Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 164 (26.5.1895)
- Date
- 1895-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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’Tr. 164 Frei«, Blatt. Seit? ’i einwandfreier Zeuge! Wer sich unterfangcii würde, eine» so verkommenen, ini Schlamme der Gemeinheit vcrsinkondcn Scrnsliold für die harmloseste Anklage als Gewährsmann auszuspiclen, würde bei ollen . halbwegS Gesitteten so energischer Zurückweisung begegne», daß j>,„i die Lust aneiner erneuten Berufung aus den verlogenen t«c- .K-Ik» vergehen dürfte. Die Dcckcrt, Rohling und Genossen aber vcruicsicn sich, gestützt auf diesen Hallunken, die scheußlichsten Anklagen gegen die Gcsammtjudenhcit zu schleudern. Daß die fanatischen Beri'cchier der Raccn-Antiscmitismus, an deren Seite sich Dcckert »unniehr ausdrücklich gestellt hat, dem „Raccn-Judcii" überhaupt Glauben bei „küch, kan» allerdings nicht Wunder nchmc»; denn vor jüdischen Lchnrken, welche für schnöden Sold die hcißcrschiitcn ,„E»lhülli»igcn" xräparire^i, macht dieser famose Racen-AutisemiliSiiiuS, der alle nnbestbolienc» Juden und „Judcnsprosicn" wie eine Rotte von Lügner» behandelt, jedcSnial mit scheuer Ehrfurcht Halt. Ebensowenig kann cS ül-.::aichcii, daß diese Kctzcrrichtcr „jüdischer Sittciilosigkcit" eine» Zchantbuben, der in nackter Schamlosigkeit sich selber -wieder liolV. t Morde bezichtigt, nicht mit Ekel und Abscheu von sich weisen — den» woher sollten sic ihre „jüdischen" Handlanger nehmen, wen» nicht aus den Reihen derer, die auf der lebten Stufe sittlicher Beitc-nmienheit angelangt sind. Ter Titel deS BncheS lautet nicht, wie Achillc Laurent behauptet „nd, alle seine Ansschrciber nachlügcn: ,.I»»iu>- In r>-lir:i»u I»'- l.i.i.v.- " (Riedcrgang der hebräischen Religion-, sondern „I„!i»iiNm-;i .Ii-I-c>kch^—d^h. „Widerlegung der Inden, bctressend ihren (Glauben und ihrer Gebräuche, mit Beweise» anS der heiligen Schrift, der alte» und der neuen." Also, die „Beweise" sind der heilige» Schritt eninomnic», dem Bliche, das, zumindest in derllebersebiing, jedem Laien zugänglich, dem Pfarrer Dcckcrt genau bekannt ist Run den», alle Stelle», welche der „Rabbi Moldavo" ans der Bibel cilirt, sind schamlos gefälscht! Er schreibt: „Wenn ein,Hebräer stirbt, nehme dcr Hffaiu (!) das Weiße eines EicS, mische ein wenig Ehristcnblnt und eine Dosis der Asche (vdn Bauinwollc oder Leinen, die mit Christenbl»t dnrchtränkt sind) hinein und lege dabei daS Ganze aus die Brust deS Tobten, indem er dabei spreche die Worte des Propheten Ezechiel: .Ich gieße über dich das Blut der Welt, und du wirst gereinigt werden r-on^allcr Ungerechtigkeit."' Also, bereits der Prophet Ezechiel bezeugt de» „Blutgebrauch"! Die Worte deS Propheten Ezechiel laute» aber »icht so, wie der „Rabbi Moldavo" sie lügt, sondern folgendermaßen in der Lnlher'schc» UebcrsctznNg, Cap. 3«>, ilv 2b): „Ich will rein Wast'er über euch sprengen, daß ihr rein werdet. Bon aller Unreinheit »nd von allen euren Götzen will ich euch reinigen." Also statt „reines Wast'er" übersetzt der Gewährsmann des Pfarrers Dcckcrt „das Blut der Welt!" Der saubere Patron schreibt weiter: „Wenn sic cS dahin bringen, einen Christen zur Erinnerung an Haman zu todten, dann macht der Rabbiner einen dreieckigen Kuchen, Ihnt ein wenig von dem Blute des ermordeten Christen hinein, und wen» der Rabbiner einigechristliche Freunde hat, so schickt man ihnen davon: diese Sendung beißt mesloi moiines. Dieses vergossene Blut hatte der Prophet Jel'iiiia im Auge, als er sagte: .Außerdem hat man in deine» (Lücke) gesunden das Blut unschuldiger Armer.' Der Prophet Ezechiel drückt dies noch deutlicher aus: .Also spricht der Hctr Euer Gott: Ihr weidet csicn das Fleisch mit Blut.'" Hier erscheint neben Ezechiel auch Jeremia zur Bestätigung des Gebrauches vom — Ehristcnblut! Gemeint ist Ezechiel, Cap. 39, B. 17, welcher (bei Luther) also lautet: „Run, du Menschenkind, so spricht der Herr: Sage allen Bögel», woher sic 'lugen, und allen Thieren auf dem Felde: Sammelt euch und kommt her, findet euch allenthalben her zu Haufe zu meinem Schlachtopfer, daß ich euch schlachte ein großes Schlachtopfcr auf de» Bergen Israels, »»d kreiset Fleisch und saufet Blut." Bedarf diese infernalische Fälschung eines Wortes der Kennzeichnung? Die Anrede geht an die Bögel und an die Thicre des Feldes; diese sollen kommen und „Fleisch fressen »nd Blut saufen". Daraus macht der Lügenbold: „Also spricht dcr .Lccr Euer (also der Israeliten) Gott: Ihr werdet essen das Fleisch Blut!" DaS Citat aus Jeremia ist selbstverständlich eine gleich niederträchtige Fälschung! 'Gemeint kann nur sein Cap. II, B. 34, wckcher (bei Luther) lautet: „lieber das findet man Blut der armen und unschuldigen Seelen bei dir an allen deinen Orten." Es ist eine Slrasrede, welche Jeremia an Israel richtet, wie die vorhergehenden und die darauf folgenden Verse beweisen; das in Vers 34 Gesagte wird als schwere Versündigung den Israeliten vorgcworfen, und der „bußfertige Rabbiner" lügt in diese Tadclsworte deS Jeresiiia den Gebrauch von — Ehristcnblut hinein! Wir wiederholen: Die Bibel ist ein Jedermann, Christen wie v'udcn, zugängliches, dem Pfarrer Dcckcrt geläufiges Buch; war Letzierem die Controle der sonstigen Angaben seines -„Rabbi Moldavo" unmöglich, die Citate aus der Bibel konnte er nachprüfe», und weil i er cs konnte, hätte er bei der allerbescheideusten t^ewistenha'iiglul cS thuw »lüsten. Bei allen nicht' durch die Bibel ..belegten" Behanvlnngen de« „R-abbiücrs" ist eine zwingende Widerlegung vrel!.:chl Sache, subjcctivcr Auftastung; allein da jener Lngcnfabritar.t vor Firkiclinmp.» in der Bibel, welche ihm sofort nachgewieieir werken lonulen, nicht, znrttckbebt, ist ihaitächlich sein ganzes Machwerk als.en, Eonglömcräl von Fälschungen stigmätisirt. Enthalten die „Enthüllungen" sa zudem eine solche Fülle lusipider Verrücklheite», daß an der Bei log.-:,heit ihres Urhebers bei keinem Berniiiiftcheii ei» Ziveirel 'ein kann. E> schreibt »'örtlich wie folgt: „Die Inden EnropaS. haben k:e.Kratze: die in Asien leiden au Kopfgrind: die Afrikas aci Schwäre», die sie an den Füßen haben:. die Amerikas endlich leiden a» Angenichwäche,' d h.. ihre Augeu geben eine Feuchtigkeit ivieder, welche ihnen ein stnvides Ans sehen verleiht." lind nun geht's gegen'die-Rabbiner: „ T ie>'e schlechten Kerle haben gesunden, das; die Bennvung und Behandlung niil E.l'risteu-- blut ein wirksames Heilmittel ist," Tie»- „Eiuhüllnng" würde dnrck, jedes Wort der Widerlegung nur abge'cknvächi werden! .'An' cui.r anderen Stelle schreibt der „bußfertige Rabbi" : „Bisher labe j l> das Motiv bekannt gegeben, d lr den Hast. V.i die .uif;» gegen die Ehristen nähren und die «Gründe, welche sie an>: -n. d,.-selben -;>i morden. Wer - mehr davon zu erfahr.» wünsch'. l--.