerne». illlircr Gurko UllD Schuwalow. t Ans Warschau wird uns n-.ngeibeili: Durch eine» kaiserlichen Erlaß wurde im Jahre 1867 den Inden im Weichielgebiere das Recht eingeräumt, Grund und Boden :ur Anlegung landwiribichattlicher Anwesen zu erwerben, Rur mußten 'ulelte jndi'che Manier den Beweis erbringen, daß sie die Wiribschaft telbtt führen wurden. Bis zur Ernennung des Generals Gnrko zum Adtuiitiüranottschef in Eongreßvolen lebten viele Juden ans ihren Wirih'cktafleu ungestört und betrieben fleißig und erfolgreich Landtvirihicktaft. Mit dem Einzüge Gurko's in Warschau begann jedoch für die Inden dieser Kategorie eine schwere Zeit. Gurko entzog unter einem nichtigen' Vorwände den jüdischen Landwirthen das Recht der Heien Erwerbung von Grund und Boden und desAufenthaltes aus ihrem Anwesen. Er fepte jedoch eine fünfjährige Frist fest, während welcher die Inden ihre Wirihfchafken verkaufen müßten. Später erluelien sie einen weiteren fünfjährigen Aufschub, der am 1. Jänner abläui:. iVunmchr har Graf Sch nwa 1 ow auf die Fürbitte des <)'raieii W. BeloferSkij die Gurko'sche Verfügung rückgängig geiüächt und die lüdifchen LandwirtHe in ihre früheren Rechte wieder e:nge'ei;i Eie Intervention des ("trafen Beloserskij zu Gunsten der Juden ist an' ein Ansuchen rahlreicher polnischer Gutsbesitzer zurückruführen. welche für die Ehrlichkeit der jüdischen LandwirtHe viele Beweise lieferten. TitZuvkll litt Kaukasus. Man schreibt UNS ans Petersburg: Befanuiltch haben die im Kaukasus lebenden Inden, deren Ausweisung rert'l-gt wurde, an das Ministerium des Innern ein Gesuch um Aufschub der AuSweisnugstermiue gerichtet. Diesem Gesuche wurde auch stattgegeben. Eer Ebes des kaukasischen Gebietes. Generalmajor S ch e r e m e r - e wj har inzwi'chen au das 'Ministerium des Innern ein LRauoraudum gerichtet, in welchem die Belastung der Juden in ihren bisherigen Wohnorten int Interesse der christlichen Bevölkerung des Kaukasus dringend empfohlen wurde. Das Memorandum beruft sich auf zahlreiche Biirschristeu und Petitionen angesehener christlicher KatGeute ans allen Jheilen des Kaukafus, welche für die Zurückzteb.ntg' der Atisweitnugsordre warm eiutreteu mit der Begründung, das;'die Ausweisung der Juden aus dem Kaukasus eine wirlhschastliche und 'inaurielle Avise herbeiführen würde. Auch bestätigt General Scheremeijew 'elbst, daß die Ausweisung unerwünschte Verwicklungen nach stch ziehen müßte. In Folge besten Har nun das Ministerium des Innern, wie die ..Rowoje Wremja" meldet, den Beschluß gefaßt, die geae» die Juden im Kaukasus erlassene Ausweisungsordre zurückzuziehen Schwarze Zuvcn^ Die schwarzen Juden von Ernakulum schildert r:ne Studie der „Köluifchen Zeitung" wie folgt: Als Stätte verschiedener Reügiouen ist Köchin, das alte, für die Ausfuhr seines Pfeffers be- :iihmte .Kotbinara, gewiß einer der iuterestautesten Plätze,^ IndsenS. V:s rü der Hauvksiy der katholischen Snrianer sowie einer kleinen ("emeiude von 'Reüorianern, die wieder in mehrere Secten zerfallen. Außerdem leb: aus dem Festlande, d. h. in Ernakulum, eine Colonie schwarzer Juden. Es ist nicht genau sestzustellen, aus welche Weise sie der:!::, kamen, und wenn man auch die Ansicht, daß sie die Nachkommen der Erngeboreucu sind, die von Hiram und Darschisch bekehr: wurden, und Ernakulum selbst das Ophir König Salomons ist, als r'Rmbe bewachtnr irruß, io deutet doch Vieles auf einen uralten Ursprung h:n, und man wird kaum fehlgehen, wenn man die Gründung, der Eolvnie in die Zeit 1 für, nach der Freilassung der Inden unter Enrus verlegt. Das Indenviertel Ernaknlum zeichnet sich wenig vor anderen orrentalstchen Städten ans. Die Straßen sind eng und >:.tS von einer großen Menschenmenge, in der man sofort die charakteristischen, obwohl dunkeln, jüdischen Züge erkennt, belebt. Die Man,rer sacken 'o'orl durch die vor die Ohren herabhängenden docken und den langen Kaftan auf. Bei der weiblichen Bevölkerung findet man, besonders im Mädchenalter, wirkliche Schönheiten, die sofort durch die großen, geistvollen Augen gegenüber dem stumpfe», sinnlichen GesichtsauSdrucke der übrigen Jndierinnen ansfallen. Die Synagoge, die mit prachtvollen alten Delft-Porzellanplatten gepflastert ist, entzückt jeden Kunstliebhaber. Man zeigt da werthvolle, mit Edelsteinen besetzte 'Mitren und andere beim Gottesdienste gebrauchte Stücke. Bemerkenswerth sind ferner noch gewisse, der Entzifferung harrende, mit wunderbaren Zeichen bedeckte Kupferplatten, die angeblich eine königliche Urkunde oder Shasanam zu Gunsten der schwarzen Juden enthalten. Besondere Beachtung verdienen, auch die prachtvollen, in kostbare Seide eingewickelten alten Handschriften der mosaischen Gesetzbücher. Tie schwarzen Juden leben streng allen Vorschriften ihrer 'Religion nach und enthalten sich am Sabbath jedes Handels. Sie sind hauptsächlich Fisch- und Geflügelhändler. 