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Freies Blatt · 1895-06-09 · 166 (9.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
166 (9.6.1895)
Date
1895-06-09
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Blatt. .gehabt, obzwar Ihr für Frauen sonst nicht viel Aug' und Sinn habt." „Zinn Teufel auch," rief lachend der Junker, „ich bin dir also zu keusch, und du möchtest wohl gar einen Herrn vorziehcn, der sein ».'eben dem Dienste der Minne weiht? Aber weiter, wie ist's mit der Schönen des Königs, ist sie wirklich so bcwundernswcrth . . .?" „Ab, Herr! Denkt Euch eilten Engclskopf. . ." „Warum nicht gar! Und kennst du sie, wie ist der Raine jener königlichen Beischläferin?" „Sic heißt FroSwitha, Herr, und ihr Mann ist Bogdan von ..." „DaS lügst du, Schuft," schrie der Junker, indem er aufsprang und den Diener an der (Gurgel packte, „daß du ersticktest und dir dein Lügenmaul . . .!" „Gnade! Herr! Gnade! Laßt mich los!" flehte der zu Tode erschrockene Knappe, „WaS habe ich denn verbrochen, chaß Ihr mich würgt ivic einen Hund?" „Widerrufen sollst du!" keuchte der Junker, „Widerrufen, was dein vermaledeites Lügenmaul an Gift und Galle gespien . . ." „Ich widerrufe, waS Ihr wollt, Herr, aber gebt mich frei. Das, ivaS ich Euch erzählt habe, das kümmert mich ja gar nichts," fügte er binzn. „und," setzte er fort, nachdem er sich von dem Junker envas entfernt hielt, „das, was ich sagte, daS pfeifen ja alle Spatzen am Dache, und alle Klatschweiber der Stadt erzählen sich'ö ..." „Es ist wahr, sagst du?" sprach Eourad mit bewegter Stimme und mehr zu sich als zu dem Diener sprechend, fügte er tonlos hinzu: „Es ist wahr! Mein Golt! 'Wahr!" Das Enlsctzlichc, das der Mensch da vor ihm in so glcichgiltigen Worten hergcplappcrt! Froswilha! die Geliebte des Königs! Sie, an deren Reinheit er geglaubt wie au etwas Unantastbares — Froswilha, zn der er cmporgeschaut wie zu einem Gnadcnbild. IhTb er, der nicht zurückgcschreckl war vor dcni Hciligkhumc der Ehe, jener König, der ihr rcincS, frommes^ Herz verdorben — wie richte er alle Stra'en des Himmels und der Hölle berat -aus den Elenden — der seinem strafenden Arme entrückt war — 'aß er ja doch als mächtiger König auf einem Throne — während er nichts war als ein armer, heimatloser Ritter, der nichts hatte als ''in Schwert und seinen gottergebenen, srommen Christenglauben! In sich znsammengesttnkcn saß er da. Der Diener war, ciucm erneuerten Zorncsaubruche seines Gebieters aus dem Wege gehend, vor daS Zelt getreten: im nächsten Augenblicke aber war der Junker an ihm vorbei und aus dem Zelte in eiligem, wahnwitzigem Laufe een Thoren der Stadl zugecilr. Gerlrude halte ihn in daS Zimmer der Herrin geleitet, und hier saß er jetzt, die Rückkehr FroSwithcns erwartend, in bangem Erwarlcn. Irre, wahnsinnige Gedanken stürmten durch feine Seele; Gedanken des tiefsten, namenlosesten Wehes, des unsäglichsten Jamniers, dann wieder tauchten Zweifel auf an dem Gehörten, und neues Hot'sen zog in seine Seele. Wie, wenn cs doch nicht wäre? Wenn jener M'en'ch ratsch berichtet worden wäre oder gar ihn geflissentlich belogen l alle — und Froswilha märe rein und keusch wie die Sonne? Sh! wie er il>r ans den Knien das Unrecht abbillen wollte, das er an ihr begangen, indem er an ihrer Unschuld zweifeln konnte — gewiß — aeiviß — so war cs! Und sein Herz frohlockte, und sein Auge leuchtete in glücklicher Zuversicht. Nr. 186.. Aber da war Froswitha eingetreten; das Rauschen ihrer Gewänder hatte ihn aufsehen gemacht, und da — als er ihr in das glühende Antlitz sah — da — war jeder Zweifel verschwunden — auf ihrer Stirne braimte daS KainSzetchen des Lasters — in jeder Miene ihres schönen Antlitzes stand eS geschrieben: daS Zeichen ihrer Ehrlosigkeit, ihrer Schande! „Gott zum Gruße, Conrad," sagte die junge Frau', dem Jugendfreunde die Hand reichend. Conrad hatte die dargereichte Hand nicht ergriffen, hatte auch den Blick nicht zu Froswitha erhoben, sonst hätte er daS tödtliche Er schrecken gesehen, das auf jhren Zügen erschien und sic geisterhaft be» deckte. Sie wußte, was dieses Benehmen Conrads ihr gegenüber zu sagen hatte — sie wußte cs — er sah in ihr nunmehr die Berlorcue — das Antlitz mit den Händen bedeckend, so stand sie abgcwcndet da. und ein heftiges Zittern fuhr durch ihre Glieder und machte sie er beben. Wie hatte sie gekämpft und gerungen — und die gnadenreiche Mutter angesteht, sie wieder zurückzuführen auf den Weg der Ehre — aber vergebens — die Heilige hatte sich pon der Sünderin ab gewendet — und sic war der Bersuchung erlegen, war fortgeschrifleii auf der abschüssigen Bahn der Sünde. „Froswitha, hört mich an; und Gott gebe, daß meine Worte ein Echo fänden in Euerem Herzen!" Er hatte ihr mit leisem Griffe die Hände vom Gesichte genommen, und'jetzt hatte er sich neben sic gesetzt, und leise, einschmeichelnd und fürsorglich sprach er auf sic ein; Worte der Ermunterung und des Zuspruches, Bcrsicherungcn seiner hcißeu Treue und Ergebenheit — Worte voll Liebe und Gottvcrtraucn und voll zärtlichster Fürsorge für ihr Seelenheil. Das junge Weib verharrte in düsterem Schweigen. Wie lindernder Balsam in eine brennende Wunde, so trafen die Wörte des Manucö ihr. Ohr — dann aber krampfte sich ihr Herz zusammen zu u» geheuerem, unerträglichem Weh, und ein schmerzliches Stöhnen entrang sich ihrem gequälten Herzen. „Froswitha, Base — Schwester, fasse all deinen Muth zusammen, raffe dich auf zu neuem Sein — kehre zurück, Froswitha — ich bc schwöre dich bei dem Andenken deines Baters!" Froswitha war schaudernd zusammcngczuckt; ein schneidend Wehe fuhr ihr zum Herzen bei dem Rainen des geliebten Baters. Sie hob den thränenfcuchten Blick empor, und ein Strahl leisen Hoffnungsschimmers leuchtete aus demselben zu dem Jüngling hin, der auf jauchzend in die Worte ausbrach: „Dem Himmel sei Dank! Fros witha, du bist gerettet!" Ta wurde plötzlich und mit hastigem Griffe die Thüre aufgerisien, und Gcrtrude stürzte athemloS in die Stube. ' „Herrin!" rief sic, „ein königlicher Bote ist da — und meldet die Ankunft Eures Gatten, unseres Herrn!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. I. Si. Jiiiioshüza. Besten Tank für die freundliche Einsendung. Tas Gedicht ist für öüerreichiichc Vefer leider nicht aetneU genug. Alpha und Smcga. Bon feinem „Beleuchlungsvorrath" tvird der nach corrigirteu Tocuinculcn - einem Veroneser Adelsgeschlechte entstammende llr tenl'che a»S Tstgalizien vielleicht Gebrauch machen, wen» inan ihn wieder einmal mit weißen Nelken bewirft. NnWndlguttgon des „Ferien Blattes". 3 ii ff r litt u.'vcni am,.-nomine», sowohl in „„ierer A d m i «i ft r«t tt o n, als auch im Auiioucen Bureau Ul. ZI uh ee. * Goldman & Salatsch / Occalvciänccziing. Tailors, I. Graben 20 : , :i ihr hei -ler vornehmen Herrenwelt?» beliebt / W cicccfizc »tieft die S'Ilittheitiuiq zu mac/teit, dass »teilt ettftal Scscfiäft (/. Hictfieu- . .1 honueiueut-Sr*teui fiir HerieuU-kleiduug I uacii englisi-hcm Mu.ster. tfiuznistzc 1. sse S'iz. /?) sic ft reut i?icvciitfcz /$:'? ab Stalin Slz. 10 Ludwig Kletschka im iiciiczfautcn ^iuficz-ifaiais t'efindet S. cV. Sc/imeidfaz Specerei-, Farbwaaren, Gemischtu. Eisenwaaren fi. u. fl. innmi- und flu(oiOuaaicn Wien, X. Eugengasse 53. oFaCiiflant. (

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