Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 167 (16.6.1895)
- Date
- 1895-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 167. Freies Blair eite 7. «ornblumenträger. Es, schwirrt so viel über eine angeblich bevorsiebende Auflösung des Parlamentes in der Vuft; wenn sic thatsächlich erfolgen sollte, so werden wir ja in Bälde sehen, ob man Fama hat oder nicht. Jedenfalls hat dieses Gerücht mehr Berechtigung, als daS von antisemitisches Seite anSgcstreute Geschwätz, die Vibcralcn iiänc», im Falle sie im Gemcindcralhc die Majorität erlangt hätten, ,i»cn Semiten zum Bürgermeister gemacht. Tie politische Abstinenz, welche die liberalen bei der Wähl des ersten Wählkörpers geübt haben, werden dieselben auch im gesellschaftlichen Pcbcn zum Ausdruck bringe», denn ein Zusammengehen mit de» Gegnern ist auch auf diesem Gebete bei dem steten Hcrvorkchrcn des PartcislandpunktcS unmöglich, sstführende Nolle habe» die Antisemiten, Mögen sie dieselbe also überall bcthäligen. Wir glauben nicht schlecht unterrichtet zu sein, wenn :uir melde», daß die liberalen Pogenbcsitzer des Theaters die Abonne- .nenls nicht mehr erneuern werden. Bei dem Umstande, daß die ..misten 2ogcn von liberalen gcmicthct werden, bedeutet dies eine ..einlich beträchtliche^Lchädigung deS TireclorS. Sb Tircetor Ionisch ■. .,,'iu von den Antisemiten entschädigt werden wird, indem sie alle .gen abonnire», missen wir nicht." Macht der Zefllitcil.) Ter Jisuitenordc» zählte Anfangs l^04 . ,.ht Iveniger als nS-SjJ Priester, 420s Elcriter und SM7S Vaicit - . „der, also zusammen 1.4.767 Mitglieder. In den letzten Jahren - ,;„g der jährliche Zuwachs an Mitgliedern durchschnittlich 217 Mit- ..:eder. Oesterreich allein erfreute sich des „Besitzstandes" von .'>44 '»itlNpricster», ,1(10 Eleziker» und 240 Laienbrüdern; (iliriftlidic ä(ächslc»lltlic. I», September IS04 war eine aichüee erschienen, die den Titel führte: „40 Monate bei gesundem iste als irrsinnig cingckcrkcrl'. Erlebnisse des tatholiich n (Geistlichen - Forbes ans Schottland im Atc)iaiier-«lost.-i .'.Ukariaberg' in Tchcn während der Zeit vom 1*. Februar 1*01 bis .4« (. Äkai .>l." In-dieser Broschüre wurde» geradezu haarsträubende Tinge .. . die Behandlung des genannten Priesters und anderer Geistlicher eeui «lostcr .Mariaberg', das eine Heilanstalt für Irrsinnige und --.ilepliter bildet, erzählt. Tiefe Broschüre bildete auch die (Grundlage r von der Staaisanwaliscliast Aachen gegen die .«lostcilcitnng ein-, ' lieien Unlerjiichnng, welche jedoch mangels c>ncS slrat'bareu Thal :.:»dcs eingestellt. wurde. Tagegcn erhoben der weiter dir «iost-.r -n.ilt, Saiiitäisralh Tr. E a p c l l m a n », und der NegieiNiigs .udent gegen den Antor der Broschüre, Herrn Biel läge, een . ,eger Warn atz sch, endlich gegen den Jonrnälislen Schar re, der ..Jierlohncr .(lreisanzciger" die Borgänge in „Mariaberg" scharf -Machen halte, die BerleiimdNngstlagc, 'die in voriger Woch vor der .islamnier in Aachen zur Berhandlung tam. Es waren hiezu eine meoiriniicher Sachverständiger und viele Professoren der Bonner riilät, Tirceioren von. Irrenanstalten und mehr als hundert : .,en vorgeladcn. Tic Broschüre ist aus folgende Weise entstanden: Bicar, Namens :>r h c i n d o r f. der i» „Mariaberg" eine Z.