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Freies Blatt · 1895-06-09 · 166 (9.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
166 (9.6.1895)
Date
1895-06-09
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Lrei » » Lslatt. Seite H. Nr. 166. (Böse Miene zum gntcii Spiel.) Nach dem zur Perössemtichnug gelaugte» Entwürfe, de» da« Sub^eotnitü des WahlresortnauSschusseS >,os1 tut -Its- .-muinu n-runi festgestellt hat, stnd den Arbeitern bloß' 13, den ^kleinsten >,enertragern" über 34 Mandate zngedacht. Tie Antisemiteiiorgaiie machten gute Miene zum böse» Spiel, als die Wahlreform des Grafe» Taaffe sie i„ ihrem Besitzstände zn bedrohe» schien. Jetzt aber schlagen sie Alarm, obwohl eie Christlich-Sociale», »>ie die der Antisemiierei gewogene» clericale» Blatter zugeben, bei der Durchführung der Wahtreforni, welche das Znbeontiiö ausgeklügelt hat, einen große» Profit Herausschlage» würden. C, diese antjseuiitischen >il;la»ineier!;tttvjn Maifcrwort.) Ter Kaiser, welcher anläßlich der Eröffnung der neuen «'iebäude für die Universität und das kandesmuseuni in Gra; weilte, besichtigte -ori auch den GemeinderaihSsaal und äußerte beim Verlassen desselben znni Bütgernteister Tr. Portugall: „Ich hosse, die Herren werden sich nicht am Wiener Geineinderathe ei» Beispiel nehme», dort her> scheu sehr traurige Zu üaride!" Tie Wiener Aniiseniitenblätler, die in der Linken Bahngasse ihr Unweie» treiben, machen mm Bemerlnngen, deren Sin» dabi» gebt, daß das 'tai'eiivort sich gegen die — Liberale» gerichtet hätte. ' >Bo» der nutiftniitiirfini Bettelprefsk.) Man schreibt nur: Sie haben '.ran iviederholt die zudringliche Bettelei der „Ostdeutschen Rundschau" . . ^nhieiid getpürdigt. Ter „Pfingsigruß" dieses sauberen BlaltiS ist ein neuermber Appell an die Taschen seiner GesinttungSgenossen in Wien nnd Teut'ch- ' Ciertfiefi, denen weiSgemacht wird, daß die Ilniersiütznng des K. H. Wolf ».■-:! Geschäftes zugleich „Rüstung und Vorbereitung für die bevorstehenden Wnllämpse" sei. Aber nicht bloß im „Vsingstgrnß", auch im Briettasten der : :>:ett FeiertagSnuintner wetden die „Herren GesintntngSgensssen" mit den -iianziellen Röthen der teutsch volllichen Futhaiker belästigt: eS heißt daselbst: diejenigen Herren Gesinnungsgenossen, welche seinerzeit die TyeeiniHiitteit ': -te», SpendenbteckS zur Unterslntzung der .Tstdeut-chen stinudschan' zum Berö;it nbernehmeit, und solche noch besitzen, werdeit srenndlichst und dringe,tk st . '-sttcht, dieielben, beziehungsweise deren. Erträgniß ehestens an die Verwaltung' iupvenden. Tie geselligen Zusatninenküt sie der GesittnungSgenassen während .er Feiertage bieten Gelegenheit, durch Fortsetzung der eingeleiielen Sammlung abermals ein .stleineS zur Unterstützung der nationalen Presse beizntragen." Pch'tm ein armer Teufel, der feinen Etwerb findet, um seinen Hunger zu stillen, Passanten ebenfalls um ein „Kleines" ausleht tutd ein SicherheitSwallitnaun dies r,-tuet kt, >'o wird der Beltelnde ohnetveiterS et'ngesperrl und, faUS er hier nicht zuständig ist, auch obgeschoben. Ter antisetnitischen Beitelpresse, Prose-sions b-tilettt, ist es aber gestattet, ihr ekelerregendes „Fechten" am helllichten Tage zu betreiben. Ist diese Ungleichheit in der Behandlung nicht geeignet, daS RechlSg 'ithl des Volkes zn et schütter,ist |>. ,Tic Judkit und die nalionalc Bewegung in Teutschlaitd.) Tie„Kreuz- : iiung" schrieb gegen ei» Berliner Blatt, welches sie alS jüdisch anfiebt: l,->st.chst komisch nimmt es sich ^auS, wen» von dieser Seite betvorgehoben und, daß der .nationale Gedanke' Ihatt'ächlich im Bürgerthum längst gepflegt .r.