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Freies Blatt · 1895-07-07 · 170 (7.7.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
170 (7.7.1895)
Date
1895-07-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 170. Freie, V l a t I. 5citc 5.. geklagter erfahr e-n, daß die amtliche N o I c der B r U x c r Bezirkshaupt Mannschaft ans einem Jrrthum beruhe, :„dcm sie sich auf einen ganz anderen Johann Liebsch 7kziehe; sr sei hierüber hocherfreut — doch sei nicht er, sondern Behörde anzuklagcn. Ans die Frage des KlagcvertrcterS, wie cü möglich gewesen sei, daß sich König Einsicht in eine amtliche ,'>ote verschaffte, erwiderte dieser: „DaS ist meine Sache, darüber gebe überhaupt keine Auskunft, da ich bcschlosicn hatte, bei den Neu!-.ahlcn in Floridsdorf eine starke Musterung vorzunehmcn, und da >>crr Hicbsch der gegnerischen Partei angehört, war ich natürlich be- : (t)tigt, dies zu benützen. Es freut mich, daß Herr Hiebsch gerecht- .uigt ist/ und ich bedauere den Jrrthum der Behörde." König gab sthließlich eine Ehrenerklärung ab und verpflichtete, sich zur Tragung r Klagckostcn, worauf er frcigefprochcn wurde. Damit wäre die hrensachc des Herrn Vic&fd| freilich geordnet; die viel wichtigere Frage;.h-r, wie sich der antisemitische Agitator Einsicht in amtliche Stücke •t> überhaupt eine so gründliche Information über interne AmtSrgangc verschaffen konnte, wird nun erst von der Behörde bewollet werden müsie»; der Tctcctivc Bruckner wird der Behörde ' Gleicht auch in diösem Fülle eine ausreichende Antwort zu geben ,i mögen. Die Angelegenheit ist von hober principicllcr Bedeutung, eS geradezu entsetzlich wäre, wenn gewcsie amtlickie Documentc, die chl für die Seffenrlichkcit bestimmt sind, dazu mißbraucht würden, m im politischen Kampfe als Waffe gegen mißliebige Personen be- ■iUjt;» werden. (Tic RcichSrathSwahl im Städtebezirk ^liniitz - Proßiiitz r tlllfch-ÄNIöck. > Unser Slmützer Eorrespondent schreibt uns unterm Juli: löbliche Redae'.io»! Tr. Bloch'S Wochenkchrikt bringt zu meinein in IG."1 tc«5 „Freien Blattes" veröffentlichte» Bericht „Zur ReichSralbSahl i»i Ltädtebezirk Dliniitz - Proßnitz - Tentich Brodel" eine ännkerung, in welcher tolgender Lay vorloinnu: „Jedes Blatt der Geiänchie 5 Judenihiinis gibt Zengniß davon, daß Germanismus und Jnioleran; sich >1en und eongruenle Begriffe sind; nnd ist die moderne anliseinili'che Leuche iit gerinaiiische» Product'? ' TieS toll und muß im Interesse der bislorischen Wahrheit sestgestellt werden." Lie iverdcn eS Mir erlaffen, gegen eine derartige gcheuerlichkeit zu polemisiren. Wie recht ich mit meine» AuSsnhrnngen .nie, daS beweist die an> R>. Juni im Dlmützer Redontenjaale slaugehable .tzablerversainnilni'g, in ivelcher Altbuigermeister Zajiezek aus Proßniy ..nler siüiinischeni Beifall zur Beisammlung u. A. Folgendes sagte: „Ich danle er geehrte» Bersainmlung für die herzliche Begrüß»»», welche Lie mir zuiheil 'erden ließe». Ich habe aber auch Herrn .Bürgermeister v. Engel für die .undliche» Worte, die er den Proßnitzer Wählern widmete, zu danken. ES ■•t von Leite de» Herr» DbinanneS des BezitlSwahlcomileS darauf hingewienn orde», daß sämmiliche Wähler der Wahlbezirkes am 2. Juli einstimmig zur oahl ichreiien werde». Ich zweifle nicht an der ElestiiiiungSlnchligleit und Treue, >e L>e besitzen, und daß Ihre Ltzmpalhien für unseren Landidalen am Wahl- :.:ge zun/ einhelligen Anrdrnct komincn werken. Wir Proßnitzer Wähler iverden nn 2 Juli trotz der ungünstige» Berhäüniffe, die bei n»S seit dem