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Freies Blatt · 1895-06-16 · 167 (16.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
167 (16.6.1895)
Date
1895-06-16
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Freie» Blatt. 4 Nr. Ib7. Seite 8. katholischer VrreinStage empfohlen, die zugleich als Vorbereitung für eine» ,'paler einzuberuseudeu Allgemeinen österreichischen Katholikentag dienen können." linier den „io wenig geklärte» politischen Verhältniffen" ist wohl der Umstand zu vernelien. daß die Eoalition »och sorlbesteht und daß die reactionären Kämpe» weil« -al« „Regierung«stützen", theilS als „stramme Opposition" für die geineiniame Sache eintreten. (Tcr Spieß Tennte sich wenden.) Im Politischen BezirkSvereijn zu WaKring. der neulich eine Versammlung abhiell, zeigte sich klar und deutlich die inferiore Stellung, welche die sogenannte» „Deutsch-Nationalen" in der Wiener aulisemillichen Bewegung einnebmen. ES war ihnen zwar gestaltet. gegen eine Wiederwahl deS Herrn Zedliöka ii: den Gemeinderath zu sprechen. AlS aber „Schriftleiter" Arnoscht eine Kundgebung gegen die Verclericalisirung der Antisemilerei beantragte, proieftirie ein Tr. Hofer gegen die'e „Provocation der anderen antisemitischen Wähler", und ein Edler r>. Hofer umcistuvte dann den gleichnamigen nichtateligeu. Vorredner, indem er ivarnend ausrief: Man dürfe nicht Alles auf die Spitze treiben, sonst könnte stäi der Spieß wenden. Tiefe Warnung fand Beachtung. Der Jugentbildner T o in o l a bcauiragle daher, die von Arnoicht angeregte Kundgebung als ..nicht dtiugcud" anzuiehen und dem BereinSauSfchusie zur Berichterstattung zuzuweisen. Aiiä, Herr Bau manu als Vorsitzender schloß sich dieser An- -chauuug au lind erklärte, daß er den Antrag Arnoicht'S nicht zur Abstimmung znlast'e Tie ..Teukich Nationalen" müffe» es sich also gefallen lassen. von dem Anhänge der Lueger, Verqaui und Schneider an der Leine geführt zu werden. Ausnahmsweise mäßig.: Tr. Carl Lueger ist jetzt überaus sttißig Er tritt bald bei einem Siegesfeste au>, um Vergangenes zu feiern, bäld in'einer Agttaiion-'versauimlung, um kr» künftigen Wablen vorzuarbeilen. Ter Ab wechSlung halber läßt, er sich nicht mehr Krällze überreichen, sondern die Pferde .ind-spanneu und von lrainirtkn Genoffen ziehen. Für die Zurückhaltung, die er wabtend der kurzen Zeit seiner Vicebürgermeister-Lausbabn sich aufcrleglc, um stäi daS Availdemcni zum Bürgermeister zu erleichtern, entschädigt er sich nun aUeroileu durch eine sehr heftige Sprache. Auch im Abgeordnetenbause, wo Tage das Won ergriü, obwohl er seinem Geständnisse zufolge „Mut Agilaiioneu außerhalb de-:- Hau'cs die Stimme etwas eingehüßt r.n.nte er stch raS Vergnügen, den Finauzminister und den Präsidenten? e Abgedrdneieubau'eS gröblich zu beleidigen. Ausuabmswei'^ mäßig war . liege', nur in enicr Anliiemitenver'älnmlung zu M ü n ch e n d o r s. Tort gab rt-i Mann, der rar nicht langer Zeit das Programm des Köpfen« oder Hängens -an'a-still: hatte, die E.tlarung ab: „Wir wollen,di« Zuden nicht todtichlagen!" Zst tie»e Erklärung vielleicht ein Art der Voisiclu, welcher dem jetzigen Anlienulei.fiibrer in Znkunsi ermögliche» 'oll, die Beziehungen zu seinem jüdischen Me.ner Tr. ll'k a i: d c »'jeder, aufziinebmeii? Wer iveiß, waS iir der Zeiten Huiiiigiuude '.iniüniiiert! . iGailspirie in Älicröftcrrcidi.- Mach einer Linzer Meldung sollen kl« W:ene. Anti einueu itu Zull verschiedene Versammlungen im Salzkammergut au k :::1 in Zcl'.l nnd (-"munde» planen. Auch eine abermalige Versammlung :: ist l cabsichgigt. von der die Änti?el»ileu einen besseren Erfolg "eu ...: int rcvt.-iit Za brr. Ter Entrepreneur dieser Gast'pieltour ist .'. : S ch n eider: als Hauptredner werden G r e g o r i g, Lueger in a n u aenännt. ' Zill Geiste Tildriilgs.' Vor Kurzem 'and .in Berlin eine Versammlung - r -n.:.