Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 163 (19.5.1895)
- Date
- 1895-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. .freies Blatt. Nr. Itj.'f •.Weiner ’paticmireii lasse» Wir geben hier den betreffende» Theil der Rede Bismarcks. Er lauter: PPäs uns heule noch trennt, sind nicht dynastische Ver. - '.tiiedendeire», es sind nur die politische» Parteien, und die sind dazu gar nicht berechtigt. , sslir richtig!) Jeher Führer in seiner Partei — sie machen mir den Eindruck, wie in der ersten christliche» Zeit die 2 äuleubeii igen; jeder uaud als slylit au' seiner Säule „ndJagle: Hier müßt ihr Herkommen, ‘gehr nicht 'runter _— die Säule wird gebildet an» solgsame» Ge , in» uiigsgenoisen, ich möchte sage», bvpuotisirt en Gesinnungsgenosse» :>» Parieileilers. der sie veberricht, und ans einem Mörrel von Principien. die in ihrer ÄUgemeinbeü aus da» praktische Leben dnrchans nnanwendbar sind: und diese Art der Eintbeilniig in strilitische Herri'cbergebiete — ich drücke mich deutlicher au», wenn ich iage, in Herrschergediele der Partei-- 'übrer — die ist die Ge'abr. die uns jetzt bedroht. Jeder will seine Ansicht, ebne eine» Punkt an' dem i,an'zngeben, ansrechlerhallen, und er käinpst darum ■mit den -Änderen im Parlamente. Wie 'aber unsere Zukunft praktisch und allerseits be'riedigend gestaltet werden ioll, da» ist eine Krage, die nicht im . Prrdergrnilke steht, dazu müßte man zuerst die Perständignng zwischen den . Parteien, den Fraelione» suche», aber beberrichend für die Ausgabe, die wir zu lest» bern'en sind, ist der Gedanke, der Persöhnlichkeit zwischen de» Parteien ■ nicht, und-ich Inn stark in Versuchung, mit Ihnen ein Pereat ans die politischen Parteien ansznbriiigen. i Heikel feit. Jch unterlasse es aber.' Tie •.Weinung. hast damii Ebren-Wclss seilten poliilschen Freund Georg tresjen will, ergibt sich auch : daraus, ,daf; der Erstere diese» Tbeil der Bismarck Rede >'»si st-^liin, seine» i Leier,i zum Besten gibt. Ehren-Woln er'reute sich eben nicht derselben relaliven : » Freiheit wie ein bekannter Wäbringer Aeseulap, der sich zur Zeit der Ges »leinderaidswabien anstelle: . Sctzönerer soll mich — — — -Al» Wolfs noch j leim Jciit'M'en Po.leb.alte' war, war diese liebenswürdige Ans'ordernng ciiu | Pen..Äiifnci' baustg geling in 'einem Peiinde." T:e Amiemiteii kennen ein- , ander 'ehr genau: in Teut'chland ist e? nicht ander» als bei uns. und stet» ■ kann man aus anv'einili'iher P.'ieUe selbst die zutreffendsten Urlheile über die antisemitischen Kübi'er link ihre Parker ichöv'en. Ta» „Teut'ctie Polksrecht" der Xunipanei, Bo ckel Ablwardt liest sich unlängst an» München schreibe»: ..Piel Heilerkeil erregte die Miktbeilnng eine» Mitglied»», das; der hiesige Perein der reaelioi'.areii Aiiti'emiien, welcher 'eit dem An'trele» Ablwardt'» kränkelt gegenwärtig aoer in den letzten Zügen liegt, lenameiilaiiich beschlossen hätte, ' au» dein übrig gebliebenen Eiiitrinsgetde der Versammlungen, in welchen die Herren Pindewaldt, Werner und Welcher sprachen, -ein Sterbeglöcklein an^ü chasseu und Herrn Z i iwinerni a n n zu de» Leichen'eierlichkeilen eiiiznladen " '. Tara»' antwortet die „Teilt'che Wacht" de» A»li>'»initen Zimmermann, der . sich dadurch schmerzlich getreuen sublle: „Es scheint ,„,» fast, alS ob die Münchener , Herren nach der falschen Seile schlügen. 