Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 170 (7.7.1895)
- Date
- 1895-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441649--2070-4888477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 2 Frei«» Blatt. Nr. I7,i tteit viel erreicht, habe der Deutsche niemals verstanden, sein Recht zu fordern Mit dein glorreichen Siege Deulschlands in den Siebzigerjahren, sei aber auch bei unS der nationale Gedanke mächtig gewachsen, die Gegenbewegung gegen alle Leisetretern, Memmenhaftigkeit und Slreberthuili, das vor den Klängen der „Wacht am Rhein" feige erzittert sei. Bei vielen sei aber die nationale Bewegung bloß ein Strohfeuer gewesen. Knotz schloß mit einem Hoch auf den „deutsch-nationalen Gedanken". Schon der erste Redner, das ehemalige Stadtoberhaupt von Reichenbcrg, flocht in eine Rede, mit welcher die Bundesversammlung eröffnet wurde, eine Polemik gegen die Deutsch-Liberalen ein. Der zur Begrüßung der Gäste.erschienene Leilmeritzer Bürgernieistcr, Abgeordneter Dr. Funke, der zu den Zierden dcS deutschen Freisinns in Böhmen zählt, that aber so, als ob. er nichts-gehört Hütte, als ob er im Monde leben würde, und sagte sein artiges Sprüchlein auf; cs lautete: JlW Bürgermeister tiefer Stadt begrüße ich, ii» eigenen und im Rainen de» anwesenden Sladiralbcs die erste Hauplveesammlmig des „Bundes der Tem-ckieii in Bödmen" in dieser Stadt. Leilineriv, die Stadl mit ihre», tculichcn, iieien. sel>>stbcmnßitn Bürgetstnii. Leinneriv, die 3tatt, in weicher, nach kein Eintritte freiheitlicher Zustände in Testerreich die ersten großen deutschen 2!a° iionaiseste gefeiert worden sind, Lcilmerilz. in welcher Stadl ei» kräftig dem'chcr Sinn »nd ein wahrhaft ireikeillicher Geist eine feste Heimstätte gesnudc», begrüßt jeden deutschen Sioiuinesgeiicncn in seinen Mauern Lass Herzlichste, lind '0 fei Ofcitm, bcchgeehrle Mitglieder des „Bundes der Deutschen in Böhme»", und Zhnen, werlhe Festzäste, der erste Wiutommengruß an dieser Ställe von der Stadt i'eitmerie enigegengebracht. Sie habe» einen Bund gegründet, Wort »nd Sinn weisen daran' bin, daß das Wirten und die Thäiigteil des Bundes verbindend. vereinigend und einigend wirte» nnr> Sic haben einen Bund in Bovinen gegründet tyif die Zniainmengebörigteil aller deutschen Sranimesgenoffen geichaffrii. Richi politische Ziele sind es, die Sie verfolgen. Sie haben sich" nationale Arbeit ans geistigem, cultnrelleni und wirtbschasllichem Gebiete ln'gründer, nationale Arbeit begrüntet sich auf alterprobter deutscher Treue nnd a»' der Viebe zu lliiicrein deutsche», Belte, nationale Begeisterung aber altert lischt, tenl'che Treue wankt nicht, and die Viebe jum deuNchen Bollsthnin erstirbt nicht, darum lebt auch in jenen Männerii, welche aus eine lange Reihe ron Zabren barten, schweren Kampfes für Tenlkchlhuin und Freiheit zurück backen, dieselbe nationale Begeisterung, dieselbe deutsche Treue und dieselbe rieb« zuin deul'cheil Bolksthm» ungetchwächr ^>>»d mit frischer Zugendlrast fort, und ei» neues jüngeres Geschlecht mag uns älteren Erfahrenen im Streite und Kamp'e die vorurtbeilsfreit Würdig»,ig und die Rachivelr