-. der ,r:.l ..in,: Ar l war dt» nnd Böcke l's stehenden „ailti'emiti'chen ''an. U.ber die Tiscu'sien. Cie glößleiilkeiis iin Geiste Tühriiig's -ua in' ...:r, laß: stch in eineiü österreichischen Blatte nicht-viel sagen, ohne; ae'--tzi:chen B.stinüniingeil zu verstoßen. ES sei nur bemerkt, daß eilt IN den It'iiilelvunki des ReligiousünrerrichleS die Person und die Lehre :u stellen, in,: >ö> gegen -'j'i Siiniinen abgelebur wurde. amisenütischen Blättern. Auch fünf t'itiicratioiitn grusige» nicht, Tie „Ostdeutsche Rund : n eiche stch der dailkenSwerlben Ausgabe unterzieht, die „Verjudliilg" Aliti'etnitis'mus ru eririistn, hak neulich deraurgesnildeli, daß der 'Tbinann : „>ia:hd.i'chen Schulvereines", T.. Caspar Schwarz, ein „gelauster e:. Ter brave Br.ann fühlte sich dadurch, wie leicht denkbar, auf» T .'st-i in :ner E re gekränkt und überiaudie der „Ostdeutschen Rundschau" ,e B, .:ch::'ui-,', adiustirt ini: einem Stammbaum, c-is dem hervor^ehl. daß ::.i: ike/ii istia b:s;.»n Zahle 17'stj zurück die Vorfahren des christlich iociale» 7 . > .1.; ärz ’d o:: gelaust waren. T ieie Ehrenrettung genügt aber den rigorosen -der „Tstdenkschen Rund'chau" nicht. Ter .-i-Iwunl Ver- . i . r »'.-ulider Paul v. Bacher, den eine böswillige Fama vi: : . ' est .Zudenstainiuling" bezeichnet, findet den Slammbaui», »stch-r -in' .i'i sstn' Generationen zitrückgreist, iür kein hiureicheiideS Tee::n:.li! der :'i.1-nreinre'.l des armen Tr Schwarz und fordert diesen auf, . z. r ge' .Iliiien Au'uabme in den redacttonellen Theil" des genannten Blattes! auch seine «- P: otographie einzu'endcn. Paul v. Pacher spielt in undelicater Wei'e an' c:c „von der Wucht des TemirenthumS tiefgebeugte Vase" de» christuch '»diäten Heerbaupimaimes Schwarz an und hält an der orthodoxen Ausfaffüng fest, daß auch fünf Generationen an der Racenreinheit gelauster Juden nichts ändern ruid aus deren Gesichtern da» Brandmal der Race nicht wegtilgen können. Herr Paul v. Pacher begibt sich da auf ein ge fährlicheS Gebiet. Eine Grenze glaubten selbst Böckel und Ahlwardt anerkennen ju müssen, indem sie sich aus ihrem letzte» Parteitage damit begnügten, den Fluch auf Jene zu erstrecken, die sich nicht aus drei Generationen zurück als raceiirein aukweisen könne». Paul v. Pacher genügen nicht einmal fünf Ge uerationen? WaS wird der Vater der Urenkel Schmuel Leeb Kohn'S dazu sagen? Derlei Dinge muß er sich »och obendrein in einem au« seinem Gelt, sacke lebenden Blatte sagen lasien? Armer Schönerer! („Militärische Sitte» in Deutschland.") Unter diesem Titel brachte d-e „Autori'te* kürzlich nachstehende, vom „Oesterreichisch en BolkSsreund in folgender Weise rcproducirte Notiz: „Man berichtet auS Sarrebourg - Ein Unterofsicier de« hier stationirenden Artillerieregimenls hat einen Act »» erhörter Rohheit begangen. Herr M e s s a n g, Landwirth in Riederviller, kau mit seinem Wagen von Sarrebourg zurück. 3n der Nähe des jüdischen Fried Hose« begegnete er einer Batterie Artillerie. Er blieb mit seinem Wagen an. Rande der Straße stehen, um dem Militär Platz zu machen. Der die Batleri, begleitende Unterofsicier fand jedoch, daß sich Herr Meffang nicht weit gen», zurückgezogen habe, und verlangte, daß er Platz mache. Der Bauer eutgegneie, die« sei ihm nicht möglich, woraus die Artillerie vorbeifuhr. Der Unterofficicr kehrte aber z» Mesiang zurück uiid gab ihmzwei wuchtige Säbelhiebe über den Kopf. Ter unglückliche Landmau» fiel beivllßtloS mit gespaltenem Schädel z>: Boden und verschied den Tag nachher. TaS sind deutsche Sitte». Man muß sich daraus gefaßt machen, daß Kaiser Wilhelm dem elenden Soldaten, der ist seine Mitbürger behandelt, eine öffentliche Ehrung zuthcil werden läßt." Dazu -bemerkle das Psenner'sche Blättchen: „Warnm diese Notiz