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Freies Blatt · 1895-05-19 · 163 (19.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
163 (19.5.1895)
Date
1895-05-19
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Freie» schon einmal wegen schwerer Ehrenbeleidignng zu zwei Monaten Arrests «setzt durch 400 fl. Geldstrafe) vernrtheilt wurde, schwebt 'eine neuerliche Ehrenbeleidigungsklage. Teckert hatte im Februarhefte 'eines „wunderthäligen" Schmierblättchens einen israelitischen Kaufmann fälschlich deS Heudiebstahls und der Perleitung einer über diesen 'angeblichen Hendiebftahl als Zeugin;u vernehmenden Magd zum Meineide beschuldigt, den Bürgermeistcr deS betreffenden Ortes sowie den Oberlehrer wegen ihres Verkehres mit diesem Kaufmanne angegriffen und Letzteren überdies der Perderbniß der Jugend beschuldigt, lieber die von Leite der Beleidigten durch Herrn Tr. Heinrich Sleger eingebrachle .Klage wurde vom wiener Landesgerichte die Boruntersuchung eingeleilet, nach deren Abschluß Herr Tr. Steger die Anklageschrift überreichte. Tein von Teckert hiegegen erhobenen viiniimiel>e wurde vom OberlandeSgerichte nicht stattgegeben. Tie Perhandrung gegen den Hetzpfärrer -von Weinhaus dürfte demnach für . die SchwurgerichlSsession Juni anjieraumt werden. lLllltiscmiklsäic lliodbtil.) Am 1s. Mär; d. 3. führte Herr M Haß, öffentlicher Gesellschafter der FleischcommissionSfirma Ru dörrer d.- Haß, in der Großmarkl halle ein geschäftliches Gespräch mit einem Herrn li. Bauer. Ta milchte sich ein dem Haß gänzlich unbekannter Mensch ohne jeden Anlaß ein, rief dem Bauer zu: „Han dem Saujuden eine herunter!" und beschimpfte Herrn Haß, einen angeselieuen Kaufmann, Mitglied des (Gremiums der Kaizfinannschafl?e., in unfläthigster Weise. Herr Haß forderte den Beleidiger auf, seinen Ramen und seine Abreise bekannlzugeben, dieser aber verweigerte die 'Kennung seines RamenS, indem er erklärte: „Einem-Juden gebe ich meine Adresse nicht." Haß blieb nichts übrig, als seinem Gegner, welcher das Weite suchte, zu folgen, und erst auf dem Pölizeieomuliffariate,-wohin er sich und den Beleidiger überstellen ließ, erfuhr er den Rainen und die Adresse des Mannes. Es war der in der Margarethenstraße wobubafte Kaufmann Josef Barogg i. Haß überreichte nunmehr gegen Baroggi die Ehrenbeleidigungsklage, und wurde Baroggi bei der vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Landstraße stattgehabten Perhandlung, bei welcher Baroggi nicht anwesend war, nach durchgesührtem Beweisvertahren. im Sinne der Ausführungen des KlagevertreierS zu einer a ch t u n d v i e r; i g st ü n d i g e n A r r e ftft rafc u"n d z u m Kostenersatz verirrt heilt. Baroggi erhob gegen dieses llrtheil aut Grund eines ärztlichen Zeugnisies, wonach er verhindert -war, zur ersten Perhandlung zu erscheinen, den Einspruch, und es fand am l'i. d. M. eine, neuerliche Perhandlung statt. ' 3n (Gemäßheit der Anträge des Klagevertreters wurde das erste llrtheil vollinhaltlick, aufrechterhalle». Baroggi meldete die Berufung an. (Eine Anfrage an dir Antisemitciiliänptliiigt. Man schreibt uns: An die Antisemirenhäuptlinge stellen wir die Anfrage: Würden Sie Jemanden in Ihrer Kanzlei, bei 'Ihrem Blatte :e. beschäftigen, der bei einer Wahl gegen Sie mit allen Mitteln agitiren würde'? Würden Sie einen solchen Mann nicht sofort entlassen? Würden Sie ein derartiges Borgehen eine „brutale Wahlbeeinstussung" nennen? Warum haben