-iltang ien ist, hat dem NechlSeoiiilllcnle» nni Schrinsteller Heinrich ...ige eine llieihe von aufregenden-Erzühlnugen über die Borgänge rer Anstalt und die angeblich gransamc Behandlung d,r dort airten «ranke» mitgetheilt. Besonders brutal fei die Mißhandlung, eincin schottische» Priester Namens Forbes znthcil werde, der n einige Jahre in „Mariaberg" sich befinde. Angeblich ioll r b c s v o ii s einem c» g l i s ch e n Bisch o f i » d i e 'A n st a l l ,!> ich (.worden sein, >v c i l ,e r sich i n sein e n P r e d i g t e n »i l i ch s r e i. g c ü n ß c r t und ganz besonders die Gleich .echligilng von Arm und Reich betont habe. Ans Grund . ihin über die schlechte Behandlung Forbes' gewordenen Mil. . itungen wendete sich Mrllagc an die Behörden, durch deren Interiittoii Forbes ans der Anstalt entlassen wurde. Tas Zeugenverhör i gann mit der Einvernahme des Anstaltsleiters Tr. E a p e l l m a n n. . : auf Befrageik des Berlhcidigers erzählte, er habe über die Miß - indc im «lostcr erst ans der Bröschüre «eniituiß bekommen. Auf fragen, was cs für eine Bewandlniß mit der sögenannten „Touche", .rbc, durch welche die «ranken gepeinigt worden seien, erklärt Zeuge, , Anwcildiing der Strafmittel „Touche" und-„schmutzige Station" >ien ihm ursprünglich nicht bekannt gewesen. Er habe die „ Touche" .erboten, als er erfahren hatte, daß dieselbe ein Mittel der TiSeiplin Tas Eintauchen der i'eute ins Wasser habe aber auch oft gute -folgen gehabt. In die „schmutzigem Station" feien teilte gebracht worden, die schmutzig waren oder sich ungebcrdig benommen hatten, so .daß man mit ihnen nicht fertig werden konnte.- In die „Station" kamen auch alle Personen, welche Fluchtversuche unternommen Hütten. Tie weiteren Zeugen erzählten über verschiedene, im Hause übliche 'Bräuche. So erwähnte der Geistliche Forbes, er sei von den Brüdern mit Stricken gefesselt und oft mißhandelt worden; er sei nie geisteskrank gewesen. Ties bestätigen auch andere Zeugen, während viele (Geistliche des «loikers aneckagen, daß Forbes ein Trinker gewesen sei. Er» Zeuge, Bruder A lo ins (Mathias Schmitz), bestätigt,-daß er selbst « ranke in eenen Bottich mit tat teil, Wajkcr gesteckt habe. Auel, die Zw a » g S j a ck c sei bei Personen a n g e w c n d e l w o r d e n. die Sachen zerstören wollten. Ei» andere» Slrasniiirel sei. der „Schlauch" gewesen. -Der .«ranke w n r d c i n c i n l e e r c S Z i m »r e r g cbracht, c n t k l c i d e l n n d dann in i t d e in aus dem Schlauche ström enden Wasser begossen. Andere Zeugen behaupten, viele «ranke, seien blutig geschlagen, -mitd-em Schlüsselbunde verletzt und „ut de» F ii ß'e n getreten worden. Tas'Publicum im BcrhandlnngSsaale gabseiner Entrüstung oft in lebhafter Weise Ausdruck: insbesondere als festgestellt wurde, daß freiwillige "Pensionäre gegen ihren W i l l en z u r ü ck gc h a l l e n io u rden Eine große Zahl der «ranken wurde, wie Zeugen deponirten, von de» AnstaltSärzten gar nichtge sehe», sonder» stand lediglich in der Behandlung von Vaienblüder». frühere» Handwerkern. .Bon einer geordneten Behandlung - war keine Rede. Ter Sachverständige geheimer Medicinalrath Professor Finkclnbnrg ans Bonn erklärte, er finde keinen hinreichenden Ausdruck für die Mißbilligung der. Zustände,in „Mariaberg". ' Er hätte solche Zustände für unmöglich gehalten, Nach den Ergebnissen der Berhandlung sei nicht zu leugnen, das; der (Geistliche Farbe-';;:i Angeklagten Mellagc thatsächlich als feinen Befreier und :h'ctm an sehen »lüste Ter Sachverständige Tr: l'eopold Beiter schloß stcki den Aiissüdruuge». Fiukclubnrg's an und gab seiner Berivnuderlliig darüber Ausdruck, daß-Forbes in dtr Anstalt nicht wrrllicki. geistestiant geworden sei. Wäre er noch länger dort;sebl!e1>eii, so bäne er es iverd-.