Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 168 (23.6.1895)
- Date
- 1895-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Seite H. Nr. >6».___fr ei«, •JinmialC’fv nicht da« noihtveiidige Maß von Vertraue» eutgegengebracht werde» loiinle. Die Mitglieder habe» sich leibst i» Widersprüche verwickelt, und w(nn dieselben vielleicht auch unwesentliche Punkte belrefsen, fiir Zeugen gebe c« im .‘limitie der Wahrheit keine unwesentlichen Pnukie. Der Angeklagte habe sich in vedrahier Position besunden und habe in berechtigter Nolhwehr gehandelt re. Ncrnvalder oen. trat an den GerichlStisch heran und und rief, seine Hand vorstrcckend: „Und ich, der ich zum Krüppel geschlagen wurde, bekomme keine Ge» nugihuttng? Morgen wird mir der Herr den Fuß hernnlerschlagen!" Landcs- :,richtSralh Dr. Frimmel wies ihn mit de» Worte» zurecht: „Das wird er nicht lhuu! UehrigenS entfernen Sie sich, die Berhandlnug ist geschlossen." Ter Staatsanwalt aber bat sich die Acten ans und fügte Hinz», daß er sich gegen .c Mitglieder der Familie Neuwalder die Anzeige wegen falscher Zeugenaussage Vorbehalte. Aus diesem Vorbehalte folgert also das antisemitische Hetz- Uait die „Werthlosigkeil" der „Jndeneide". Ter Schluß ist stark. Es ist bisher;.'„icswcg» erwiesen, daß die ZcugenauSsage» Ncnwalder'S und seiner An mbörige» falsch waren. Doch angenommen, daß die» der Fall Ware, so ist auch in bornirtesten Antisemiten wohl bekannt, daß säst keine Woche verstreicht: . »e daß in irgend einem GerichtSsprengel ein Ehrist'eine falsche Aussage al« .aigc abgelegt hätte. Allein es wäre eine Niedertracht, wenn ei» engherziger .■ :tc daraus allgemeine Schlüße über de» Werth der „Christilneide" ziehen , olltc. Wie soll man nun die Art und Weise deS „Teulschcii VolksblatieS" . »uett, welche» de» Proceß Ezinger-Neuwalder;u Gunsten der Schneidcr'schen dächligungen der „Zudeneide" zn verwevthen sucht? lZll blöd) Man schreibt uns:. Mit welchem Blödsinn die „Deutsche .mild" ihre Leser füttert, davon eine charaktcristisckie Probe. „Seit einiger - fo meldet diese» Blatt in Nr. 8421, „suchen die Jude» in Ruinänic» sich erlich zu ruinänisire», indem sie ihrem Namen die Shlbe ,?»«>' anhängc». .;ti nennt sich ivkosescu, Abraham Abrahamescu.: Unlängst (???) hat nunmehr Volksvertretung ein Gesetz angcnomme», wonach derartige Zuiatzsilben bei •.;moii unzulässig sind und wieder beseitigt werden müssen." Wissen die Ge- „! neu der „Deutschen Zeitung" nicht die Bedeutung deS „eScn"? Doch die christliche Schwester" de» „Deutschen Bolkrblatte»" bringt »och Heitereres. I» . >422 bietet sie folgende Sthlprobe: „Deutsche« Reich, lieber allerlei st üniilalionSversuche, die unsere Judensreunde gern sehen würden, macht sich letzte Nummer der .Allgemeinen Israelitische» Wochenschrift' empfindlich ..'Hfl, indem sie schreibt: Wer die jüdische StainmeSgemeinschasl beseitigen will, r.'.-crnimmt ein schwierige» (vielleicht richtiger schmieriges) Werk. Unter zwei- :.:,ld^l Jahren ist daran nicht zu denken! Ta können unsere Liberalen »och ' .tu alle Inden werden!" Zn derselben Nummer läßt endlich dieses heitere -i,m den gewesene» Stadtralh Dr. Räder also spreche»: „Wenn nun zum Schlüsse Tr. Lueger die Wahl zum Bürgernieister ablehnte, so habe er als t: /eulicher Man» gehandelt, der den Gnadcnbisfcn nicht annahm." Um dein ,1,iihm aber die Klone anfzusetzen, heißt es in dem Schlüße dieses Berichte», i, den, Tr. Lueger als echt deulfcher Man» gefeiert wird: „Aufregung vcr- ... echte auch eine Resolution, welche, von