Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 165 (2.6.1895)
- Date
- 1895-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9. ITr. 16.',. _ ’ freies ,,.,d Die Tebatten über die Wahlresorm, die Steuerreform und die Handels-' lamincru Verliesen ruhig. Bloß bei hämischen Aeußerungcn BrzeznovSky'S gegen Parlament wurde lebhafter Widerspruch erhoben, und dessen Angrifse auf die liberale Partei, insbesondere aus den abwesenden, weil »ichl geladenen Abgeordneten des Bezirkes, Prosessor Dr. Habermann, wurden durch Glasermeister ^riedl sehr wirksam zuruckgewiesen. Die ganzeActio», welche als Vorbereitung für die bevorstehenden Gemeindewahlen eingelcilet worden war, maaNe ei» schmähliches FiaSco und scheiterte au den» geschloffenen und ent iän.-.ene» Auftreten der sreisinnigen deutschen Handwerker von MährischOstia». 2lus antisenlitischen Blättern. iZllllNtr bcworfkll.) Im „Deutschen VolkSblait" wird über den am »!>;. .‘iJi statlgehabten Bluinencorso berichtet: „AlS in den Abendstunden der He>: nsgcber unseres Blattes, LandkagSabgeordnetcr Bcrgasti, mit Gemahlin sich der Corsosahrt in einem einfachen Wagen belheiligte, wurde er von de» am o'.'i'o lheilnehinenden Antisemiten und deren liebenswürdigen Frauen mit iu;i".:i Nelken bombardirt, so zwar, dag die Fülle der ihm zugeworskncn Nelke» hmg. reicht hätte, um eine ganze Atttiseinitenversammlnng zu decorircu." Bergani wird immer beworse». Bei einer anderen Gelegenheit erwiese» ihm stramme An,! amu» die zarte Aufmerksamkeit, ihn mit Zeitelchen zu bewerfe», ans denen i,: ’ :,cr Schrift die treudeutsche» Worte standen: „Polonsli, wann zahlst du deine Ehrenschuld an Hauck?" Und womit wird er erst an dem Tage beworse» werden, an welchem die Prophezeiung Jro'S in Erfüllung gehen und es von der t':»Ie» Bahngasse fürchterlich zum Himmel stinke» wird? Wir gönnen den Erfolg bei», Blnmeucorso, denn er wurde in letzter Zeit von emer.r 'chwercn Mißgeschick heimgesucht Eine furchtbare FeuerSbrunst bat seine «Momrsslätte, das Dorf Solec bei Lrohobycz. eingeäschert, und die „Ehalnpa", in wächer dieser teulsche Mann als stiachkoinine eines Bcroneicr „Ade!« g,-'.t echtes" daS Licht der Welt erblickte, besteht nicht mehr. Har man e» da „i.tit mit einer Brandlegung seitens der Inden oder der noch schlimmeren La.oncriäiicr zu ihn»? Eine Untersnchnng wäre jedensallS dringend gebolen. Eine deutsche That.) Die „Ostdeutsche Rund schau" eifert zwar g>. ln die „Berpsasfnng" des AntiseniiliSninS, aber sie will eS auch »»l Herrn V i! eger nicht ganz verderben und lobt eine derrtfche That desselben, indem sie über einen Empfang der Fleischhauer u»d Fleischselcher im RalhhanSlaale idufibt: „ES war ein deutsches Fest, trotz Schulvtreii'.Sverleuindnng u. I. w. Tickmal erschien auch endlich eimnal die erste deutsche Karle; welche Inndrbat, warAüchc und Keller bieten! Herr» Tr. Lueger war eS alio vorbehalien,. der denl'chen Sprache im Ralhhanssaale zu Wien 3,111, Rechte z» verhelfen. Das verdient . sestgehalten zu werden — gerade den Herren vom Tcnlicheu Lä'inverein gegenüber." Ter SpeiSzettel war also deutsch! Lehr schön, wie haue aber auch selbst ein so ausgezeichneter Kenner der Französischen, wie e« z B Herr P a t t a i ist, Lneger'S LieblingSspeise, ei» „Benscht", inS Französische -ttbersttzen sollen? . Bon dc» Polttikcrn der WkilZklSkroiik.) Bon befreundeter Leite erhatte» wir folgende Zuschrift: Ter journalistische. Wahlkampf, der schon jetzt — uian lönnte sage» praeseote catlirrerb — um die erlediglc» ReichSraihSmandale in Mähren von tschechischer Seite geführt wird, gestattet wieder einmal einen gettaileren Einblick in die innerste» Herze»Sreg»»gen der sich streng fortschrittlich geberdenden Kreise der leilenden tschechischen Politiker ohne Unterschied der tzatttttinlance. Tr. August W e e b e r, der langjährige »nd verdiente Vertreter von O lmütz Proßnitz im ReichSralhe, soll, wen» eS nach dem Willen der Altt'chechk» ginge, durch de» Proßnitzer Bürgermeister, den Apotheker Earl V . j a v e k, ersetzt werden, einen Alltichcchen, unter dessen Aintssührniig der b. ttatste Boycolt gegen alle jüdische» Kausleute insenirt wurde, die nicht znn, T.chechenlhnme schwuren,' und dessen bürgermeisterliche Thäligkeit durch die .