übersetzt ist nnd hier steht? Um jenen Teutschen und Ocsterreichern. die sich nicht enthalten köiincn. bei vielen Gelegenheiten ihre Vorliebe für fremde Sitte» nnd Ge bräuite, für fremde Literatur sowie für die Product« fremder Zudustrie ai den Tag zu legen, zu zeigen, niil welcher stnpide» Voreingenommenheit di- Vorgänge in Deutschland beurtheilt weiden von einem Volke, das sich be kannlermaßen sehr viel aus seine» Verstand zugute thnt. Außer in Frankreiä. dürste e« doch Niemandem, der im Besitze seiner geistige» Kräfte ist, einsallen. nach Schilderung der in der Gegend von Sarrebourg vorgekominenen greulicher Rohheit es als deutsche Sine hiiizuslellen, de» Lenien, die Einem im Weg: sind, einfach den Schädel zu spalten. So elwa-s lassen sich die Leser einer großen Zeitung vorseneu, und diese Leser gehören einer Lialiou an, die ein Patent am: Gescheit>'tin zu haben meint." C, Pi- »ner, was hast du da mir bcr „Sarri dourger" sPseuner scheint nicht zu wisse», daß der Ort deul'ch Saarbine heißiä Geschichte augestelll? Ist cs doch Aiitisemitenart, Einzeliälle zu all gemeine» Anklagen zu sructificiren. Und was lasien siai Leser, die;uin „Volk, der Tichier und Tcuker" gehöre», nicht Alles von antisemitischen SudelblLllche: bieten > UeberdieS ist ja die . Autorii. - eines jener Pariser Blätter, die häust in Aiiliscmitismus machen. . iGcsäbrlichcs Liebäugeln mir Ser Raceiihetic.) Mit Behage» verzeichn-! das „Deutsche Volksblair" folgende Aeußerungen deS „Osservaioi Romano" : „Ter Antisemitisinns ist nichts Anderes als die logische und in.- ausweichliche Reaciion, welche von selbst durch die massenhafte, von allen Seiten andrängentc Zuvasion der jüdische» Race entsteht. Wir können deshalb mi: Fug und Recht >agen, daß wir inilien in einem Raeenkampfe stehen. Z:. Frankreich sind nur Inden, und doch ist ein Trinel l!» aller ösieulicheu Stellungen von den Zuden in Besilr geuomnie»,' und über die .->\il'!' des Nalioiialvermögens (!) ist in Judei'händen. TaS ist ein so schieicude-: Mißverbäliniß, daß es unmpglich in: Äugesichlc von li«, Millioue/i Christen im Franzo'en aufrecht-erhallen worden kann. Wir'sagen Franzosen, weil die Zude: in Frankreich Fremdlinge sind, wie sie es überhaupt aus der ganzen Ei' sind. Tie Zudciitebatlc in der »tainincr har mit der Annahme einer einfache: Tagesordnung geendet, aber damit ist die Zudensrage keineswegs gelöst. S liegt wie eine Last auf dem ganzen Volke, und wenn das Parlament nud t Regicrnng sie nicht durch irgend welche administrative Maßregeln adschültel:- löunen, so wird ihre Lösung zu einer Zeit und ans eine Weise ersolgen, >vi die Männer des Tages esam wenigsten vermulhe». Man sage nicht, die lli gicrung schaue bei Besetzung von Beamtenstellen oder bei Avancements di. Mililärs weder auf.statholiken noch Proieslanten, noch Zuden, sondern berück sichtige allein Franzosen! Das ist ja der springende Punkt: Tie Zuden si,' eben keine Franzosen Hat inan jemals daran gedacht, wegen einer Protestanler invasio» zu interpcllirt»? Und dach gibt cS in Frankreich doppelt so viel Prolestante» als Juden. Woher kommt das? Weil in Bezug auf Protestaiilc» nur eine religiöse Frage entstehen könnte, aber in Betreff der Juden gibt e: nur eiue Racensrage." TaS vaticanische Blatt treibt da ei» für seine Bror geber sehr gefährliches Spiel. Es ist übrigens grundfalsch, daß man in Frank reich nieinai« an eine Protestanlenhetze gedacht hätte. Herr George Thiübaud hält bereit« Vorträge über eine sogenannte „Prolesrauiensrage". Auch anderwärts Hetzen Judenhasser gegen Proteslanlen, und zur Zeit als das Wiener „Vater' land" ungenirt in Antiscmilismu» machte, griff es den Statthalter Grafei- -iielmansegg als Lulheranec an, wie es ja selbst heutzutage keine» Anstand

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