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Freies Blatt · 1895-06-30 · 169 (30.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
169 (30.6.1895)
Date
1895-06-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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4 Seite 8. .freies Blatt. Nr. Il>9. als einen Märtyrer und rühmte sich dessen.. um der „deutschen Sache" willen schon viel gelitten zu haben. Daß Herr Sinotz in Leipa gründlich abgewirthschastet Kat. ist uns wohl bekannt, und er mag diese Thatsache immerhin als ein Martyrium ameheii. War hat jedoch damit die „deutsche Sache" zu schassen? Die FloridSdorfer „Nationalen" aber werden jetzt nicht nur von der Bersolgrtng der edlen' .sinotz überzeugt sein, sondern auch davon, daß die Inden einzig und allein die Aera Taaffe, die Entlassung Bismarcks und dar deutich-seindliche Borgehen Ezar Alexanders III. verbrochen haben. Wie Figura zeigt, wirkte also ui,cii die gründende Beriammlniig deS netten Bereutes sehr ausklärend. teilte abgesagte Invasion.) Tie Wiener Antisemiten hatten einen netter* li.tien „Ansstiig" nach Cberöfterreicf, unker der Führung ihres Pariei-Ccok Tckineider geplant, welcher selbstverständlich nicht den Zweck hatte, die braven Wähler Schneiders mit den Schönheiten der Goian oder des TraunseeS bekannt ,u machen, sondern eine Propagandareise, wie der letzte famose „Ausflug" noch t'iu; seiü sollte. Nachdem die antisemitische Presse eine Zeitlang den Tantam für dte'e Invaston nach Oderösterreich ge'chlagen batte, verössentlicht sie nun plötzlich eene Zuschrift Schneider s, in welcher die geplante Invasion abgesagt wird, angeblich weil im-Abgeordnetenhause die Generaldebatte über das Budget Montag den I. Juli beendet werden soll, und es daher den antisemitischen Abgeordneten nutnäglich >'ei, sich an dem geplanten Ausfluge zu betheiligen. Natürlich ist das nur eine Ausrede, denn wann haben sich jemals antisemitische Abgeordnete durch 'eine Parl-imentssitznilg von irgend einem „Vergnügen" oder gar einer Hetzvet'amniluiig ab kalten lassen? Diele Po>e der Gewissenhaftigkeit ist um so lächerlicher, als ja ivt.iis sic stantibus von dem Erscheinen oder Nichterscheinen einiger Antisemiten bei der Budgetdebatte absolut nichts abbäugt. Ter wahre Grund «ür das Unterbleiben dieses „Austliiges" nach Obeiösterreich ist ganz wo anders zu suchen. Den oberösierreichuckien Elericalen liegt, noch die letzte Linzer Bel'amniliiiig in allen Gliedern, und sie wünschen sich im Interesse der Einigkeit unter den rer'chledeiien reaetionären Parteien in tie'em Augenblicke wohl kan nt eine Rerrie Tesbaib haben sie, >vie uns von wohlinsormirter Seite versichert wird, die Wiener Ebtsstlich Sociale» be'chworen, von der geplanten Invasion in die ne'chirarze Tomäne adzuselten, ivo'ür die Elericalen dankerfüllten Herzens de, de» Wiener Gdtneiuderatbswakleii die Antisemiten tbatkräftigst unter stutzen nellett. . Durch Ilnlktnüchlcit zur Ilncttligkcit.i Die Einheit der deutschen Anti- >>!>!,ten. mit'welcher im Bor,obre ,o . viel Brnit gemacht wurde, muß übel ans'eben. und nicht immer scheinen e» Gesinnnngsdisserenzeu zu sein, was die Huren so entzweit: int Gegentbeile sind es vorwiegend gegenseitige Berlenindungen und die btezn aebärigen Substrate, welche die Spaltungen in der antisemitischen Paitei in Ddntichiauk irie bei uns erzeugen. Tie Zerklüftung der Münchener Antiseniit.it schreitet;cur. Die „ T en-t' ch e Bolkspartei" hat sich in Folge hes letzten Berliner Parteitages in zwei Gruppen zerschlagen, yon welchen die eine radtealere, mit Al livardt Böckel über Stock und Stein gehende zu dem bisherigen Borsitzenden G e i $ 1 e r Kalt, wahrend die andere Gruppe, nnzusrieden mit der an' besagtem Parteitag erfo.gtei, Ablehitung der christlichen Grundgedankens im Religionsunterrichte von dent Berleger des >'chamlo>en „Tentschen Bolksblanes", tz. W