-imüssen. Beide Sachverständige mißbilligten das den Irren gegenul-ei beobachtete Susteui vom ärztlichen wie vom menschlichen Siandpn 0e aus, nnd ein dritter Sachverständiger, Tr. Nivv>iig, erklärte daß die ganze Organjisiion sich als eine schwere Mißhandlung der l^ristes kranken gkzcigl habe. Tie Berhandlung schloß »nr dem F r e i i r r ii ch,e der drei Angeklagten, da diese die Wahrheit,, ibr-'v Bel-änvliingei» vollständig 'erwiesen halicn. Eine nen>>liehe Ilnt-.-.inchnng der cigenthümlichen Saniariianerdienste. welche .die nominen Monel,.-'von „Mariaberg" ansübten, ist bereits eingeleilei. .Scciltti beim Blüllvc von Brest Vlli'w-öt. Man schreib: ans Petersburg: Zwei Evliope» ans den.Sehr,ckenstagen von Br»st viiowst. welche die' hiesige» Bläner pnblieireii, verdien.:» di.- -weilest gehende Beachtung. Als das Feuer, das in einer Jlernen derno.g-- ansbrach, lieh rasch ansznbreiien^begann ni-d die Svnagog-; ninrj.lig.-li-., . stüruen einige Inden in dieselbe,. um die Thoraroll.-» zn reiiei,. Erst nach Beendigung dev.Fenersbriinst, als man die 'Trümmer der Sunagogdlirchiuchre, wnrdeli inner einem Sch>NIHa»'e>>!•' vertohl! - Jaden lieransgezogeii: >7e alle hielwn noch Thorar-ollen. in den H.n':dAni einer anderen Straße drangen nvei Ink--» in das Hane- ^1':,rtnin liehen Wilive, die krank;» Bene lag, '»in ste und ii-re vi-ei Ueine» .(iiiider;n retten. Es gelang den Inden denn .ujii,. das We-. l de: Nächstenliebe zuvolli'ühren. , Tie Wilive - rtnd' ibre «:nde> wn:d.ngerettet, aber die beiden Inden bcrablien kies mir ibrem --ig.-u.-n Veb.» - das. Hans stnrue ein und begrub ste inner-. d.-n Ti iimm ..: 2lufantifomitifdion PotviiuMi und Toi fainmliiiitV'n. -«eine grosit» Manöver. 1 Terreaeiionäre iv-enerainav l-e-.hs.baaren - heuer bloß;n kicineren. llebnug-i» an;,-.bauen, grene v.r . »ickil veram'ialien. Tao „Palerland" llnil t»a0 ni d;-.i »-nun / 1.;■ . winde 1» Wien über (Linladinig. des isoiilmiü'äis de,-' rlllg.-üi au ,. schon .«tätholilemage eine Perll-a»eiiSinän»erver>gniii >.a,, a P.- :> polilischen üiichtuiigcn der .gailwütoil Oesterreichs ab-.,da,---»' ,',n e-.'.i-Iben ivärc» t'olgciite Herren erichionou , Tberlantesgenä :e'.>.isrtein h 0 r 1 >1 sin. Baron di Pauli. Gras Fra»;' Fall e vb an n. T . v F u ch , Eanonieus .Ülun, Prinz Alois Viechlciiüel», Anib ros T viv, üioichsraibdabgeordneier Povi'e. Prälas Tr. Schindle^. E'ra' Adalberi Schoiiborn, Erbvrii,; Johann Schwarzenberg. >^rat Ernst S»lva -Tarouca ü»d Bare». B ii ii 11 gho ij - S ch el I. Tieg- Berirallc»sniä>i»erver>aiümliing Kal »ach roi'- lieber Erwägiuig aller (Krniide mit Rnckstchl aui die so -wenig geNärlon politische» Berhällnissc sowie ans die in inelireren Vanderp bevor slcbcnden Wahlen in önenlliche BerlreiungSkörver, durch welche die.'trau-- aUer kalbolüche» Fraetionen l» bedeulendem Maße i» Anspruch genoiniiie» werden, -einstimmig beschlost'en: ES sei den, Eomininär zu ciiipschleii, daß i», Jahre lsstü vtzn der Abhaltung ei»eS Allgemeine» österreichischen ,'iaihclikeniageS ab geiehe» werde. Dagegen wird de» .(talholitcn aller .Nronländer nin w dringender die Beranstaltung lalbolischer v-andeSiilid Tioeesanversammlungen s^wie / 1