Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 167 (16.6.1895)
- Date
- 1895-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 167. Frei», Blatt. i nimmt, flfflcn dir tSalmnrr .HoIoiiicih TiSza und Brno» B a » f i » los znzikhk!'. Antererjeit« marbte sich >» piotrfia»iii<hr» .Hnijfii Inituliliu.i;- i.» fiirjiid) aus Aulaß der Berufung einiger Katholiken zu hohe» Aenuer» tebliaste Mißstiuuuuiig über diese jialholikcuinvasio» gellend. Doch lehre» wir von der roufeisiouelleu Hetze zur Naceufrage zitrück. Das valicauilche Lrga» müßte eottieqttemerweiie auch die Abstauiuiuiig deS Fiirsterzbiichos» zw» Cliniit?, Tr. Theodor Kofin, als eine» uiwcibcsserliche» Fehler ausedeu, ja sogar mit keu Btslrebuugeu jener Berliner Urteuticheu fyiupathisire», welche die velire Ijrifti nicht einmal als Mittelpunkt des Religionent.tertickncs dulde» wollen. iZlllli Fallt HaiNNlttstcill.j Deüerreichische Anliietnitenblätter liebeln darüber, daß Herr v. Ha»nue> stein schließlich doch die Franltnrter „»leine Presse" geklagt Sabe. Ter Jubel ist umsoweniger begründet, als Haminerstein, wie das genannte Blatt constaiirt, keineswegs wegen aller gegen ihn ethobene» .'lnschnldignngkii geklagt, sondern nur diejenige» Punkte heranSgegrisfen habe, weiche seinen Lebenswandel und die Vermögenslage der „»cenzzeitnug" betresjen. Tie ihn am schwersten belastenden Mitthcilnngen über die Bernntrcnnng des BensioiiSfonds und den belrügerüchen Vertrag mit einem Papierlabritantc» :abe er gar nicht;ntn tllegenstand der Silage gemacht. lTtc tviitcii gcgkit die Andere», l Die im Littae der Firma Ahl rardt and Bocket ihr t>leschäsi betreibende „Westfälische Reform" schreibt in ,ittfr ihrer letzten Rninttterttt „Trotz der eindringlichste» Ermahnungen, Ans-- sordernngen und Bitten, zn nnzähligentnalen in den nerschiedcnsten Partei blättern veröffentlicht, will es dem denit'ch soeial-resorinerit'chcn . Reichstags- Abgeordneten Werner »Mit gelinge», die erforderlichen Mittel zur Bezahlung -neS TchttldbetrageS von 6tttt Mark ans den »reifen der Anhänger heraus e ti p r e, s e n Dbwohl die Tilgung der Schnldi'ntntne, welche von der Wahl' > etlicilignttg in Eisenach Dar'tnbach herrührt, ausdrücklich alS eine .Ehrenpflicht -r detttich socialen Reformparlct bezeichnet wird, sind teil etwa 7 bis X Wochen eie i'iiK) Mark nicht tun einen Heller geringer geworden. Darnach zu nriheilen, >t in de» detttsch-i'ocial-refornierischen »--eisen weder die Tpscrfrcndigkeit, noch nbcrlianpt das Jnteresie an der Parteisache sonderlich groß." tlyin Miijj. I Die Fron eines Bochnmer Rechtsanwalirs, welche bei einer Hnldignngsdepntätion in FriedrichSrnh als Sprecherin anftrat und boin Fürste» Bismarck znr Bllohnnrg ihrer rednerischen tzeisittttg einen »nß erhielt, ist, nie die Berliner „Tägliche Rnndschan" in Ansbrücken lbbafter E»tttttntig tztitthcilte, eine gelauste Jüdin. Diese schreckliche Entliüllnng hat in Bochum viel „nationalen" Ltanb anfgewirbelt und sogar zum Rücktritte des atnttiteti Vorstandes eines Wahlvereines gefüh-t Lcuillcton. In Acl)t und nn n. itomail aus Asiens Uorjeit , vo» Carl Griol. Elftes Eapitel. In einem Gemache