Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 168 (23.6.1895)
- Date
- 1895-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1158. .freies Blau. taten Joses v. Engel wegen ganz an seiner Seile, während eine Dritte, ans Wählern von Proßnitz und Olmütz sich recrnlirende Partei nsi dann für -den von ihr übrigens hochgeachtclen Eandidaten Josef r Engel einireten will, wenn derselbe ihr die Bürgschaft gibt, „dag X,, jüdischen Wählern für die neuerlich geforderte Aufopferung die Gegenleistung nicht vorenthalten wird*. „Das Verhalten der jüdischen Wähler," meldet die genannte Wochenschrift, „bei der bevorstehenden Wahl wird von grundlegender, principieller Wichtigkeit und Bedeutung nicht nur für die Inden dieses Wahlbezirkes, sondern auch für die ganze Judenschaft Oesterreichs sein. ES ist daher eine gebieterische l-sticht, wohl mit dein erforderlichen Takte, aber auch mit der ge- .oicuen Energie Stellung $it nehmen und sich der Eautelen zn ver- 'icheru, daß die deutsch liberale Partei gegen die die materielle und moralische- Existenz schädigende antisemitische Strömung mit allein 'lack,druck Front machen werde." Rach den von mir a» Ort und Zlelle gemachten Erfahrungen muß ich gestehe», daß der citiitc Be;d|t entschieden allzusehr „grau in Grau" gemalt ist. Thatsache ists. daß die Judenschast in de» drei Städten des Wahlbezirkes bei der AeichsraihSwahl ausschlaggebend ist und daß eine etwaige Abstinenz rielbe» bei der Wahl einen Berlust eines deutsch liberalen Mandates ..!> Folge hätte. Thaksache ist es ferner, daß angesichts der nngcheuerche» Einschüchterungsversnche seitens der tschechische» Partei sich hie. da einige kleine jüdische Geschäftsleute ins Boelshorn jagen lasten nette», falls nicht zur rechte» Zeit und Stunde seitens der deutsch- ..ralen Partei gegen die maßlose tschechische Agitation energische erkehrnngen getroffen werden. Aber das Gros der durchwegs deutsch .ralen Judenschaft in den drei Wahlstädteu wird sich dagegen erlichst verwahren, daß inan ihr zumnlhet, den bevorstehenden Wahl t zu einer förmlichen Pression auf die deutsch liberale Partei zn chen. Wer solches der deutsch-liberalen Judenschast der drei .Wahl .etc zulnnthet,- beleidigt bewußt oder unbewußt dieselbe tnid bietet in AiiiiseinitiSmuS eine scharte Waste gegen daS Judeiilhnm, dein Aiitit'einiten allzeit vorwerfe», daß es dem Grundsätze >Ir> nt >1,.- litigc. Tie deutsche Judenschast der drei Wahlstädte hat in den üivierigstcn d'agen, trotz Trangsal und Berfolgungen der unerhörtesten .rt, stets Ire» und redlich ohne Aussicht auf Bortheil und Gewinn . deutsch liberale Sache vertreten und wird die» bei bei'bevorstehenden cstichsraihsersatzwahl mit so kräftiger und freudiger thu», als ihr der iniere, fleckenlose. wahrhaft liberale Eharalter des ausgestellten Ean idate» flötet v Engel die sicherste Gewähr gibt, daß Alles, was. .. im Schirm und Schutz des verfolgten JudenihnniS geschehen kann, euerseits stets thallräftigst nnterstützt werden wird Josef v. Engel .! durch seine mehr als vierzigjährig,! öffentliche Thätigkeit bewiesen, -st er antisemitische Allüren nicht bloß mit Worten, sondern auch Thaten zn bekämpfen weiß. Tie Antiseiniten rufen und gröhle» allen Tonarten: „Olmütz ist die Hochburg deS Jndenthnms!" Und -ies selbe Olniütz, das sünfundzwanzig Jahre unter der ans :.etd)iictcit Leitung seines Bürgermeisters v. Engel steht, daS sollte :ch nur eine einzige deutsche Stimme ausweise», die sich gegen diesen chverdienten Mann