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Freies Blatt · 1895-06-16 · 167 (16.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
167 (16.6.1895)
Date
1895-06-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 167._ ' _ Frei», iiiib de» kleinen Leuten das Zell über die Ohren ziehe». .DaS freie •hielt1 (Ja libre Parole), das Organ der Antifeuiiten, ist »nt dem p'cldc der Jesuiten gegründet, welche hier sogar die Wcltgeistlichkeit .'.ngrcifcn. mit der sie beständig im Streit liegen. Ihr wohlbekannter i".-ichäftSführcr, Mr. Odelin, war der Verleger lnäniinisti-nteni) ut ,Journal'. Um den antisemitischen Feldzug;n führen, fanden sie inchle Besseres, als sich zum General ein Individuum zu wählen, iv>-. für einen Juden gilt — ebenso wie der Adel den Juden Mayer r'm Gaulois' zu seinem Vertreter gewählt hat. Die jüdische /kacc n.!>r ans dein Gesichte Drumonts geschrieben, außerdem vcrrülh üi>en der /käme seinen Ursprung. Er beging die Unvorsichtigkeit/ nein geistreichen israelitischen Schriftsteller vorzuivcrfcn, daß dessen /.••ule Drenfuß eigentlich .drei Füße' bedeute: Dreysuß antwortete: .-der. Glaubensgenosse, Ihr /käme riecht auf drei Stunden »ach J.:ee»lhnm und Wucher: Drnmond — Drcimond — heißt eigentlich M<i Monde und kommt von den drei Kugeln, ivclchc die clsässischcn i-.indleiher.*) über ihrer Thüre anbrachtcn/ I» seiner Jugend war T;nimmt Lccretär des Gcldmanncs Percirc; er pries in nimm n ,>viger Weise diesen Vater der modernen Spcculatiou. Es wurde c>-i Pcrcire, der.Jude des Südens, von Truinont, dem Inden des roiie, gepriesen. So wie Drumont, um Antisemit zn werde», . rH'acc abgestrcift hat, so haben auch die Antisemiten JesnS zum -.1 getauft, weil er blond war,-obwohl feine Mutter eine Vollblut- : stammte sie doch direct von Abraham ab. Drniiiont, der so nid) ist, daß er daS Bewußtsein davon verloren hat, ließ, um eine i« antisemitischen Schriften zu lancircn, i» Paris Placatc an- >'. z-n, ans denen er als Paladin dargestellt war, der MoscS zn V. ■» schlügt und die vom Sinai geholte» Gesetzestafeln unter die tritt. Die katholischen Antisemiten werden zn Ketzern, die alle ml.scheu Ucbcrlicfcrungcn verleugnen." Dilles, waS die französischen Antisemiten an den Inden auSznsctzcn ha'paßt auch auf eine» Thcil-der Protestanten und vor Allem sei, mehreren Decennicn auf die nach Frankreich übersicdcltcn und m'iii immer übcrsiedelndcn Elsaß-Lothringer. Ein Corrcspondent der Mnnchenrr „Allgemeinen Zeitung" schreibt: „WaS die Protestanten an.1,19t, so sind diese vielfach gleich den Inden im Laufe ticr Zeit a»' der deutschen Schweiz, dem deutschen Elsaß und aus Deutschland >c >1 zugcwcindcrt. 'Wohl zählst-Frankreich selbst, namentlich Südfrankicidi. von alter Zeit her einige hunderllanscnd eingeborener Protestanten, /kachkoinincn der so grauenhaft verfolgten, aber nicht ganz auaerotteten und vertriebenen Hugenotten; dem starken protestantischen Ziü.iig aus der Fremde ist cs jedoch znzuschrcibcn, daß der Maste des V-'.-S der Protestantismus an sich als ein fremdes^ namentlich deni'ches Product gilt. Auch die Protestanten haben sich nun durch ilr größere, mindestens vielseitigere geistige Cultur, durch bcdcnlcudcrc ir;.i]ic, Strebsamkeit und Arbeitsamkeit eine Stellung im Lande, m>. ntlich im Handel, in der Industrie und vielfach auch in den Ww.»schäften erworben, die über daS DurchschnittSmaß der katholischen I' . ",oscn weit hinansgcht. Hier nur ein Beispiel. Die vielgenannte, ri .