Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 166 (9.6.1895)
- Date
- 1895-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 166. Freie» Bla»«. ^eile 5. T~ »igiifi«, ist jevoch bi» 'jetzt der Polizeibehörde nicht bekannt. E« wnidc» zwei Ärretirungen wegen TxcesseS vorgenommen »nd die Nachforschungen cingeleitet, ri« übrigen an den Exceffcn Schuldtragenden zu ermitteln. Da jedoch, wen» die Identität von Excedenten nicht sofort fichergestellt wird, deren nachträgliche Ernirung wesentlich erschioert, wen» nicht gar unmöglich gemacht wird, wurde >je Veranlassung getroffen, daß in Hinkunft die Thäter sofort angehalteii und der strengste» Lestrafung zugesührt werde». Indem ich die vorgesallene» Sxcesse. hei denen ein Mitglied diese» hohen Hause», da» sich nach Erfüllung seiner Lählcrpflicht in da« ParlamenlSgebände behus» Theilnahme an der Sitzung dieie» hohe» Hause« begab, thällichen Angrisse» «„«gesetzt war, ans da« Tiesste' bedauere und verurtheile. füge ich bei, daß die erforderlichen strenge» Weisungen erlasse» wurden, damit in Hinlniift in jedem Falle ausreichende'Borsorge getroffen werde, um solche empörende AuS .vreilungen hintatizuhallcn. fortschrittlichen Vereinen.) Der Lorstand des P oj ilischeu B o l k ö v e r e l ll e S hat mit Rücksicht darauf, daß der Ministerpräsident in seiner Beantwortung der Interpellation Decken in ossicicller Weise die Haltung des fürsterzbischöflichen Ordinariats zur Sache gekennzeichnet hat, beschlossen, die Entsendung einer Deputation an den Fürsterzbischof von Wien, als inzwischen gegenstandslos geworden, zu unterlassen. — Der gewesene Gcineinderath Herr Georg Röhrl bedieser Tage die liberalen Bezirksausschüsse, ferner die BertrauenS- „tänner der drei fortschrittlichen politischen Vereine deS XIV. Bezirkes sowie des Lehrervercincs „DitteS" zur Feststellung eines ActionSprogramineS anläßlich der bevorstehenden GemeinderathSwahlcn ein. Er »-achte Mittheilung über die Borgänge, die sich am 20. Mai in und >-or dem Sitzungssaal? deS GcmcinderatheS abspielten, und wies darauf b:n, daß auch er und viele seiner College« beim Verlassen desselben ,n gröblichster Weise insultirt worden seien. Das könne jedem fortsturckilichcn Bürger die Lust verleiden, sich wieder um ein Mandat zu r.werben. Tags darauf, als die Auflösung des Gemeindcrathcs bekannt wurde, habe sich der fortschrittliche Parteiverband als Central-Wahlconstituirt und schreite nun daran, in den einzelnen Bezirken - . .alwahlcomitös cinzusetzen. Es frage sich jetzt: „Soll die Partei den re ahlkampf aufnchinen und wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?" fl,der diese Frage entspann sich eine längere Debatte. Bo» süinintlichen Rednern wurde anerkannt, daß die fortschrittliche Partei des Gemcindcraihcs den besten Eindruck zurückgclasicn und sich die Hochachtung der Wählerschaft hauptsächlich dadurch erworben habe, daß sie ihre Princu'ic» höher hielt alS ihre Machtstellnng, daß siesich nicht an die Mandate klammerte, die RepräsentchionS-Dotationen von sich schleuderte lrotz aller officiöscn Sirencnklüngc nicht dafür z» gewinne» mar, mit Bcrüchtcrn der Staatögrundgcsctze zu transigiren und sich in eine g.wlilio» oder ein Compromiß ein;ul,sicn. Dieses Beispiel wäre auch Abgeordnetcnkrciscn sehr zur Rachahmung zu cinpsehlcn. Lehrer Prinz, Obmann deS LehrervcreineS „Dilles", betonte, die Lehrerschaft in ihrer großen Mehrheit werde nach, wie vor de» forlschritllichcn Piineipicn treu bleiben und verspüre durchaus keine Sehnsucht nach r