erhöbe? Gewiß nicht. Fünf Sechstel der deutschen ndenschgst in den drei Wahlorten werben mit aller Slranimheit ihre .r timme dem deutsch-liberalen Eandidaten gelten! >i'OIII „Tcttkschctt Schnlvcrcitt".) Wir erhalten mit Bezug aus niete letzten zlsotizen über die Stellung des „Deutschen Schnlvereincs" m Jndenthnin folgende Zuschrift: „Taß der .Teutsche Schulverein' in besonderes Faible für die Juden hat, wiewohl er recht gern Geld s Judenhänden annimmt, hiefür ein kleines Beispiel: Ter von den 7 rutschen Gayas erhaltene deutsche Kindergarten hat sich zu wiederltenmalen an den .Tcutschen Schulverein' mit der Bitte um eine interstüvung gewendet. ' Tic Tcutschen GayaS stehen bekanntlich im - .'"len Kampfe mit den vordriugenden Tschechen, welche .aile Mittel ms Werk setzen, um diese deutsche Sprachinsel für sich zn gewinnen. T ie Mutiru skolskii gibt dein Gayaer tscheclsischen Kindergarten eine ahrliche Subvention von 700 fl. Und was that der .Teutsche Schul- .erein'? Er wies daS Gesuch deS deutschen Kindergartens mit der Motivirung ab, daß in demselben zu wenig Kinder, und tu meist jüdische wäre». Der deutsche Kindergarten zählte einst.. '">7 Kinder. Da derselbe auf Schulgeldbeiträge angewiesen ist und der tschechische Kindergarten umsonst die Kinder aufninimt, so ist eS kein Wunder, daß der Besuch des deutschen Kindergartens abnehmen mußte, Tie abschlägige Antwort deS .Deutschen SchulvereineS'. hatte auch zur Folge, daß fast säinnitlichc Deutschen Gayas aus dem .Deutschen Tchulverein* auStraten. Wenn der .Deutsche Schulvercin' auö Furcht vor einigen deutsch-nationalen Schreiern principiell keine von Judcnkindern vorwiegend besuchte Schule nnterstützt, so möge er auch priit: eiptell alle aus Judenkreisen kommenden Beiträge zurückwcisen. Er würde dann im vollsten Einverständnisse mit den deutsch-nationalen Antiseiniten handeln und sich nicht mehr der Geiahr ausietze», des PhiloseinitisinuS, in dessen Mänietchen er sich hie ntrd da. gVfallr, ge ziehen zu werden." ' lTcis Gesetz ftclit höher nls der Biirgertticistcr. > Ans Gl, »ianq berichtet devdortige tRineindeafieffor Bo Woli der „Tto hobyezer Handelszeitung" einen speeielt seine Person betreffenden charakteristischen Fall. Er schreibt: Am 10 v. M. füllte der Bürger meiftcr zum Schwurgerichte nach Zloezoiv fahren, und da der Biee öürgcruieister krank ist, so fand Ersterer es für anständig, statt mir. einem Juden, die Amtsleitnng und Brrwaltung ans die Zeit seinrS BerweilenS beim Schwurgerichte zu übergeben, diese Benretniig einem jüngeren Eollegen, versteht sich einem Ehristen, auznveriranen. Als ich dies erfuhr, begab ich »sich als Aeliester der Assessoren a», 20. Früh ins Gemeindeamt und »ahm den Platz des Bürgermeisters ein. Meiu.Eollege Stephan Stil ha kam eine Stunde später, n»d ich fragte ihn, waS er wünsche. Er sagte, der Bürgermeister habe.ihm die Amtsleilung übertragenich erwiderte ihm hierauf: ..Enlichntdigen Sie, Herr Eollege, Ihnen hat der Bürgermeister und mir bat das ■ Gesetz die Bertreiung anverirant " Sutha übergab mir die Tchtunet, und ich übernahm'die im Gesetze vorgeschriebene Bertreiung de-Bürgermeisters bi» zu seiner Rückkehr. (C-rzhischos Lütttassü Ittlv die Fltvctt.j Aus Erl an w:r-de»i „Pester f'toyd" geschrieben: Rieht wenig Aufsehen erreg:, liier die'er j Tage ein im „Egri Egyhiizmegnei ,Köztöni>" erschienener Ar::tel, der i iü heftigster Tonart gegen die israelitische Religion loszog und mit 1 dem gute» Raiht'chlage schloß, die Inden mögen samini »nd