Herrn Arnoscht eingcbracht, gegen ' e clerical antisemitische Element ging." Fürwahr, dtr dumme Kerl von eit sollte die „Deutsche'Zeitung" zu seinem Leibblalt erklären. (Wer sind die „librralcu Huudr"?) Das famose „Vorarlberger .ISblatt", ei» bekanntlich in „christlichem" Geiste geleitete« Blatt, daS ein ' i'iibliger CleruS als die alleiu selig machende Lectüre empfiehlt, brachte in ■ h seiner letzten tKummern einen den Liberalismus und die liberale Presse ’ inahendeu Arlikel, in welchem der Liberalismus beständig als Hund per- ’ tiiiiivt erscheint und die Liberale» schlankweg „liberale Hunde" genannt -rdc». Das freisinnige „Bregenzer Tagblatt" erwidert hicrans: „Wer ud die .liberalen Hunde' Vorarlberg«? ES sind jene Männer, die sich . aratlerfestigkeit und ManneSstolz genug bewahrt haben, um' frei über ihres Volte» und ihr eigenes Schicksal zu entscheiden, ohne erst' im nächstbesten 'isiiio' unterwürfig und in wahrer Selbstentmannnng nach der Wohlmeinung ilflcnd eines CaplänchenS oder sonstigen MnckerS aus dem Laienstande;» ''ragen. Die .liberalen Hunde' Vorarlbergs das sind jene Männer, deren stanicn sich an alle Einrichtungen und Bestrebungen knüpfen, die Vorarlberg dem clericalen Sumpfe, in dem es zu ersticken drohle, herauSrifie» und ein wichtiges Glied einfügten in die Keste, die das geistige und industrielle den der Gegenwart umschlingt, sie sind eS, die bis zum heutigen Tage un- 'ichrockeu kämpfe» gegen — wir dürfe» eS ungefcheut sagen, weil eS die '-ollsblattler ja nicht anders verdienen — da« Pfaffeuthum, welches mit allen : rüste» bestrebt ist, aufs Neue eine chinesische Mauer an unseren Grenzen zn errichte», um daS Volk wieder ungestört an der Leine führe» zu können wie '»st, wo der salbungsvolle Sermon die einzige Quelle war, au« der es feine .geistige' Nahrung schöpfte, und da» Lächeln deS Herr» Pfarrers der einzige!'ohn war, mit dem feine Unterwürfigkeit, die vollständige Verzichtleistung auf icinen freien Willen, die Knechtschaft, die die Kutte über eS verhängte, so be- -mcm und billig bezahlt wurden, wie einst, wo eS freilich nnr einen Hirten und eine recht große — Heerde, aber kein Volk gab, keinen Mann, der als Mann fei» Recht vertreten und verthcidigen durfte. Die .liberalen Hunde' haben dem Volke die Freiheiten erkämpft, sie haben eS aus Robot und Zehent, an« der Leibeigenschaft befreit im harten Kampfe gegen die .Kutte', die seit Jahr- Blatt. hunderten gdgen Alle» anstürmt, iva» um dem Mt»>'chen' geboren wird als sein natürliches Recht: seine» freien Willen, sein Sklbilbestiminiiiigsrechr und sein Recht, über sei» Dasein sich seine eigenen freien Gedanten;» machen, seinen Herd sich »ach seinem Willen zu bestelle». Die .liberalen Hnnde' allein waren cs, die das Recht dein .stöier crlämvfien, heule frri und ungehindert gegen den Himmel, sein heileres Gebell;» erbeben, die ihm seiner- . zeit den Maulkorb abnahmen, der ihn früher am-seincm eigenen Gifte ersticken ließ, weil der eigene .clerical«, reactiouäre Eensor" den Riemen nickst locker ließ. Jetzt bsdanti sich die Ereaiur so dasür." (Antisem und die österreichische StaatSiücc'.» Von einem in der deutsche» Reichsmetropole ivcilende» österreichischen Patrioten erhal'cn wir folgende Zn schrist: Widerlich und verweislich, tveil durchaus unpairioliich, ist das «stehaben der Antisemiten aller Länder. Habsucht im Gefolge aller niedrigen Jirslinele charalterisirt die Patrone, die sich für die berufenen Jnterpretri, deS angebliche» VolkswillcnS auSzugeberr beliebe» Mit welcher