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Freies Blatt · 1895-05-19 · 163 (19.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
163 (19.5.1895)
Date
1895-05-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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feite •> Freies Blatt. Nr. I6.% Veii’-,ii] groß ltiiP reich *,u machen. Es sind die Mehrzahl der in >'cip-,ig lebenden Israeliten Gelehrte und Kauflentc, deren Kenntnisse und deren Wüten sie;» unterer Stadt auszuüben, brach gelegt wurden. Muß ich an eine große Anzahl von ihnen erinnern, die als Mitglieder des StadlverordnclencoUeginms :e. ganz außerordentlich Er- 'piicßliches für V11p;ig leisteten '? Alles Unverständliche rächt sich. Auch der praktische Antiteinitisnius dev leipziger leitenden >ireise. Und der S.:::r:tcr tan» ein lächeln nicht verbergen, wenn er unter diesen praktischen Antisemiten unter den wabrcn und sogenannten Leipziger Patririern so manche entdeckt, deren Vorfahren jener Race angehören, von der sic beute sich abivenden." l> nrl i'Oflt. Ter vor Kurzem verstorbene Naturforscher Carl Bogt war auch Zeit seines Gebens sür Freiheit und Gleichberechtigung begeistert. Tie schmachvolle anriseiniuschc Bewegung charakicrisirtc er mit folgenden -Worten: „Unseres Erachtens liegt der Schwerpunkt der ganzen Frage gar nicht int religiösen Gebiete, sondern in dem instinctiven Hasie der'Unbetähiglen gegen die Befähigten, der Armen gegen die - Reichen, der Behäbigen gegen die Rührigen." Czar Ricolaiis II. über Gcwisscnsfrcihcit. Man schreibt uns aus Petersburg: Tie Eongregakion der englischen Onaker hat eine Tepukation nach Petersburg entsendet, mit dem Ezar Nicolaus II. ei'.'.e Petition zu (isitnstcn der in Rußland lebenden Stundisten zu überreichen, die, wie betannt, von der russischen Regierung allerlei Verfolgungen;n erleiden haben. Tic Adepten des Generals George For, deren religiöse Lehren mit denen der Slundisten in mancher - Beziehung identisch sind, wählten in die Deputation zwei ihrer begabtesten Kanzclrcdner. - R. Broor und Th. William, die vom Ezar kürztich in Audienz empfangen wurden. Tie überreichten ihm die Petition tilid erbaten sich die Erlanbniß, den Abschnitt über Gewlfsenssreil-eit aus dem Oiiäkerrcglcinent s,,Buch der Tisciplin") Vorleser, Zi! dürfen. Ter Ezar, welcher der Borlcsuug mit großer Ans nterksainkei! folgte, soll dann gesagt haben: „Tie religiöse Toleranz asi eine der kostbarsten Errungenschaften, welche der menschliche Geist erfochten hat In meinem eireiche bildet die Gewisiensfrcihcit seil jeher das Z'eiimoti'.' der e^egierungspolitik gegenüber Andersgläubigen." Tic Worte des Ezars, ' wenn er sie thatiächlich gesprochen, würden nur bewei'cn, daß er über die Borgänge in teinem Reiche falsch informirk wurde. Mer unterstützt die L)etzpresse? Wir haben eine Zuschrift erhallen, die wir vollinhaltlich abdruckcn und nn'eren > . - Abonnenten und Geiern wärmstcns zur Würdigung enipf'eblen. Ter Schreiber behandelt ein Thema, -daS in die Frage ansklingt: Wer bat für die Verbreitung der antisemitischen Hetzprcssc vornehmlich gct'otgi r Darüber, wurde allerdings schon Manches gesprochen und geschrieben, nichtsdestoweniger gewähren wir der Ein- Endung um io lieber Raum, als wir in derselben den Ausdruck wahrhaft 'orl'chrillticher Gesinnung eines noch immer namhaften Theiles der Wiener Bürgerschaft zu finden glauben. Tas Schreiben lautet: T ic gänz::ch unerwartete tlkicdcrllage der liberalen Partei bei den letzten Getneindcralhswahlen hat gar Biele, die cs mit der Sache deS Fortschrittes ehrlich meinen, znnr Tenken angeregt. Man hat nach den llriachen getortcht, di-' cs möglich machicn, daß die Mehrzahl der Wähler in vielen Bezirken verdiensivolle und arbciislüchrige Gciueindcräkhe fallen ließ unk statt denr Leute in den Gcmcindcrath cntt'endctc, die'wohl im-Teandälmache» sich auszuzeichncn vermögen, zur fruchtbringenden Arbeit aber gänzlich unfähig sind. Tie Ursachen waren bald gefunden, lind zwar war die eine die Lässigkeit und Sorglosigkeit der to-ltchrittlichen Partei, die andere viel schwerer wiegende: die jahrelange Unterstützung und Förderung jener Presse, deren Hauptprogramuiptlnkl die Bolksverhetzung ist. Richt die -Anti-- s.-i'.iiren t'elbsr haben diese Seandal- und Lügenpresse, mit dem „Tcutschen Bolksblatl" an der Spitze, großgezogen, sondern die Anhänger der toritchriittichcu und freiheitlichen Sache und unter diesen in erster :*ncv Tb:il unserer Mitbürger, welcher der Berfolgung von Tüte der Antisemiten vorzugsweise ausgesetzk ist. Itt Folge meines Berufes bi» ich ein häufiger Besucher der Kaffeeliän'er :n den einzelnen, Bezirken und habe zu meinem Befremden immer und immer gefunden, daß sich für den Inhalt der antisemiti- ’ctt.n Heizzennngen an: meisten die —t Juden intercssizcn. Ich könnte T -tpendc von .iiasfeehausbesivern auszählen, die nur der Juden wegen rwei und auch noch mehr Eremplare des „Deutschen Bolksblatles" abennilten, ja hiezu förmlich gezwungen wurhen. Ebenso haben mir ,'dv.m rie.e Kasi. esieder. vornehmlich die Besitzer der Borstadt-Kasscehäuser, geklagt, daß sie das an und für sich theucre „Deutsche Volte, dlatt" nicht mehr abonnrren möchten, dies jedoch nicht riSkiren können, und zwar — der Juden wegen. 'Diese und die christlichen Fortschritts inünner bekunden aber zur Förderung der fortschrittlichen Presse teilte? wcgs eine gleich rege Thätigkcit, und wenn ja einmal sich der Eis oder der Andere vergesien sollte, z. B. daS „Freie Blatt" zu ver langen, und man ihm antworte» würde, cS sei nicht abonnirt, i. wird es ihm gewiß nicht bcifallcu, das Verlangen zu stellen, es im auch dieses die confcssionelle Gehässigkeit und den Raccndünkel! kämpfende Journal abonnirt werden. - Ich war selbst einmal Zeuge, wie ein Gast int Cassi Plciinn.i,. i vormals Gabesai») den Cafctier fragte, warum in dessen Kaffcehansi wo säniiiitlichc antisemitischen Hetzzeitungen zu finden sind,, nicht a:.. das „Freie Blatt" aufliege, und sich mit der Antwort zufrieden gal „Wohin küm' ich denn, wenn ich alle Zeitungen abonniren wollte: Lemerkenswerth ist, daß dieses größte und älteste Kaffeehaus uns d Mariahilfcrstraße vornehmlich von Inden besucht wird. Und gleich a:;- selben Rachmittagc ordnete der Cafctier die Abonnirung eines zweiter ErcinplarcS der „Ostdeutschen Rundschau" an und warum'? We> ein liberaler Mannfacturwaarenhändlcr zwei Tage hindurch zur Zei: seines gewöhnlichen Kaffechausbesuches dieses Blatt nicht lesen konnte, da cS von einem „Gesinnungsgcnosicn" von A bis Z durchstndirt wurde Einen anderen charakteristischen Fall erlebte ich in einem Kaffeehaus, aiif der Wied'cn, woselbst das „Freie Blatt" aufgclcgcn war. T.. antisemitische Bezirksausschuß Bärtl forderte von dem Kaffeesieder ü: der energischesten Weise die Auflassung des Abonnements dieser