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Freies Blatt · 1895-06-30 · 169 (30.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
169 (30.6.1895)
Date
1895-06-30
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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f Nr. 160 ___ Freies sicherte Kritik a» der Bilanz und dem RecheuschastSberichte üben," gleich sind die Antisemiten als Rothhelfer bei der Hand und läuten Sturm. Ihre Presse, ihre VeriammlungSu»d ParlamentSredner haben sich gerade aus diesem Gebiete die reichsten Lorbeeren errungen s vergleiche die Fälle Kaan, Gelder ». s. >v. Um so auffallender ist er, daß sich diese wachsamen Hüter deS kleinen Manne« die Generalversammlung einer BersichcrilngSgesellschast entgehen ließe», welche dieser Tage unter stürmischen Scene» verlief und ein grelles Licht auf die Wirlhe.basl der leitenden Factore» warf. Dar wäre sür die VersicheruiigSgelehrlen Schlesinger und Geßmaun eine prächtige Gelegenheit zu einer Lnterpellation „n Abgcordnetenhauie und für Vcrgani, Spitzer-Weimar und Wolf ein großartige» Spaliensutter in der Saurcngurkenzcit gewesen. 'Aber die Herren sahen niäu hin — man weiß nicht au« llii« oder Großmulh — denn die Gesellichaft war die prononcirt-christliche, von den Antisemiten stets als Musterbild inpfohlcne. zum Tbeile von Anliiemilen geleitete — „In io i-a t h u lie Bezeichnend für den — sage» wir — »ichljüdischen Charalter dieser Gesell ellschast ist die Thatsache, daß sie mit einem' Bndapester Fabrikanten niehrere Versicherungsverträge obschloß und sich selbstverständlich auch die Prämien auSv.-zahlen ließ, als jedoch bei dem belrefscndcn Fabrikanten ein Brandschaden -mtrat, die Auszahlung der SchadeuSsumme in i t d e r Bear ü n d u n g v e r >v e i g e r t e, daß d e r V e r I i ch e r t c e i u I u t e s e i, die Gesellschaft nach ihrem Statute aber mit Luden! e i n e G e s ch ä s l t m a ch e. Aber die guten Christen, welche ihr Heil bei der I nia catbolica“ suchten, scheinen dabei auch lein Geschäft zu.machen, denn mit diesem fromme» Perein »uiß eS^. wie die am 25. d. M. abgehalteue Generalversammlung vermulhen läßt, sehx schlimm bestellt sein. 'Wie au» dem von Baron E. Kalberm allen verlesenen RecheuschastSberichte der TireclionSriheS hervorgeht, ist im adgelanseneu Lahre die Zahl der Bersicherien zwar stiegen. aber die Schäden habe» in weitaus größerem Maße zngrnomnien: ini 3!« 712 fl. 20 ks-, d. i. 10 Percenl, sind die Verluste höher als im letzten ,z,!ne. da» wie noch jedes der fünf Lebensjahre der Gesellschaft mit einem Per lüste abgeschlossen hat Ter Zuwachs an Prämien und Gebühren durch die ..enen Piitglieder beträgt nur 32.330 fl. 12 kr., de» alten Versicherten allein mußte mau aber, wie erwähnt, 3!» 712 fl 20 Ir. au Schadenvcrgülnngcn aus zahlen. Ter Bericht sagt: Obwohl wir u»S den so harten Vorschrislen teSVcr 'ichcrungSregulativS genau und strenge imicrwcifen, stehen wir nicht an, zu er 'ären. daß unter solchen Modalitäten die Gründung einer neuen VersicheruugS- '.iiftalt mit bedeutenden Schwierigkeiten vcrbnnden ist, und bei einer reellen Bilanzansstellung die Einbekennung relativ größerer Verluste in den ersten Belriebsjabren nicht umgangen werden kann. IS« müssen demnach daS verstchernde Publicum wie die belheikigten Capitalisten sich daran geiröstne». unter der Colleclivpost „Verlust" zn unterscheiden,, was unter solchen Umständen al» vverihvollc Lnvestitionen und wa» als „thalsächlicher Verlust" zu betrachten ist. .stach Verlesung dieses trübseligen Berichtes entmann sichzlviicheu dem Versicherten Herrn H r d l i c k a und dem Tireclor Baron K a l b e r m a t l ( n -otgender interessanter Tialog: Hrdlicka: „Lch sebe da in der Bilanz Prämien re'erven im Betrage von I!