Jahre I -:>I eingelrele» sind, doch einiiinlhig zur Wahlurne 'chreiten. Wir sind aii Harne ecämpfe gewöhnt und wir werden auch in dem jetzigen hochcrnslen etamvie .acht zuriickweiäien. Ihr Eandidat, den Lic schon lange kennen, und dem Lie ar seine vielbewährte Thängken Ihre Ltznipalhien enlgegenbringen. hat sich bei. der am letzte» Lonniag in Proßnitz abgehaltenen Wählerversainnilung die Herzen aller deutsche» Wähler in Proßnitz un Lturine erobert. Ich bin überzeugt, daß linser Eandikat, deffrn iulegrc» Eharakler ivir z» schätzen iviffeu, ieme Llimine nicht vergebens erheben nnd diese Lliinme auch im Parlamente zur Geltung komiizen wird. Wenn wir Alle uu'ere Pflicht erfüllen u«f einlniilhig zur Wahlurne schreiten werden, werden wir auch zu dem Ziele gelangen, daS ivir anstreben. Lo wie wir heule dem Eankidalen Engel zujubel», werden wir dann dein gewählten Abgeordneten Engel zujnbeln und ausruscn lönne»: Uin'er ReichSrathsabgeordneler Joses v. Engel lebe hoch!" lind da soll eS jüdische Wähler gebe», welche vor der Wahl erst seil'chen und schachern irolllen? Nein, Tr. Bloch'S Wochenschrift würde, wenn sie Recht hätte, dein mährische» Judenlhum leinen Liebesdienst erweisen. Tie mährischen Inden ivare», sind uild werden deutsch und freisinnig bleiben, komine, >paS da wälle. Bei der RcichSrathSwahl, die am 2z Juli stattfand, haben auch, wie vorauSzuschcn war, die jüdischen Wähler, unbeirrt durch antisemitisch-tschechische Drohungen, ihre Bürgerpflicht gcwisienhaft erfüllt und den Sieg des deutsch-liberalen Eandidaten hcrbeigeführt. ES wurde Bürgermeister Josef v. Engel mit 1347 von 2393 abgcgebcncn Slimmen zum Abgeordneten gewählt. Der Alttschcche Doctor j Zaüek erhielt 918, der Socialist Hyanfk 93 Stimme».! «Autisemilischc Abgeordnete und ihre Diener.) Bei den Fest-' lichkeiten anläßlich der Eröffnung deö Nord-Ostsee-Eanals fiel eS auf,! daß antisemitische ReichStagSboren, denen ihr ehrbares Agitatoren- ' Handwerk »och keine Millionen eingelrage» hat, deunoch von Dieneln . begleitet auf der Bildfläche erschienen. Des RättsielS Hösung;ibk jetzt die social-demokratische „Lächsische Arbeilerzeilung", indcui sie /schreibt: „Würdig reprüsentirt wird die anlisemimchc Partei bei der Feier der Erössnung des Nord-Dsisce EanalS — Herr Zimmer mann hat sich einen wirkliche», echte» T jener dazu 'mitgekracht, der neben den Stiefclwichs- und sonstige» tskeschäslen auch die Aufgabe hat, seinem Herrn und Meister sehe» zu helfen: zu helfen, all die Herrlichkeiten und Festlichkeiten nnd Fürstlichkeiten zu erschauen, was so ein nobler .Herr doch nicht allein machen kan». Jluö waS für ein Diener das ist — ein nobler Diener — keiner der Festthcilnchuier wird solchen Diener auszuweisen haken .— Hirsch HnaneinlhvS, der selige Diener dcS seligen Baron von Gumpc)ino, ist gar nichts gegen diesen Diener. Wir Hallen daS Glück, seine Fcstkarle zu ,'ehenj also die Karte, die ihm gestattet, an den ErössnnugSfcierlichtcitcn theilzu- »chmen — (ohne Eintrittsgeld), darauf stand zu lesen: .r'ouiS Köhler. Diener dcS Herrn Rcichtagsabgcordncten Sswald Zimmer mann.' Für Heute, denen dieser HouiS Köhler nnbctannl sein sollte und die darum ob unserer ganzen Erzählung ein ziemlich dummes. Gesicht machen dürften, müssen wir allerdirigS noch eine turre Er klärung hinzufügen: Herr HouiS Röhlcr (der frühere Besitzer des Schillcrgartens in Blascwitz) besitzt ein Bermögen von mehr als einer h a l b e» M i l l i o n M a r k. Wer bei dieser Fahrt wohl die Zeä, bezahlen wird —der Herr oder der Diener'/" Auch