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Freies Blatt · 1895-06-23 · 168 (23.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
168 (23.6.1895)
Date
1895-06-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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ffite'fi. Freie ii'ilrfjc Maßregel» er getroffen habe ober treffen wolle, um der i» ioidtru Anordnungen enthaltenen Lerküinmerung des cominunalcn - Vocationßrechtes und der verfasiungsniid gesetzmäßig gewährleisteten iisteickihereckitiguiig der Konfessionen entgcgewzntrctcu. Iviu „arisches" Bankhaus.! Ter Banquicr Philipp Granne aus Lindau a. H. 'Kreiß Tudcrstadt) ist spurlos verschwunden und luir etwa .fOO.OOO- 'l'carf Schulden hinterlaffen: der ConcurS über daß Vermögen ,si eröffnet. Grättne, der als großer Antisemit stctß gewaltig auf daß unredliche Gebahren der jüdischen Geschäftsleute gsfchimvft Kat, betrieb sein Bankgeschäft in Lindau a. H. unter Beibtlfe seines Sohnes August und hatte viel Zulauf. Man wundert sich;,tet über die Plumpheit, Treistigkcit und »Frechheit, mit der das Ge 'ehä'i betrieben worden ist und so viel Vertrauen hat gewinnen können. Lindau allein Kat wohl an 150.000 Mark cingcbüßt, und meistens find es Arbeiter, Witwen und Invaliden, welche ihr sauer Verdientes und Erspartes dem l^raune auvertraut und nun vielleicht das 9each- 'eben baden. BIicdrr ein Cufer des römischkii sticchtrs.» Wie ans Tarin, siadi unterm 2o. Juni berichtet wird, wurde donsclbst der anii- 'emm'che Agitator Adolf a.heiß, vormals Verleger einer seither cina gangcncu antisemitifchen Leitung, von der Strafkammer wegen Ehe bintk'es z u drei Monaten Gesänqniß verurlkeilt. IiiVciiftiilSlichc Aclc Turnowo's.) Man schreibt uns aus l'. r r r •> l> it i g : Es ntebren sich die Reichen, wonach die Hoffnung d 'r rnfsi'chen Juden auf ine Beffernng ihrer d'age illnsorifch erscheint. -'Ichl nur die alten Anßiiahmsgefetze werden nicht aitt'gehoben, sondern .•-.greift immer neue Maßnahmen, welche dahin abziclcii, die Lage kr Inden »ocks tu erichweren. l^roßeS auf diefem lRbiete Leistet der Bi:, ist i d.---> Innern Purnowo. Bekanntlich ist unter Alerandcr III.; der 'ndi'clien Vliarinaeeulen in den Avolheken der Rcsideuzsiädtc mit ."> 1im Veibältni'fe ut jener ihrer chriftliclien Bernfsgenoffep fest irnboH '.'unimehr hat Tnvnowo in dem kürzlich ausgcarbeitete» n neu Areg!-teil Ilsiaw du'e Beichränkung'auf die jüdischen Pharma;.u ,lauten Re-eile ausgedehnt. T akurch werden taufende von d n d ouos aemach: Band in Hand mit dieser Verfügung geht »! Voi'chlag Tnrnowd's, in. die uredrcinifche Hochschule für »Frauen, : he d'mnääffk fr?»»i’.;; werden soll, keine Iiidinnen aunuiiehinen. I uiur-.ro wu-.d. es verdierren, daß ihn die Wiener Aiitt'emitenvereiue Ul E. 1 .--.imffa'.-.-dr ernennen. Alls DCOI .?Oligcliicic. Man schreibt uns äu-^ Moskau:? .:- im >1- :---a a a .i u r - i allgewaltige tVeueratinajor T m i t r o w : -'am::;:.-.!': i;-:n niitersiedenden Behörden tunlich ein Eirculär -.a.nd.n Inhaltes gwichi-er: „Pie Anfiedlung und der Aufenlhalt Juden i>» Pou.':hie:e find 'bekanntlich ttiiterhigt. Ihn jedoch die u'uua ron Juden in dem mir untcrslckcndeu lffehiete völlig zu . ferd.-.re ich-bieinii die Behörden auf, ftrnige darüber -,’n ,:eidaß. Inden unter keinem wie immer gearteten Vorwände und r.-. 'i: einmal /ruf die Teiner von- -4 Stunden sich dafclbst auf; 'ilt-.u Jene Ind!1. welche INI - «>i biele angetroffen werden sollten .;.f:r n. '.uch irenii sie einen gesetzlichen Reifevaß besäßen, unverzüglich i . S-lub in das t'hederlaffiiugsgebiet transportin und dort einer '.