« 382 fl. 5 kr. Nirgends aber finde ich eine Bedeckung ':e>cr Post. Tars ich mir die Frage erlauben, worin diese Prämienr.eservcu -gentlich bestehen?" — Baron Kalbermatten: „liniere Präinienreierveu sind '»rch unsere Active» gedeckt, durch unsere Forderungen an Piämieu u. dgl." H r d l i c t a : „T u r ch die A c l i v e n? di s e h' j a gar keine. .Ich finde nur l a u t e r P a s s i v e » : w o i ch h i i> s ch a » e, n i ch t S > l s P a s s > v e n! Und übrigens m ü s > e n P r ä m i e u r e s e r v e n nach dem Statut baar oder in Werthpa Piere» bedeckt - c i n." — Tireclor: „Pi i t b a a r e m G e l d kann man bei einer ■ o kleinen Gesellschaft nicht d e ck e ». Unsere 'Hctiwii sind Teckung -enug." — Hrdlicka: „Zeigen Sie mir die Active»!" — Tireclor: .Hier stehen z. B. 29.000 fl. Außciisländc bri.de» Agenten. Ist daS kein Ac> livum?" — Hrdlicka (laut auslachend>: „Aha, die AgentenauSstände! Nein, d a s i i n d keine Active». Leder vernünftige Mensch weiß, daß daS meist gänzlich uneinbringliche Forderungen sind, die muß man einfach abschreibe», aber nicht als Aclivpost führen " — Tireclor: ^Unsere Aiißenstände sind gut. wir haben in süns Jahren nur 400 Giilden abschreiben müssen." — Hrdlicka: „Schon gut; aber 29.000 Gnldcn Außeiistäiide sind ja noch da. Lch d a b e. d e r B e r sa m in l u n g also gezeigt, daß die Präinieilreserve» gänzlich unbedeckt sind. (Bewegung. Ruse: .DaS ist wahr!') Aber weiter. Ich stelle weiter die Frage,-welche Feuerschäden sind seit dem Jahre 1894 noch unbezahlt? Warum itf i r t> den Versicherte» ihr erhobener und liquid irler Schaden in Raten von 100 Gulden a u S b e z a h l t? Es soll nach dem Regulaliv jeder Schaden binnen Monatsfrist gezahlt sein." (Ruse: „Hört!", „Ja warum?" „Soffst'«!") — Tireclor: „Manche Personen wollen da« Geld gar nicht gleich von uns lHeilerleiti; sie haben Vertrauen und sagen: ,Schickt uns jetzt etwas, und wenn wir den Neubau bis zum ersten Stock gebracht haben, wieder etwa«.'.... UebrigenS ist Alles auSbezahlt worden. Höchstens die Schäden, welche Ende Teceinber 1894 geschehen sind, wurden auf 1895 übertragen." — Hrdlicka: „Aber die Gesellschaft wurde doch geklagt? DaS können Sie ja nicht leugneu!" — T ircctor: „Tas war nur in zwei oder drei unter mehr als 560 Fällen; da glaubten wir Blatt. , Seite 7. . im Rechte zu sein. UebrigenS, sind Sie de»» jiberhanvl.ein ^Versicherter?" -- Hrdlicka: „C ja, hier ist meine Polizze — >onst würde cs mir nicht cin'alleii. luoi 5n sprechen." Ln dieici» Augenblicke erhob iicti am Tirectionsiische der von seiner sier hetzenden Thätigkeit beim Verein -„Christliche Familie" belannle Fabrikant Integer und ries: „Ich will den Herren eillären. iview der Herr Hrdlicka de, nur versichert wurde. Er wollte bei uns TireciionSraih werden, darum bat er . sich versichern lafien. 'Wir fanden n»S aber später nicht vcranlaßr, ihn in den TireclionSralh ailsziiiiehineu." Herr Zuleger Hlu'iitt jrtolli »ich, klug damit gethan zu haben, daß er Herrn Hrdlickareizte, renn jetzt begann dieser bö'e zu werden und au» der Schule zu schwatzen. „Tho," ries er. „jetzt werde ich aber erzählen, wieso ich dazu kam, Tircciionsralb werde» zu wollezi. Weil die Gcsellschast aller Mittel entblößt war, lein Geld, j„ Cassen hakte, hätte ich ihr 200.001* ft. vei scha'fe» sollen! Und ich hätte sie ihr auch verschafft, aber die betreffende Ge>'eU>'cha'l, welche da» Geld hätte hergede» solle», stellte die Bediiigung, daß vorerst der Tuecior entlassen werde, weil er kein Fachinann sei. TaS wollte der Tirectionsralh iji.lit, und so bekam die kein Geld und ich wurde nicht Tirectionsralh. (Bewegung.) Aber gehen wir weiter. Warum hat deuu die GejellschastLicuer sogar Hagelversichcruiigc,, übkrnoininen, trotzdem sie ja weiß, daß sie die Schadens- Versicherung nicht zahle» kann?" — Tireclor: „Ta» geschah nur ans ausdrückliche Balle einiger geistlicher Herren, die bei änderen Geielt - .schaffen d>e Hagelvcrsicheriiiig nicht abschließen konnte», rwil nian sie ihnen ohne ' Feuerversicherung nicht geben wollte.'' — Hrdlicka: , La. nur sind doch eine gegenseitige Versicherungsgesellichast, uo ist atz'o die strückdccknng - Hagelversiche rnugeii sind ja die allergcsährlichsten!" — Tireclor: „Wir und nicht über lin'ere Kläffe gegangen, aber Rückversichernng ist bei Hagel