-eriihmtc, aber auch vielgchaßtc Pariser Haute I!am,»e und damit tv Pariser Geldmarkt sind, soweit sie nicht in den Händen der I: :i; sich bcsinden, nahezu ganz und gar in hcn Händen von Protei:-ruret^ und zwar derart, daß man sagen kann, Herren der Pariser li r-- ünncjiie sind zn vier Zehntel die Inder), zn fünf Zehnteln ti ' Protestanten und nur zu einem Zehntel die Katholiken, /koch g - stigcr für die Protestanten stehen die Dinge bei der Großindustrie u •: der Äroßrhcdcrci. Dort tritt daS jüdische Element mehr zurück, daß daS katholische deshalb an Terrain gewänne, lind wie in : Finanz, so geht cS in der Verwaltung ünd im Richtcrstandc zn; c.nch da sinden wir daS protestantische Element in einer zu der Ge- ' i.nmtzahl ganz unvcrhältnißmäßigcn Proportion vor.^ic elitte von mir hier mit hcrangezogene Bewegung ist die gegen die Naß-Lothringer. Sic ist erst ganz in ihren Anfängen vorhanden und :ch kaum an der Oberfläche dcS öffentlichen Le>»enS sichtbar; sietritt ■' verschämt auf, aber sie ist da und wird ganz bestimmt erst wieder .i'chwindcn, wenn die Ursache, die sie geschaffen, beseitigt ist, wenn elsaß-lothringische Einwanderung nach Frankreich aufgchört hat, ”■ /»„ die jetzt vorhandenen Einwanderer absorbirt sind, und wenn vor 'P.iem die Macht der elsaß-lothringische» Clique gebrochen sein wird, '.radc den Elsaß-Lothringern gegenüber zeigt sich recht deutlich die ho» früher erwähnte Mischung von Egoismus, Uneigcnnützigkcit und VegeistcruugSfähigkcit tut französischen BolkScharaktcr. Erst (gleich »ach i '^71) konnte man den ,armen clsaß -"lothringischen Brüder»' gar -°l Und die Pfandleiher anderer Länder. Tie drei Singeln bedenteien die rei Weltiheile, die inan vor Entdeckung Amerikas und Australiens;ählte, und waren bei den mittelalterliche» Geldleuten das Symbol des WcllinarkieS Statt. -eite 8 , nicht LicbeS und Gutes genug anthnn: man zwang ilinen ie.inlicli die bellen Stellen im Staats- und Privaidiensi ant. Die El'.iß Lothringer ließe» sich daö nicht zweimal lagen T-e lanien in heilen Hansen herüber über die Grenze, hinein in dasselbe Lank,' in ' dem man sie früher (bis 1 sTl)i als dent'che T-klöpse verdölmt uns de - schimpft hatte, in dem aber jetzt für sie Milch und Honig in Snonieii flössen. Bescheiden von Matur sind sie auch nicht, wenigstens nicht ' bescheidener als andere Laute, und so haben sie denn di.- sentinieuialcu . Dispositionen der Franzosen gründlich auSgenützi. Tie Im Sen, sich organisirt und uehincn sich seit Jahren ganz ein ach ie.bst. was man ihnen schon lange nicht mehr anbietet. Ein Eliast Loth-.inger Jehl immer den andere», nach, sic hängen znsanliue» wie die Klen.-n, und neben Inden und Protestanten sitzen sie überall in d.-n!>. st.», ein träglichste» Carri-'-ri», im Handel wie in der. Industrie. Ver.ge>>e» dcirf ferndr nicht werden, das; Elsaß Lothringer und Jude cder Pro tcstant sei» — in vielen Fälle» daS Gleiche bedeutet. Elias; Loih'-.iigen allein hat zur französische» Zeit mehr Inden-beherbergt als Ser ganz.- /ccst Frankreichs, und ebenso tauben sich in Elias; weit mehr Pro tcstanten als int übrigen Frankreich " ' Der Eorrcipondent meint, sei vielleicht nicht hübsch, aber erklärlich, das; katholischen Franz-?'.- l katholisch bewußt oder unbewußtI allmälig die >>'allc überläuiis n-en-i sie sehen, wie ringS mit sie herum im /kamen der " demo! rati-.i>.- Gleichheit, der christlichen Brüderlichkeit, des Ideals der Freiste-- der patriolii'chcn Liebe eine Handvoll eliemass deutscher Mikl (Elsaß-Lothringer), eine andere Handvoll znm Theil g'.eichiallS a.