-en.! o Straf' nnrerrogen werden." Eine solche Schärfe, wie sie \-i:c:.i.m.i;-.';- Trnirrow in feinem Prikas bekundet, gehörte sogar nnler A.-.and.r II! rn den Seltenheiten. Vielleicht hat jener russische' Int.-.": r’u-rht,. der neulich sagte, die Iudeurerfolgniig sei nur ans ' .'.'sitßiggang der Tfchinowniks rurückziiführen: wenn sie ernste .'iii-eit :.it Staate zu verrichten hätten, würden sie die Juden in Ruhe .vnr die bedrängten Juden ist die Entftehiingßursache der Ver- - tting.» al.erdiugs gleid,gütig. 2lu5 anttfcmitiichcn Dcroincn und Der fammlungcn. Wie nennt inan so etwas'? > Am 4. und r>. rl'iai fand im Stadlparke . i eitimg - Pri»r>'«nn Alerandrine zu Windiichgräv ein großes tut; Einige Loge vorher wurden vom Eoinil.'- ofsictelle Anküiidigniigen : uten Tageshlätter verkandt und in die'eu auch veiönentlicht, welche b .inerteagniß ' tt W o h l tb ä t ig k e i t s' est es der vom Erdbeben .i > im ge lullten Be völk erung Laibacbs;u s i ät e r t e n. Aus den Pro -.nun~n M.if f:t allerdings noch IN irgend einem versteekien Winkel der .4 uav, e a t. .lceiiterirägiiß werde auch noch einigen „betheiligien" Vereinen;n- ..eu endet n eiden.;tber ■Jiifmeiiit dachte daran, daß an dem Reiuerträgniß eines Woblihäligkeiisfestes der elerieal antisemitische „Katholische Schulvereiu" „beib.'iligi" sein werde,, nicht die zaltreicde» jüdischen Diitbürger, welche um ihr guies i^itle non fleincHtäriflcfratiimen Rosen und iLhainpagner „sür Laibach" lau'tei-., nicht Baron R e t b >'ch i! d, der seine Topfgewächse zur Ausschmückung j Blatt. Nr. 16* de» äußeren Schauplatzes hergab, nicht die liberale Presse, welche der Peraustallung zu Gunsten der armen Bevölkerung Laibach« in ihren Spaltkn Reclame machte. - Run erfährt da« Publicum aus einmal au« dein von der Prinzessin Wiadischgral« versandten osficiellen Bericht über das Reine,Irägniß und dcsien Berlheilung. daß von dein rein verbliebene» Betrage von I5.00Ü fl. nur die Hälfle, nämlich di7l>i> fl., an die Ziadt Laibach zur Bertheilung gelangte, während her „katholische Lchnlverein" UtKlO fl, der „Verein adeliger ffrauen siir das Gute und Rützliche" tV> IikX) fl., der 2>iariä Elisabethen verein KKNl fl. und der tu ut« r-u llin i ral> i l l s - Pere in 1(XK) fl. erhielten Wir zweifeln, ob dieselbe» Menschen, welche bereitwillig ihr Geld siir di. Laib. cher in den Siadtpark trugen, die« auch geihan hätten, wenn sie gewnßr hätteit, daß ein großer Theil hievon elerieal aristokratischen Vereinen ,u. speeiell dem „.üaiholttchen Schulverein" zufließe,t werde. La« scheinen aber auch die sroiiime» Aristokraiiitnen gewußt zu haben, und darum wendeten sic diesen kleinen e^esuitenknisi an, welcher nachträglich durch den Zweck geheiligt ivird! Ja, da« scheint so ariftofratifetoc Moral zu sein. Vor kurzer Zeit wurde sir.iu! Alice B a r-b i, die eine ebenso wohlihätige Lame als große sinnstlerin ist, von einem Lameneoniit« eriucht. zu Gunsten der Verunglückleit in Laibach y. singen. Iran Alice B a r b i entsprach dem Wunsche, und aus den Ankündigungen de« Eoncertes, da« im Bösendorfer-Saale staitsand, ivar die ausdrückliche Be. inerkung zu leien, daß ei» Lheil des Reinertrages für die Erbannng eine Eapelle am Semmeriitg, der andere Theil den Vernnglückten in Laibach y,! gedacht fei. Ter eingegaugene Betrag war ein sehr ansehnlicher Er reicht, i nabe an Ü k 0 fl. Frau Barbi war aber nicht ivenig erstaunt und, wir sia! denken läßt nicht hesonderS angettehm überrascht, als mehrere Tag, nach dem Eo,teert eine der Tanten de« Eontitös ihr sreudesirahlend die Mittheilui,-. machte, daß es ihr gelt,„gen sei, den für Lai hach best i in in t oh T heil; de« Ertr ä g n i > >' e s den Franziskanern >> n d >! a