Zei: i'chrift, und dieser Aufforderung wurde stricte Folge geleistet, ohne das cs den vielen fortschrittlich Gesinnten, die dieses Kaffeehaus besuche», eingefallen wäre, dagegen zu protestiren oder gar zu verlangen, dai- .nnn auch antisemitische Zeitungeü nicht mehr abonnirt werden. Ta ist cs allerdings kein Wunder, wenn die antisemitischen Hetzblätke: eine von Jahr zu Jahr steigende Verbreitung finde», während viele für fruchtbringende Arbeit, Fortschritt und Bürgerfricdcn mit Geschick nird Würde eintrctende Zeitschriften dem großen Publicum unbckann: bleiben. Wie kann dem nun abgeholsen ' werde»? Ich plaidire durchaus nicht dafür, daß meine Gcsinnungsgenosicn in den öffentlichen Localen, die sic zu besuchen pflegen, verlangen sollen, der Cafctier oder Wink möge von einem weiteren Abonnement der antisemitischen Blätter ab sehen; aber das inöchte ich jedem Freunde der Freiheit und des Fori schritlcS ans Her; legen, daß sic mehr für die Verbreitung ihrer Partei- Presse als für die der Hetzpresse sorgen mögen, damit auch die »och bcsicrungsfähigcn Gegner Gelegcnhcik haben, zu, lesen, mit welchen Argumenten hie Angriffe auf die liberalen Grundsätze und insbesondere auf die Rechtsgleichheit zurückgewiesen werden. „.Eines Manns Rede in keines Manns Rede, inan muß sie billig hören bccdc!" Ein altes Sprich- und Wahrwort. Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen.! (Ter Tcckert-Evkllls.) Pfarrer Teckert hat seinen EykluS von anlisemnnäieii Hetzreden beendet. Es ist geradezu unbegreiflich,,wie eS die weltlichen und geist. : lichen Behörden ruhig hingehen lasten konnten, daß ein Priester die .Nanzel N. ' ihm zu Leeborgezwecken übergebene» Xirche nicht nur zu den schamlosesten , reizungei, und Brandreden gegen die Inden,;»r Verspottung der Staatsgrit: ge'etze, sondern auch zur schmutzigsten Reclame für seine eigene» Schriften an: j beutete. Pfarrer Teckert erinnerte nämlich am Schlüsse einer jeden „Predigt" teitt't andächtige» Zuhörer daran, daß man das, was er sage, haarklein dar- . gestellt le>'en könne in seine» Schriften, und zugleich wurde abermals in uv. : bei der Xirche ein schwungvoller Handel mit den Broschüren de« geistlicher j Schmierfinken getrieben. Ter Rest des EykluS galt wieder dem „Blnlritnal," . Es wurde wohl seit dem Mittelalter nie wieder von der Sianzel einer Wiener l Kirche herab io aufreizend vom jüdischen „Ritualmord" gesprochen. Teckert b. haupiete, ein Rabbiiter i»t Fil.steiuhum Moldau, RainenS Moldawan, habe cj.. Buch über daS Bluiopfer der Inden geschrieben, welches merkwürdigerweise i\ ichmunde» sei, sowie die Juden überhaupt alle Bücher verschwinden lasten, ir denen etwas gegen sie steht. Das Buch des Rabbi Moldawan lei aber dm.: llkbersetzungen erhalten geblieben, und Teckert habe es genau stndirt. Tiei,' Werk bestätige, daß verschiedene jüdische Lecken ihatsächlich Christenkinder ad schlachten, nicht nur aus Haß gegen das Cbristenthuin und den Messias, sondern zu religiösen Ceremonien. Sie brauchen da« Christenblut an Stelle'eines Spfer-, brauchen es als getrocknetes Blutpulver bei dem rituellen Act, brauchen es, um Tropfen davon in die Osterbrote fMazzes) zu geben, brauchen es beim Schließen von Ehen, wobei ei» Ei zerbrochen wird, woraus in jede Hälfte Christenblnl kommen muß, und brauchen es endlich beim Sterben,, tun die Füße der Leich t:

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