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Freies Blatt · 1895-05-26 · 164 (26.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
164 (26.5.1895)
Date
1895-05-26
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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i Hr. 104 freies Blatt. Seite 7. Verdienstmedaille, den Orden von Savoyen, wurde ferner Ofsicier des •btto»« von St.- Maurizio und St. Lazzaro, Commendatorc deS Ordens der italienischen Krone und schließlich, als er zurücktrat, Ecmimcndatpre des Ordens von St. Mauritio. Oberst Enrico Guaslalla, eine der sympathischesten Gestalten des italienischen Freihetlskampfcs, ist ein Jude. In der italienischen Armee haben übrigens iiii.'n viele Juden sich ausgezeichnet, und einer derselben brachte .es, waS einem preußischen Gardelicutcnant unbegreiflich erscheinen dürfte, sc>^r zum Adjutanten deS Königs. Der 18!)0 verstorbene Ecsare R-vjLhc, 182!* in Modena geboren, trat nach Ausbruch deS Auf- ,,.:.ihS5 im Jahre 1848 als freiwilliger gemeiner Soldat mit l8 Jahren in die Armee ein, wurde rasch befördert, und als der Aufstand nicderg.'chlagcn war, setzte er als Publicist seine Thätigkeit für die litt», abbangigkeit und Freiheit Italiens fort. Er gehörte auch 185!« zu jv. Deputation, die vom Herzog von Modena die Einführung liberaler Reptilien forderte. Als dann der Krieg ausbrach, trat er wieder in Heer ein, wurde von Stufe zu Stufe rasch befördert und »ahm ,»-.Auszeichnung an allen Schlachten thcil. Im Jahre 1860 bcgl-t u- Ruvighe Cialdini nach Neapel und ward endlich 1806 Feldiif:uiant des Königs Bictor Emanucl. Im Frieden war er wieder iü,::'!slellcrisch thätig, veröffentlichte eine Geschichte des Feldzuges von IM?'., eine Biographie deS Herzogs von Genua sowie eine Abhandlung „■I-:: der Kunst des Krieges", in drei Bänden. Zu den jüdische» >> ,u, welche für Italien gefochtc» und Auszeichnungen davon' q.-!'.>i>z:u haben, gehört auch der im Octobcr 18!J4 verstorbene Cbcrft .1.0)110 Scgrc. Geboren in Saluzzo im Jahre 18;$ü, absolvirtc er -'.'ine Studien in Turin und erlangte hier auch den Doctorgrad ai - Jugenicur. Aber von glühender Baterlandsliedc beseelt, trat er in r ',?ihcn der Freiheitskämpfer und machte in der Artillerie, welche L-0»') er gewählt hätte, sehr raskH Carriüre. Im September 1870 eoutuiändirtc er ein Artillericrcgiment vor Rom und war einer der Eisten, die durch die Bresche bei der Porta Pia in die eroberte Stadt ,ii,i!.ben konnten. Eine Wunde, welche er bei diesem Kampfe erhalte», trug ibm die Tapfcrkcitsinedaillc ein; außerdem erhielt er noch eine o. ri Reihe militärischer Auszeichnungen, u. A. wutftte.cr zum Commeucarore deS Ordens der italienischen Krone ernannt. Zuletzt bc- :. er de» Posten eines GencraldirectorS deS Arsenals von Turin. 7lüs antisemitischen Oereinen und Oersammlunaen. Prolcsl gegen die „Verelcricalisirmig".' Tie Amiieinitcn sind darüber daß die Firma Siemens äe HalSle einen ihrer Bcdieiisteieu cul!r'.!, der als amiseminicher Agitator bei der letzten ReiSrathSivahl im - e-f,iilf sich hervorthat. Im Gemeinderatbc brachte Pommer einen Antrag -ir die Firma so lange von den städtischen Lieferungen ansgeichloise» werde/ leie Angelegenheit in „ehrenhafter Weite" geregelt sei. Auch sank eine mitüchc Protestversammlung int MustkvereiuSiaale statt, in welcher der uige Gründer, mehrfache BerwaltuugSralh und Ltgnidalor, der jetzige Auti- ..lifi Paul v. Pacher, ferner M. Gr über, Hofmanii v. Welleithof, /er und Steiner ihrer Entrüstung über die bösen LiberalenAnSdruckgaben, auf stand &. H. Wolf auf und sagte, ofienbar im Aufträge der Geldgeber Tstdeut'cheu Rundschau": Ter Gegenstand