sehr schwer zn finden!" — Hrdlicka:' „So. io! Sagen Sie mir, Herr Tireclor, ivarnm laden denn gerade tvir immec Verlnstc, auch wen» alle andere,! Gesellschaffcn mit Gewinn abichließen?" — Tireclor: „Tas kommt davon, weil,.roir ro wo) al gesilnieben haben — »nicre ganze Slgani'alioil'' — Hrdlicka :' „Eiuc schöne H rgauinriiv»! Tic Gesellschaft ist ja fiar nill>t o rga n i s ir l" un d d.i'nr ileheu U n summen in der Bilanz — die vaar Ageuie»! — Lch stelle al-o den Antrag Ta die Gesellschaff unter svlchei: Umständen lischt mehr bestehe» kann, >oll sie den Tirecror wegen U-nsäbigkeii ab-etzen! N.nr d,c.schlechte i>*e ichästssührnng ist an Allem schuld!" i Erregnng. > --- Vorm-ender Vrcha: Stöger erklärte, über diesen Antrag sticht abstimiuen tauen zu können, weil er schon im Februar,- uplerstützk von einem Triuel der Versicherten, laite eilige bracht werden müffen. — „So," ries nun Herr Hrdlicka erregt a,,S, „uur sind afio Abstiiiiinnngsvnpveii, man will ,ni? Miliidlodt machen! Lch begntrage also, da die Gesellschaft ganzlich in-olveiii ist. 'ihren Ve.bindlich leiten Nicht nachkoMinen kann, soll sie liauidiren und sich an>- lösen. Bitte, darüber abstiiiiineu zu laffcn!" Tiese LLorle ric'cii eine begrei' liche Anfregiliig hervor. Baron eialbermatten stürzte bleich und zitternd vor Erregung in diePcille deS Saales und rief: „So. dann müßte d ie>'e Vilanz. ein Falsi'ficat sein; sie ist aber echt-, sie ist nicht geialichl! Lch stehe dasiir eiu." Es erhob sich sodann ein wüster Lärni. Ter bekannte Aniisemil F-eu-ch tinger ineinre, die Christen sollen nicht mit io gebässigeii Angriffen gegen eu: ander vorgchen: mau sei ja in keiner I nd c» gele lls ch a st. E» scheine, daß die Christen »och immer nicht wissen, wie sie sich gegeneinauder zu benehmen halten. Ailch der srübere antiseinitische G'enieindcrath »nd jetzige Beiralh Slro bach-erklärte, es gehe hier io zu wie in einer Ludengesellichaff, und suchte zu vermitteln. Allein die Vercammlung wollte sich nicht beruhigen; den anivesende» Versicherten scheint ihr. Christenlkum eben nicht ein genügender Vorwand, um ihr Geld;»,» Fenster hiiianszuwersen. Man berirhigce sich nicht. bi-S nicht Herr Hrdlicka Elltjlcht in daS SäiadeiiSprolololl genomm-n und daraus eonitatirk Kalle, daß acht Schäden nicht bezahlt ieiez, Tie 'Ver>ami»l»Ng ivar ve» Yen leitenden Periouen einstiveile» insoweit heschwichligl ivorden, daß sie de:: g:r>> lionrrälheil da» Absolutoriiii» crlhcille, aber ailch erklärte, i io ivolte leine Zirsta»de wie bei einer Lndeiigeiellichasr. Ter „Lud" ir.n a::';»’-■ Weise glücklich todtgeschlagen. aber ob damit den O^eschädigteu gedliun st-n> .wild, ist eine andere Frage. Wir meiueii, es wird diesen einerlei sein, ob sie il:r Geld bei einer LlidcügejeUschasl oder bei einer Aiiljieinilengesell''ch.i'i verlieren. Ln diesem Punkte verstehen die Leulchen leinen Svaß, iind'dic . l'ni>- --.>:i,-sii--:i ' dürste insoseru bernscn sein, eine erhebliche Rolle in un'erer Veivogiilig zur Abwehr de« AillisemitiSnillS zu spielen- (FloridSdorfcr „Deutsch ‘Jinlioiinlc". * Ln Floridsdorf hat sich ein neuer' Antisemjlenverein gebildet, deffen Mitglieder „national" schillern. In dcr gründenten Persainmlung sprachen einige Wiener Aniiseinileii, der Grazer Mirtelschullchrer H o f in a u u -- W e l l e n h o f und der xornenburger Advocar .K n o tz. Mit der Pflege des Teutich Rationalismus, meiilkc der steierische Wei>'e, vertrage e» sich ganz gut. wenn man.mit anderen Parteien zur Bcl.impsnng deS „gemeinsamen Feindes", der Jude», zusainmengehe. Er warnl»-vor einem „unnützen Brnderkampse". Auch Knotz bezeichnele den ÄntiiemitisinnS a:s den I „festen Kilt", der den Buud der. ,,'Ralionälcu" unk „christlichen Sociairesornier" j zusammenhalle. Man dürfe anders gesinnte, aber verbündete Elemeuld nicht' | zurückstoßen. Tabei schilderte er' die Judeu al-S die Urheber alles Ungemachs, } daS die Teui'cheil in den letzten Lahrzehliten helroffeu habe, sich. selbst dagegen

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