e n n g, angesiibrt wird. Letzterer bat sein Mandat zur Bertietnng der Mliiichener Antisemiten beim Berliner Parteitage diesem zurückgestillt und zugleich 'einen Austritt aus der „.antisemitischen Bolkspartei" Münchens vollzogen und drobt nun, seine Bcrstaiid'chasl der Bayrischen band, patte: an'zugeben und fernerhin aut jede Tbätigkeit in ddr antisemitischen Barteibeweanug zu verzichten. In einer diesbezüglichen Erklärung sagt Wenng: ..Wenn ich ital" dreijähriger Thatigkeit für die Partei, die mir mannigfache Or'er an'erlegte, des Xamp'eS müde mich davon zmückziehen will, io tragt biezn der Abscheu wesentlich bei, fernerhin durch die S chmntzflulhen pers.'ii! rche r B e r u ng l: in v'ilii g zu ivate», denen i n r er a »ti i e m i li sch.» Beivegniig Jeder ausgr'etzt ist, der in ihr irgendwie bervortritt. 'sleiiNiroll baue ich es vielleicht 'ür meine Pflicin gehalten, ans dem Posten noch ausziibalteii. an' den inich reine Begeisterung für eine Sache gesellt, deren Lieg ich eine nnerlaüiiche Borbediiigniig einer gründlichen lssesundnng des v.ationaleii und w:rt!"'cha'tlicheu tzebtns iniseres BateilandcS halte, w e n n n i t> t T i n g e, an weichen die von mir bekii mpf teit Gegner keine E ä i: l d tragen, mich dir ÄuS'iibrung eines langgehegten Borts beschleunigen ließen." Mit der vollständigen Enthaltung Wenng'S : r arlnunit,scheu Hetze scheint cs indesi nicht 10 arg ZII stehen, denn er sich, b-l.ils dies-". Dago von mehieren Getreue» anflehe,i, „seine bewahrte °°t ddr antisemitischen Bewegung in Bauern nicht zu entziehe»", und er : sich, i: ich. Antisemiten«« auch gewiß erweichen lauen. Einstweilen ist aber g..,-l,."::oo Berleniildniigskiieg unter den Münchener Antisemiten anss nsluhoannt, und .'s und nicht gerade' die „reinlichsien" Dinge, lvelche "i : st'.' mant-ch.'ii Herren da rorwerfen. Das SchLnerer'iche ■ 'i. :'.:: rar Einheit" scheint einstweilen in seiner vollen N«- o:: ".1. lrbr - .;;:t wolle». Durch Unreinlichkett zur Uneinigkeit! , a v ron Aus antiseinitischen Blättern. (Wo steckt da das Unrecht?) Durch die gesammie antisemitische Presse ging dieser Tage die Reproduelion eines CircularS der „Alliance Israelite Universelle“ zu ^Paris, mit dem diese die Juden in Ungar» zum Beitritt in den Bereiii einladet. Ganz ausnahmsweise haben die antisemitischen Scribeuileill es unterlassen, den Aufruf zu sälscheit und zu entstellen. Dem „Deutschen Volksblatt" zufolge besagt derselbe: „Das ungarische Judenthnm-steht im Begrisse, völlige Rechtsgleichheit mit den anderen Eonfesfionen zu erhalten. Eine erleuchtete Regierung, gestützt aus die öffentliche Meinung des Lande«, wird sie jüdische Religio» durch den Slaal anerkennen lassen und so der jahrhunberielangen Periode von Ausnahmegesetzen, die unserer Rechtsungleichheit die rechte Weihe gaben, ein Ende machen. Tie imgarischen Jsraelilen dürfen darüber aber nicht vergessen, daß ihre Brüder, in vielen Ländern sich noch unter einem niederdrückenden Regiment befinden, das ihrer geistigen Entwicklung Fesseln anlegt, ihren Thätigkeilstrieb und ihren S>nn für Initiative gewaltsam erstickt. Aber selbst in civilisirten Landern erfordert der Kampf gegen den AntisemiiiSmiis energische Anstrengungen und gemeinsames Zusammenwirken. Unter dem Banner der Menschlichkeit ist man ans verschiedenen Seilen in rührigster Tbätigkeit, „in, den Inden die Ausübung der Schechiia zu verbieten. Das ist eine Frage, die ebenfalls die Aufmerksamkeit des Iiideiithnnis gebieterisch v:r langt. Seit 35 Jahren aibeitet die ,.Alliance" aus die rechtliche Gleichstellung der Israeliten hin; sie ruft für diese Sache die össentliche Meinung an; sie iiitervenirt bei de» Regierungen, >- um Ungerechtigkeiten und Geivaltaote zuzeigen, deren Opfer Inden sind. Ueberhanpt allerorten, wo ein Ziraelit wegen seiner Eigen,'chat't als solcher leidet, bemüht sie sich, ihin j» Hilfe z» kommen. Ganz