der Versammlung sei beute :» hinreichend erörtert worden, da wir nun aber schon im Protestiren :w\\ sind, so soll auch dagegen Protest erhoben werden, dost die jüngsten Er ccS Antisemitismus clericalen Zwecken dienstbar gemacht werden, wie cS . l, der kürzlich an derselben Stelle stattgehabte» clericalen Tcmonstration den -wem habe. . Bei diesen Worten erhob sich Luegeb nmvillig und verließ Saal. Dies gab seinen Anhängern das Zeichen, aus ihi^ Hochrufe auSnngen und ihm zu folgen. Tie zurückgebliebenen „Tculich-Ratioiiatcu" äderte» die Rufe der abziehenden Anhänger Lueger'S mit lebhaftem Beifalle den unterbrochenen Redner. Rach einer Pause von ungefähr fünf Minuten . H. H. Wols fort: „Ich wäre ein Heuchler, wen» ich dieien unliebsamen '. oncheiifall jetzt bedauern würde. Es war »othwendig, daß die .deutsch nationale' . ariei ein entschiedenes Wort der Verwahrung gegen die Vciclericalisirung des -tt>ct»itismuS spreche." Von diesem VereinSabend wird wohl Lueger nicht benoten, daß er ihm von den „Deutsch-Rationalen" verzuckert worden wäre, e bösen Deutsch-Rationalen scheinen es im Gegentheil daraus abgesehen zu ''cn, dem „Vice" eine recht bittere Moft zu gebe». Mit der Poie, welche daS -.»Id vor einem gewisien iiieppresfibteu Gegenstände einnimmt, sehen sie jcvt ü, .»item ihr Kamps gegen das Judenthuin eigentlich nützt. Tie Jesuiten wollen >' inarianischeu Sodalitäten neu beleben und haltet) den Zeitpunkt nr geeignet, diesen ein eigenes publtcistiicheS Organ zu geben, E b e n h o ch eolamirte in St. Florian den Wahlsieg der Antisemiten sür die clericale Sache, und sonach kommen die Anhänger deS Wodan-EultuS und der Runenschrift nicht auS dem Protestiren gegen die „Verelcrieatifirung"- und „Martamnrimg" de» Antisemitismus heraus., ' (Eoalikioilstreuc.) Verflossene Woche fand IN der Inner'n Stadl eine Bersaminlung statt, in welcher in „vertraulickter" Weue die Schritte bciprochen wurden, die sür die in nächster Zeit stattfindenden Wahlen für den niederösterreichischen Landtag erforderlich sind, um „rechtzeitig die Organisation der aus christlichem Boden stehenden Wählerschaft attziibahncn". Zu dieier Veriatntnlung wurden Einladungen speciell an die „geistlichen Herren" verschickt» welche von . einem „Wa hlco in it der vereinigten katholisch e on se rv ali v en und christlich socialen Partei" gefertigt sind. Wer ist diese hier mit den Antiiemiten vereinigte „katholisch - conicrvative Partei"? Ist sie etwa die katholisch conscrvalive Fraction deS Hohemvart ElnbS, welche der angeblich zur „Abwehr aller extremen Parteien" errichteten Coalition angehört> In diriem Falle böte die odgenannte Einladung einen neiterliäten Beleg iür die EoatnionS treue der Elericalen. lAllS Tlirnerkrelstn.l Tie Antiiemiten Wülsten in den Tnrnvereinen nnnter weiter und geben sich alle Mühe,. die>> elieinaligen Pilegestätten de» dintichcn JugeudidcaliSinnS zu Brutstätten der Racenbetze nniznivandelit. AuS den. Ober. ' Egerer Turngau hatte sich schon vor einiger Zeit eine Anzahl von Vereinen losgelöst, welche einen eigenen Gau „Egerland" gebildet haben, in denen Sayungen die Bestiinntnng ansgenonittken nt, daß mir solche Vereine Mitglieder des Gaues werden können, deren Mnglied'chast nur ans Tenn che», i. v Arier», besteht. Ter etreisturnrach verweigerte jedoch die Anerlenntmz die>e» antiseinitischcn GanverbandS. Ter Salzburger T»rnverein^bat ni.n, aiu gestachelt durch die bekannten autüemmscheit Localgröszen, eine anßeroidentlichc Hauptversatniiilting. am 10 Mai l. I. abgebalte», ip welcher er sich mit den in der Tenkschrist dxS Egerland Turngau,-» niedergclegte» tstniudiäveu und Forderuitgen