Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 164 (26.5.1895)
- Date
- 1895-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Seite!' ZTt. 164. Freie, Feuilleton. Z n Acht und W u n n. tioman aus Polens Dorzrit von Carl Griot. ' ■ (•;. ^oiliot}ini.i ) Einige Tage darauf war Bogdau von OSwielicc, ausgerüstet mit Weisungen deS Königs, abgereist; er hatte ei» kleines Gefolge, sehend aus Herolden, Knappen und Reisigen, mit sich und kam, hieß cS, dem Herzoge von Böhmen Mitthcilungen zu machen von erfolgten KönigSkrönung feines Herr». Daß Bogdan dazu auSerfehen war, diese Botschaft zu überbringen, .'...glc man natürlich finden, da er ja auch dem Hause der .Piastcn ntfcrntem Grade anverwandt sei und wohl aus diesem Grunde dieser hohen Würde auserkoren war. FroSwitha hatte er, ehe er >.n:ging, dem Schutze seines alten Freundes, des edlen Kanzlers Grafen 7vilichncv, gestellt, da sie ja sonst, fremd in der Hquptstadt gewesen, üL vereinsamt fühlen mußte; unter des alten EdclmanncS Obhut konnte . sie getrost lassen, und sie durfte dann auch an den Festlichkeiten thcil >>. men, die am Hofe staltfandc». FroSwitha aber verlangte cS eigentlich nach rauschenden Bergnügungcn und fröhlichem Mummenschanz, Herz war voll von einem Gedanken: sic wollte ihn sehen »nd öfter -iegenheit haben, in seine Rähe zu kommen. - Denn jetzt, in diesen 7agen deS Glanzes, da hatte sich die stille, - keimende Vicbe in ihrem Vzur lodernden Leidenschaft gesteigert, und wenn sie vordem in "olcslav nur den tapferen Ritter bewundert und seine cdleü Eigen icii-iften angestaunt hatte, so war diese stille Bewnnderniig nun zu giiilicndcr Begeisterung geworden, und daS innige, sanfte Leuchten ihrer V -bc, die sie so lange für den angebctcten Fürsten im Herzen ge- - agcn, war zur hellen Flammc entfacht. Stundenlange konnte sie dann mit der getreuen Dienerin von dem sprechen, was ihr Inneres bewegte, und sic wurde nicht müde, rem Mädchen von der Herrlichkeit zu erzählen und von dem strahlenden Glanze, in dem der thcuerc Mann ihr erschienen war am KrönungS- >age. „LH! hättest du ihn nur^ gesehen," rief sie entzückt, „pon der : ilic gesehen, wie ich eS lhat, als er in der Kirche die KönigSkroiie ■;;i sein Haupt setzte, wie strahlte da sein Auge mit freudigem Glanze,; :r nachher, wie er stolz zu Roste dasaß, daS edle Haupt erhoben und i! Blick seiner schönen Augen über die Menge hinscudend, die da vor iiim tniete, ja kniete Gertrud, wie vor einem Gotte!" „Ja, und einem KricgSgottc gleich war er wirklich," fügte Ger id hinzu, „ich sah ihn ja auch, edle Herrin, und ich habe nie waS -chöncreS gesehen, in mcincm ganzen Leben nicht." „Ich denke auch stets daran, und sein.holder Anblick begleitet mich in meine Träume." ..Träume? Weshalb aber träumt Ihr bloß, edle Frau, wo cS so chl wäre, diese Träume wirklich zu erleben?" „Tu meinst? Gertrude! — Es soll nicht sein! Ich fürchte, mich!cht beherrschen zu können!" „DaS wäre doch daS Schlimmste ni^lfp, wenn der König in Euern "ngen lesen würde, waö ihm wohl aus den Augen Aller entgegenlichten muß: Liebe und Bewunderung" „Aller! Gertrud, damit hast du Recht! — Alle lieben und Vergeltern ihn — und dürfen diese Liebe frei und offen cingcstchcn — 11b ich. ich dürfte dies nicht?" „Ihr dürft'S, Ihr sollt's!" rief das Mädchen, „seht Ihr denn nicht, daß seine Blicke nur stets Euch gelten, und daß deS Königs Majestät Euch bei jeder Gelegenheit auSzcichnct vor den anderen Damen deS Hofes? Und wie war's denn neulich, als Ihr von der' Hoftafcl erzähltet, und dabei Stolz und Glückseligkeit aus Euern Augen strahlte? „Ach! Ja!" sagte FroSwitha, indem sic traumverloren vor sich hinsah, „ja, da war ich die Königin deS Festes zu ncniien, denn deS Königs Gnade erhob mich und ehrte mich vor allen Anderen. Oh! und du hättest sie nur sehen sollen, diese neidischen Gesichter der edlen Gräfinnen, wie sie sich in die Länge zogen und mir ihre giftigen Blicke zuwarfen; ich aber kümmerte mich darum nicht; ich lebte nur meinem Triumphe und war glücklich — überaus glücklich!" „Edle Frau, Ihr habt..." Da unterbrach sich plötzlich Gertrude. In der Borhalle war ein Geräusch entstanden; man vernahm mehrere Stimmen. Blatt. „Sich' nach, Gertrude, waö dies zu bedeute» hat," sagte FroSwitha. Gertrude war kaum auS der Stube getreten, aG