p u; i u e r » z u z» ' wenden. Wenn mau auch am»htiicn wollle, daß es sich hier um in Laibach 'rtifiafti und von fein Unglück mitbctrcffcnc Irattztskansr und siapuziner hand.It. j >o ist der schwete -hveitel, ob eine solche Verwendung dem Sinne des größeren i Ihfile« des heistenernden Publicum« enlivrocheu, immer noch.mehr als gerecht vrtigt. Auch ob Iran Alice Bar b i siir die ffranztskaner u» .lavitziner g' i iuitgen batte, ist 'ehr zwetseihas'. Allein i» gewisie» .'irei'.'tt tcheji.t eben heule einganz eigene •.l'ieral eiugerineu z» sein, der elerieale Zweck heiligt jede«! Miuel, und die Tuvinen sind leider nicht stark genüge ein solches Vorgeden , mit dem gehörigen Rainen zu belegen, während mit der „jüdi'chen Moral" \ heute Jeder raich bet der Hand ist. iTie Exeesse vor dein Rgtlihanse.s Im Ehnstlich iocialeu Vezeine I in Favoriten sprach ein gewisser .Häne-ler übe, die Vottoimunisse nach de, \ Biitgerineisterwabl. Gr une der Bezirksausschuß S ch iv a t; nud der damalige siskineinderath T o in a n e l hatten ten^Abgeordneteu R o «le, denen A»siteiett „pravocatoriich" gewesen wäre, vor einer alltällige» Limchjustiz gi-stli -tzt. Tie t Menge Hab« ihn, den Lchüper. für einen Liberalen ange>ehe.i und ihm, gleich, i "wie dem „jüdische,, Revorler", der Roske begleiieie,- einige Schläge vetsevt. die! er aber stil>ickm>eigei,d einsteckte. „weil nicht da« Volk, sondern der Provocateur Rosle da'ür veran'.ivortlich zu inacheu ist". So oft das antisemitische Gesindel - einen Act der ilivhheit begebt, em-chuldigt e« sich damit, daß cs „provoeirt" ivordeu loare. Las haben die Wiener Aniiieiiiiteu von ihren jungtschechischeit i Ireundeu gelernt, welche bekanntlich seit Jahr und Tag als Grund iür Feindieligteiten, die' sie gegen Leutiche. verüben, „Provocaiictieu" angeben. L-er „jüdische ilckponer", vo» dein dieicr Hä,tsler sprach, ist übrigens ein unversälichtcr Atiee adeliger Herkunft. Voraussichtlich gelingt es den Behörden, die Rädels - 'übrer. hei den Etcefien, die »ach der Bürgermeisterwahl statisandeu, zu er luiiieln. und wir iverden im Gerichtssaale genau et fahren, welche Rolle der > sonderbare Schützer gespielt hat: zum Mindestei, erscheint feine Vorladung als Zeuge „»vermeidlich. Er wird vielleicht noch die Erzählung, die er in Favoriten zuin Besten gegeben hat, bedauern müsien. tSülöllcrer schmolllI Tie „Unverfälschten Leutscheu Worte", dic am If» Brachtnoiial erschienen sind, bringen ans der Titelseite folgende heitere : Erklärung: l „lit ,v,i.K ficiy — da« l«N< iiiüt — 11 iit> Treu' und vluid verderben: - Tie Tchurte» sind die Herr'» der 2Peu! — An', »st'tbe», iasst un« »erben— , ' , T a h u'« ..ßaluv' uiu liloui'-.-. \ Tie Mitglieder des „L e u I scheu V olksv e re ine« iu Wien" -stehen [ nicht mehr in ge'dg offen er Einheit zu uiirj desien ausschließlid',c „ iihrerschat't sie beim Eintritt i:t diesen Verein anerkannt 'haben. In sehr wesentlichen Tiugeu geben die Meinungen weit aiiSeinander. Ick) sehe mich daher natnr gemäß veranlaßt, nicht nur meine Stelle als Tbmann des „Teutsäien Volks Vereines" niederzulegen und gleichzeitig anS diesem Vereine auszutrete». sonderti auch auf die Führung jener Partei zu verzichv«, welche bereit« in ihrer Mehrheit daran gegangen ist, sich,ztigrunde zu richten-und dadurch die gerechte Sache unserer Volke« einpsindlich zu schädigen. Al« dentsch-natioiialer Mann und somit als Gegner von Allem. war jüdisch ist, muß ich, nach wie vor, überhaupt stet« Alle« bekämpfen, was undeutsch und wa« verderbt ist. Ich kann mich alw auchnicht freundlich zn jetten Parteigruppen stellen, die I

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