Sie, Herr Schönerer, als. Sie vor Jahren mit Hilfe des damals unterwürfigen Vergani im Waldviertel gegen einen mit Jbrem deslruekivsn politischen Programme nicht einverstandenen Professor die „Hetze" eröffneten, um seine Pensionirung herbeirusnhren. nichts von „brutaler Beeinflnsinng" gesprochen? Weshalb waren Sie, Herr Schönerer, nicht moralisch entrüstet, als Ihr Schloß pfarrer sich erschoß, weil Sie ihn wegen angeblichen Diebstahls einiger Felberäste aus die Anklagebank brachten? U. A. w. g. l.Tic ZlldtlllierfolglNIg in Sliubllsch. Tie jüngsten Ereesse in Saubusch. von denen wir in der vorigen Rumnier des „Freien Blattes" Mittheilung geinacht haben, kamen auch im Abgeordnetenhanse zur Sprache. Tie Abgeordneten Tr Kronawetter, Prrncrstorser- und Genöfferz. richteten am 14. Mai an den Minister des Innern und an de» Justizminister folgende- Interpellation: ,ui 3a:'bii'di in 'Galizien wollie vor einigen Tagen der Advoealurseandidal Lr Sigmund Leier sich niedeilassc», der Magistrat verlangte jedoch von ibm bn Porleguvg eines Tauvcheine», und als er dies nicht lhal, .rollete» sich am 7. ' i'i Bürger der Stadl zmaminen, eibrachen die Wohnung, zertrünunerte» :e Einrichtnng m-.t zernönen die Xleidnngsnncke des -Adveeallirscandidalen. l i.-rr rrhe Paildaiisinns ipielle sich unter de» Augen der Beziiksbauplinan» . -i und «'ien'armerie ab Wiederbolt -winden bereits jüdiiche Staatsbürger, in S. -I-u ch in stoige :bres Berufes wobne» mißleip ja wgar k. I. Slaas- ---.iinle, -„'i:er den A lgen dei Behörde iNißhandell und ibre Wobnnngen deva- -::ri.. Ties ge'chal. ü. Ä. dem LezirkSgerichtsadjuncien Ladislaus Trobn er, dev tll' cieie Wen? aezwnngeii war, nicht au feinem Amtssitze, sonder» in einem . -. .ichbai:,» Tone zu wohnen. Tie Interpellanten fragen den Minister des Innern ilud den Justizminister, wie sie es rechtfertigen können, daß eine österreichi'che Geweinte die Annedlnug ro» der Beibringung eines TaukscheineS ab- 8 kalt. Nr. ItzZ ..hängig mache, und was sie vorzukehren gedenken, um einer solche» er«,sie» Rechtsverletzung künftig vorzubeuge». Diese Interpellation hätte schon am 13. Mai gestellt werden söge,, - dies unterblieb jedoch, «feil die hiefür erforderliche Anzahl von Unierschriften nicht aufgebracht wurde. Die Fragesteller hatten sich »äimjch wegen derselben an die Jungtschechen gewendet, .die es aber mit »»ai Freunden Lueger und Schneider nicht verderben wollten und daher ablehnten, bei einer solchen „Lappalie" mitzuthun. Die Bereinigte deutsche Linke ließ sich erfreulicherweise nicht durch Coalitionsrücksichten Rn l „ und ermöglichte dann, nachdem Mitglieder derselben um ihre U::;, schriften angegangen wurden, die Einbriiigung der Interpellation. — AuS Prag wird uns geschrieben: - 'Geehrte Redaeliou! Anläßlich des Falles in Saybusch kommt mir die Etiiinerung an ei: ,_i ähnliche Widerspenstigkeit und Jntoleraiiz der Bevölkerung in Lau» in st . im Jahre 1850. Es wohnken damals schon einige Inten daselbst, iheil gesessen, kheils im Amte (Pachte). Einen freien Zuzug wollten jedoch Bie.e nst-, dulden. Als die Familie Weil aus einer benachbarten.Stadt einzog, toi»!- ein Pöbelbaufen inner Anführung eines sogenannten Palriciers zusammen. . nt die Einrichtungsstücke vom Wagen herab, plünderte, zertrümmerte den Rest . - insultirie die Familie. Tie Frau war hochschwanger. Tie Sühne aber m r nicht au«, die Behörden wußten den Siaalsgesetzen Geltung zu verschassen. ^er Rädelsführer, Fleischhauermeister .»