vermessenen Dreistigkeit, >a mit welch einer irrenhauSreisen Unverfrorenheit Anliicintlcn. sich über bestkliciide' staAtSrechlliche Bestände hinwegsetze», beweist wieder einmal das Ahlwartt- Böckel'i'chc „Deutsche Volk»recht" mit feiiien durch Abonneniensaitg hervor gcrnfcneu Annepionsgelüste». ES schreibt nämlich: „Unseren deutch österreichische» Frennden zur Nachricht, daß wir von jetzt ab österreichische Angelegeul,eiten unter Deutschland bringen werden, da wir nach großdeuticher Anfstiiinng unter, Deutschland All'Tenlschland verstehen." j (Zur Tcslkndttizlchrc.s^Tie anliseiniliichen Seribenllein sind bekannt:,ch auch strenge Kritiker und Kenner aller Wissenschaften, namentlich der Rainr wiffenschaft und'deren Vertreter. Schreibt da einer ' dieser Herrchen anlästuch des Todes der berühmte» 'Naturforschers Earl Vogr,- der energisch gegen den AnlisemitismnS ausgetreten ist, in der „Deulschen Wesiwacht": „Der die>'er Tage in Gens verstorbene Professor Earl Vogt, der Assen Vogt, war natürlich auch ein großer Judenfrennd, lvahrscheinlich weil er i» dein züdi'che» Llamme den sicherste» Beweis für feine Theorie der. Abstaintiinng des Me»>'chen vom Assensah." I» dieser Fastiing ist die Ansicht Vogl's nicht richtig wiedergegebc». Wir sind i» der augciiehinen Lage, auS einer andere» Quelle die wirlljckie Meinung Vogr'Sreprödueiren zu lönneu. Ais cinmai in einer Gc.ellsttia't von Schrislstellcrn zu Berlin die Rede aiis geiviise A»ti>'e»iil«»sührcr lat», sagte Vogl: „Tie Anlisemi len sind Affe», nur mit M e n> cheusta nt über, z'ogc'n." * . l:. S. lllltmitnlilc Gcjchäslc.l Alle a»lise,niliichen Ullteruebmungon knlstehe» ganz spontan, lediglich, um dem gebieterischen Verlangen des'Voiles „ach gesunder, kräftiger und lcichlverda.ilicher Lcerüre in dev Zeit vor und nach dein Besuch der Rahaukncipe» z» genüge». Scllia»ier>vei>'e erliegen in der Regel die Unternehmer selbst peinlichen Verdauungsstörungen und werde» häufig wgar behördlich veranlaßt, längere oder kürzere Zen einer rationellen Magenenr sich zu unterziehen. I» St. Johann-Saarbrücken ist das an'tiseinili'che „West .deutsche Bollsb.lan" eingegange», und der Verleger hat EoueurS'anfagen müsse».. Tie agrarische „Deutsche Tageszeitung" beklagt de» Rekaeienr, der seine hohen Strafen jetzt ab.sitzen müsse, weil die E'igenlhüuicr sie nicht.bezahlc» wollic». Zugleich erhebt sic folgende Anklage gegen „vornehme Hintermänner": „Die alte Leier! Erst geben die vornehmen Hintermänner die lockendste» Versprechungen, aber wen» eS gilt, sie ei»;ulö>'e»', da sind sie nicht zu Hauie!" Sehr richtig! ES fei nnr^an Herrn v Rianteufiel erinne'.t, der als „vornehmer Hintermann" einem Bnchdrnckereibesiver Verlprechuugen gemacht hat, um ihn zur Herausgabe einer „coniervativcn" Zeitung zn.. ver anlasse», später abe>- sehr „vergeßlich" geive'e» ist. Alich Wiener onliscmiii'ckie Schnorrdläller halten schon wiederholt >«elege»heir, sich über derartige Vergeßlichkeit zu beslhiveren. _ Fcuillcron. - Z n A cl) t u n 6 ä n n. ' Itomau aus Malens Uaijcit'*. VON # ,, Carl (ßriot. *' . (in. *«■»'.•(>11113.) Die Tage in Kiew gingen' dahin in Glan; und FcstcSjilbel, Lustbarkeiten und Gelage, Wettkämpfe und MaSkc»;iigc,- Alles wurde veranstaltet, um dem Polcnköuige die Ehre;u erweisen, die einem so hohen Gaste gebührte; regcö Leben und sroheS Treiben herrschte in der vorher so arg bedrängten Stadt. Bolcslaw war den ganzen Tag in Anspruch genommen und mußte bei den Festlichkeiten sein, die ihm zu Ehren veranstaltet wurden, sein