der KönigSburg zu Gnesen befaird sich dcr rnt'sischc Großfürst in eifrigem Gespräche mit feinem -Lohne brgriffc», der den Worten dcS Bakers mit ernftem GesichtSauSdruckc gefolgt war: ab und zu konnte man auch einen Zug boshafter Schadenfreude auf dem Antlitze dcS jungen Russen tvahrnchmc», nnd anS feinen Augen stammle ein Blick giftigen Hasses; jetzt insbesondere, alS fein Baker von dem Polenkönige zu reden begann, da lcuchlcte eS zornig auf in den Zügen des jungen Mannes, und feine Faust ballte sich lrampshaft zusammen. „Ja, ja," rief er nngcdntdig anS, indem er den Redefluß äcS Alten heftig und rücksichtslos unterbrach, „ja, sing' ihm nur ein Loblied deinem Polen, und du wirst cs früh genug erfahre», daß er dich nur genarrt hat die ganze lange Zeit her, und daß nnscreS Wartens hier kein Zweck ist ..." „Das sagst du, der du dem Könige gram bist — ich weiß nicht, anS welchem Grunde — fei'S, daß du ihm feine Macht neidest, oder sticht dir das schöne, blonde Weib in die Augen, dcS Königs Geliebte'?" lieber des jungen Russen Gesicht wer bei Rcnnnng der schönen deutschen ein glühendes Roth gezuckt, und er hielt den Blick gesenkt, nin dem prüfenden Auge dcS BatcrS nicht Stand halten zu müssen. „Dacht' ichjeS doch," sagte der Großfürst, indem er vor dem Sohne stehen blieb, „und mein Auge hat mich nicht getäuscht, als ich die verderbliche Flamme in deinen Augen leuchten sah, wenn kn jene» Weibes ansichtig wurdest, und ich habe alle Tage zu mcinem Schutzpatron gebetet, auf daß der König dein kindisches Gebühren nicht bemerke, denn dann gnade nnö- Gott!" Seite!'. „CM h'be mir |.t in fein.yt Beiiei» tut? Vn größten Zwang »»[ah'yt, habe gchcttchc.lt y.-f. t:::::t:l tyr f all iil>.r»ttNht.',-.n Bolcslaw — und hat dies n»S auch nur einen Schrill weiter-ge- - brächt'?" ' ■ „Gewiß hat es daS!" fiel hier der Großfürst ein, „und ich glaube, wir sind dem Ziele nicht mehr ferne ..." „Halt ein, Vater!" rief anfS Höchste erregt Mstislaw, „und täusche mich nicht mit trügerischen Hossnnngen\'r - „ES sind feilte Nügerischen Hossnnngcn, mein Sohn, denn ich glaube, wir sind am Ziele. Der König hat mich für diese Stunde zu sich rufen lasten, und ichxilc zu ihm. Komm' mit, Mstislaw, denn des Königs ausdrücklicher Wunsch galt auch deiner Anwesenheit!" König BoleSlaw kam den beiden Fürsten mit getvittnendem fächeln entgegen, und im Herzen Beider regle sich frohes Erwarten. „Ich Hab' Euch zu mir gebeten, edler Fürst," so begann er, sich an den Großfürsten wendend, „um Euch meinen Entschluß kund zu lhnn in Eurer Angelegenheit." Die Augen des Großfürsten hingen mit gespannter Erwanung an den Zügen deS Königs; was würde ihm der nächste Augenblick bringen'? Die ersehnte Hilfe oder die Bernichtung all seiner Hossnnngcn'? Mstislaw aber verharrte in Schweige», den Blick mit starrem Ausdruck vor sich hin wcttdend. 