Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 163 (19.5.1895)
- Date
- 1895-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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IXr. '.freies N l a I I. •r::e :>. ansnche» wollte, in Gesellschaft dcS Gegners Sonneiiweiid »nd dcö Advocate» Kozanek bei einer jnngtschcchischcn. Bcrsaniiulnng in Bise»; war, ohne einen Substituten znrückgelasse» zu habe». Das k. Sberlandesgericht in Brünn wies diesen Reeurs mit folgender Begründung zurück: „weil zwar die gesetzlich bcstiniinlcn Serialtage, ivozu auch bei Angehörige» der jüdischen Eonfessio» der Sabbath ,.-höpt, zu beachten sind, die dieSfällige Nichtigkeitsbeschwerde aber nur ui Rahmen dcS Z 78 dcS bezogcntn Gesetzes, und zwar nur insofern -eltend gemacht werden kann, als der Partei die Möglichkeit, bei Gericht : verhandeln. durch die richterliche Bcrfügnng ihatsächlich entzogen li^ci ist. Nun wurde Sabl der Klagebescheid Dcccinbcr l»m, Z. 10.093, schon am ‘J-f. Tceembcr 1 CS*«*4 zugcstcllt; wenn ane> conscssioncllcn Gründen am -!9. Deceinber 1804 bei Gericht chl. erscheinen konnte, hatte er rechtzeitig dem Gerichte den urkund- , di c n )l achwciS, daß er d e r j ü d i s ch c u Eonscssio » a n> •liorc, vorzulegcn oder einen Bevollmächtigten eines anderen Eon- •Miui zur Berhandlung zu entsende», der ihn vertreten sollte, wozu ausreichend Zeit hatte." Die Erklärung eines weit und breit, bc- : inten MazzeSbäckerS, NamenS Joachim Sabl, daß er als, Jude am £ ibbath zu einer Tagfahrl nicht erscheinen könne, verbunden mit der Bille, einen anderen Tagfahrtöterniin anzilbcrannicn, ist nach obiger .? ,'schcidnng .nicht genügend, und cS muß fortab „ein urkundlicher WnluveiS" erbracht werden, ob Jemand, der Jude -ist, der jüdischen Gnscision angchöil. (DaS Soeument, bctresfcnd die Entscheidung deS l SbcrlandcSgcrichtcs in Brünn, >I>Io. 30. Jüniicr 1805, Z. 10:51, -.udel sich in der Rcdactiou des „freien BlaiteS".) Bl»» ZioilisulllS stclicilk. > In Ezcrnowitz fand vor Kurzem ,:.i Beriaiiinilnng des dortigen Lcfcvcrcincs „Zukuusl" statt, in io.'..!,er ein vom Ausschüsse gestellter Antrag zur Berhandlung kam. .3 Oi der 2 2 der Bereinsstalnlen dahin abziiändcrn, daß an stelle d:r l'iehcrigcn Bestiinmnng, betreffend die Antrechtcrhaltnng deS naiioluv./n Bewußtseins der Jude», eine solche wegen siöideruilg der BolkS tut Sn ng treten soll. In einer mehrere Stunden währenden DiSenssion wieien zahlreiche Redner darauf hin, daß die nationale Idee, wie sie namentlich von der jüdischen Jugend gepflegt werde, keine. Bercchliguiighal.. am allerwenigsten in Scstcrrcich. Der Jude dürfe in feinem wolüveistandciic» Interesse sich von seinen Mitbürgern nicht fcparircii, ionkern müsie mit ihnen Hand in Hand gehen; alle Bedingungen, eie rum Bestand: einer Nation gehören, das ist Sprache, Vaud :c., schien den Juden, und deswegen könne von ihnen als einer Naüon nicht gesprochen werden. Das' Band, das die Juden mit einander verbinde, fei die Eonfcssion und nicht die Nation. Schließlich wurde der-Antrag dcö Ausschusses auf Acndcrung der Statuten in dem oben bczeickmeten Sinne mit >53 gegen 18 Stimme» angenommen. Die kirchtiipolilischc Reform in UiMrii.i Im iingarischeu Magnatenhause kamen in der abgelaufcncn Woche die kirchenpolilischen '.lagen iicncrdingS zur Bcrhandlniig. Bei'der Bcraihnng über daS «besetz, belrcsscnd die freie Ncligionsübung, gelang es den Ncaclionäreii, .'