mag nnserein Streben »nd Wiikcn ein gerechtes Uribeil nicht versagen. Meine Herren! Sie habe» stch in die'er Siadt zn ernsten Berarbungen verammelt, und nach denselben tritt die bvbe Festesfreude in ihr Recht. Mögen die ernsten Beralhungen von dauerndem fruchtbaren Erfolge begleitet sein, nnd mögen die Stunden der Freude »nd-des Festes eine bleibende Erinnerung a» keitnierilr in Ihren Herzen bervorriifen. Ein schöner Lohn für die absichtliche Verkennung deö wahren SachverhalleS ward dein liberalen Bürgernieistcr noch während der Versammlung zuiheil. Ein Scribenllein dritter Güte nahm ,S sich heraus, geschmacklose Ramenswitze zu machen, und. äußerte sich wie folgt: 'ES fei lhöricht, an der Zukunft deS Deutichthums in diesem Staate zu zweifeln, aber ein Leuchtthurin müsse es sein, der durch diese Finnerniß leuchte, nicht einer,. der bloS Funken und Ruß gebe.! Daß zu einer Zeit, iii welcher die Saat der von rcactionärer j Seite bestellten Hetzer aufgehl und breite Bolksschichlen sich dem! Wahne hiiigeben, daß ihnen durch eine Zudcnverfolguug, durch j Aufhebung der Rechtsgleichheit :e. geholfen würde — daß zu einer! solchen Zeit Streber von mittelmäßigen Fähigkeiten und geschmeidigem Charakler durch die Pflege iziid Förderung des Raeen- und > EonfessioushafseS emporzukommen suchen, ist nur zu sehr vcrständlich. Dagegen mangelt eS unS an jedem Berständniß für jene Taktik liberaler Führer, welche durch die „Zurückstellung"; ihrer Principieu, durch das Liebäugeln mit notorischen Gegnern, j durch eine Vogel Strauß-Politik treue Anhänger verlieren und! aschl nur keinen Ersatz finden, sondern auch noch den Hohn der- - jfniget, sich zuziehen, vor denen sie sich, demülhigen. Die Begrußungsrede des Dr. Funke ist u»S unverständlich; auch leuchtet es unS nicht ein, welchen Sinn eS haben soll, daß unter den Drahlgrüßen, die der Leitmeritzer Antisemitenversammlung;ukamen, neben dem der „Ostdeutschen Rundschau" auch die hervorragender Fortschrmsiuännkr sich befanden. Wir verstehen die Taktik dieser gewiß liberalen Männer umiorreniger, als wir ja vorauSsetzeu dürfen, daß ihnen die im B'orjahre zu Ehren Frans Schmeykal s erschienene Gcdenkschrift bekannt ist, in welcher zu lesen war: „Der Deutsche in Böhmen wird nie und nimmer von seinem Volke lassen; keine Macht der Erde wird ihn entnatioiialisiren. Der Deutsche in Böhm „ aber wird auch ''nie und nimmer um irgend welch :\ flüchtigen Bortheil bie großen Errungenschaft'! deutschen Geisteslebens prcisgeben, die wir d-n Männern des Fortschrittes, den vorwärts dra genden Denkern und Dichtern verdanken. Bcid> fühlte Schmeykal, der edle Sohn. Deutsch-Böhmens, aus feinm; eigenen tiefsten Innern heraus, und mit dieser Kraft der Jniirlichkcit schuf - er aus dem ganzen Volksthui» eine Partei, f. - . Deutsehthuin und Freisinn auf ihre Fahne schrie und gegen die Ent na t ion al isi rnn g wie gegen d>.. Rcaction geschützt und gewaffnet war. Wir kenn, keine zweite Parteibildung dieser Art, die einen ganzen Volk, stamm so fest umfaßt. Deutsch-Böhmen ist das typische Gebi freisinnigen Dcutschthums geworden, und Schmeykal'S imici. Wesen