Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 166 (9.6.1895)
- Date
- 1895-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Freie» Blatt. Nr. 166. Seite 8. Aus antisemitischen Vereinen und Ver- --- sannnlungen. ,Zur Wadlagitarioll.) Tie Antisemiten, welche sich der Sympathien aller reaelionären Organe de» In- und Auslandes erfreuen, entwickeln bereits eine lebhafte Wahlagitation. Schon zu Pfingsten brachte» ihre Blätter und Blättchen Mattheit, welches der sogenannte Bürgerclub an die „christlichen Wähler Wiens" richtete. Dasselbe entbält die alten Phraien über die „Jiidenpreffe" und den „TcrroriSinus deS Geldes und wirthschaftlichen Drucke?" und fordert auf, die christlich-germanische Weltanschauung gegen den „Allezersetzende»! "JnteiiiatioiialismuS und Materialismus der Fremdlinge" zu retten. Außer bie'ein Manifest er'chien ein bti'onderer Aufruf de« Bürgermeister-Aspiranten Tr. Carl Lueger, in welchem „die P. T. hochgeehrten Herren und Frauen säinintlicher christlichen Parteien" zu einer ausgiebigen Selbstbesteuerung eing,'laten werden. Es handelt sich nicht um den PcterSpfennig, sondern um einen äarlSv'ennig, und der Aufrckf besagt: „Möge Jeder nach seinen Kräften beisteuer». »in unserer Partei in Wien die Mittel zur Durchführung de«, wie wir glauben, für ganz Lesterreich entscheidenden Kampfes zu ermöglichen." Bon den rumäinichen Irredenlisten dürsten jedenfalls einige Gulden einlausen: bat doch die „Cnllurliga" >n Bukarest Herrn' Lueger zum „Ehrenmilgliede" ernannt. — Aus dem III. Bezirke schreibt man unS: Tr. Lueger hat kur; „ach der Ailstö'ung der GemeinderatheS an »eine Wähler im III. Bezirke Circulare versandt. worin er nebst seinem Tanke für da» bisher ihm enlgegengebrachte Berirauen die Hoffnung aussprach, daß er auch bei den kommenden Gemeiiideralbsivablen auf die Unterstützung der gesammten christliche» Wähler wird rechne» könne». Ter Bicedürgermeister von 16 Tagen und Bürgermeister oo» l."> Minuten entfaltet eine ungemein rege Thäligkeit und, waS wir wohl heg:ehe», sind es auch diesmal die Beamten »ud Lehrer, die von ihm einer heiondere» Äufinerk'amkeir gewürdigt werden. Bon vertrauenswürdiger Seite rul\c:, nur «vuier. daß die antiseinitischen Hausherren von dem antiliberaleu Agnatioiisconn!,- ansge-ordert wurden, eine förmliche Liste ihrer wahlberechtigten Parteien »>:: den für die Wahl »ötbige» Randbemerkungen ehestens an di:! .rieulraUeiluiig". eiiizuienden und dabei inSbeiondere die dem Beainteiistaude! aiig-dörtgen Parteien zn beachten. Herr Cornelius Beiter hätte große Lust zu | .e.nd.tdiren, aber Lueger ist nicht gesonnen, ihm die Wiedererlangung eines :Ls»dä:es zu gestatte». j Cbristlich-iocialtr Wablschwindcl.I Am 17. Marz fände,, die Wahlen! der T elegirieu i..r die Wiener Bezirkskrankencaffe statt. Wie e» hiebei zuging, : laut kinutch vor dem Bezirksgerichte Llfergriiiid zu Tage, bei welchem sich ,>e.:i:ze!>:i Äuget.agte, der christlich-'ocialen Partei angehörend, zu veraulwortci, j hatten Ten Zengenans-agen zu-olge baden dieselben zwei- bis dreimal Stimm- ] eitel e.bgegeeen. aber außer ibiieu noch viele andere Personen, doch konnleu 1 nicht alle e:n:rt werde». Tie Ängekiaglen, von denen ilur zwölf erschienen, 'übr:e:> zu idrer Entschuldigung an, sie hätten nicht gewußt, daß die Wahl nur rer'enlnb ausgeübk iverde» dür«e: einer von ibnen, ei» besonders eitriger , Parteigänger, äußerte sich, er bade nur „ehrlichen und guten Telcgirten, »äin- > ::ch Cbv'stiich Tceialen". zur Wahl verhelfen wollen. Ter Richter beschloß in Be-t •' eAnacll.:e:en die Bcrlagung der Verhandlung, bezüglich anderer siebe", :n '.itt'fi ver'chivunden sind, die velizeiliche Currentirnng Was die ..btia.n: ,v° Angeliaareu a:.belangt, erkannte er. daß nur die Benüvnng einer 'rem:.:: Le.',l:u:ta::c» rc:!:-ge. und verurtheilie dieselben, darunter auch eine ,7:.:::. le PI T : u » d e n Arrests. Pancitagt. bl.;• B e:. : n, :>. Juni, schreibt inan uns: Tie Jahreszeit dir .