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Freies Blatt · 1895-06-30 · 169 (30.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
169 (30.6.1895)
Date
1895-06-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1«S. .freies Blatt. Seite ü. (^cuieiiideschulen bisher gehandhabt wurde, zu Gunsten eines kleinlich neidischen ConfessionaliSinuS unterdrücken zu lasten. Stadtschulrath v,-. Bertram betonte, daß diese Uebereinstinimung bestehe: der intcr- 'onfcssionelle Zustand der Berliner Volksschule sei seit zwanzig Jahren anerkannt. Der Magistrat habe gegen die Verfügung des Provinzial-?chulcollegiumS Einspruch erhoben, und man möge die Antwort dc« : r>:eren zunächst abwarten. Der Grundsatz müste bestehen bleiben, daß - - Gcmcindeschulen allen Bckcnntniffen dienen, aber keinem untcrthan vüi sollen. (Verkracht.) Wie ans Berlin gemeldet wird, ist die antisemitische Buchhandlung von A. Dewald, von der auS Alldcutschland mit den iannten Preßerzeugnisten überschwemmt wurde, vorige Woche ge? -'.blossen worden. Der Gerichtsvollzieher hat den KchrauS abgehaltcn; größte Thcil des Lagers crwicS sich als EoinmissionSwaarc, der g/st nebst Einrichtung wurde meistbietend versteigert und von dem .nptgläubiger, dem Wirth des Hauses, Herrn Capitän Neschkc, für -in Mark erstanden. UcbrigcnS hat Herr Dewald durch Anwendung v? nicht ganz neuen Mittels versucht, sich dem ihm drohenden Bcr- ..-n zu entziehen. Seit einiger Zeit verkündeten Placatc, welche am ^baufcustcr angebracht waren, einen großen Ausverkauf wegen Aufdcö Geschäfts. Derlei Ausverkäufe bezeichnen sonst die Antisemiten, männiglich bekannt, als eine, „jüdische Speeialität". Bewußte Unwahrheit.) Bor dem Schöffengerichte in Bischhauscn neulich eine Ehrendcleidigungöklage verhandelt, welche der anti - nlische ReichstagSabgeordnetc Pastor IS kraut gegen den Eigarrcn- -..eikanlen Hesse, in Waldkappe erhoben hatte. Herr Hcstc wurde huldigt, Herrn Jskraut zweimal einen „Lügner" genannt zu haben. . gab das zu, erbot sich/ den Wahrheitsbeweis zu erbringen und ob Widerklage wegen beleidigender Aeußcrungcn, welche ISkraut . r itm gcthan. Nach fünfstündiger Verhandlung, i» welcher zehn ugcu vernommen worden waren, verkündete der Gerichtshof das ': *beil dahin, daß der Eigarrenfabrikant und der Pastor wegen gcgcn« ugcr Beleidigung zu je dreißig Mark Geldstrafe vcrurthcilt werden die Kosten von jedem Thcil zur Hälfte zu tragen feien. Herrn V :m‘c wurde das Necht zngcsprochen, die Berurthcilnng Jskraut'S stutlich bekannt zu machen. In cincni alle hat das Gericht de» Wahrheitsbeweis Heffe'S als erbracht erachtet, also angenommen, daß 'traut bewußt die Unwahrheit gesagt hat. Dirser Hall betraf eine ißeriing. welche ISkraut in einer Wahlversammlung gcthan halte,?c)n Volke »ins; die Religion erhalten bleiben, i De», ,,1'ii» cker VolkSboten" wird von einer Frau ans k)icnVorwerk bei afiow (Mecklenburg) geschrieben: „Am 12. April d. I. starb mein ...iucr Sohn int Alter von 2J/4 Jahren-. Da ich nun arm bin, so . -orgie ich, ui» die Kosten ru sparen, daö Amt einer Todtensrau .bn, machte mithin auch die Meldung vom Verscheiden meines Liel» beim Herrn PräposituS Sellin, Dasiow, als auch'auf dem engen Standesamt. Die Unterredung mit Herrn PräposituS Sclliu i darauf hinaus, daß das Kind still bcigesctzt werden sollte. Ich .u aber, daß ich gerne sähe, wenn der Herr