sic auch schon ~ wieder athcmlohcrciüstürztc. „Ter König kommt!" Im nächsten Augenblicke war der König über die Schwelle gcschrirtcn, und als er, einen, raschen Blick , um sich wcrsend, FroSwitha. gcwihrtc, die da einige Schrille vor ihm stand, das Haupt in an muthvollcr Bcrwirruiig gesenkt — eilte er aus sie zu. „Mein Herr und König! Welche Ehre!" „Euer König — wohl, doch nicht Euer Herr, nein! Der Sclave Eurer Schönheit!" unterbrach sie Bolcslav. indem sein Auge mit Entzücken ans der aumnthigen Gestalt FroSwithäs bastele, „Froü witha," setzte er hinzu, als er das verrälh:rischc Erglülseu ihrer Wangen bemerkte, „FroSwitha -- zürnt Ihr über mein .Kommen?" „Wie könnt Ihr denken, mein König? Ihr erweist mir eine solche Ehre durch Euren Besuch." „Und ich habe mich schon so sehr nach Eurem Anblick geselflil, holde Frau," sprach Bolcslav, iudcm er an Froswilhas Seite Platz nahm- „glaubt mir, ich habe die ganze Zeit, feit ich Euch nicht ge scheu, viel an Euch gedacht . . ." „Oh nicht mehr als ich!" ries FroSwitha, aber im nächsten Augenblicke reute sic dies unüberlegte Gcständiliß, und etwas verlegen * setzte sie hinzu: „bat ja der ganze polnische Adel nur an Euch gedacht, und alle Edelfraucu haben. nur von Euch geschwärmt und Euch bewundert ..." „Und die Bewunderung all dieser Frauenläßt mich lall, FroSwitha -- mich vcrlangt's nur nach Eurer -„Die besitzt, Ihr ja,'mein öiöuig ..." Richt nach Eurer Berehrnug, holde Fioswilba, verlangt mein .Herz, nein, Höheres ist'S, daS ich erstrebe Froswilha, mich vcrlangt's nach Eurer Liebe!" FroSwitha halte ihr erregtes Antlitz abgewendet und bedeckte die Augen mit ihrer Hand: „Verbergt mir Euer holdes Antlitz nicht — -,it lange schon für meine heiße Liebe habe ich dessen Anblick entbehren '..innen — laßt mich Euch inS Auge schauen, und darin will ich lesen, ob ich heute glücklich werde oder ob mich sein Strahl in die Hölle versenkt." Leise hatte er ihr die Hände vom (Gesichte genommen, und dann schlang er scincn Arm um ihren zarte» Leib. Sie hatte cS geschehen lassen, willenlos — träum- und glückumsangen lehlilc sic ihr Haupt an die Schulter, des geliebten Mannes, und ihren Blick erhebend, sah sie in sein glühendes Angesicht. Er aber preßte sie mit leisem Drucke au sich, und mit zärtlichen, leidenschaftlich erregten Worten flüsterte -er ihr daS Gcständniß seiner heißen Liebe ins Ohr. Und seine Worte wurden immer leidenschaftlicher und der Ausdruck seiner ^üge erregter. Er fühlte sie ganz nahe, spürte den leise» Hauch ihres AthemS, der Duft ihres goldigen Haares berauschte ihn und »czhm seine Sinne gefangen. Sic hatte sich dem süßen Zauber hiugcgebc», den die Rähc des Geliebten auf sic ausübte, jetzt aber zuckle sie zusammen und suchte sich den sie umschliugendcii Armen zn entwinden. „Laßt niich, ich fleh' Euch an! Mein Gott!" „Rein, FroSwitha," flüsterte mit glühende» Wangen der junge Fürst, „nein! Ich lasse dich nicht, ich halte dich hier in mciiicm Arm gefangen und gcb' dich nicht >rci, eh' du mir cS nicht gesagt hast, daß du mich liebst. Fühlst dn cS denn nicht an dem Beben meines Herzens, sagt cS dir denn jeder Pulsschlag nicincS Lebens, nicht, daß ich nicht sein kann ohne dich? Sichst dn cs denn nicht, daß ich vcr- . gehen müßte vor Leid und Scclenpcin? A'>'iu, Froswilha! Stoß' mich nicht von dir, vernichte nicht mein Dasein, meine Kraft, die ich nur in deiner Liebe wieder sindcn kann. Froswilha, süßes, angebetctes Weib, liebe mich!" Sic hielt das Haupt gesenkt, und in glühender Berwirrung schlang sic ihre zuckenden Finger ineinander. „Sieh' mich an, FroSwitha," flehte der König,, „sieh' mir inS Auge. Wie? Du wendest den Blick? Du weichst mcincin Anblicke auS? FroSwitha! Du erwiderst nicht mein heißes Sehnen? Dn bleibst ungerührt? FroSwitha! Dn liebst einen Anderen?!^ Sic hatte sich seinem Arm cntwundcu, lautlos sank sic von ihrem Sitze herab, und indem sie sich zu seinen Füßen nicdcrglcitcn. ließ, hatte sic seine Knie ninklaminert und barg ihr Haupt in seinem Schooß. -.Achtes Eapitel. r Im Fcstsaalc des königlichen SchlosicS zu Gncscn hatte sich eine' glänzende Gesellschaft versammelt; da sah man polnische Edcllxutc, die alS Gast ihres Königs in Gncsen weilten, neben ungarischen Magnaten, die König Bcla von Ungarn gesandt hatte, um dem Könige von