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Freies Blatt · 1895-06-09 · 166 (9.6.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
166 (9.6.1895)
Date
1895-06-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Freie» Blatt. Seit« 4. Nr. 166. in beit amerikanischen Sotaocnfiaatcn denken.. Zunächst verdient die Tbaoache Erwähnnng, daß nnS von Empörungen der Sclaven gegen die Herren niemals berichtet wird. Tie Bilder, welche die israelitische Ileberlicsernng uns;eichncr, deuten auf einen ganz anderen Charakter de: Eelaverei. so wird man beispielsweise daS Bcrhältniß Abrahams :» 'einem Sbersclaveli Eliezer als ein geradezu ideales bezeichnen dll.'en Da ist nicht Maua und 'Digger, sondern ein Bcrhältniß gegenseitiger Liebe und gegenseitigen Vertrauens, wie unter zwei gleichste hcnbcn freunden: selbst beerben würde der Sclave den Herrn, wenn die'ein der VeibeScvbc versagt bliebe. Ein ähnliches Idyll zeichnet unS das Buch EamucliS i» dem Berhültuiß deS späteren Königs Saul ::: seinem Sclaven. Tie Beiden sind gegangen, die verlorenen Eselinnen reu Sauls Baker zu suchen: Saul läßt sich von dem Sclaven beraihen wievon einem guten Kameraden und entleiht schließlich von ihn daS Geldstück. welches er dem Samuel als Honorar für die begehrte AnSkmitt.geben will. Im Älen Israel können die Sclaven ihre Vage schon deswegen nicht so drückend und entwürdigend empfunden kaben. weil rechtlich ibrc Stellung dem Hausherrn gegenüber die gleiche lrar wie die der Uran, und der Kinder: auch Weib und Kind Ovaren ' r: tch dem Buchstaben des Gesetzes dem Hausherrn und Baker gcgcn- ::! er rechtlos. - lind doch ist zu allen Zeilen das Familienleben der Israeliten ein durchaus inniges, ans die Lauterste gegenseitige Viebc gegründetes gewesen." Tie gegenwärtigen Anderer WodanS tbäkeu jedenfalls gilt, wenn sie dje in der Hiurichs'schcn Buchbandlung in Leipzig erschienene :!u:ie, ab.: iubaltoreicke Schrift aufmerksam lesen würde». Zn :si'ntz :,::d »vrommen den'elbcn sei auch ein llrtheil über den Talmud ans dem Ialie IM:? wiedergegebeu. Man schreibt unserer Berliner Ab- :: .l: o.leoiu : Mir gebt zufällig daS 'Coita'sche Moraenblatt rem Ja: re!-1S durch die Hand, worin gelegentlich eines Eritc- I.-.m-o i.l a Ia^ob 'i'J e i i o „Iragnicule aus teilt Talmud und den :h'.::::T “ reit einem sachtuudigcn christlichen Theologen wie solgtgcschrieben >. :d. .. Ter Berfasier, ein israelitischer Jüngling, hat sich in seinem )>'•. Iahe attf d:e Balm der Autorschaft gewagt und ein Werk auS- - e:.:!r, da-o seinem M'uih den besten Vobsvruch crthcilt. Mit wahrem T:l::>l ':i: dulleberseyniigskunst gibt er uns eine sehr schöne Blumen- : st. a::' .mein Felde gesammelt, das in dem unverdienten Rufe steht, 1 u: Toruen uud T'.steln hervorzubringen. Tem erste» Bande ist eine eilst rudtuug über Mo'eS und die Talmudistcn und dem.-zweitcn eine andere über he Bersoui'iealion in der Hebräischen Poesie lind daS Eercin ulalgesiv in de: Hebräischen Religion vorgedruckt. Beide Abhandlungen! een Z»!-.".':ß ab von einer auSgebreireten Belesenheit, von einer in r. : Il-U.z: Ud.-d'ah: :n seltenen Keife des Unheils,' wie von einer auch in: mannst.:'?» Alter beachtenSiverthen Sprachgewandtheit. Herder'» Änsichrcu sind rou d ::i;ungeu Bcrfasier geistvoll ausgefaßt und mit sii'.v.r^o.i.r' Eigenrbün:lic!':eir dargcstellr worden. Tiefe Blätter haben, st : :n Zwecke euk'vrech.eud, daS <i'utc und Schöne, wo sic auch sichtbar :. .:dcu, .-st'entl.ch">: Knude;u bringen, bereits mehrere Bruchstücke au.