voUkomnten einverstanden erklärte und die Anctlrnnung dieses Gaue» als Turngau deS 15. etrei'e» der deunchen T.nrner>chast forderte. WeiterS beschloß die Veriainnilung, „den Turubath zu etm.,chi>gcn, für den Fall, als den Fordcruitgeii nicht entsprochen werde,/ den Austritt an» der deutsche» Turnerschast zu veranläsieu und. den Att'chlnß an den Turnerbnnd anzustrcben". Tamil ist allerdings eine arge Schädigung der eiithcttlicheu deutschen Turuerschafi vetbnndeu, aber diese Thai der Salzburger Turner war jedenlallS zur Erhaltung der germaitücheu Rare an der Salzaäi unbedingt nöthig, zumal Salzbi.rg einen wvhlgezählten Inden unter 'einen Bürgetn zählt, und von die-etn eine» Sohne Israels dem 4QO Mann starken germanischen Turnvereine die größte Gefahr drohte. , t Vereitlung rines christlich-socialen Manövers. i- Tie Eli-isttich Social,-» in I glatt batten seit Monaten Mülte, Zeit und Geld Saran' verivendet, angesichts der kort am 5>. Juni bcginuendcn Getnein.detvahlcn etneu chrtsilich iocialeit Verein zu gründen. Zu den Veranstaltern der connituireudeti Veiiatnmlnitg ge hörte auch Gra' Maria Eurt Ehristot Josts Boni'aciuS Teodat WenccSlauS Spiegel zum Tieienberg Hanrledcn. Inzwischen hatten sich zabireicktc deut'chn'ortschriulichc Bürger zum Eintritte gemeldet. Tic Einbernser tpurdtl» vou der Versammlung in der Tebatte über die Ztvecke de» Vereine» überstimmt, die christlich icciale Liste der Vocstandoinugliedei:' abgeleltut und deuvch fort ichrittliche Eandidaten mit großer Matoriiät gewaklz Ta» Resultat dieser Vereins.- gründnng, die Riederlage der Ehriillich-Sociaten, bat in Jglau und llmgebuttg große Heiterkeit erregt «.Auch kt» bckcltrkcr Saulus.) Bi.iu schreibt uns a«s Ga.t>a: Ter üieichSralhS- und Landlagsabgeordnele Franz Wvber, Pfarrer in Piitotitz. gegen den „Votzeotl" — man traut seinen Obren laut», und doch ist e» so Zwilchen deu .Jutigttchcchen und Piarrer Weber ist nämlich ein arger Streit ausgebrochen, dessen Ursache einfach die ist, daß die Juttgiichechen den P'arier Weber bei der nächsten Wahl aus dem Sattel heben und den Milotitzer Grasen S eilean alparlamcntarischetr Anwalt der 7csk;i h-'rutm gewählt haben wollen. P'arrcr Weber sucht die jitugtschechischerseitS gegen ihn und den Eiern» erhobenen Borwür''e in drastischer Weise abzuwehrcu. So z. B. fertigt er den Vortvurf, daß der ElcruS das Volk int AlkoholiSmuS ersänfen laue, .damit ab. daß er erklären läßt, jttttglschechiichcn. SchnapS trinkenden Sertblern gegenüber vetfänge leine Belehrung. Ten Vorwurf, daß Pfarrer Weber seine Etulänse bei einem vP-s- Juden besorgen läßt, cutlräftet'ein Verfechter, indem er beton', daß erstens der betresfende Jude bereits seit zwei Jahren todt sei, und daß zweiten», tvenn ein Katholischer Priester zusällig eine Alcinigkeit im 'Rolhsalle von 'einem Juden kaust, dies lein Ralionalunglück fei, ebeniotvenig tvie wenn ein Gattcz Seribler, iy einer jüdischen Trafik eine Virginier sich laust. 'Riedenrächtig ici e» jedoch, wenn Leute, die ans die Jltden schimpfen, die katkoliichc Sache mehr a>» alle Inden iii»gctai»mt. hedrängcn und beichimpscn. Vor »titzcm hielt Pfarrer Weber in Ga»a eine Brandrede, i» der er osien und sranl erklärte, die Inden hätten - taniendc von jlovakn'che>)Fai»tlien von HauS und Hof vertrieben, und die deiitich jüdische Schule in Gaya hätte bereit» lauiende Xntder erinordct. Wie wurde so plötzlich an» einem Sank»» ein — PantnS? (Obdachlos.) Kürzlich wollte der ExRsctor Ahlwarbt in Grande»'; einen Vortrag hatten; er konnte jedoch kein Local anftreiben und mußte.daher das projeckirle Gastspiel ausgeden. 4

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