ConcordatSschulc. Bezirksausschuß und Möbelfabrikant Herr Johann iha führte untcr großem Beisalle aus, cö sei eine irrige Ansicht, ui. glauben, der dritte Wahlkörpcr sei für die fortschrittliche Sache -X.lören. Die „kleinen . Leute" seien bisher politisch nicht geschult v.xndcn, und als die Äntiscmitcnapostcl ihre Heilslehre verkündeten und -je Juden als „Wauwau" hinslclltcn, liefen sie in Hellen Schaaren da« Lager der Bolksbcglückcr, weil eben Ricmand.da war. der sie eines Besseren belehrt hätte. Liechtenstein,' Lucgtr, Gcßmann, Patlai:e. ' n fleißige Besucher aller Bolksvcrsammlungcn, sie seien immer und überall da. Warn», steigen nicht auch die Koryphäen der liberalen l-anci hinunter in das Bolk und wirken belehrend und klärend aus asiclbc? Das Bolk sehe sie nicht, und sie sehen das Bolk nicht. Jetzt . erde" sich Gelegenheit biete», sich dem Lwlte zu zeigen und die Prin ' .men tlarzulcgen. Auf allen Punkie» der'neunzehn Bezirke. müssen 'Wählerveriamnilungen in häufiger Reihenfolge ftatllinden, und immer uiinen die Führer der Partei da sein und dürfen die Wähler nicht •' ..'in Schicksale überlassen. Dann lasse sich vielleicht auch noch der i.ilie Wahltörpcr hie und da retten, llcbcrdies sei der Wählerschaft ■ Augen zu halten, der Gemcindcralh sc, kein gesetzgebender .'iärver, r Üccichspoltlit nrachcn könne, sondern eine Bertrrtnng, welche die tz.alen WohlsahrtSvcrhältnisse wahrzunehmen und die Stadtgcmeinde za verwalten habe. Rachdem die Versammlung der liberalen Partei e.s aufgelösten Gemcinderaihcs Dänk und Bertraucu v. rin Halle, wurde beschlossen, Herrn Röhrl mit dcr Einleitung weiterer Actione» r-ehnfs definitiver Bildung eines BezirfswahlcomiküS und der Ein öernfnvg von W.ühlcrversanrmlungcn zu betrauen. Tic Zilsormationcil dco Abgeolduckc» Schlcsiustcr. In .stummer 17,7 des „Freien Blattes" berichteten wir über eine am iO. Mürz 1. I. beim Bezirksgerichte Neubau dnrchgeinbne Berband. lung. bei welcher der Fabrikczzit und HecresauSrüstungS-Ilnternehiucr Carl Ahorn er gegen den antisemitischen Schnciderincister und Armenrath Carl Halla als Kläger auftrat, weil Halla ihn entehrender Handlungen beschuldigt hatte. Ans eine ParlanientSrcde Schlesinger'« sich berufend, behauptete der Angeklagte, Ahorner habe ein Schein - consortiunl für Heereslieferungen gegründet und hiedurch die silcingcwcrbelreibenden auSgebeutct, den Gewinn selbst eingestrichen und die kleinen Schuster'eigentlich hintergangc». Zu dieser Verhandlung waren nebst Schlesinger auch Lueger und Gcß-mann vorgcladen; Erstercr halte sein Ausbleiben entschuldigt, dcr Letztere war zur Einvernahme erschienen. Schlesinger erklärte, cs sei richtig, daß er Obiges im Abgeordnetenhansc gegen Ahorner vorgebracht habe, doch wisse er an« Eigenem nichts, vielmehr habe ihm dcr Vorsteher dcr Schuhmachcrgenosscnschaft, Biza,-dic Informationen criheilk, und er habe cS für seine Pflicht gehalten, dies vorzubringc», da Biza - Wähler sei. Dieser habe die Verantwortung zu tragen. Wie Ahorner angab, soll Lueger nachträglich selbst zu Schlesinger gesagt haben, dieser habe einen Mißgriff gcthan, Ahorner habe den Klcingcwerbestand jederzeit unterstützt. Tie Verhandlung mußte jedoch vertagt werden und wurde am 4. d. M. wieder aufgcnoinmen. Dcr Angeklagte Halla. erklärte sich diesmal zu einer Abbitte bereit, die in Gegenwart dcr erschienenen Zeugen, darunter Polizcirath Binder und Commandant dcö Landwchrdcpotö Major Ritter v. Eltz, abgegeben wurde. Halla bedauerte seine Aeußerungcn mit dem Beifügen, nicht den geringsten Anlaß zu besitze», dem Kläger auch nur im Entferntesten in seiner Ehre Kahczutretc». Nachdem' dcr Richter dem. Klüger gleichfalls ein glänzendes Zcugniß dcr Ehrenhaftigkeit ausgestellt, zog Letzterer die Anklage zurück »nid Halla wurde frcigesprochen. 