istudis j zum katholische» Glauben übertreten. Ein anderes Erlaue: Blau bi faßte sich mit diesem Artikel und empfahl denselben der Antmert amleit Sr. Ereellenz des Herrn Erzbischofs S'am^rffa E:n Van'mril.n, Ludwig Fischer, der für die erzbischöfliche Touiane st a l ". t, Geschäfte besorgt, überreichte ein E'remvlar dieses letztere!, '.l'.tikci'- Herrn Johann Samana, dem Tireetor der erzbifchö'trchen Tenanen mit/ der Bille, das Blatt- Sr. Ereellenz. zn übermitteln 7 :re-te. Sainasia erwiderte: „O, Se. E und auch schon die Antwort darauf gegeben " die Antwort?" — „ Sehr dentlicl Abonner Arzt T r. Bc :i r k n S, ei erzbischöflichen Doinäneu ernannt ,?r. Heinrich v. Frichher im. 82. febeiiSjahre vcistorbeneu v Friedberg widmet die ..Allgemein' Rachruf: Der Berstorbene war bekanntlich der gitterten, aber in feinem streife ä Märlisch Friedland, der später and kurze Feit Gutsbesitzer war. Räcl stischen Studien absolvirl, nahm jüdischen Familie in Tanzig an. veranlaßte ein Jahr darauf , I>"»7 > den 'viertlnd^vanzigjährigeti :>c ferendar zum Ehiistenthnm überzutreten. Es ist lstlannt,. welch gt-tn . zende Earriöre Fricdberg später zurückgelegt und was er fit! i:e Juftizpflege geleistet hat. Aber attch fetnen ehemaligen Gtaul-ensgeiwss .' gegenüber bewahrte er jene vollkommene Reutralität. die man i!:m in politischen Dingen »achgesagl hat: in jedem Falle hatten die indisch!)richter unter dem vorhergegangenen nüd unter dem nachjotg.-nten Justizininister eher Aussicht auf Beförderung und Anstellnng. Tratet hatte Friedberg die bittersten Angriffe von Seite der Anlisemü"! noe. sich ergehen lassen müssen, und wer dett Jnstizminister Ftiedl-'.ig während der ersten Stöcker-Hetzreden im Abgeordneie.nhause zn b: obachten Gelegenheit hatte, dem wird der Ausdruck rkdrhaltei'.-r. tiefster seelischer Kränkung auf seinem Antlitz unansloschlich in d.t Ettnu. rung geblieben sein. Die Thatsache, daß Dr Heinrich v. Friedberg zehn Jahre lang mit großem Geschick und einer Unparteilichkeit im Interesse deS Staate», die ohnegleichen, preußischer Jnstizminister gewesenist, ist jedenfalls von hoher Bedent'nng für die auch in neuester Zeit wieder so chiel angegrisscnen jüdischest Richter. (Tic Ncchkoljlcichlicil in Prettßttt.k In der Berliner Stadt vcro.rdnetenversaniinlnng brachte Rudolf B > r ch o w einen von t'ämmt lichen liberalen Mitgliedern unkerzeichnelen.Antrag ein, den Bkagistrat um Auskunft zu ersuchen, ob eö richtig sei, daß daS Provinzialschul dollegium angeordnet habe, daß jüdische Lehrer sind Lehrerinnen nur nach Maßgabe deS Bedürfnisse» beim jüdischen Religionsunterrichte angestellt werden und ihre Lchrthätigkeit hauptsächlich aus den jüdischen Religionsunterricht beschränkt werden soll, sowie daß die Berwendung solcher Lehrkräfte zur aushilfsweisen Bertretung ebenfalls auf die Er theilung des jüdischen streligionsunterrichteS zu beschränken sei. Für den Fall, alS sich die Sache toirklich so verhält, wird der Magistrat von den Antragstellern angegangen, darüber Ausschluß zu ertheilen,^ 4 e»z hat den Ariitc'l l ä I i.», - '! ni' teö'n gegeben." „Ujid U'-.: . laut,-r T e. E."Il.' »z- Hai-. den ' Fnzs t 'Israeliten, znm Atz:. . T1:l' d'.c T ein vor Kurzem in i Bettin iaa'lsmiuister a. T. Tr.' Hetniich [eitttiia des Ju-etiihums istigendett nnilich der Sohn eines mäßig,be leiehenen jndt stanfni crttneo tu ländlichen B' .sitz erwarb. v\Ikx r.uf ent Heinrich Ft^edberq ist 'UK -iül! er eine Hauslebrerstelle Ie; arcv Ter Eintritt in den Slaatsdi'fst