.'der einen Erfolg zu erzielen, indem die Bestiininuiigen über die . . nsessionSlosigkcit abermals verworfen wurden. Weniger glücklich c» sie in Bezug auf daS Gesetz über die Nereplioii der Juden. ":.i vermochten sic nur die Ablehnung der llcberlriitsbestiinmuiigen!-'ibeiziiführen; alle übrigen Punkte der Borlage wurden aber angei.sinmen. Graf jfcrdinand Zichy, welcher, wie er sich anSdrückte, ..ans Liebe für die Jltdcn" die Rcceplion bekämpfte, war darüber sehr mtgcbracht und benahm sich in einer Weise, die ihm einen SrdnnngS- . lf zuzog. Bei der Zähigkeit der uiigarifchc» Liberalen ist wohl nicht aran zu zweifeln, daß sie schließlich alle Hindcrnisie überwinden und V Ncforinaction zu einem vollständigen Siege verhelfen werden. Ter onilict zwischen dem Minister hcS Acußcrn und dem ungarischcii ' 'luiinerpräsidcntcn wurde zu Glinstcii dcS Letztere» entschieden. Gras a 1 n o f l) erneuerte sein DemissionSgcsuch, welches der äiaiscr nun mehr gcnchniigtc. An dein Grafen Agcnor GoluchowSki, der zum künftige» Leiter unserer äußeren Politik auöerschcn wurde, werden die "vidcrsachcr der kirchenpolilischen Reform in Ungarn voraussichtlich tue Stütze finden. Tic Jude» lind Düs Handwerk.» Sic Berliner „Gesell- 1 diaft jnr Verbreitung deö HandwcrkcS und dcS Ackerau cs unter den Juden" hat soeben ihren Geschäftsbericht für kaS 81. BercinSjahr veröffentlicht. Die Berufsartcn, in denen die vom Bcrein unterstützten Lehrlinge beschäftigt sind, gehören fast allen Zweigen dcS Handwerkes an. Insgesamt»! belief.sich die Zahl der. ron der Gesellschaft unterstützten Lehrlinge auf 85. Leider war cS bisher nur möglich, etwa de» sechsten Thcil der Lehrlinge in dem der Gesellschaft gehörigen, zu Pankow bei Berlin befindlichen „Lehrlingsbeini" unterzubringcn. Räunilichkeitcii und Mittel gestatteten nicht, mehr als 15 Zöglinge aufzunehnicn. Das neue Institut, mit dessen Ban bereits im nächste» Monat begonnen wirk, ivird Raum - für 5<> - bis 00 Lehrlinge biete». Bo» de» jcpisten J»ia>'e» des Lchrlingsheiins sind Elektrotechniker, 1 GoldaiDeiter, 1 Holzbildhauer, 'J Liibo' graphen, ’J Maler, 1 MXchaniker,! 1 Modelleur, 2 Schucidei, 1 Schrisifctzer, 1 Sapezierer, I Uhr» ackier. Sie Erfolge, welche das Institut während der vier Jahre feincc Bestehens'gezeitigt Kai, sind so außerordentlich günstige nud cifrenlichf, daß es »es z» bed.anci» ist, wenn die Räumlichkeiten der Anstalt es leider noch nicht znlasie», die ganze Jüllc von Gesuchen um Aufnahme ans allen alieilen Senlsch landö jn das Heini zu berücksichtige». Mil um io .größerer Anerkennung ist cS zu begrüßen, daß »ia» seitens des B.reines' :etzt an den Bau eines neuen Hauses gehl, das den Zwecke» des Bereincs in aiiSrcichcndcrcin Maße iliechnnng tragen und zugleich in -bngiciii'cher »nd pädagogischer Hinsicht alle» Ansprüchen »ackitoiniueu ioll — Her „Bcrein zur I ö r d c r n n g des .Handwertes unter den Juden »nd Israelitische B o ri ch n ß v e r ei »" in Boten bat im abgclanscnen Jahre Darlehen .in der Höhe von 0430 Marr. ge währt lind für vierzehn Lehrlinge 100L 50 Marl verausgabt. Sie Zahl der Mitglieder ist ans 47^ gestiegen,' welelie Vni l s;, MH. Jahresbeiträge leisten Sas Bereinsverijiögen beträgt lO.'