'Jiaeh den Erfahrungen, die das banriichc i Poll bisher >n:t der sogenannten banrischen amt’emitt'elieit Polksparlei machen; - mustke, die deute bei den Reich»:agswahlen mit dem reaelioiiären Eeiitruin durch - Tick und Tun» gebt und morgen mit derselben;weiselba'l>sii tzlesinnung^- i Illchtiakeit 'ür die Freilieillichteii einlrilt'und gegen die Umstnrzvotlage weitert, siebt man im: Sranimiig den weiteten politischen Hänin it gsvroee >' ie n di,"'er sogenannten Polksparlei entgegen. Tag wir die Herren mit ih Münchener Piericherzen ernst nehmen ''oUen. wird une Riemand zu m::;hen. Tas liege ihnen eine politische Bedeutung ziielkeniien, die sie dureban» l':t i bestl'cn " Wer erinnert sich da nicht an die Perle des Wiener Polksdichters: Ter eine. be>stt den andern dliinm. Am End' weiß keiner nir ' Llojalowöki will vier Bischöfe gerichtlich belangen, i Wie bekannt,! haben die tue» ü'im'ch katholischen pVA'eU Galizi-',,» gegen den christlich-; ’cKt.'.ien Agiia'.or I* stojalowski einen Hirleubrie'' ^erlaneu, in welchem nc di-' Tbaligkeii „des unglücklichen Priester»" »nd seiner Trgane „Üloira Pc-z.id.ka" und „strown ZPieniee" als antireligiös und anarchistisch verurideillen. T:. er Hitlenbrie' gegen l' Tkojalowski wnrde im „Paterland" reprodueirt. I'. Stoialc:-. ski kündigt nun in ''einein Plane „Rowa Pszezolla" an, dast er und die Redaelionsmilglieder seine» .Plane» gegen die Retaciio» de» ' „Paierland" wegen Reurodiieirimg de» Hirtenbriefes der galizi'che» Bischöfe -'owie gegen die galizi''chen Bi'äw'e selbst, al» Penasser des Hi:tciibrie»c#„ - weiten Perleumdliiig und Ebreubeleidignng beim Wiener Laudesgerichie den Pre: rroe-'st ar.stiengen 'Gilt geschmatkloscr scher;.' Etil Reichsdeutscher schreibt uns: Wie ein Aiiliselinkeilblalk erzählt, hätte der preußische Minister,de» Jiinern, v .'toller, nachdem der dcin-che Reichslag die Umsturzvorlage abgelehnt, ntehreteij Freunde» I gegenüber den -Ausspruch gelhan: „Tie Umsturzvorlage ist toöt, es lebe die Umsturzvorlage,!" Jn Berlin hält man diesen Ausspruch für einen geschmacklosen l schclt' wer ln gemacht hat, ob de' zu den Tivoli-Patronen zählende Minister ' oder ein „Schri'::e:ter" des Anlisemitenblakte», ist höchst gleichgillig, denn'die „tccc.nigten Regierungen" werden (3 sich wohl zweimal überlegen, bevor sie mi: einer neuen Umstnrworläge an den Reichriag herantrelen. ' steine Menschen. Bei vielen rie'stehenden Pölkerslämmen Niidet sich die naiv» Ansihanniig, daß nur sie Menschen feien, die Fremden nicht Gewisse Antisemiten haben das auch von den Juten behanvlet. Ta ist es interessant, zu ei'ahre.n, was die Linbauer von den Teulichen denken. Tas antisemitische s „Deutsche PolkSrecht" schreibt: Ei» LitsHauer trat iii eine Gaststube, und i die Gesellschast überschauend, äußerte er: „Behüt' Galt, kein einziger j Mensch, laüter Deutsche!" | lWik'S gemacht wird.» Mit welcher schamlosen Frechheit die aniisemili'ctn,, , Blätter ihre oftmals vor aller Welt schon widerlegte» Lügen wiederhole», ■ schier »»glaublich. Unter dem Titel „Rilualmold" schrieb das Münchener „Tenlsche Polks blakt" vom 5. Mai: „Gelegentlich deS Erscheinen» einer; neuen Broschüre über die jüdischen Blulmorde sei an die Belrachlimge» erinnert welche wir seinerzeit an die Berichte über die Mordlhaten z„ Lame» »nd Illm! kuüstste». Wie wir vorausgesagt, sucht man die Mörder de« kleinen Hegemau» j und de» geschächlelen Lekrling« noch heule vergeben». Ehren-Buschosaber! verzehrt in Ruhe'ieine Reute, und der Ulmer Lchächler Bernheim hat gleich, falls elst kürzlich seine Tage i» uiigestörler Freiheit beschlossen. Wie mögen sich wohl die Inden darüber freue», daß. sie »ichl bloß Lchseu, sonder,i auch eie Goim ftrailas schächle» können." Tas „Teuliche Bolksblalt" thut so, al» oh?s in Teiuichland Ausiiahmsgesetze zu 'Gunsten der Jude» gäbe, al» ob nie j„ Eleve ei» Proceß stallgefundeii balle, welcher die Unschsiild Bn'chofs's am Lödr des kleine» .Hegemann sonneiillar darihat; eS bleibt ganz einfach bei seine» frechen Lügen nnd wiederbolt dieselben so osl, daß der schlichte Bolksverstaud, eer an eine io bodenlose Berlogenheil »ichl glaitbe» kan», schließlich die freche tiiidnng als pure Thalsache binnimint. 