- du'::.: Werkr mitgerbeilr: unsere Leser haben ali'o.zum Borans >d.n Beleg crbatken. daß dieser Beriuch einen nicht unwichtigen Beitrag :u: :ulrurge'chichtc enthalt. Tie Landesregierungen, welche endlich angst'angu:, tcu Zuruf des ehrwürdigen Tohm Minister v. To hm c!c!h-! n:gerl:ctie Berbenernng der Juden')' zu beherzigen, können ü,l> du:ch h-'e Tragliiciire überzeugen, daß die Sittenlchre der Israeliten .h> cukb'tlr, waS der Beförderung deS Reinmenschlichen cntgegcn- :: :'... tonnte. Referent. der nicht unbekannt mit den S.uellen ist, auS :v d''e I-raglueme gezogen sind, kann versichern, daß sich noch m : Baude von gleichem Wende daraus geben ließen — und es lra: von jeher .-iuo' schmerzliche Bemerkung, nicht bloß, daß man - d'.-'e '«''oldtorner in dem Schutte liegen laste und sie nicht auSsonderc .'.!'S o :: Schlacke» dcs scholastischen Wustes, der sic allerdings umgibt, :n daß man ai’itc Kei'.nrniß des Bildungsganges des seltsamen, :rst:::sto:i>'chen Bolkeo über dasselbe oü so schnöde als nnmenschlich nach dem Elende und in der Bcrachlung nmherwandelndcn Ucbcr- . abuttkeilr und '"eine Sittenlchre auf den Jahrmärkten und in den e '..'d.'.budcn studi:cn zu können glaubt. Gewiß, ein Bolk, das die L.h.e von de: Einheit Gottes so früh empfing und nie von ihr ließ, e.:o :.: d.st jammervollsten Zustand versetzt, unter qualvollen Martern und h: Memchhit ciilchrendcii Mißhandlungen seufzend, Lehren t:: r uadnd, d:r Lebensweisheit, der Tuldung und der a : i e::::; n; n :l>i cu! cheuliebe in seiner Mitte bildete, deren Srrüche asine ehrenvolle Stelle neben jenen von Confucius und Zero Tier verdienen, das in früherer, in späterer wie in der jetzigen Za: Blänuer zu den seinigen zählte, die jede Kation ehren — ein solches Bolk verdient das tiefste Mitleid, daß man die Masse desselben 'o zugrunde gelten lasten konnte aus fanatischem Wahn und miß- >'e:ßa»dener stcesigiosirät. Tic Zeit der Erlösung dieser Unglücklichen ist endlich gekommen ..." Das Cotta'sche Morgcnblatt war zu Anfang dieses Jahrhunderts eine der angesehensten deutsche» Revuen, -» deren Mitarbeitern die vornehmsten Gelehrten und Schriftsteller, Goethe an der Spitze, zählten. (Tie Exresse vor dem Rathhausc.) Zn der Sitzung des Ab gcordnctcnhanses vom ü. d. .99?. beantwortete der Minister des Inner» Marquis Bacquchcm die Interpellation der Abgeordneten Dr. R n ß und Geflossen in Betreff der Borfälle anläßlich der Bürgerincisterwahl in Wien iir nachfolgender Weise: ES war wein Erstes, alS ich Kunde von den höchst unwürdige,, Vorgängen erhielt, welche sich nach der Bürgermeisterwahl vor den, Ra», ham'e in der Rahe de« ParlamentSgebändes abspieltc», sofort die ciildriiiglichsten Erhebllilge» über die Vorfälle selbst und namentlich auch darüber eiiizulciic» ob die »Llhigen Sicherheitsvorkchrmigc» getroffen waren, »m AiiSschreitmige,, bintaiizichallc» oder doch rasch lmterdrückeii zu können. Obwohl aus Anlaß von Burgermcisierwahle» in Wien bisher AuSschreitimgen und Straßenexcesie nicht staltfandcii, waren dcnnoch seileus der Wiener Polizeidircction die folgenden Pornchisniaßregel» getroffen worden: ES wurden schon vor dem Beginne des Wahlactes zu den auf der »ächsigelegenc» Wachstube in der Barieiisieingasse ftationiitc» Wachleulen zwanzig Sichcrheilswachen unter FUHrnng einer Wache beamten und fünf Polizeiagcnlen coiilinaildirt und wurde zur Wahrnehmung der BorfaUelihciteii' und zur Jnformaiion der Polizeidircction ein EoiiceplS beaimer zum Ralbhauie enlicndel. Außerdem waren für den Bedarfsfall m Bereilfcha'l gchallea: :!2 Sicherheilswachen nnd k» Polizciagenlen im Polizei dircelionSgcbäude und 10 Berittene in der MüUnergaff'e. UebcrdieS ist die ständige Bersügniig getroffen, daß die Polizeidircction in Folge AvifoS an die Eommiffarial« in der kürzesten Zeit außer der bereit« erwähmei, Manil-chafl 1ll>1 