!7» » '.' '> Mark. Elcriie in Pmnilicr».' Aus Stettin werden ichösfengerichtliche Bcrhandlnngeii über antisemitische Ausschrcilnugen gemeldet, von.denen' i wir nur Notiz ' nehmen, weil Sie einige» 'Wiener Borfälleii gleichen > nüd wieder ciniiial zeigen, daß das Aijtiseniiiengesindel allerorten nbcr--! mülhig und roh ist.' Sic Stettiner Antisemiten. Renanratenr Earl! Papke »nd Schriitsieller Böckler, 'nbren -.ines Sag e vv» Pnritz! nach Stargard. S.ir' belästigten »nd le'chimvslen zwei' unk ihnen in demselben EoupSe fahrende Samen foiitgesevt durch nnÄallngc:»iedc»s-! arte» antiseiiiitischen Ebaratiers, die ibiedcrzngeben der Ansiand^ver- \ bietet. Der Staatsanwalt Zn Stargard erhob nn'u in Jolge einer Anzeige Anklage gegen die Beiden, sind' das Pinitzer Schösiciigerichl bewies auch für diese Belhälignng patriotischen SenlschlhnuiS fein j Berständ! iß und vernrtheille Papke zn U>o Mart und Böckler . zu z 5»0 Biark (Leldstrase: ziigleich iviirde de» Beleidigt,» das elrcchl j der Pnblieation des Unheiles ani ' aiostcir der Beiurtbeilten züj gesprochen. Brutal benahm sich ferner, der praktische Arzr!>r. »>,-ck.! H. irren er. Derselbe trat in vorglerückier L>.ichlstu»de ans einem j Restaurant aut' die Straße und riet einen ihm da'eldn begegnenden I älteren Herr» zii: „Sind Sie Jude'?!'. Scrielbe antwortete: „'Ich bin! ein chenio guter Ehrist wie Sie!" Hieraus riet-Sr ,rrei>er: „Sa schasse» Sie sich doch eine andere N'ase an!" 'Sen alte Herr.gerielh | hierüber iit Zorn und nannte den Sr. Jrener einen „dnnimcii i Junge»". Sie Antwort war eine Slirseige' Schließlicli sing der Arzt! auch »och an, mit einem Stock zn schlagen, was das Signal z» einer I größere» Schlägerei gab. Sr. irrener: wurde zn -‘>'0 Märt Geld fftrafc vcrnrtheilk. . | Aus Dem Lnildc Des ofiicicllrii Ailkisciuitisilllls. In einer f jüngst in Dresden erschienenen Broschüre von'W N'eiin'iann: „In- - disereiioiien über Leipzig und die Leipziger" erhielt auch der Anti! seniitisinuS die ihm gebührende Belenchtnng und ivird ihm direet. der! oft beklagte tkiückgang der Leipziger Bäesie aufs Eonto geschrieben.! Der Berfasier erzählt über die "'enesiS deS L.ipziger 'Antisem:risü»is: -! „Als in Berlin Stöcker dir deutsch sociale Bewegung inaiignriue und; die Studenten die ersten »nd die willigen Perbreiter des Aiiiitenizttsinus \ wurde», da folgte Leipzig bald nach. Aber Leipzig ließ sich selbst in l der antisemitische» Bewegung Zeit. Zuerst waren es studentische aireise, ' dann »ahmen sich einige Lehrer, die hei rliche Jngcizdbildiiea' sein .möge» der Sache an, und dann kochte der a .höllisch wild im Kessel ans und warf; .Manchen, der auch in dieser elrichknng - Mann blieb, mit Abscheu »nd Scham itiiemilifche Parteibrei. in Leipzig Blaien an die Sb.rfläche, die marschirte, aber, ein anständiger erfüllten. Das oifieicUe Leipzig aber stellte sich auf einen ganz befoitbiven Standpiinkt. Es mißbilligte die laute antifcniikifche Agitation und praktifchcstesi AntifeinitisinuS. » nd suchte zunächst die Israeliten ans den und in denen sie Leipzig ganz vortreifliche Dienste leistete», hinaus trieb selbst den angewaiidieslen Uifd das machte man alio: Man EhreiisteUcn, dir sie ciniiahmen, Dann verschloß man alle diese ichfani hormetisch und glaubte zubugsireii. Das macht nicht schwer, städtischen Ehrenämter vor ihnen glt damit eine superkluge Thal zu begehen Und wie nia» sich im öffentlichen Leben von ihnen abschloß, so lhat man cs i»i gesellschaftlichen Lebe». Lag da;» irgend ein Griind vor'? Außer der lächerlichen Sucht, die Mode deS AntifemiliSmuS mitzuiliftchen, nicht ein einziger. Der Berfasier dieser Zeilen ist weder Judej noch hat cr Gründ, für sie in die Schranken zu treten. Wer aber Leipzigs Meßuiedcrgang nnd das Enistcheii der Berliner Eoncurrcnz richtig beleuchten will, der muß diesen Punkt klarlege». Leipzig hat eine nümeriich kleine Anzahl von Israeliten.' Aber ein großer Thcil ^on diesen hat dazu beigerrageu,