PräposituS mit zur nsl ginge, um den üblichen Segen zu sprechen, aber Herr W. aposituS Sellin ist nicht am Grabe erschienen, um über mciü incS Atiitb den Segen zn sprechen. Da ich nun nicht wollte, daß ' ::,h Kind wie ein Stück Vieh in die Erde verscharrt würde, sprach ’.t kleinlaut folgendes Gebet: Hier liegst u»b fNilä-ü k» ganz in frieren. Tieweil dein Hirte bei dir wacht. Von Zesuin bleibst du ungeichieden Auch in der levle» TodeSnacht. Er leulte deine Tageszeit So fr üb schon;» der Ewigkeit. Amen. Acht Tage später erhielt ich vym ritterschastlichcu Polizeiami in?asfow eine S lrafvcrfügn ng von!-V.'>0 f «tl wegen " in b tcbcl) et 11 cit 8 oder einen Tag Hast auf Grund der Verordnung vom 2f>. November 18i>l, bclrrssend .Grabreden Ni christlicher'. Als ich auf Anregung des Herrn NcchtSanwalteS S chm i dt- Dasiow Herrn PräposituS Sellin darüber zur Rede stellte, warum t nicht mitgcgangcn fei, wurde derselbe — ich will sagen! etwas unhöflich' und wies mir die Thür. So wird man behandelt vom Geistlichen, wenn man Trost sucht im Leiden! Ich habe nun auf gerichtlich^ Entscheidung angctragen und erwarte demnächst einen Jcnninvor dem großherzoglichc» Schöffengericht in EKcvcömühlen. Ich bin arm und kann nicht bezahlen, werde also jedenfalls in das >Rfänguiß wandern müssen." <(5»stt» Tiihring über Eduard Trnmonl.) Tic Anwemiteu- 'ührer' vertragen keine Eoneurrcntcn, und häufig genug sprechen sic 'ich gegenseitig die Eristcuzbercäitiguiig ab. In seiner Hetzschrift „Die Judenfragc als Frage der Raecnschädlichteii" bemüht sich Dühring, das Hetzgeschäft deS Pariser Antisemitcnhäuptliugs als unreett anzuschwärzen, und läßt sich also vermhntcn: „'Nach dem Vorgänge Deutschlands hat sich auch in Frankreich ein bcriifsmäßtger Anti sciiritiSmuS geregt, ist aber wesentlich auch nur reactionär gcrathen, ja in seiner geräuschvollsten Auslegung »och beschränkter ausgefallen. Dort wie hier ist. er in der eigentlichen Mache mehrfach und sichtbar genug von Judciiabköminlingcn in Entreprise . genoinmen. Ehristlichc - Allüren und eine, ich/will nicht sagen fanatische, aber doch sanati stclnde Betonung de« ReligionSgegcnsatzes haben sich in Frankreich unter einiger katholischer Rückendeckung ziemlich breit auSlegcn oder doch wenigstens nach dem R^eclaincrcccpt windig anfblafen können. Beispielsweise hat sich ein Zwitter von Pfaffe und Literat in oberflächlichen, unzuverlässigen und abgerisienen Austreichcrarbeiien über ein jüdisches Frankreich und AehnlicktzS gerade so crgackghi. daß man fast glauben könnte, etwas von einem mauschelnden und ichnodderndcn Hebräer vor sich zu haben. Dabei, ist selbstverständlich der einzige ernsthafte Judcnkritiker und Judengegner, den die Welt unter den bisher anerkannten Literaturgrößcu aufzuwcifen hatte, nämlich Bol' tairc, mit giftiger Wuth angefallcn und Rochefort im cigeniluheu Sinne des Wortes verdammt worden. Dazu stimmt cs nun vortrefflich, daß der fragliche ReligionSantiscuiit, der sich Druiuonl nennt, von Inden Namens Drcimond abstanimcn soll, Gleichviel aber auch, waS eS,mit diesem Stammbaum auf sich habe, die genügen Allüren sind für beit feineren Ren »er v^rrätherisch genug, und ich tut mein Thcil konnte mich mit ein paar Pröbchen von der unkrtli'chen und abspringcndcn Schreib- und UrtheilSart deS betrcffendcu Pfa'tu litcratcn genugsam instruiren, um auf eine weitere