1 Jüdische Wohlthätigkeit.) Anläßlich des zehnten Sterbetages des Philanthropen Sir Moses Montefiore schreibt die „'Rew-Ljorker Staatszeitung" über eine von Juden im Jahre 1884 begründete und erhaltene, nach dem großen Wohlthäter „Montefiore-Home" benannte Anstalt in New-Ljork, welche hilfsbedürftigen Greifen und un heilbaren Kranken ohne Rücksicht auf .Religion und Abstammung ein Asyl gewährt, wie folgt: „Wohl keinem derHundertrausende, die jahraus, jahrein den prächtigen Grand Boulevard passiren, ist der in dunkelrothem Backstein aufgeführte, den majestätischen Hutzson und die schön gewundene, blaue Hügelkette New-Iersey's überschauende Prachtbau entgangen, der sich seit einigen Jahren an der Ecke der 138. Straße und dem Boulevard erhebt. Es ist das .Montefiore-Heim für unheilbare Kranke', eine der zahlreichen Stiftungen unserer jüdischen'Mitbürger, und, fürwahr, eines der stolzesten Wahrzeichen hochherziger Opferwilligkeit und menschenfreundlicher, unermüdlicher Hilfsbereitschaft! Die Entstehung des Gedankens der Gründung dieser großartigen Anstalt datirt zurück bis in die ersten Achtzigerjahre, in welchen, nebenbei bemerkt, das dicht bei dem heutigen .Montessore-Heim' belegene riesenhafte .Waisenhaus und Altenheim' ins Leben gerufen wurde. Wie in allen Hospitälern der Stadt Newz'tor.k gilt auch im .Mount Sinai Hospital', dieser hervorragendsten aller hiesigen jüdischen Stiftungen, »othgedrungeu die Regel, keine unheilbaren Kranken aufznnehmen, beziehungsweise Patienten, deren Leiten nach kürzerem oder längerem Verweilen in dem Hospital als unheilbar erkannt wird, zu entlassen. Dies implicirt natürlich vielfach Härten, die sich aber unter den obwaltenden Umständen leider nicht vermeiden lasse». Den Herren Louis Gans und Hyman Bloom, zweien der bekannteste» New-'))orker Bürger, die damals an der Spitze der jüdischen Hospitalgesellschaft standen und in derselben noch heute eine leitende Nolle eiunehmen» gebührt das Verdienst, den Gedanken einer Gründung eines Heims für unbemittelte, unheilbare Kranke in Anregung gebracht und zu dessen Verwirklichung in erster Reihe beigetragen zu haben. Das Project fand in den begüterten Kreisen der jüdischen Bürger 'Rew-Lforks großen Anklang, und obwohl damals die Errichtung des Waisenhauses und Altenheims bedeutende Geldopfer erforderte, wurde» doch die nöthigen Snmmen ansgebracht, um ein einfaches Gebäude an der Ecke von Avenue A und 84. Straße auzukauseu und als Heim für unheilbare Kranke zu bestimmen. Dasselbe wurde am 26. Oktober 1884, dem hundertsten Geburtstage des jüdischen Philanthropen Sir Moses Montefiore, in feierlicher Weise eröffnet und dem' berühmten Glaubensgenossen zu Ehren .Montefiore-Heim' genannt. Da's Heim wurde mit acht Patienten eröffnet, denen sich in kurzer Zeit noch ein paar Dutzend hinzugesellten. DaS Gebäude erwies sich sehr bald, als viel zu klein, und es trat au die Leiter der Organisation gebieterisch die Nothwendigkeit heran, größere Räumlichkeiten für die Anstalt zu beschaffen. Ihr zu diesem Behufe an ihre hiesigen Glaubensgenossen gerichteter Appell verfehlte seine Wirkung nicht. Die Gaben flössen reichlich, und die jüdische» Frauen, bekannt durch ihre werkthätige Nächstenliebe und ihre Energie in der Anssührung von Unternehmungen zu wohlthätigen Zwecken, arrangirten außerdem eine Riesen-.Fair', die ein großartiges finanzielles Ergebniß hatte. Die Tirectoren waren nun imstande, ein prachtvoll gelegenes Grundstück an der 138. Straße und dem Grand Boulevard anzukaufen und auf demselben den stolzen Bau zu errichten. DaS neue, geräumige, überaus zweckmäßig eingerichtete und mit den modernsten Hilfsmitteln der medicinischen Wissenschaft ausgestaltete Heim konnte bereits Anfangs December 1888 bezogen werden. Die Kosten des Grundstückes und des Gebäudes, mit allem Zubehör: Mobiliar, medicinischen Apparaten, Gartenanlagen u. s. w., beliefen sich auf über eine halbe Million Dollars. Die Betriebskosten der Anstalt belaufen sich durchschnittlich auf 70.000—80.000 Dollars per Jahr, einschließlich nahezu 17.000 Dollars für Salaire,

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