{., wurde zu einer empfindlichen .»teilet :,'e vernrtheilt, die er auch abbüßte. Tie angeseindete Familie blieb in Rinn gehörte bald zu den angesehensten de« Trtes. (C'ill ülltistlllitischcr Beamter.) Bor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Wieden stand am 10. Mai der Concipift der Rordwest bahn Tr. Max Freund als Kläger gegen den Privatbeamten Josts Weiß man n, weil ihn letzterer in. brutaler antisemitischer Weise in seiner Ehre gekränkt hatte. Wie der Kläger angab und mehrere Zeugen bestätigten, bestieg Tr. Freund in Gesellschaft seines Bruders und zweier Damen am 21. Jänner d. I. bei der Paulanerkirche einen Omnibus. Im Fond des Wagens saß der Angeklagte, ebenfalls in Gesellschaft einer Tarne und eines Mädchens. Dr. Freund machie die Beobachtung, daß der Herr und seine Begleiterin sich über ihn moquirten. Ta sich Tr. Freund trotzdem vollkommen ruhig verhielt, rief ihm Weißmann zu: „Sprechen Sie nicht so laut!", und die Tame seenndirte ihm mit dem Worte: „Iu d en sch u le!" Tr. Freund reagirle noch immer nicht. Ta ließ Weißmann die Aeußernng: „Jüdische Unverschämtheit!" fallen. Jetzt erst entgegnele Tr Freund: „Wenn es Ihnen hier nicht paßt, nehmen Sie einen Fiaker." Weißmann gerieth nun außer Rand und Band und belegte Tr. Freund mit mehreren Injurien. Der Seandal war so arg, daß man den Wagen halten ließ und einen SicherheitSwachmann regniririe, der beide Herren zum Commifsariat begleitete. Vor Gericht /konnte Weißmaun angesichts der zahlreichen Zeugen nicht leugnen, behauptete aber, pkdvorirt worden zu sein Ter'Richter bezeichnete es als unglaublich, daß ein gesitteter Mensch sich derart benehmen könne. Ter Kläger Tr. Freund wies darauf hin, das Ergebniß der Verhandlung Hab: gezeigt, daß Antisemitismus das Motiv der Beleidigung sei. Hierauf bemerkte der Richter: „TaS dürfen Sie nicht sagen, Sie machen sich sonst ebenfalls einer Ehrenbeleilngung schuldig." Tr. Freund erklärte, keinen anderen Grund entdecken z'n können,' nur seine krumme Rase könne den Gegner provocirt haben. Ter Richter fand Weißmann schuldig und verurtheilte ihn unter Berücksichtigung seines Geständnisses und seiner Aufregung zu f»»' G u l d e n Geldstrafe, eventuell 24 S tund e n A r r e st o ((vinc interessante Cntschciülliig.) Man schreibt uns Bisen;: Ein eigenthümlicher Rechtsfall, der vor dem k. k. Bezirks gerichte 'Gaya zur Perhandlung kam und eine oberlandesgerichtstne Entscheidung herbeiführle, dürfte nicht bloß Juristen, sondern nncii eine große Menge von Laien interessiren. Dcisthiesige weit und breck bekannte MazzeSbäcker Joachim Sabl war ' mit dem Baumeister 3 o n n e ii iu c n b aus Gapa in einen Bagatellproeeß gekommen r■- chatte die Vorladung zu einer Tagfahrt für einen Samstag erhal.v Ta Sabl ein strenggläubiger Jude ist, so stellte er an das k. k.' " zirksgericht in Gaya das schriftliche Ansuchen, man möge in? ■ betracht seiner Confession die Tagfahrt auf einen a ideren Tag a: setzen. Diesem Begehren wurde nicht willfahrt und Sabl, der Verhandlung nicht erschienen war, in contumaciam sachfällig. reichte an das k. k. Oberlandesgericht in Brünn einen Recurs -v.f schriftlichem Wege ein, in welchem er u. A. hervorhob, daß der 'Riein.r in Bagatellsachen, LandesgerichtSrath Trüka, an dem Tage, als er (Sabl) den mündlichen Reeurs einbringen und um eine neue Tagse.trt

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