Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 165 (2.6.1895)
- Date
- 1895-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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reite <> freies Blatt. -O. nicht weiter achteten, trat einer ron ihnen, der Ha»dclsa»gestellte Vudwig Kern, 'der Dame in den Weg, »nd aus die weiße Relke deutend, riet er der Erschrockene»;u: ,,'^et>' der an da, Israel luitl ürft nir;n erkennen geben und trägt weiße '.Kelken " Dr. Kraus gab bierauf deni fremden Manne eine SThrfetgo. Der letztere ftflrjtc >iti) auf Dr Kraus, schleuderte ihn zu Boden und versetzte ihm mit dem Dtocke einen Hieb über die Wange. Passanten trennte» die beiden Kampsende», bevor noch der Erceß größere Dimensionen angenommen barte. Kern mußte einem herbeigeeillen Dicherhcilswachmanne auf das Eomniist'ariar folgen, seine (Genossen hatten sich recblzeit'g ans dem D taube gemacht Am Mai harte sich nun Ludwig Kern wegen Ueberrreinng gegen die körperliche Sicherheit;u verantworten: Dr Kraus war wegen der* dem Kern applieirte» Ohrfeige der Ehrenbeleidigung angeklagt Kern verantwortete sch dahin, er habe aus Rolhwehr gclnindeck Der angreifende ibrib iei Dr. Kraus gewesen, der ihm eine ickiallende Dnrseigc versetzt habe. Dr.' Kraus sagte, 'Kern habe ohne leben 'Anlaß eine in seiner, Gesell'chasl. befindliche Dame beleidigt, und daran' habe nur die eine Antwort gepaßt — die X'ljrfeigc. liegen .Viiite—mit solchen lliiigangstoruien, wie sie der junge Mann damals reizte, 'gebe es nur diese Art der Auseinandersetzung. Er gebe de» rbseetiven Tbail^siand der Ekrenbeleidigui'g zu, doch sei sür ihn ein unwiderstehlicher Zwang. den Kern ohrfeigen, Vorgelegen. Er habe Kern nicht aut' Eiireilbeleidigung wegen der gebranchien aütiseiniliiche» Worte geklagt, denn für solche Ungezogenheiten schasse man sich selbst am besten mit der 'lachen Hand Datisfaciion. Aus die Frage des Richters, .as Kern veranlaßt habe, die Dame zu insultireu, erwiderte derselbe: , Wir batten damals viel genullte», und mir schien es, daß der Herr d" weiße 'Kelle. die doch bekanntlich eine antisemitische Parieiblume st. nur darnn! gelaust hatte, um u»v zu prvvoriren " Fräulein Dchr.nber ais Zeugin bestätigte den Dachveiliali eonsorin der Anklage. Das l'inr:e eom'tatiite eine leichte Berletziing ' durch einen Dlockhieb -n Dr Kinns Der Richte. erkannte beide-Angeklagte schuldig »nd . rnrtbet.te .Kern zu ' a ch r n n d v i e r; i g Dinuden Arrests, Dr Kraus; ii -0 ''' nlden l^eidstrafe. Elllt i»i>i-7-crtic Fragr. Docialisti'chc Blätter belichten, daß barer'Anton Kali na, gewesener Psalter in Moraichitz. der wegen eines D i l l l i ch k e i l s v e rg e h e n s zu b r e i' M o n a : c » K e r t e vS -n- : r n r k v e.il l worden in, die' Erlanbniß erhallen habe, 'eine Dlraie in erneut Kloster abbüßenzu dnrsen. Er sitze nun im Kloster in Dpot'chno, ,ste und re1111k. was er iuoU-, leie jeden Dag die Meise und xr.n'e, wie seine Berwandten erzählen, sein Gefängnis;. Wenn dein wirklich >'o ist, möchten wir nun gerne wissest, ob aud) einem -Kidst'eben stialbiner, der 'ich eines ähnliche» Delirres schuldig gemacht batte, eine eben'o erträgliche «^e'angenfchask bereitet würde? LkiMlialtcr Graf BaDciii grizrii dir JWiflcnlKtiC.i Wie wir r . .. D i. bol verer Handelsreiinng" eniuekmen, bat Dlallhallei Gras Baden.!, ais er iürtljch in Koloinea weilte, deni Borstande der i'raelili'che» Euliüsgeineinte g, genüb, i beloni, daß