1 „lind so habe ich dein/ für das Beste bcfnitdctt," fuhr Boleslaw fort, „wenn Ihr, Fürst Isacölaw, Eure Anwesenheit den. Kiewetn, die nun einmal von Euch nichts wissen wollen, nicht anfdrängt lieber dcS Großfürsten Gesicht zuckle cS, er erblaßte und mußte-sich an die l.'ehne seines Stuhles stützen „Kehrt jetzt nicht zurück zu Jenen, denn ich weiß, eS thut nicht gut, und Ihr würdet Euch mit. dcr Stadt schwer versöhnen." - ' Mit einer hastigen Gcberde wollte, hier Mstislaw dem Redenden ins Wort fallen, dieser aber wehrte ihm mit der Hand und »nbr fort: „Darnni also rath' ich Euch, sendet vorläufig dezt Kiewern Euren Sohn, und wenn sie demselbän -die Thore der Stadt gutwillig -orrnen, so will ich ihnen Verzeihung und Gnade gewähren Euer Sohn soll nackt Kiew einziehen in meinem Schutze und in. dem Geleite meines siegreichen Heeress" . BoleSlaw ließseinen Bl ck von Il'aeSlaw zu dessen Sohne hi»' gleite», tim die Wirkung seiner.Rede aut die Beiden zu erfahren. Isaeölaw hatte schon während der letzten Worte deS Königs bei - stimmend mit dem Kopfe genickt, und jetzt wollte er seinen Tank für BoleSlawS Anerbieten anSsprecheu, aber Mstislaw, der bis jetzt in finsterem Brüten verharrt, war ihm znvotlgekommen, und ans den König zutretend, wollte er ihm seinen Dank auSsprechen, als ein Diener mit der Meldung cintrat, dgß soeben der Ritter Bogdan von Cütuiclice durch daS Burglhor eingeritten sei, und da der gnädige j König den Befehl krheilt habe, ihm die Anknnsl deS 'Ritters sogleich zu melden, so habe er cS gewagt, die Unterredung der Fürsten zn unterbrechen. König BoleSlaw hatte mit einer raschen Handbewegung die beiden Artisten verabschiedet und befahl, den dritter sofort eiiitreten zu-lasten. Erregt war der König auf die Thürc zngegangcn. durch die Bogdan cintrctcn sollte. WaS würde ihm Jener bringen'? Waren cS gute "Jead) richten, die ihm vom Hofe seiner Schwester werden sollten, odcr-erl wartete ihn schlimme-Kunde? Die Minnien, die bis zu-Bogdans. Eintreten in haS (^emach verginge», dünktcn dem König eine-Ewig keil, so sehr sehnte sich sein Herz nach der erwarteten Kunde, rockt da zuckte plötzlich ein Gedanke auf in seinem Kopse, und ein jähes Errothen flog über sein jugendliches Angesicht. Wie, war der BeanK, der da cintrctcn sollte, nicht der Gatte FroSwithaS, und im nächsten Augenblicke schon sollte er ihm gegenübertrete», ihm, den er bestohlen, dem er sein lüebstcs geraubt — die Galtenchre'? Wie würde er ihm entgcgentreten, dessen Hans er beschimpft — o, nicht doch! War er ja ein König! Und alS solcher durste er sich wohl etwas gestalten, waö crncnr Minderen nimmer erlaubt wurde! Und der Ritter mußte sich ja wohl auch geschmeichelt fühlen, daß der König seinem Weibe diese Ehre erweise. Bah! und mit einer verächtlichen Handbewegung scheuchte er jene nnbegnemcn Gedankcii hinweg. Aber da halle,cr FroSwithaS gedacht, und blitzschnell durchfuhr ihn der Gedanke, sie von der Heimkehr ihres Gatten zu verständigen, und er crthcilte de» Befehl, schleunigst in FroSwithaS Heim zu eilen und ihr die Ankuntt dcS Galten zu melden. Dann liest er Bogdan eiiitreten. Staubbedeckt und mit eiliger Hast war der Ritter eingctreten. „Verzeiht, Herr König,"' sagte er, sich verneigend, „daß ich mir nicht Zeit gettommen, mich vom Staube zu reinigen..." „Dazu habt Ihr später Zeit," unterbrach ihn der König, „Gott zum Gruße, und entledigt Euch Eurer Botschaft! WaSbringt rihr mir für Kunde?"