'Las muß er nuisoiUehr, al» e» auch in Tenlschland keinem Llaatsanwalt einsällt, der anlisemiliichen Entslellniig zur Wahrung des Ge'etze» und de» Ansehens des RichterstandeS entgegeiiznlrel-'ii. Ma» scheint auch in Leiilichland »ichl zu wisse», daß, wen» einmal ii» Pelle der Glaube a» eine unpaileiische Rechlsprechung uiirergraben ist, daS so erweckte Mißiranei, sicki „ichl bloß ans „Rilual»ivrd"procesie erstreckt, sondern eines Tage» sich gegen die vestebende Institution der Rechliprechnng überho-w, lehre» lüiiiile. „Hallc'schc sticsorill' Tic i» .Halle bera»»gegebo»ea»iiseiniiische „Halle'säie Reform" bat mit dem 1. Mai ihr Erscheinen eingestelll. Roch acht Tage voiher,' am L-l. April, balle da» Blau verkündet, die Auslage sei innerhalb Iabres'rist vo» 'ckuixi a»t 30» U gestiegen, und die belressende Rniiimer war deshalb als „Jubiläums Rniiimer ' bezeichnet worden. (v „Tie Wacht an der Ruhr".) Tie bisber, in Tnisbnrg erscheinende „Wacht a» der Ruhr" bat. zu wache», d. h. z» schimp'en und z„ Hetzen, a>,'- gebört. Ter 'Woniieiiionat bereitete ibr, wie so manchem anderen deiilicheii Ami. seiinkeiiblättlein, ei» klägliche» Ende. Gill schmähgcdichtri Jm .Heidelberger „Polksboteii" war Itzilängst ein autisemiliiches schmähgedichl unter dem Titel „Lang a» Abram" erschienen. Tie Liaatsanwoltichaft erblickte i» demselben eine» groben Unfug und stellte sowohl gegen den Rtkaoieur als gegen den Bersasser, AmlSrevidenic» Häfner ans Evhinge», Llrasanleag. Tas Schöffengericht pstichtele dieser An'- -fasinng bei und vernrlbeilie de» Ersleren zu einer Geldstrafe von 30 Mail und de» poeiii'clie» Revisioiisbeanue» zu einer ''olchen von 40 Mark. L-cuillcrmi. I n Acht u n P W er n n. i'oman ans Polens porzeit von Carl Griot. l-'>- steriiczuni.: Ter .jiönig mit seinem glänzenden Gefolge war den Augen der Menge entschwunden, die Leule halte» sich auS ihrer demüliiigeii Haltung aufgerichkek, und im nächsten Augenblicke war auch schon alle scheu und alle demukhSvolle Ergebenheit ans ihren Miene» geschwunden — und ein Zug wilder, entfeffelter Leidenschaft malte sich auf dem Antlitze Aller — den» da war auf dem weite» Platze vor der Kathedrale des Königs '-säckelwart erschienen, gefolgt von einem Troß Leib eigener, die Tücke voll Münzen trugen, mit denen das niedrige Bolt Heute am Krönungstage betheilt werden sollte. Mit wilder Gier stürzte sich die Menge auf die ansgestreuten Almosen, und es war ein wahres Wunder zu nennen, daß Alle etwas erhielten, und Kerner leer ausging, und wenn auch hie und da ein derber Faustschlag einem zu Vordringlichen zntheil wurde, so-hatten sie'doch am E„he Alle ihr Schärflein, Alte, Ehristen, Heiden und sogar — Juden! Bis jetzt war die Bertheilnug - noch verhültnißiiiüßig ruhig hergegangen, hielt sie ja die Nähe l-.r königlichen Wachen im Zaume, nun aber ertönte plötzlich wildes Gekreisch und ängstliche Hilferufe aus der Menge, „Ta sehe doch Einer den frechen Juden an," schrie ein stüinmiger, in seinem Aeußeren verwahrloster Mensch, „drängt der doch einen anständigen Ehristenmenschen zurück, und bringt unsereins um'den wohlverdienten Groschen." „Wo ist der Jude?"