er es als seine , Au'aal'0 betrachte, ans die Wahrung deS conseisioneUeu Friedens bedachr zu iein und ankiseinili'che Hetzereien nicht auffomiivoit zu lassen lieber den jüngstem Danbnicher Fall drückte der Dtakihaller 'ein liesstes Bedauern aus und gab die Bertickernng, daß eine strenge linier- 'n-änrng die schuldigen einer empstudlicheri Bestrafung zufübren und : Alles ge'cheben werde, nm einer Wieder Holring solcher Fallp vor tnbengen. an der Dbai -bar sich im Aufträge des Diaiilialters der Ho'rrib tf'raf Vo^.nach Daistniich begeben. Den coinninnalen Würden- . iräaern dieses Wirtes wird iuin hoffentlich.der Diandpnnkt klar gemacht ioeiden. Die berufen sich auf eine Entscheidung der Vorgesetzten BerwaltungSbeborde aus dem Iabie l^l/.', uni ihr „Piivilegiuni", .lndeiilwtze zu betreiben, historisch zu begründen Man dais aber die Erwartung hege», daß der Delegirte der Dtailh'alteiei ilmen die Bedeiming der Dlaatsgrundge'epe, welche derartige Borrechie aushobcn, ein'chärsen werte.; i All? Der fraiizönfäic» Kam »irr. Die parlamentarischen Per-! b.er Drumanl's, ',n--:>-I:ini Draumanu's haben dieser Dage in der! 'ranzo'iichen Kammer einen Borstoß versucht, der jedoch die ihm gei bnbrende Parade fand Der antisemitische Depulirle DeniS richtete an die Regierung ine in den bekannten Wendlingen des interiiationalen AnliiemireniargonS abget'aßte Interpellation über die Rollo, welche | Dnden in der staatlichen Berwaltung spielen. Als Denis allgcnieine ' Berdäcknigungen und Beschuldigungen gegen die Juden erbob, wies! ibn der Präsident Brii'i'on miit den Worten zurecht: „Die können j nicht auf 'olchc Weste eine ganze Kategorie von Dtaatsbürgern verdächrigen. Wisten Die Bestimmtes, io sagen Die es." Rachdem der! anlt'cmirische Abgeordnete d'HugueS in übnlicher Weise wie DeniS ge'v: cchen baite. ergriff der Loeialist Ron an er das Wort und Nr. lg.'. sagte:-„Wir Docialistcn wollen heute erklären, warnm wir weder :nst den Antisemiten noch mit der Regierung gehen können. Wir si:-t der Ansicht, daß der Antisemitismus ein schweres Bergch'en gegen die Prinzipien der französischen R v o l n t i o » enthält, /W i r k e n n e n k e i n e -R a c e n n » t e r s ch ie Der nnsterbliche Ruhm / der französischen Revolution war cs, . llinerschicdc von Racc und Abstammung vernichtet zu haben. Großmuth, die Frankreich 'damals zeigte, hat »ns groß i» der Wa l gemacht. Wir t heilen auch die Ansicht der Ankiseminicht, daß die Juden an den Mißbräuchen der jetzi, „ Gesellschaft schuld s ind. Daß nur sie Eapitalsunfug treib , ist einfach unwahr. Prinz Eond>- war ein Dpeeulant, wie Man b - Wenige findet Er machte ein Manöver mit Mobiiiarwerthen, wo: . er in ivenigen Wochen 58 Millionen erschwindelte. Uebrigeus in . jvpk in den Bor zimmern und DalonS reicher Inden die Edellente Mitgifijäger und AehnlicheS. Do koinint es, daß man die Juden i: 1 »Kr sür ihre eigenen Fehler verantwortlich macht, sondern auch die einer herabgewürdigten Aristotratie, deren Bergangenheit »: übrigens bester kennen sollte. Im siebzehnten und achtzehnten Ja. j hnndcit wurde der Goldschwindel in großem Maßstabevon Adelii gelriebeirz mau lese doch die Geschichte nach. Jüdische »nd christl:.