Sicherheilswachen zu Fuß und zu Pferde an Eincin Pmlkle coiiccittrireii kan». Rach den mir ziigeloiilmclicn Erhebuiigc» der Pollzeidirccrio» war der Verlauf der Begcbciiheilc» der folgende: Tie Lilnalion in der llmgebimg des Raihhaufcs war tc» ganzen stlachmitiag eine ruhige. R„r in der pichle,ikelSgasse vor dem Lcitemhore des RalhhavseS samiiiclien sich gegen Uhr ungefähr 150 Personen, lvelche ans Rachrichle» au» dem Ralbhauie warteten. Ter größte Theil dcs PliblicumS war jceoä, „ich, alif der Slraße, sondern im Hofe des Ralhhanfes nnd vor dem SitznngS, iaale aligefaminelt. Auch hier verbielk sich zunächst Alles noch ruhig. Rach dein drillen Wahlgange brachen die Anwesende» in Hoch Ruse auS, welche sich auch a»f die Slraße foripflauzien. Ilm diese Zeit waren auf der Straße die meisten Menschen aiigesanlinctt und belief sich die Zahl derselben nach Hiiizukomine» der au« dem Rathbanie ströinenden Personen auf ungefähr 2000, welche sich in der Meinung, der Wahlact sei beendet, größlciitbellS cinfcrmcii.- 2,iziviichc,l wurde cs bekainit, daß ein neuerlicher Wahlgang stattsindc. Es sainincllen si», in Folge desien wieder inr Hofe deS Rathhanfes die Menschen a», und auch i» der vichicnselSgasse blieben ungefähr 200 Personen stehe». Auch ui» diese Zeit; verhielten -sich die Anwesende» ruhig, so daß die postirte Wache keine Ursache bane, eiiizuschlelleu, und winde deshalb auch die consignirte Bereitschaft nicht hcrangezogen. Als um " Uhr AbcndS der Wahlact zu Ende mar, strömte» die Amveiciide» ans dem Ralhhanse heran«, und schwoll dicÄtenge, durch zahl reiche stieugierigc vermehrt, lvieder auf ungefähr 2000 Personen' an, welche Hoch-Rufe auSbrachlen. In diesem Momente wurde die gcsammte Mannschaft von der Bariensteillgasse in der pichtenselSgasie, Barteiisteingasie und Reichrralhs straße zur Aiifrechthalkling der Ordmiiig veriveudet. Eine größere Alifammlimg fand' in jenem Momente statt, als die Menge ans dem Ralhhanse heraus strömte »ud durch die in der pichtenfelSgasse angesaiiiinclte Menge eine Stamiilg eintrat, welche jedoch nach kürzester Zeit dlirch Intervenlio» der Wache behoben iviirde. Als die Heere» (öemeindcrälhc Franenberger und RoSke das Raihhalls verließen und evtaunt wurden, erschollen Hochrufe ans Herr» Tr. Lueger, Pfui- und I'er'c-at-Rnse auf dieselben. Dem (Äemeinderaihe Franenbergcr, welcher sich durch die Lartelisteingasse entfernte, folgte schreiend eine Rienge von ungefähr 20«> Perwnetl. Um die nachfolgende Menge, lvelche sich i», Pslli-Rnlen erging, abzuhalteli und Eiemeinderalh Franenberger vor Be lästigmlgcn zu schützen, wurden vier Mann Wache coinmaudirt, weiche den selbe» zum Temschen Volkslhealer begleiielen, woselbst er eiuen Tramway ivaggon bestieg. Tie Menge war bereits nächst der Toblhoff'gaffe zerstrem worden. Ter Ecinciilderaih Roele, welcher sich durch die Reichsralhstraße zum Parlameme begab, wurde ebenfalls mit Pfui- und I'ere-ut-Rnsen enipfaugeil. und begleitete» ihn ungefähr 400 Personen, welche sich in Beschiliipfungc» ergingen. Um eventuelle lhätliche Insulte zu verhinder», beorderte der dienst habende Beamte vier Mann Waäre, welche den Abgeordneten Roste in die Rlille nahmen und zum.Parlamente begleiteten. Hierasis wurde die Menge in kürzester Zeit zerstreut, mit herrschte bereits nach Uhr vollständige Ruhe 'Rach» dem Parlamente hatten sich mit 8 Uhr ungesähr 50 Personen auf gestellt, sie leisteten jedoch der Aufforderung der Wache, sich zu emferne», Folge. Ei» Journalist erlitt anläßlich der Ailsammlungen eine Verletzung durch einen Sleckhicb am Kopse. Wer ihm dieselbe zugefügt hat und wie sich die» er 4

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