■ n;:t.’.+ •:: Parteitage ist h.reiugebiochen Tie hiesige „antiseinilische Br.! :-v.'.rt.'i"!.::::> . :»er schwach besuchten Beriamnrlnug die Gründung des Be: 1 :-d : vollz.-g-:: uns zum Boenveuden des „ge'chäris'jihtendeti Aus'chlineS B "i v.:::: rum B-isiirer Tr. Bocke! gewann. Wille lehnte vor-' >: eines AmieS ab. Für den demnächst stalisindende» :h - Herren V.lle, und A lhlwardt ein Rovnni :t ii i-üi'ii zu demselben nämlich nur gegen f;• '■ -■ ■' i- Einlaß -erl-alten. — Ein Parte,igg der \ :, : „ »'• Juni au« der Wa r-bnrg stattnnden, : £v eiin,in d-r chr:st!i, ä: 'ocialen Ben-egnng l . . ' -'Nr. - - ■ .-a ..! . Part.-iorgunt-atir-u mir Paeieivro.: am». . ' all. en,eine Pari, i:..g deanli-einni'lliel: ss - - ,, v«es Sei-rem! stattfinken Ais ■ ' - urg. El c: at nur Easici i» . . . : I I ,t, las S>!> .i.!'ive:bot nns eie .11 >' a:. n cPan-'i :ag, n : je fteceoiuve» : . P.'.hiiiiv'nngeu e aiche>p:ciivrii l - '■ -U.u-.; Ci-aratll. ,'d:r, .e.: w '». „er ...und der i. teilt' . - . -' -. ' V alt ".r:. ■minister Frei ■ ■■ - 's J c:ue» Timicts«., d," »'.'..nalve'-eine» - - " - - :. .. -•:• l:ei: r.i.teu . -> ~ en und Fo.Prui.ge,, vor, rba'.u .» b> »eb. ...er. . Bundes der Landwirthe toastirte auf Kaiser Wilhelm in folgender Weise:,.Wer uns Landwirthe für aiitimvnarchisch hält, befindet sich entweder in dich»» s Jrrthmn oder er verbreitet falsche Thatsachen wider beffereS Wissen. Wir könne» uns unserer KönigStreue mit gutem Gewissen rühmen. Ter Bund der Landwirthe ist der Lund der Treue. Se. Majestät der Kaiser lebe hoch! hoch! hoch!" Zur Beleuchtung dieser „Treue" verlohnt es sich, einige Leistungen des Bundes in Wort und Schrift, namentlich die ostpreußischer Agrarier, aus den letzten Jahren ins Gedächtniß zu rufen. Am 18. Februar 1893 schrieb der Gutsbesitzer Ruprecht au» Raufern: „Ich schlage nichts mehr und nichts weniger vor, als daß wir unter die Social-Demokr-ten gehen und ernstlich gegen die Regierung Front machen, ihr zeigen, daß wir nicht gewillt sind, uns weiter so schlecht behandeln zu lasse» wie bisher, und sie unsere Macht fühlen zu lassen." Herr v. Wangenheim sprach in der Generalversammlung des Bunde« der Landwirthe, die am 17. Februar 1894 im Berliner Feenpalast stattfand, den Satz au«: „Wenn man Angst habe vor dem russischen Siaiiee solle man doch lieber Deutschland halb den Russen, halb den Franzosen geben, dann sei die Qual mit einemmale aus." In der „Correspondenz" dieser „Bundes der Treue" behanbelte Herr Q Kästner aus Jagodnen: dje' für die „treuen" Bündlet so überaus bezeichnende Frage: „Kann man sich wundern, I wenn unter den jetzigen Verhältnissen bei uns hie und da auf dem Lande tie I Ansicht ausgesprochen wird, daß wir in materieller Hinsicht viel besser stehen! würden, wenn Ostpreußen russische Provinz wäre? . . . Ein aller Bauer sagte j mir: .Jetzt thut eS mir beinahe leid um jeden in Frankreich vergossenen BlulStropfen, wären wir Preußen gebliebe», nicht