-:- Agiotage sind ganz gleich. Z.'avallelte, Doubeuran, Bonlonr kennt . — wer 'weiß nicht, daß einer unserer katholische» Financiers z:. (''lafcii Kalnok» ging und sagte: .Ich habe kaiholischeS lffeld, da. -! will ich die Balkanlä»der> Dest.erreich näher bringe». Die Bank >vi . im Balkan machen, was Desterreich nicht direct kan», nämlich : , französisch rnssi'cheir Einkli-ß bekämpsen.' Da haben Die einen tan >. Indien valerlandslose» Financier. Der Parlamenlskaiis bestehr audi - jubcnreinen Vänder» In Eolnmhia wurde das Parlanienk r'ür : Panama Gesellichasi bestochen, in Amerika besteht ein Bcstedinngsta: für BolkSverlreler, und dodi haben Juden dort notorstdi keiiic» En: t'lnß." Präsident Brisfo» »irlerbradi den Redner: „Id> bitte, ln.icht in diesem Tone vom AuSlande zu reden." Ronanei hierauf fort: „Gut, fiucd)cit wir ron Panama, das ist dod> fuiir, fifdier Boden > Gelüchreri, zerstören wir aber bei dieser l^elegeiih-.n die legende, daß die Juden die Hauptschuld an Panama liüin.- Arto», Herz nud -)ieiitnrf) waren milsdiuldig, aber Hunderte rc Millionen find spurlos versd,wunden, und zwar in d)lifttidjc Daiclnn Der BerwallniigSralh und andere große zKehmer waren Katholik,., und Aristokraten. iVatihtid) gab es in der Dchwindlerinenge andi .- - paar Inden. Bei all diesen Ddiwindeleie» sind aber die Christen gierig wie die Juden. Denis hat - Unredit, wenn er als Republikaner 'agt, die Inden seit» nid>l assimilirbar. Es hat einst genügt, .tc': 'ranzösiidie Prolestanle», die dod> gute Arier waren, von Franlreid' losgeristen wurden, nm ans ihnen (''clMcntc zu madicii »nd iblen Eharalter;n ändern. Bis 1^8-K erhoben f i d> die E a p i rals feinde nid,! gegen die Jude», sondern gegen die P:. lest ante», b'escu Die, was früher gegen die eiugewanderte» Ddrweiz Piot-staiile» geichlieben wurde, wie man sie beschuldigte, daß sie e Bolk aus>augen und bewudiern; genau so sd>ildern die Antisemi: - beute die Jude», Das beweist, daß ivir »ns einer ökonoiui'd>e» Fra,., gegenüber besiudeii, der zwischen Grundbesitz n»d heweglid>eui Eapiia- D (r A »riie in itismus ist eine der letzte» Dchlachre'», , der unbewegliche Besitz dem beweglidien im Kai»-' n m die Macht liefert. Der A » risem i tismns ist uns ans Deutschland zugesiihrl worden. I» Italien und Dpa»'..» gibt es keinen, in D e u t s d> l a » d wird der A » t i s e m i I i S in a ■ v o» Feudale» und Agrariern geleitet und nur dnrdi D streligion nntdstützt, denn die stieligioilSmacht unterstützt überall staatlichen Forme», i» denen sie groß geworden ist." Rad>de>» - Debatte ans Wu»sd> des ehemaligen eifrigen Boulangisten Ragn:'. eines Juden, vertagt worden war, ergriff dieser in der nädisten Ditzn das Work. Im Wesentliche» sagte Raquet: „Ich habe zuerst a» , Debatte nid)t theilnehinen wollen, weil id) ein Jude bin, um ui-iv. |»o ilcnif zu sprechen. Aber die Antisemitenblättcr sage», kein Ir' wage das Wort zu ergreifen. Um nun dem Borwurfe der Feigheit : begegnen, spreche id), obwohl ich schon seit Langeni durch eine E>. mit einer Katholikin meine Bestrebung zur Bermischuiig der Ra-,'.i bekundet habe. Die algerischen Zustände, sagt man, habe der jüfi'dt' Minister Cremieux verschuldet, und man vergißt, daß daS Decun. welches die fremden Juden in Algier zn Franzosen machte, schon i,-:: Emil Dlivicr vorbereitet wurde. Wenn die jüdischen Consistorien i„ Algier sich in die Teputirtenwahlen mischen, soll man die Wahlen einsad) annulliren wie andere clerical inspirirte Wahlen. Ich bi» Fiü denker. G>-ranlt-Richard scherzte neulich über die Möglichkeit, daß ich mich taufen ließe — das fiele mir ebensowenig ein, als midi be schneiden zu lasten, wenn es nicht schon geschehen wäre." Roanel