-lden >ei, alS die Fütsten ihm noch ftemd gegenuberständeu. Daß der deutsche Aaitanalverein, in tvetchem diese Bestrebttnßen zum Ausdeuclkanten, seine ä>,-iüjuden' gehabt bat, ist unS wohl bekannt. Von einer sonstigen Betheilignng .geachteten Mitbürger" au der nationalen Bewegung in Vergangenheit und Gegenwart wissen wir indessen nichts." Tie „Kreuz;eittt»g" bat schon Beweise ea'itr gegeben, daß sie von der Geschichte nur daS kennt, was ihren Junker tmettffett gefällt. Daß die Inden an der nationalen Bewegung in Teui-chland >! eiigenointnen haben, dafür läßt sich König Friedrich Wilhelm IV. als täglicher Zeuge ansühren' Tiefer schrieb einst au T a h l m a n n: *> „lieber die aUgeineiite Begeisterung von ganz Deutschland für die politische Einheit sind stte, lieber Tahlmann, so glaube ich, sehr im Jrcthut». Das ist ein Unglütk »nd widerstreitet Herzensassectionen, aber ich muß der W-chIwü oie Ehre ..eben: im nördlichen und nordöstlichen Terttschland ist, wenn Sie die EsserveScenz der große» Städte und diefTent-chwuth der Juden abrechnen, von EntbusiaSntttS dafür gar nicht die Rede. Wohl aber hat die Rebellion der Jttden und Großstädter und ihre Folgen einen schlimnten Rückstoß aus dem Lande verursacht, wo man wärmer preußisch, pommerisch, brandenbnrgisch hannoverisch, sächsisch ist als fett f)0—100 Jahren .. . In den übrigbletbenden Ländern ist der EtttltusiaStnttS für den Ungehorsam unendlieh viel kolossaler al» der sür Tentich land und feine Einheit." Tie „Teutschwuth der Jttden" gab sich auch itn deutsch französischen Kriege kund, und ein Zufall fügte es, daß ein Jude es war, der am 18. Jänner 1871, nachdem der König von Preußen Wilhelm I.;ut» Kaiser proclamirt wotden ist, auf dem Schloß ztt Versailles die eiste deutsche ReichSflagge gehißt bat. Tiefer Jude sührle alS Freitvilliger die Ge schälte der königlichen Commandantur vom '20. September 1870 bi* 1t t Bkäi z 1^71 und wttt de von dem damaligen Ehef der dritten Armee, dem späteren Kaiser Friedrich sür seine Leistungeu mit dem enetne» Kren; decoriri. Tie detresseude ReichSfcihne wttrde von ihm, nachdem der damalige Ehef der *> JohannesJanssen, „Zeit- und Lebensbilder". 4. Ausl. Bd. II, S. 1!'°-' f. (Freiburg i. B, Herder, 188‘.t.) königliche» Contntandantur, General v. Bogt Reetz, mit den Tisieierett der Eominandantur Versailles verließ, hcrutitergenonunen und bei» genannten ttzetteral nach Liegnitz, wo 'derselbe die IS. Jiisattteriebrtgade besihtigle, zuge-andt. Ter Raine dieses Judett in Bernhard Urs eit aus Toeu i. W. .l-culllfNiu. - In Aclil rtird 'L'.crnn. itoman ans Polens Iforjcit vo» (frtfl (Rriot. ■ _ . .Zehntes Eapitel. .Eonrad war ziel- und planlos in den Straßen unihergeirrl, dann aber, wandle er seine Schritte dem Thore zu, mit die Stadt zu verlassen und sein Zelt anszusucheu, daS er sich durstig' genug vor den Thoren der Stadt ausgeschlagen halte, wie es alle jene Ritter thaten, die in der Stadt leine Freunde hatten, um bei ihnen gastliche Ausnahme zu finden. Tas .Zelt war mit Thiersellen bedeckt, um der eindringend-'u Kälte zu wehren. Hier angekommen, warf - sich der Junker, nachdem