> Deutschland gekommener oder mit dem protestantischen Tenlschland m (einem gcivisien geistigen, beziehungsweise kirchlichen /k.arvori ste! :iS.< Protestanten und — last n<»t tatst — eine - drille Hand voll Inst.:: deutscher oder algerischer Provenienz Alles für sich „aeeavarin T:-. Corrcspondent des Münchener Blattes hat /recht. Consc'sionctl.'. Eng Herzigkeit, nationale Bornirtheit und Brotneid sind, in unseren T >.1 - nur zn sehr erklärlich, und in FricdrichSrnh 'banst der beiühin!.- -'ste:- der sagen darf: „DaS ist mein Wert!" ..(rill freies Wort.) Bei de», Cercle,' den der M-iin-t diesmal . wie üblich nach der Verlesung der Ansprache an die Telcgaiioncn st:--!,, fragte er den zinst crstcninale alS.. Telcgirter anwesenden Tr. .Krona, welker, ob er als MagislralSralh viel zn ttinn habe, woranr Dccrcr Kronawcttcr erwiderte, daß er während der Dauer, der AnSnbnlig seines AbgeordnctcnmandatS bloß das Wane/rcchtS /kefcrat zn nihren l abe und mit den eigentlichen coininnnalen Angclegenhciteii sich nicht zn l-cf.vn-ii brauche. „Die contmunalcn Angelegenheiten," sagte der Kain-., „haben in letzter Zeit zu viel Zank Anlaß gegeben Aber jetzt ist es ruhig int Nathhausc." Hierauf erwiderte Tr. Kronawctler: „//kein H'o-tt, cs n Thcil der 'Wühlerschatt glaubt eine 'Verbesserung seiner w i rth schaft li chen Lage in einer 'Bewegung zn finden, die ich eigentlich gar nicht verstehe Es wird aber hofsentlich. doch dazu koniincii, daß sich endlich auch diese l^egettiätze nach und nach auSgleichcn, und Alle, die zur Verwaltung der com inunalcn Angelegenheiten berufen'sind, werden einträchtig ans trei hcitlichcr Grundlage zusammen arbeiten." . „Das wollen nui hösfcn," sagte der Kaiser und entfernte sich. I» den-weitesten Kreisen der Bevölkerung begrüßt man ans das Lebhastestc den Freimnih. in-.' welchem der bekannte Demokrat und Freund der /lbwchrbewegniig - freiheitlichen Grundlagen deS, autonomen Lebens vor dem Monarch -. betonte. < (Ans dem Abgeordllettlllmilic.) Am Schlüsse der : Abgeordnetenhauses vom 7. Juni überreichte. Schneider . >:.• seiner zu Hetzzwcckcn hcrgerichtete» Jnterpelkalionen. Ernst Tchneider, dem die seiner würdigen Genossen Leopold Steiner, S cli l: s: n g e r-, Troll, Gcßniann, Alois Liechtenstein, Lueger, Scheicher. Jal. P0lzhofer, F ürn kra u z, Ha u ck, Weber, V'a -atn/Vreznov st i>. D ö tz, S v 0 z i l, Zt ii s i 11 imb K ö » ig assistirten, tragt-' den //kinister des Innern, ob er nicht geneigt sei, ii» Interesse der „Beruhigniiq" des christliche» Volkes den Talnind von staatswegen übersetzen zu lanen und waS er gegenüber cincin Volke zu ihiin gedenke, denen.Priester derartige Lehren, wie sic int Talnind stellen, verbreiten/ In dke Inter pcllation heißt cS: „Mit /kücksicht daraus, daß seit, vielen Jahren immer wieder neue Bücher und Broschüren ansiauchcn, welche bezüglich der Gcheinilehrcn der Inden die merkwürdigsten Ausklärnngen bringen, erscheint cs den llnteizcichncicii angezcigt, daß endlich citinial Klarheit geschaffen und die geschriebenen und ungeschricbeiien «Kcscpe der Juden allgemein bekannt gemacht werden. Die in den ötteiitlichen Jndcnschulcn zur Verwendung gelangende» /keligionS - und Sine» lehren lehnen sich, sofern sie von der' llntcrrichtSvcrwaltiing approbiri werden, an das Alte Testanicnl an, und sic erscheinen ans den ersten

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