Herr Ahliv-ar dl halte 'sich, wie die „Natioüal-Zcitung" erzählt, einen Berliner Gast . wirlh als sriueu angeblichen Diener milgebracht, der an der L:ite seines „Herrn" an dem Feste im - Bremer Mathsleller ihsil . genommen hat. - ((£*111 Wlinöfliact.l Bor einiger Zeit ging durch die veichsdcul'chc Pressc die Notiz, daß der „leulsche" Hederivaare»fabrilaut 'Nähme in 'Northeim wegen eines gegen eine» Juden Lilienlhat begangenen ErpresiungövcrsuchcS zu drei Wochen Gesängniß verutlheill ivorden war. Schon damals war cs wohluutcrrichrcten Personen bekannt, daß der in gewisien Kreisen sehr gut angeschricbcne Mann die O'nade des Kaisers Wilhelm anrufcn wolle. Wie nun verlautet, hat der „leulsche" Mann Glück gehabt mit seinem Gesuch, so daß er für seine „keutsch-e" Handlung jetzt nicht zu brummen dranchr. Der Kaiser Joll nämlich die Strafe in 309 Mark Geldstrafe unigewandeli haben. (llllillfj nilj Friedhöfe»/ Man berichtet aus Arnswaldc: Aua Anordnung der königlichen StaatSanwgllschekft zu Haudsberg a. W wurde von der Gerichtsbehörde ein Hoealtermin auf dem Friedhose der jüdischen Gemeinde über den, berichteten groben llnsug abgehalten, > welcher in der Rächt zum zweiten Psingsiscieruche verübt worden ist- Es wurde sestgestellt, daß sünsnndzwan.zig Denkmäler aus der Erde, gerissen und mehrere davon gewaltsam zerlrümmerl worden sind Außerdem sind Blumentöpfe von den Gräbern herabgeworfen und zerbrochen, Ephcu und andere..Ziergewächse hernutergerzssen :c. Andere Denkmäler sind in ekelhafter Weise mit Schmutz beschmiert und die zur Pflege der Blumen neben der Heichcnhalle ausgestellten listeßtanncn gestohlen oder in den angrenzenden Kückcnsee geworfen worden. Di. jüdische (ssemeinde hat für die Enldcckung der Thätcr eine Belohnung von 109 Mark auSgcsctzt. Bisher ist es mdeß »och nicht gelungen, eine sichere Spur der Thäker anfzusindeu. — Aus M ainz wird gemeldet: Ein Actgroßer Brutalität wurde vorige Woche verüb! Auf dem an der Mombachcrstraße gelegenen israelitischen Friedl ose, der durch die. Sladtcrwciterung nicht mehr zu- Beerdigungen verwendet ' wird, wurde.in der "Rächt durch unbekannte Personen, die die Ein; sriedung .überstiege» hatten, eine Anzahl wcrihvoller Gräbst.::.: lziu! geworfen und theilwcisc zertrümmert.! (Wer hat den „Wechsel"" crsliiiveii'?. lieber diesi gewiß imer essantc Frage schreibt Heopold Löw in den Beiträgen zur indischen : AlterthumSkundc 1. B., 2. H., z»ux. 85: Schriftsteller, des siebzehnten! Jahrhunderts, wie Blaivac, Pkarberger und Savarn, diiicu Schudl folgt, führen dicic Erfindung auf die Inden zurück. Aus Frankreich, > so heißt eS, vertrieben, sahen sich die Jude» gcuölhigt, ähr Bermögen daselbst in den Händen ihrer Freunde zurückzulassen. Um dasselbe auS Frankreich zu ziehen, schrieben sie Anweisungen, die reisende Kaufleutc an und Stelle abgaben, um die bezügliche Summe zu erheben. Dieses Borgehcu soll zur Ersindung der Wechsel geführt haben. Da die Juden zu wiedcrhollcnnmlcn aus Frankreich vertrieben wurden -— nktlcr Philipp August im Jahre 1181, unter Philipp dem Schönen 1309 — so lautet die Nachricht schon in chronologischer Rücksicht zu unbcsliliiizit, um auf geschichtliche Glaubwürdigkeit Anspruch zu machen. Nichtsdestoweniger hat ihr Montesquieu Glauben geschenkt, und ist sic noch, in neuester Zeit in jüdischen Zeitschriften wiederholt Wörden. Aber selbst diejenigen, welche den z)uden die Erfindung der Wechsel absvreche», haben eS unterlassen, sich auf die

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