Deutsche geworden, so stände! eS heute besser um uns!' . . . Auf diese schmerzbewegte» Worte wußte ich keine j Antwort." Ist cS schon interessant, daß dieser „Bund der Treue" um materieller l Interessen willen „russisch" werden will, so zeigt er seine „Treue", seine „monarchische Gesinnung" am reinsten in dem Artikel, den Herr v. Lauch in a n n auS RenkenSdorf am 26. März 1894 in der „Correspondenz" veröffentlicht hat. Tarin heißt eS: „Wir haben die äußerst bedenkliche Erscheinung, daß der deutsche Landwirth, der bisher außer der Social-Demokralie, der er ja diametral gegenüberstehl, den Freisinn als seinen Feind ansah, jetzt geneigt ist, soser» er sich nämlich ehtlich und ohne Rücksicht pusspricht. den Kaiser als seinen politischen Gegner anzusehen." Tie Berliner „BolkSzeilung", der wir diese »eile Bluincnlese verdanke», eritmeit auch daran, daß eS schon früher einmal, und zwar unter Friedrich Wilhelm IV., einen „Treubnnd" gegeben hat, de». Alles angehörle, was in der Zeit der. Reaclio» nach 1848 mit Hilfe der Re gierung im Trüben fische» wollte, und der eine Hochschule der servilste» Slrederei uud der ichlimmsten Leiiiinciantenvirtuosiläl war. Im Uebrigen sah sich auch neulich das „sreiwillig-gouverncmentale" Organ, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", veranlaßt, den Tivoli Patrone» vorzinversen, daß ihr Gebahren keineswegs monarchische Gesinnuung bekunde. Ihre „KönigSlreue" würdigt am beste» das bekannte Dichteriyon: Und der König absolut, , Wenn er unser» Willen thut. ° . Verkracht und wieder nicht jüdisch.« Unserer Berliner Abwehrcollegin wird ans Hü n fel d bei Fulda geichrieben: „Was Gutes ist an dem Anii iemikiSmuS, das mußina» ihm trotz Allem doch lassen. Ti» zarte Rücksicht nähme änf das jüdische Capiial, die derselbe hier bekundete, möchlen wir allen- Judenfeiudeil im Deulichen Reiche aus daS Wärmste zur Racheiferung empfehle». Wurde dahier vor einiger Zeit eine Zuckerfabrik mit einem Actiencapiial von zwei Millionen Mark gegründet. 51» Juden wurden Acticn deS neue» Unter nehmens nicht abgegeben, und cineni Rachkommen Sems war es selbst bet Annveudung der größten Mühe nicht möglich, sich i» den Besitz eines sollt, viclveriprechcnten PapiereS zu ietzen. Tie Zuckeractiengeiellschast, deren Leitung vollständig in a nliiein i lisch en Hände» lag, in heute in ConcurS, den Passiven von 2,'> 0.00) Markstehen nur etwa 100<*>0 Mark Aeliva f> Percent gegenüber. Perccut des arnch teutonischen Geldes find 2hi5 aurift'mirodvn 35lättcm. >ToUkubuhcil ciiics Judcu., Das „Teu-ische Bolksblan" beri.i »her die Vorgänge, die sich nach der"Bürg,limitiCiu'aM vom P9. Mai vor de»: Raffbauie ö>v:eli>n,. und erz-n!l, ..daß ein Jude einem alten Manne, de .Hoch l'itt’.yv > ie-, einen S-blag in das Gesicht versetzte: das Zurückhalten de. ,! » >,tilge!-,»den Ai ri-eiiiile» iei wabrl'a't beivunkeruswcrrh geivcsen, sonst war-' e-r Hebräer geivu,»: worden". Das war wirtlich ein tolllübuer Jude, der ee . .,a„: vai, inmitten einer ercedirenden Äi'.liieuiit.'ninciige einen allen Main:, der ein Verehrer Lneger'S isi. zu ol,rfe!gcn! Tw nicht anzunclnite» ist, daß de: Revorler des „Tenffchen Bolksblalics" seinen Heide» zuni größeren Rulnue J-iaels erdichtet bar >o werdni die Abonnenlcn die-es jinliscmilenbiarles, d» -eiisi imtner von „indischer F-'igheil" leien, die Tolltühnhcil eines Juden eben-. beu->ln!,r»ewe'.lh finden, nie. „daS Zurückhallen der ihn iniigebeiiteii Ami 'emiiei.