besonders läßt sie sich e« aber angelegen feilt, die ruch- und bodenlose, dumme Ritualmordsankloge gründlich;n widerlege», und die ungari'chen Jsraelilen haben gewiß die Umstände in Andeiike» behallen, da die ..Allian. e" die größten Opfer nicht gescheut hat, um die Wahrheit an den Tag zu düngen und die g.hä'sigen Anklagen verstumme» zu machen." Zu diesem Zwecke fordert schließlich das Eiroular die Jndengenieinden auf, eine» jährlichen Beikrag von 12 fl. an die Centrale zu entrichte», desgleichen zu veranlassen, daß „jeder der Wohllhäiigkeilsvereine, die in Ihrer Gemeinde bestehen, zum gemeinnützigen Wirken der .Allianee' durch eine jährliche Gabe beisteuern möchte", und endlich, daß ein Looalcömilc gegründet werde, daS sich zum Ziele steckt, Propaganda zu machen und Bereinsmilglieder zu sammeln. Bertranene mann der ...Allianee“ in Ungarn ist Tr. L o e w, Oberrabbiner in Szegcdin, uno der Secrelär des Regionalcomiles der ..Allianee" in Budapest Dr. Fark as Gezeichnet ist das Schreibe» von Zadot k a li n, Oberrabbiner von Frankreich, Ehrenpräsident; S. H. Goldschmidt, Präsident; I, T e r e.n b o u r g, Licevrästteiit; 'N. Leven, Bicepräsidenl; E. K o h », Cassier; IacqneS B ig a r t, Secretär. Wer halbwegs gewohnt ist, zu denken, kann unmöglich irgend etwas Berfängliches ans die'em Ausrufe heran« enldecke», Ter Bereiii Wendel sich an südliche GlanßeiiSgeiiossen ohne Unlerlchied einer staatlichen Zngehöciglei! mit der Btlle »in Spenden und Iahresbeilräge znr Hebung und Förderung der Glaubensgenosse» in Länder», wo sie ihres Glaubens wegen verfolgt unterdrückt werden. Es ist also eine rein philanthropische, cnllurelle, keineswegs nationale oder gar politische Tbätigkeit ins Auge gefaßt. Jedem Gebildeten dürfte es bekannt sein, daß der Gustav Adolf-Berein das gleiche Ziel für Protestanten verfolgt und vollständig mit den gleichen Mitteln, wie der israelitische Schwesterverein zu Paris und der zu Wien, segensreich wirkt. Das erkennen die Regierungen wohl oder übel überall in der Welt an und sindeii es in der Rege! für angemessen, Borichlägen und Anrcgnnge», die ans dem Schoße dieser Vereine ausgehen, eine gebührende ernste Berücksichligniig z» widmen. Tie israeliti'che» Allianzen haben es sich aber noch niemals herausgeitolnmeu, in fremden Slaalen eine staalsseindliche Politik zu inanguriren oder sich überhaup! mit poliliichen Angelegenheiten zu befassen. Es ist noch nie einem..Alliance- Präsidenten oder seinen Telegirlen eingefallen, sich mit den einer aiierkanmei, Regierung feindliche» Elementen in Verbindung zu setzen, um religiöse Parteiungen und Zwistigkeiten zu ,'chüren. Wen» wir den Wnihausbrüch der Anliiemileiiblaner diesmal richtig verstehen, ist ihr Groll und Haß doch banpl sächlich gegen da« Geldersammeln unter den Inden gekehrt. Sollten die Herren meine,,, daß in Folge des Auftretens der ,.Allianee" sie selber in. Schnorren und Erpressen bei jüdischen Bankinstitute» und VersichernngSgezellschasten eine Beeinträchtigung erfahren könnten? lAbbitlc.) TaS „Deutsche Volksblatt" verössentlicht unter der Ueberschrift „Ehrenerklärung" Folgendes: „Da die gerichllichen Erhebungen er geben haben, daß der von nnS i» der 2150 unseres BlalleS vom 28. De cember v I . unter der Anfschrifi: „Auch ein Wohllhäier. der Armen" verössenlllchle Artikel, beziehnugswesse die im A»schl>isse an diesen Artikel i» de» Nummern 2157, 2158 u»d, 2107 gebrachten Notizen auf »nrichlige» — übrigens nicht von Herrn Franz S t r a ß t r erhallenen — Informationen beruhten und daß gar kein Anlaß vorlag, Herrn Jacob R o I l, b erg er in 'seiner geschäftlichen Integrität und sonst in seiner Ehre »ahezntreien, io nehmen wir-keinen Anstand, hiermit unserem Bedauern über die Beiössemlichnng des erwähnten Artikels, beziehungsweise der angeführten Notizen Ausdruck zu ver-

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