-i-sichirnng von Zettel» genügend illustrirt wird, welche Todlenköpfe lrnge» »nd Alislchrift: 8mrt riäum a okweüiu (Tod de» Jude» und Tenlschcnt! Ter .''tiinncr alttjchechische „Ilias", welcher in einer seiner letzten Nummer» aus die Wahl eines Nachfolgers des Dr. Weeber im Parlamente zu sprechen kommt, .endet sich dabei hauptsächlich a» die jüdische Wählerschaft, der alle« Mögliche r.-iiprochen wird, wem, sie mit den Tschechen geht oder sich zumindest neutral t ibält. Andernfalls wird ihr mit Repressalien »qch dem Motto Svfij k svüuiu -- roht, indem bemerkt wird, diese Wahl solle-den Prüfstein dafür bilde», wie ii die Tschechen in Mähren künftig de» Juden gegenüber zu verhalten haben ■ rdk». Nicht ininder freiheitlich gesinnt als die Anhänger Bojasieks scheint n-.ck jener Theil der tschechischen Wählerschaft Mährens zu sein, welcher über die Wi^derbesetzung des bisher von Dr. Fanderlik innegehabten Mandates ».Reustadtl-Saar zu entscheiden haben wird. Hier svlljneben dem Eandidate» der O niladinisten, Dr. Stransky, der famose Jaromir Hniek, der ehemalige Odacteur der noch famosere» „ö.e s k ö Zajuiy“, candidirt werde». Tie nier'esfeii des tschechischen Volkes vertreten, dies die sinngemäße Uebersetznng -eS Titels der vorgenannten Zeitschrift, war für de» guten Huöek gleichbedeulend mit rüden Angriffe» auf Alle«, war nnr irgendwie „nach Palästina >vch". Geistig stand und steht der Mann auf derselbe» Stufe mit seinem Blatt. College» in s|.c aus Grinzing, dem nunnrehrigen Bcrrreler de-: dritten Wiener GemeindcbezirktS im ReichSralhe, der das iaieinifche Bnßbekenmniß durch eine philologische Studie in da» vollSthü,mliä>e!'t e r >...-uvi! verwandelte. Tie ..i'.'Oske Zaimy erschienen in Prag. Man siebt, wie sich - Fäke» spinnen. Auch i» Böhme» ist im Lager der Tschechen Alle« berni Attest 'geblreb.cn „Ter sorlichreilende RadiealiSmuS bedeutet leine Ber»i»g»ng der Priueivielr; nur die Personen, wel.tie „unser-Votl" rep.äseittircn wolle», sind jünger geivorden — man liebt die Polilit und die Avguincnie der ' trage. Bia,, sindel die Lau buichev Aisairo begreiflich, um nicht zu sirgen gerechtfertigt. Lo'berö-ienilichen die ..I! y .1 iovi k .• N 0 v i ny"/ ein ehemals 'altttchechifcheS Lvcalbtatt, welches mit dem in derselben Lladl erschciiiciidcn Oinlakiiiisteilorg.ru 11 n I i <1 1 i 11 an Gesitzittingsiiichrigkeit iveiteiferi, zur Rechiierrigung der unerhörlcn Berletznng der Llaatsgrnndgeietze in La'ibn'ch eine Liatistil über crecnrive, von Zuden veranlaßte Gitterverläufe in tdatizien. -Tics geschieh: in einer Stadl, die der Munince»; eines ihrer jüdischen Einwohner ein nionuinentaleS Waisenhaus verdankt, dem aber nur wegen seiner Consessio» das Ehrenbürger-recht verweigert wurde. Wahrlich, man tarnt cs einem 'Ti.iilcr wie Lvatopluk > ech nicht übel nehnicu, daß er leine Lust verspürt, unter die modernen Politiler der WcnzclStrouc zu geben t Beschlagnahme.i Zn der Wohnung eine? tschechischen MedicincrS in der Stadt Weinberge wurde dieser Tage eine polizeiliche .Hausdurchsuchung vorgenoninre» und bei derselben eine Anzahl antisemitischer Zeii''chrisleneon siScirt, rvylche jenem Mediciner von dein Mechaniker L ch n e i t e r -aus Wie» eingeichickt worden waren. ttz'lwas fiir nltcriiöc deiilschk Jiltlgftaiic».