Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 169 (30.6.1895)
- Date
- 1895-06-30
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 9. ITt. 169._ Freie, (eben. Wir bemerken noch, daß in Folge dieser Erklärung die vor dem Lchwurttcricbte anberaumte Verhandlung entfällt." Dar.'„Deutsche PolkSblalt" dürste .,ar bald das Jubiläum seiner tausendsten Abbitte feiern. t?cr „Märtyrer von Rynn".) Antisemitische Blätter freuen sich darüber, .v.;; cs ihnen vergönnt sei, einen „Maueranschlag" auS dem frommen Tirol idrem Publicum bekannt zu geben. Derselbe hatte folgende» Wortlaut: Theater in WatteuS (Nordtirol). Psingstmonlag de» 3. Juni zu Gunsten der CrlSfeuerwehr Andrea«. Xt‘‘t Märtyrer von Ry nn. ^!olk»schauspiel in 4 Acten und 2 lebenden Bildern, fkic die Bühne neu bearbeitet »ach Joses Praxntarer's Erzählung- Ans de» 4 Acten ermähnen wir bloß: 1 /Act. 2. Auszug. Lebende« Bild, darstellend de» mißlungenen Rand ■{■S Hinte«, mit Prolog. 3. Auszug. Die vier Juden im GrabeinvirihshanS. 2. Act. 1. Aufzug. Ter Verkauf des «iudeS. 3. Auszug. Die Jude» er- .carte» im Walde daS mit Hanne« verabredete Zeichen. — 3. Act 2 Aufzug, Jet Marterlod deS itinde». — 4. Act. 3. Aufzug. Tie Mutter findet das er uiordete «ind. — PerfqÜen; Maria, die Mutter; Andreas, deren «ind; Han« Maier, Wieselbauer, der Göd: der Meister vom Glockenhöf int Bolderwald; "ioii, MoseS, Jacob, Abtaham, jüdische «ausleule u. s. w. Ei» GenjnS. — a.ic Preise der Bühne sind billig. Fanteuilsitz 60 fr.; 1. Play 40 kr.; Play 20 kr.; Stehplatz 10 kr. .Hinter dürfen nur in Begleitung ihrer Angehörigen das Theater besuchen. Ter erste „Gewährsmann" dieses „Ritualmordes", der im Jahre 1102 ■/. :iht worden sein soll, war ein Arzt Hyppolyt G u a r i n o n i in Hall, der die <>ü-stl achte 1619, also erst 157 Jahre später von alten Leuten gehört haben wollte: r. d,'n> nehmen alle antiseinilischeu Blätter als „erwiesen" a», daß vor 433 : ä-ren wirklich eine „rituelle" Abschtachtuiig stattgefunden hat. Tie Tiroler I: ateveenfur ist, aber, wie erscheint, jetzt sehr tolerant geworden. In siüheren .'»uiirett war sie bekanntlich überaus streng und hat sogar Anzengruber'S „Ter P atrer von Hirchfeld" und „Tie- «renzelschreiber" als Aergerniß erregend -.. roten. . tlsiiiik sonderbare Plaßordnung.» Eine Anzahl deutscher Blätter fand er mit Recht sonderbar, daß nach der Tat'elordnuttg sür das anläßlich der Er cn'nung „te« Nord-Cstsee-CanalS stattgehabte Festmahl in Holtenau Enge» A'iJiter neben Ahltvardt, Tr. Herme» zwischen den Antisemiten I« traut und Hirsche! sitzen sollte rc. Tie „VolkSrundschau" aber ickrieb: .Unverschämte Inden, die bei einer Gelegenheit, wo politische Unterschiede llweigen sollen, sich über die Platzvertheilteng beschweren!" Weder Eugen Richter, usb Tr. HermeS, noch die Redacteure jener Blätter, welche von der envähnten llUvolduung nicht erbaut waren, sind Juden — ein Umstand, welcher dem A' .u'tenr der „Volksrundschau" wohl bekannt ist. Wer ist ali'o „unverschämt"? tPoliZkikichr Sympathien.) Im „Deutschen Volk «recht" erzählt A . it e I, daß der verstorbene Polizeipräsident von Berlin, Herr v. R i ch t- ' e u, ihm wiederholt seine wärmsten persönlichen Smnpathien habe au«> .-.:.llen lassen und überhaupt stet« ein Freund der Antisemiten gewesen sei. 7 :e?e Mittheilung klingt, obwohl sie von "Böckel herrübrt, keineswegs nnglanbn -^ig Tie Art, wie Berliner Polizeiorgane unter der Präsideutschast Richl- :e»S sich bei verschiedenen Anlässen verhielten, straft Herrn Böekel sicherlich - llt Lügen. ,Aus dem Sündenregister eines Antifemitenblattrs.) Man schreibt nur :.:5 Heidelberg: In Nr. 44 der „B a d ische n BolkSboteu" vom!-. d. M. befand sich ein Artikel, nach welchem ei» Jude Namens Schmay Avpstein eine unzurechnungsfähige Jüdin derart zu übertölpeln, getvußt - :be, daß sie ihm ihr ganze» Vermögen vermacht hat. Eine Schwester der Ver 'wrdenen lebe ini größten Elend und sei durch diesen „edlen" SchMay um die c rbsllast gebracht worden. Anfangs habe diese arme Persott ktagen, respective -« Testament anfechten wollen, sie sei jedoch von der Judenschaft so beschwatzt 'erden, daß sie von der Klage abstand. So weit der Artikel, der wie die fisten Erzeugnisie diese« schon so oft gekennzeichneteu TeutschthumblatteS — '»wahr ist und sich lediglich als AuSstuß gemeiner BerlcumdungSsucht darstellt. 