Einsichtnahme des antisemitisch scinwollcndcn, sich aber formell semitisch geberde.iten Geschreibsels zu verzichten." Herr „Pfaffenliicrat" Spitzer'Weimar, wollen Sie nicht Ihre Leser mit den voranstchendcu Dübting scheu AnSkasinngen bekannt machen? (Ein FcrinlUk des Siiltans LlliSnl Mcdjid > Das Blntinatchen treibt hcutczutagc im westlichen Europa fein Unwesen: wie cm orienta lischcr Regent vor mehr als einem halben Jahrhundert darüber gedacht har, zeigt folgender Ferman deS Sultans Abdul Mcdjid: „Es besteht ein altes Vorurlheil gegen die Juden. Man glaubt allgemein, daß sie Menschenopfer darbringen und zu ihren Astern Blut bcnöibigen. Die Juden von DamaScns und Rhodos, llittcrthanen Meine« Reiches, sind verleumdet und verfolgt worden Das Gerücht von den Leiden, welche diese Unglücklichen zu ertragen - hakte», ist bis zn Meinem kaiserlichen Throne gedrungen, und cS wurden vor nicht langer Zeit einige Inden aus Rhodos nach Eonstanlinopel gebracht und nackt dem neuen Gesetze gerichtet: der Gerichtshof erkannte ihre Uii'chulv und sprach sie frei. Die religiösen Bücher der Jude» sind bei dieier Gelegenheit von gel'ildeteit und in den jüdische» Sillen und G,- bräuchen erfahrenen Männern -einer sorgfältigen Prüt'ung unterzogen worden. Diese Untersuchung hat bewiesen, daß cs de» Juden nicht nur verboten, ist, .Menschenblut-zu vergießen, sondern auch das von Thiercn. Es ist also AlleS, waS in dieser Frage über die Juden gesagt wurde, nichts als Lüge und Verleumdung. Da diese Tbal'acheii endgillig festgestellt sind, und Wir unsere Uuier.lhaneu alle in gleichem Maße lieben, können Wir uichl erlauben/ daß die jüdische 'Nation, deren Unschuld nunmehr erwiesen ist, uulerdrücki und durch grundlos.' Anschuldigungen gegnält werde. Ferner wünsche Ich, das; im Sinne Pteines Haut Scherifs von Gülhane die Inden dre>elben 'Reck,re und Vorrechte genießen wie alle.'anderen Nationen Unteres 'Reiches. Ich befehle daher, daß. in Zukunft die in allen Tbeilen Meiilcs Reiches wohuenden Juden wie alle anderen Unietlhanen der Hoheii" V'et:e beschützt und daß ihre religiösen Gebräuche ton Niemandem gestot:, angegriffen oder Ihre Ruhe und Sicherheit gefährdet werden uiögen. Du, Ehef der Justiz, nimm Notiz von dem Inhalte die-es Fetmans und achte darauf, ihn zur Ausführung zu bringen. Damit in ,->utunfl diesem''Ferman nicht zuwidergehaudelt werde, wirst :» :hn in die Archive der Tribunale cintragetz und ihn sofort der lüdi'chen 'N'arion auShändigen. Achte sehr darauf, daß Mein tai-etlicher Befehl aus geführt werde. Ich befehle, daß du bei Emp-aug dieses Fermaus im Sinne Meines kaiietlicheu Willens handelst. Gegeben den 12. Ramadan i Scherif des JahteS I2.H G November " (stillfsischc Zonrnnlstiinilicii iiürr Den '.’limicmitivimiij in Wien. Plan schreibt,uns: Sehr abfällige Urtheile finden sich in den russischen Blättern üher die Wiener Antijemileu und deren Führer, »tO diese Urtheile verdienen umsomehr Beachtung, als ..ne von Blättern gefallt wurden, die sonderlicher Snmpaihien für die Juden nicht geziehen iverden. können. In erster Reihe ist ein Wiener Briet zu verzeichnen. lucldKit die angesehene Petersburger Monatsschrift „Rußt oje Bo gal st wo" Russischer Wohlstand' in ihrem jüngsten Hefte vublieirl. Der Verfasser, der bekannte Publieisi W affi lew s t i i. fdiciitt den

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