spiegelt sich in dieser Entwicklung. Deutsch und fr sinnig! Hilfreich und gut! Einig und stark! Das sprach auS de milden, theuren Zügen unseres Führers, daS sprach auS seinentreuen Wirke» und Walten zu uns. Und wer treu und unve. brüchlich zu diesen drei Geboten hält, der hilftunS, das Unver licrbarc an Frau; Schmeykal behaupten. Wer zuerst gcge diese Gebote ver st ößt, der beginnt mit d c r Z e r st » rung des Erbthciles, das Schmeykal's Geist uu Liebe uns hinterlassen hat." Man sollte wohl meine!', daß es nicht die Aufgabe freisinniger deutscher Männer sei, einer solchen ZcrstörungSarbcit durch Sympalhiekundgebuugen — mözer diese auch^ mit einer gewisse» reserrnti» mentalis erfolgen - Vorschub zu leisten. Die „todte Hand". Das Gcsainnltvcriuögeu der römisch-katholischen Kirche in Destel! icich (Ungarn nicht iiibcgriffc») beziffert sich nach den neuesten Stcue, ' ausweiscn wie folgt: Werth der Grundstücke 122,117.305 fl., oh.; öffentlichen Obligationen 132,958,522 fl., an Eapitalien bei Privaten; 60,446.080 fl., an sonstigent Vermögen 0,0'.*>*.876 fl., zusammci! 2l>5,516.770 fl. Rach Kronländerii aufgctheilt, haben Böhmen, 46,575.011* fl., und Riedcröstcrreich mit 16,461.101 fl. das größte Kirchcnrerinögen. Tie jährlichen Einnahmen betragen 18,11*5 428 |i, denen Ausgaben mit 15,807.685 fl. ciitgegenstehe». Au Kirchen, und Capellen besitzt ganz Oesterreich 10.864, wovon anf Böhmen 3726, Tirol 1507 und Ricdcröslcrreich 1134 kommen. Zu bemerken ist, daß der Werth der Grundstücke als viel zu niedrig geschätzt eingestellt ist und nur uiit höchstens 28 Percent d:S wirklichen Werthes angegeben wurde! . Spccicll über das Vermögen der Stifte und Klöster finden mit in der Rubrik „Bauernstube" in der „Volkslribünc" vom 1. Zun: eine intcrcffante, insbesondere zur Aufklärung der Bauern bcstimmle Studie, der wir eine Reihe lehrreicher Taten entnehmen. Nachdem iif der Einleitung des Aussatzes die französischen Verhältnisse' geschildert sind, heißt es weiter: Wir haben in Oesterreich nach dem amtliche: Ausweise des Jahres -1800 nicht weniger als 460 Männcrordc» nii:- 7770 Mitgliedern und 564 Frauenorden mit 13.554 Ordensmit gliedern, zusammen also 1033 Ordcnshäuscr mit 21.324 Personen Damit du, mein lieber Bauer, auch einmal ziffernmäßig nachgewiesen sichst, daß unsere „Schwarzen" nicht so arm sind, als sie sich gebe», sondern Großcapitalisten sind, wollen wir dir die amtlichen Zahlen vor Augen führen. Die Klöster und Stifte der römisch-katholische» Kirche in Oesterreich besitzen an Stainmvcrmögen in: 'Riederösterreich..60,380.042 fl. Tberöstcrreich. 10,532.347 „ Salzburg •.l,(,.r>3.t>04 „ Steiermark.6,653630 „ stürmen.. 4,521 521 „ Krain .. 273.063 „ Küstenland .7 . 403.370 „ Tirol und Vorarlberg. 5,307.410 „ Böhmen . 15,200.003 „ Mähren., . . . 2,495.720 „ Schlesien. 743.067 „ Galizien. 11.212.100 „ Talmatien . ... . .1,037.008 „ Mithin iu Summe an Stamm vermögen: 86,028.600 fl. Gelt, Bauer, da schaust? Und trotzdem geht im ganzen Lande der Klingelbeutel herum, als ob die armen Hascher schon beim Ber hungern angeiangt wäre». Die Herren sind aber nicht nur Groß-