> Tae BKtel Ablwardthsihe Organ schrieb neulich zur Tarnachachtniig siir sitzengebliebene gernrauisthe' Lchrne: „WaS hilft aller Zwang, wenn der junge und si-thtt allere Man» nicht heiraten fault? Eine Zeit, die mehr und mehr die MaffedeS Balles zu Lohnsclavcn herabdrückt, taneiv eine l.eiue Zahl von IiästSiuden fabelhafte stieichthünier znsanimcnrasse, in der Eheschließung io »»günstig rvie möglich. Ta» sollte sogar ein .nind einfthen! Daher genüge nnieren Schönen der t'srnndsa tz: B.M-r heiraten wi ll, der kaufe u idit bei 1» Z rrden!" Ter AnliienliliSninS ist, ein Panacee, das wissen wir schon lange. Nnu haben wir auch den Schlüssel dazu, warum i» den antiieniitischcn Ber-- sanrnilungen unler-den zahlreiche» FrauenSpersoneil sich nie eine Juugsrau beiiudcl. t?ir BcichlilSigililgr» gcgcli dcu Rcdaklcnr der ..>irLuzzkiiiilig".> »nrz . vor Schluß des deutschen Reichstages tarn in teniselbeir arich der Fall H.rrnnrer steiu zur Sprache, und eS wurde die Frage ausgeworseu, oh der Redacteur der „.llrenzzeitnug". deS HauptorgancS der Tivoli-Antiiemiten, gegen die An schitldigungeu der Fra»ks»rttr ,,'tlciiicn Presse" den GerichlSweg beichrilten^ habe. Zn der E'klärung deS Herrn v. H a in >» e r st e i n im Reichstage, cv hälte die. Klage gegen die „.'iieiiie Presse" schon cingebrachl. benieilt fet „Vorwärts", der edle släinpe für Gott, Siö.nig und Vaterland sei dabei >'ebr vorsichtig zil 'Werke gegangen, indern er nicht de» verantmortlichen Redacteur, sondern Herr» S 0 n n e 1» a.» 11, der bloß 'Aetionär lenes Blattes ist, geklagt habe. Tie „Naliviial-Zeilttiig" schreibt: Ein Fall wie der deS Herr» v. Hanrinerstei» sei im deutschen össenili.he» Leben überbanpl iioch nicht da gewesen. Lcandale. hätten sich in allen Parleilagern schon ereignet: aber eS habe im Vergleich mir dein vorliegenden Falle. nichlS^t, bedeuten, ob irgendwo eine Parteigröße zweiten pder dritten Ranges füll strafbarer Handlungen schuldig, gemacht habe, welche mit der politischen Thäligkeit überhaupt in keiner oder doch nur in loser Beziehung standen, lllegen Herrn p-. Haminerstein. seien mcht tliibcstinimte verlenmderische Jusiiinaiicucn. von der Art derjenigen, die eine Lpecialität ' deS von ihm geleiteten BlalleS find, clbrben, sondern es seien klipp nud klar.die ehreiirührigsten Tbatsaclieu behauptet worden: dieselben würden, wen» sie sich alS wahr erwie-en, ergebe», daß die Verlrelniig der con servative» Politik in ihrem leitenden Platte »nd durch ein?» der parlamcntarischen Führer ein dreister Hunibug gewesen, ind.-nl sein periöulicheS- Verhalten in Fragen deS Mein und Tein und hinsillntieli der sittliche» Lebeiissnhrnug im schroffste» Gegensätze zu der allzeit aus daS HeranSsorderndfte betriebenen- Verlrelniig der Grundsätze. der Moral, der'Ehre, deS .EhristentbumS u. s. >v. gestanden hätte: Daß festgestelli werde, ob inan eS liier mit Wahrheit oder Berleumkniig zu lhun habe, dies werde erfordert ditrch die 'Rolhwendigkeit, in der deutschen Politik Einst und Sittlichkeit ansrechlznerhalteü, sie nicht^zn einein anrüchigen Gewerbe herabsiule^r zu lasse». Tie Andculnng, daß die be-. schuldigende» Bebanpliingen a»S cc»>ervativer O.uclle staminen, lerichwere den Fall außerordentlich. Tenn sie beruhe aus der Annahme, daß die behaupteten Zustände seit längerer Zeit innerhalb deS Streifes der oonservativen Parteiführer bekannt gewesen seien, daß ein Theil dieser Herren bereit war, sie sortkaneru zu laffeu. und daß die Berircler einer minder weilherzige» Auffassung kein anderes Mittel gehabt, als die Angelegenheit selbst in die Oefienilichkeir zu bringe», nachdem verschiedene conservative Cicero« vergeblich - sich bemüht hätte», Caiilina a»S Rom hinanSzuredc». So die „'Rational Zeiluug". Sehr viele reichSdeutsche Atttisemitenbläuer aber, welche sonst, wen» in irgend einem Erdstrich eine CorruptionSgeschichle auftarichl, den Mund voll nehmeti, verhallen sich im Falle Hammerstein mäuschenstill.