er sich seines Mantels entledigt hatte, put den Boden hin. Bor ihm halte der. Knappe ein kleines Feuer bereitet, das je»! lustig brannte und auf dem der Imbiß für den Mittagslisch zitbereitet - wurde. Während der Knappe geschäftig hin und her ging, um die Zubereitungen zn dem Mahle zu treffen, lag der Ritter in t^edanken versunken da. Er gedachte FroStvithenS, die er soeben Nach langem Zeiträume wieder gesehen, und deren Anblick in seinem Herzen wieder jene Wunden ansriß, die er schon vernarbt glaubte, deren zauberischer_ Reiz alte Bilder voll (tyliief und Wonne in. seinem Innern wach werden ließ. EL rief sich de» Schmerzeusausbruch ins Gedächtnis;, mit dem sie die Trauermär empfangen, die Verzweiflung >r»d den wahnsinnigen Aufschrei ihrer geguälte» Seele — und doch, er konnte sich deS (Gedankens.nicht erwehren, daß ihrem Schmerze etwas inne- )vohnle, -das er sich nicht zn enträthselii verniochte, ein Etwas — und dieses Etwas leuchtete auch aus ihrem Auge, das ihn stutzig machte und das er mit seinem klaren, ost'enen Sinne nicht zn ergrübeln im stände war. Was mochte es wohl fein, das ihm in FroStvithenS Weten so fremd schien, und was war mit ihr vorgegangen'/ Er nahm sich vor, es zu ergründen und die Tage seines AnfenihalkeS in Gnefen »nr z/i diesem Zwecke auSznnüve»: freilich, lange >var ihm dazu nicht gegönnt, denn Bogdan konnte^ täglich zurückkehren, und dann, wußte er, war" ihm' FroSwitha unerreichbar, aber jetzt, so lange es noch Zeit blieb, wollte er sich der Entdeckung jenes Geheimnisses widmen," das die Sinne deö geliebten Weibes bedrückte, er wollte, er mußte es er fahren! * Früher, als er es gehont, sollte ihm diese Erkenntnis; werden,, und o, welch ein neuer harter Schlag war die'e Erfahrung für sein schwergeprüftes Herz! ' Sie hatten sich die bescheidenen Bedürfnisse ihrer Tafel bis jetzt immer auS der Stadt verfchafit, und zwar war es der. Knappe, der- . das Fleisch und daS Brot zum Mahle heimbracksie: ufcmi dann die frugale Küche beendet war, da setzte sich der Knappe seinem H.-rru gegenüber auf den Boden und. begann zu erzählen, was er an Reuig feiten in der Stadt gesammelt hatte: in der' geschwätzigen Manier - dieser Lenke berichtete er von Allem und Jedem des Langen und Breitest, und heute schon gar, heute hakte er einen Sgck voll Aeutgleiteu, die er jetzt alle in der redseligste» 'Weise vor dem Junker auskramte: von den Festlichkeiten am Hofe, die zu Ehren der inyifdjeit E'äste ver anstaltet wurden, und die die Schanlust d>r Menge stets , in hohem (iiradr befriedigten: von den Jagden und festlichen Aufzügen, die veranstaltet wurden, und von.den ritterlichen Kämpfen und Spielen^ der Edelleuke; und ihnen Allen voran fei der König, Allen überlegen an Mutl, und ritterlichem Sinn -- und heute hatte er ihn gar gesehen^ den König,- ganz' von der Nähe gesehen,. und mit ihm eine schönebildschöne Tante... „Ter. König ist doch aber noch unbeweibt „Za freilich." lachte-der .Knappe, „ist der König noch unbeweibt, - daS aber' hindert ihn doch nicht, mit schönen Frauen zu erscheinen ..." „Halt, ha, ha!" lachte Eonrad, „damit hast du wieder Recht, und eS' ist dem Könige eigentlich gar nicht -.ztt verdenken." Gewiß nicht, edler Junker, aber ich bin gewiß, die schöne Edelfrau, die die Gelieble des PolenkönigS ist, hätte auch Euren Beifall

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