1» Wahrheit verhält sich die Sache nach nnS zugehenden Mittheilungen wie 'otgt: Amalie RooS (so hieß die Verstorbene) besaß etwa 3900 Mark baareS Vermögen und hatte als einzige Verwandte eine in den Siebzigerjahreü übende Schwester. Amalie RooS verkehrte frentidschaftlichst mit der Ehefrau des S Eppstein er in Schriesheim und machte ohne Wissen d e S rppsteiner bei einem Notar in Mannheim ein Testament, i» welche»» bestimmt wurden: 1. der Frau Eppsteiner 2000 Mark; 2. der israelitischen Gemeinde 1C00 Mark; 3. 900 Mark nebst sämmtlichen Immobilien ihrer Schwester Caroline Roo», jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung-, daß die Schwester Caroline ans Lebensdauer den ganzen Zinsgenuß behält. Tie hiutertayene Baarschaft von 3900 Mark wurde seither von der Mannheinter Spar casie zu 3’/t Percent verzinst und der „schlechte Jude" hat sich gleich nach Be lanntwerden de« Testaments erboten, das Geld im Juteresie eben der armen Greisin zu 5 Percent zu verzinsen. Tie Behauptuikg deS antisemitischen Blatt. Blatte«, daß die Verstotbcne uiijurechunngSsähig geweie» sei, ist uaelt den an_ zuständiger Stelle ei »gezogene» Erkundigungen auSge'ctilone». Hätte der betreuende Notar nicht den Eindruck gehabt, daß die Testirende vollständig znrechnungsstihig lei, io würde er däS Testament nicht habe» ausuehmen können-. — I» derselbe» — Nummer de« „Badischen Votksboten" laud sich eine Notiz au« Laden-burg vom 3. Juui, in welcher.von der Verhaltung eines Jude» 'IlamenS Ctto S teruweiter erzählt wurde, welcher sich angeblich verschiedene SitttichkeitSvergeheu hatte zu Schulden kommen tasten. Wir beschränken u»S daraus, auf Grund eingezogener Erkundigungen de» Tbatbestand »lilpuheiten, der die tSemüthsrohheit der antisemitischen Preste in ein grelleres Licht rückt, als der beredtste Cvmmentar zu dem Fall selbst eS thun könnte Am 25. Mai wtttPe der 22jährige Ctto Sieruweiler wegen Versuch« eines SiitlichlcilsvergehenS verhaftet, nach einigen Tagen aber , auf Grund eine« ärztlichen Zeugnistej wegen Unzurechnungsfähigkeit au« der Hast entlassen. Ter uttgtückliche Mensch hat es tu der Volk« schule nicht über da» zweite Schuljahr gebracht und ist wegen geistiger Tölpel hastigleit inilitärsrei geworden, «ein andere» Blatt hatte dte Verhaltung ge meldet und kein andere« Blatt hatte es daher nöthig, von der Enttastttng des Slernweiler seine» Leiern «enntniß zu geben: eine AnSnahme bildete nur der ,,Badische Völksbole", der e» aber natürlich nicht that. Tic Ehrlichleil gehört eben nicht zu den Pachtobjecte» R>rr auiisemitischeu Preste FkuMcron. , i „A s g a x* d.'' I n A d) t u n 6 12;> a n n. Hornau aus jJolnts Uor|cit " Von * <farl (Oriot. N. X ' Dreizehntes Eapitcl. 'Nach cincr halb durchwachten Nacht hatte sich Bolcslaw erhoben: er hatte keinen Schlaf finde» können, und wen.« schon hie und da ein leiser Halbschlnnimcr seine Lider schloß,- so waren cs 'wirre, häßliche Träume, die ihn peinigten utt‘ ihn jäh auffahrcn ntachtcw: verworrene Traumgebilde und unzusamnt thäugeude, zumeist schreckhafte Bilder tauchten auf vor seinem inneren Auge. Da war c« Froswitha, die mit gräßlich verzerrtem Antlitz zu ihm kam und ihm daS Herz auS dem Leibe reißen wollte, daun trat wieder des russischen Großfürsten gekrümmte Gestalt vor ihn hin, und der kleine Mann mit dem langen grauen Barte wuchs nnd wuchs, und sein Körper dehnkc sich ins Unendliche. Wie war er darum froh, als der Tag dämmerte und er -sich von seinem Lager erhob,. Sollte ihm doch dieser Tag ein 'Wieder sehen mit dem holden Mädchen bringen, an das er unausgesetzt dachte, nnd deren r süßes Bild in seinen Träumen nochmal« zu erblicken er vergeblich gehofft hatte. Er ließ sich rasch ankleiden, und ungeduldig erledigte er einige dringende Staatsgeschäfte; dann, es mochte wohl um die elfte Bor- -vragmeut einer urteutouischezi Ttagödic. ThuSnelda. T sag''mir doch, waS ist'S mit meinem Manne? Acht Monden Hab' von ihm ich keine Runde - Bote. Geehrte Frau! Ich euch nur künden kann - Er ist der Erste in der Tafelrunde, .In Asgards sonndurchstrahltem Götterheim, llyd dort bei vollen Humpen laut verkündet Er aller Erdenübcl wahren Reim Und lehrt, wie Heimdalls Söhne man cittsündet :— "T husnelda. Du scheinst deS MethoS voll zu sein. — Sag a»: Hat er dir keine Grüße aufgetragen Für Weib und -Kind'? Ein pslichtgetrcuer Manu Hat stets den Seinen irgendwas zu sagen! Bote. Gctbiß, er that'S. Er sagt' mit vollem Mnth Nach langem, wohlerwogenem Bedenken: „I n euer» 'Adern rollt der Juden Blut, Ihr m-öget ihm zu Liebe e irfl) — crhenken!'