'EhrcilbclcidisiUllflsprockß gegen den Pfarrer Tcckcrt. > Dietz Hauptverhandlung vor dem Schwurgerichte Wien über die Ehren belcidignngSklagc der Herren Bernhard K örn-dr, Stausman», Johann S t r c i h a in m c rj, Geiucindevoisteher, und Johann Berger, Oberlehrer, sämmtliche in Eichhorn bei Zistersdorf, gegen den Warrer ' Decker! wird erst im September dieses Jahres stallsinden, nachdem die Aufnahme derselbe» in das SchwnrgcrichlSrepertoirc für die srülibren Monate-^unmöglich'war. ~ ' ((filt Straßtliexceß.» Am li. Juni kam es i» der Schumanngaffe in Währing zu einem antiiemilischcii Straßenerccß, über welchen eine anS polizeilichen O.nelle» schöpfende Correspondenz Folgendes bc richten lim 1'^ , Uhr Rachmiltags ging derin Galizien ansässig-. Naftale Pernetz, dcr gegenwärtig in Wien znm Besuche weilt, zu seinem 'Ressen, dem Branntweinschänkcr Moriz Perikry in der-Schn manngasse in Währing, um sich von diesem zu verabschieden, da er nach Hause reisen wollte. Auf dem Wege dahin passirlc Naftale , Pernctz, dcr einen Kaftan trug, .den Kinderspielplatz ckuf dem Tranche- 1 selbe. Da dcr Nachmittag am >>. d. der Wahriugcr Schuljugend freigegeben war, w »imelte cs im Parke von »inaben und Mädchen. Als nun Pernctz in seiner Tracht vorüber kam, wurden die Rinder au» ihn aufmerksam und folgten schreiend »nd höhnend dem ahnungslosen Manne. Als er' in die Rühe der Häuser kam, erregte der sonderbare Aufzug Aufsehen, und unter den Weibern, die müßig in de» (lassen und vor den Grcißlcrladcn standen, verbreitete sich sofort eiil nn sinniges Gerücht, das leicht Gla>iben »'and. Tie Weiber sahen den Inden und hinterihm her die Kindcrschaar-und -construnte» sich den - Züiaminenhang dergestalt, daß d.er Judedie .»linder an 'ich gelockt-.' Ipibc, um sic z» rituellen Zwecken zn gebrauchen. Pernctz-ging ruhig weiter, hinter'ihm' her die Menge, die sich dnich. vß-te WeR ,, Mädchen und Bursche, die zur 'Arbeit gingen, verstärkte. Tae ''\ rächt, das, jeder Grundlage entbehrend, gerade das Est-gentz. .ck/Wn - dein behauptete, was sich wirklich zngclragen Halle, ir.tzU iul ven Mund zu --Mund, und als Pernctz, am Ziel, ang.'iän.::. '.»r den '.'aden seines Neüen in dcr Schumanngasse trat,, 'ainnieli.- sich d:- 'Menge vor dem Laden an und »pann den Faden des "'erüchles weiter, -»dem sie den Eintritt Pernetz' dalnn ausiegie, daß di.-er ,c-i ">e::r Int.» Schutz suche". Einzelne Range» machte» den . A r-.ng, ^uoem ü. Steine gegen die Thür des Ladens nvuüi- Meriz Per,: tz sch'.-ß - beivrgl die Thür, doch das Sieinbo:>ibare-enieni dauerte s-:! B-.->. allen umliegenden Wachstuben wurde sofort die verfügbare S>äi--'litz'lls wachmännfchafr znsaiuniengerogen und ans'd.n Platz" eui-'e-a ei. '.stacklängerer ^eil gelang es erst, der Wache, die Straßran den . zu säubern. Wie geschäftigdie Phantasie st-.-inenen S:a>i suchlc. ' dafür spricht llker Umstand,- daß die Menge, als Vranter.tr.'i.ze'. mit - einer Tragbahre, zur Zeit des Exceifes vorüvekg!u.zen. w>'>en. wc-t'lr.-. „'jetzt t)oli inan die ermordeten ätinder ab". In 'Wahrheit ir.-.i. es .ick- - kranke Frau,- die städli'chc >trautenträger abbotten, um ne ur ein Spital zu bringen. — Män bring! in'ivi-hlnuorniiNeii alreijeu den Wahringer Slraßeuerecß mit den Hetzpredigten' :n der Wein! .»«sc! .!