-^->In nnr^das. Eapitel des Wertes des Mediriners .Paolo an a I• nachzulesen; er findet dort den ganre» .(»ist. m» dem die JnderNgau die Christen durchdrungen find, und alles ans den M^s oer E>n>''»->> linder Bezügliche -,ni - -> >--!)>':! .,» .1-•-..»i.ini- <"*:.■ tii-iis.," Daß ans Paolo Mediei der -in l'... wirk, mag dem Kindcrlehccr in der Moldau.hingehen: dast'cr aber Paals als Mengen für den Mord . der siinder aniührt, während dieser ibaiiachlich mit keinM Worte darüber berichrel •'vw im.Proeeß Bloch-Roluing g-e richtlich sestgestelll wurde — ist ein ''ernerer Beweis siir die Per logenheit des FälichcrS, eine 'Bestätigung' der Berl.-genbeit ''eines ganzen Machwerkes., Hinzugefügt sei zum-Schluß nochmals, daß der angehliche Rabbiner in der Einleitung selbst sagt: . :->u l- > >„c..i-ir»>- in n-- >l<«\ ii -, „ich war Lehrer bei den Inden", und n:chr ~.»i l.'J-R» I» ji-lnvii”, „ich war rlcabbiner. der den Juden" sic'vach Schick» war' also niemals-Rabbiner.'Dies erkennt jeder halbwegs llnterrickzzete schon anS der vollständigen llnkenntniß der jüdischen Sine» und t^ebräuche, rvelche derselbe verrgth. Der „Rabbi" weiß B. nicht einmal, daß die Juden sich des Mond'Kalenders zur 'Bestimmung ihrer .Festtage bedienen. Er tagt, daß die Inden am Juli die Zerstörnng Jer» salenis, am 14. Februar daS Piirimsest begehen: die richtige» Daten sind natürlich der 9 Ab, respeelive I I Adar, welche niemals-ans den 9. Juli, respeelive II. Adar fallen können. Im J.rbre- I->>.!, in den» daö Pamphlet erschien, siel der 9. Ab ans den I- Anglist, der 14 Adar arrf de» 1*. März: im Jahrs >->>-' der-9. >(b ans. de» L>i. Juli, der 14. Adar ans den ■ > Mürz Im A.nschl»ste an die voranstehenden Ansführunge», die. wir einer sachkundigen Feder der „Jüdischen -Presse" in Berlin verdanken, bringen wir folgende rjnichrikt an das „Freie Blakt": W , e n-, --'t ' Bi.!-. Der gegenwärtige k^ewährsmanii des Pfarrers von Weinbaus über das „Blutopfcr" der-Inden heißt Rabbi Moldavo: früher war es Paulus Mc»er, der für Geld und vielleicht auch >ür gute Worte be' hauptcte, indem in Eongreßpolen ticgehde» Eric Dstrowo euiem jüdischen „Ritualmordc" persönlich beigewohnt z« habe», bei ivelchem als Hanvi Person der Rabbiner Jchoschüa, Sohn des Rabbi Schlohine Leh in Lenezna. fnngirte. Gleich anderen Macher» in Blntmärchcn ist auch Paulus -Meyer cnllarvt worden, doch ist cS bisher unbekannt geblieben, auf welche Weife. Paulus Meyer auf den Einfall kam, sich als Augenzeuge eines „RitualmordeS" aiiSzngcbcn. Im Rgchstehcndcn soll dieses Räthsclgclöst werden. Im Juni 1(139 spielte sich in der ehemaligen Woje-- woden-Residenz GroßpolcnS u»o der gegenwärtig im Gouvernement - Kalisch liegende» Stadt Lcnczhca ein fürchterliches Trauerspiel ab. ES wurde die arg verstümmelte Leiche eines Christcnknabe» gesunden, der kurze Zeit -zuvor aus dem benachbarten Dorfe Koinaeznea spurlos verschwunden war. Die frommen Brüder des damals in Lcnczyca ncngcgründctcn Bernhardiner Klosters, dom Wunsche beseelt, ihrer »och neuen OrdcnSstsiltc stcuhm und Ansehen zu vcrschasten, verbreiteten unter dem Pöbel daS Gerücht,- daß der Ehristenknabe von den Lenczycacr Juden zu rituellen Zwecken abgcschlachtck worden wäre. Ein aufgcgrisfener Landstreicher -Ramcns Thomas legte anr der Folterbank das „Gcständniß" ab, daß er den Ehristenknabe» gestohlen und an die Juden um einen, Tuealcn verkauft hätte. Dieses „Ge« ständniß" führte zur Berhastuug des Borstandes der Lenczycaer EnltuS--